Über 70 Prozent der Deutschen haben schon einmal Tischtennis gespielt, es gibt mehr als 15.000 Platten im Land und trotzdem kaum ein überdachtes, kommerzielles Angebot in der Innenstadt. Waldemar Zeiler und Kian Pariwar haben mit Ding Dong Ping Pong in Berlin genau diese Lücke besetzt: ein personalloser Tischtennis-Club, der über eine App gesteuert wird, ab 25 Prozent Auslastung profitabel ist und im Februar bei 53 Prozent lag. In dieser Videofolge trifft Sebastian Voigt seine Gäste direkt an der Tischtennisplatte und spricht mit den beiden Gründern über ein Geschäftsmodell, das zwischen Billard und Padel positioniert ist, und über die vielleicht ungewöhnlichste Pricing-Herausforderung im Sport: „Ich glaube, der Ankerpreis ist 0 Euro bei den Leuten in den Köpfen, wenn du gehst raus an die Platte."
Der Club in Berlin-Prenzlauer Allee funktioniert ohne Personal vor Ort. Licht, Zugang, Punktezählung und Videoaufzeichnung laufen über App, Bildschirme und Sensoren unter dem Tisch. Das Preismodell ist klar zweigeteilt: 15 Euro pro Stunde in der Off-Peak-Zeit, 20 Euro abends und am Wochenende, eine Membership für 59 Euro im Monat inklusive Gast und 50 Prozent Rabatt außerhalb der Happy Hour. Dazu ein Video-Download der gespielten Stunde für 15 Euro. Warum kein Café, kein Personal, keine Gastronomie? Waldemars Antwort ist knapp: „Gastro ist gleich Personal, ist gleich Pain." Dass das Modell skaliert, zeigt der erste Franchise-Standort in Essen, intern „Friend-Chise" genannt, mit weiteren Standorten in Hamburg und Berlin in Planung.
Außerdem in dieser Folge: Wie eine Spezialkamera am Center Court den Spin des Balls misst, Profis kommen auf 160 Rotationen pro Sekunde, Hobbyspieler auf 40 bis 50, und was das für Coaching-Angebote bedeutet. Wie ein KI-System erkennt, wenn jemand oberkörperfrei spielt, und automatisch per Sound und Licht eingreift. Warum eine One-Point-Challenge mit 65 Teilnehmern à 10 Euro finanziell ein Minus war, aber marketingtechnisch ein klarer Gewinn. Und wie ein Repost von Timothée Chalamet auf Instagram einem kleinen Berliner Club millionenfache Reichweite bescherte.
Waldemar Zeiler ist Mitgründer von Ding Dong Ping Pong und verantwortet Marke, Marketing und Design. Um das Geschäftsmodell zu prüfen, flog er nach New York, mietete sich direkt neben dem dortigen Tischtennis-Club ein und beobachtete das Treiben mit Jetlag quasi rund um die Uhr. Er sieht Tischtennis als IRL-Gegenbewegung zur Digitalisierung: echte Begegnungen, echter Sport, echter Ort. Nebenbei investiert er nach eigener Aussage 100 Prozent des Profits in seine eigenen Tischtennis-Skills.
Kian Pariwar ist Mitgründer von Ding Dong Ping Pong und verantwortet Technologie, Finanzen und operative Prozesse. Der gebürtige Essener hat für das Projekt sogar die Starterausbildung zum Tischtennis-Trainer absolviert und berechnet den Break-Even per Bottom-up-Kalkulation auf Basis aller Kostenblöcke. Da er direkt um die Ecke des Clubs wohnt, erklärt er regelmäßig Neugierigen, die durchs Fenster schauen, wie das Konzept funktioniert. Dass der erste Franchise-Standort in seiner Heimatstadt Essen eröffnet, freut ihn besonders.