Neue Folge des Geschichts-Podcast von volksfreund.de: Inflation, hohe Weinsteuer und Konkurrenz trieben die Winzer an der Mosel vor 100 Jahren in die Verzweiflung - bis hin zum deutschlandweit beachteten Sturm auf das Finanzamt im Moselort Bernkastel-Kues. Historiker Christof Krieger weiß mehr hierzu - und stellt die Frage, ob der Aufruhr nicht auch geplant gewesen sei.
Gewusst? Die Mosel ist das fünftgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands
Das rund 200 Kilometer lange Moseltal in Rheinland-Pfalz erstreckt sich vom Dreiländereck bei Schengen, wo Deutschland, Luxemburg und Frankreich aufeinanderstoßen, bis zur Rheinmündung bei Koblenz. Der Fluss ist vor allem zwischen Trier und dem Rhein von Steillagen geprägt. Der steilste Weinberg Deutschlands ist der Calmont bei Bremm. Städte wie Trier, Koblenz, Bernkastel-Kues, Traben-Trarbach, Zell und Cochem ziehen etliche Touristen an, die im Sommer das Tal auch mit Fahrrad oder Wanderschuhen erkunden. Das sich windende Flusstal mit einer Länge von rund 200 Kilometern wird zudem ergänzt durch die ebenso weingeprägten Täler der Nebenflüsse Saar und Ruwer.
Den Wein brachten übrigens einst die Römer an die Mosel - und widmeten dem Fluss auch ein heute berühmtes Gedicht. Sein Autor war der Lehrer und Politiker Ausonius (mehr über ihn erfahrt ihr übrigens in einer anderen Folge von Porta, die ihr hier aufrufen könnt (LINK)): https://www.volksfreund.de/83667711
Unser Gast am Mikrofon
Dr. Christof Krieger ist Leiter des Mittelmosel-Museums in Traben-Trarbach. Er forscht intensiv zur Geschichte der Wein-Wirtschaft an der Mosel. Der Historiker hat einen Bereich erforscht, zu dem bislang kaum seriöse Erkenntnisse vorlagen. In seiner 2018 als Buch erschienenen Doktorarbeit hat er akribisch die Geschichte der Weinpropaganda im Dritten Reich am Beispiel des Anbaugebiets Mosel, Saar und Ruwer aufgearbeitet. Er hat dafür zehn Jahre lang zumeist unveröffentlichte Quellen gesichtet und ausgewertet. Einen Beitrag hierzu könnt ihr auf volksfreund.de lesen (LINK): https://www.volksfreund.de/32872105
Der Experte hat zudem Aufsätze zum Thema publiziert:
- Christof Krieger: Winzernot und Weimarer Staatsräson. Der Sturm auf das Finanzamt in Bernkastel 1926. In: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte 46 (2020), Seite 77-122.
- Christof Krieger: Das ungelöste Rätsel des Bernkasteler Finanzamtssturmes. Spurensuche 100 Jahre nach den legendären Winzerunruhen. In: Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich. 49 (2026), Seite 134-150.
Winzersturm vor 100 Jahren: Vorträge an der Mosel
„Die verborgenen Hintermänner des Bernkasteler Finanzamtssturmes von 1926“, so lautet das Thema eines Vortrages, in dem Christof Krieger dem Rätsel der bis heute unbekannten Anstifter des legendären Winzertumults nachspüren möchte. Anhand bislang noch unveröffentlichter Quellen ist der Historiker auf zahleiche Spuren gestoßen, die darauf deuten, dass die geheimnisvollen Organisatoren der Unruhen tatsächlich aus dem Moselort Kröv stammten. Die Veranstaltung findet in Kooperation des „Arbeitskreises für Heimatkunde e.V.“ in Traben-Trarbach mit dem Verein „KultUrScheune e.V.“ am Freitag, dem 27. Februar 2026, 19.00 Uhr, in der „Kulturscheune Kröv“ (Staffelter Hof, Robert-Schumann-Straße 208) statt. Der Eintritt ist frei. Eine Wiederholung des Vortrags ist zudem für Freitag, dem 20. März, in Bernkastel-Kues geplant.
Winzersturm 1926: Ausstellung in Bernkastel-Kues
Am 25. Februar 2026 wird in der Güterhalle in Bernkastel-Kues ab 18 Uhr ein Festvortrag sowie eine Podiumsdiskussion stattfinden, die das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchtet. Der Eintritt ist kostenfrei, jedoch ist eine Anmeldung erforderlich: [email protected]
Ab dem 26. Februar ist die Ausstellung „100 Jahre Winzersturm von Bernkastel – Protest in der Demokratie“ im Foyer der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues für Besucher geöffnet. Bis zum 31. Dezember 2026 können sich Interessierte über den 100-jährigen Winzersturm, die Hintergründe und Auswirkungen informieren. Der Eintritt für die Ausstellung ist kostenfrei.
Über den Volksfreund-Podcast "Porta"
"Porta - Das Tor zur Geschichte" erscheint regelmäßig auf volksfreund.de sowie allen gängigen Streamingportalen. Der Podcast des Trierischen Volksfreunds geht historischen Ereignissen und Persönlichkeiten aus unserer Region nach und wird von den Volksfreund-Redakteuren Miguel Castro und Alexander Wittlings moderiert. Wiederholt sind Kollegen und Kolleginnen aus der Redaktion mit zu Gast am Mikrofon. Noch mehr Episoden und Infos findet ihr auf https://www.volksfreund.de/porta. Ihr habt Fragen, Anregungen oder Kritik? Schreibt uns an [email protected]
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