Manja-Christina Reuter ist die Koordinatorin des Leibniz-Forschungsverbundes "Nachhaltige Lebensmittelproduktion und gesunder Ernährung". Sie sagt: Landwirtschaft wird häufiger als Kreislauf organisiert werden müssen und individualisierter, aber dadurch auch teurer werden. Und wir müssen Ernährungsgewohnheiten und Produktionsverfahren umstellen.
DW:
Werden wir künftig alle davon satt werden, dass wir jetzt Gemüse im Hochhaus und in der Stadt anbauen? Was halten Sie davon?
Manja-Christina Reuter:
Gemüse im Hochhaus anzubauen, ist sehr zukunftsweisend und solche mehr-etagigien großen Gewächshäuser gibt es ja schon. Da spart man Wasser, da spart man Dünger und das kann sich dann rentieren für Kräuter- oder Salatanbau. Allerdings ist das sehr stromintensiv und ich denke, dass große Flächen immer noch für die Produktion von Roggen, Weizen, von Kartoffeln gebraucht werden.
Also wir brauchen nach wie vor noch die Ackerflächen. Sei forschen ja auch an einer individualisierten Landwirtshaft oder an Lösungen für eine individualisierte Landwirtshaft. Was ist das genau? Haben Sie da ein Beispiel?
Es geht da um die individualisierte Tierproduktion, um das Tierwohl stärker zu berücksichtigen und z.B. dann dafür zu sorgen, dass, wenn die Kuh gemolken wird, dass das Melksystem automatisch erkennt, ob viel Milch in einer Zitze im Euter ist, oder nicht. Und so wird dann das Eutergewebe geschont.
Das heißt, das ist einfach eine clevere Melkmaschine, die da eingesetzt wird?
Ja, genau. Es geht uns um intelligente Lösungen in der Landwirtschaft, und auch z.B. die kleinflächige Erkennung von Nährstoffbedarf auf einer Fläche. Dann kann also kleinflächig gedüngt werden. Dann wird nicht eine Ackerfläche überall gleichmäßig gedüngt, obwohl es nicht nötig wäre. Da spart man Dünger und das schont die Umwelt. Und da tut man auch etwas für den Klimaschutz.
Das sind ja jetzt Lösungen für die Landwirtschaft, aber müssen wir nicht auch grundsätzlich an unsere Ernährungsgewohnheiten ran? Müssen wir die tatsächlich umstellen? Wie sehen Sie das?
Auf jeden Fall ist es gut, wenn wir uns stärker bewusst werden: Was bedeutet es, wenn ich ein spezielles Essen auf meinem Teller habe. Ob ich Fisch wähle, ob ich Rindfleisch wähle als Proteinlieferant, ob ich vielleicht Sojabohnen oder Erbsen wähle.
Bleiben wir vielleicht einmal beim Fleisch. Fleisch zu produzieren ist ja wahnsinnig intensiv und viel Experten sagen ja, das können wir uns auf die Dauer gar nicht leisten.
Ja, wie ernähren wir die wachsende Weltbevölkerung, ist ja die Frage, die dahinter steht und da gibt es auf jeden Fall die Möglichkeit, umzudenken und weniger Fleischkonsum in industrialisierten Ländern zu realisieren. Es gibt eine steigende Nachfrage z. B. in Brasilien oder in China nach Fleisch, nach tierischen Eiweißen. Das wird auf lange Sicht nur möglich sein, wenn es ein gewisses Umdenken der Verbraucher gibt.
Umdenken ist das eine sicherlich, aber womit könnten wir denn das Fleisch ersetzen?
Eine mögliche Alternative sind da Insekten und da gibt es die Möglichkeit z.B. Insekten in verarbeitete Produkte zu integrieren, z.B. Kekse mit Mehlmaden darin aus Mehlwürmern.
Haben Sie die schon gekostet?
Meine Kollegin hat die gekostet und die sind wohl sehr lecker. Oder Insektenriegel statt Schokoriegel zu essen. Das sind Möglichkeiten für uns jetzt als Verbraucher und natürlich könnte auch Fischfutter im größeren Stil die Insektenkomponente als Proteinlieferant nutzen.
Ein letzter Tipp – Sie haben ja zwei Töchter – worauf achten Sie da bei der gesunden Ernährung?
Dass es viel Gemüse gibt, unterschiedliches Gemüse, viel Obst und viel regionale Produkte.
(Interview: Maria Grunwald)