
Sign up to save your podcasts
Or


„Das ist bestimmt nur Placebo.“ – Diesen Satz haben wir alle schon einmal gehört oder sogar benutzt. Doch wird man damit einem Effekt gerecht, der nicht nur einen wesentlichen Anteil der Wirkung von Medikamenten ausmacht, sondern auch ganz unmerklich unseren Alltag durchdringt?
Gemeinsam mit dem Medienwissenschaftler Martin Andree widmen wir uns in dieser Folge dem Placeboeffekt in all seinen Facetten. Wir sprechen über Placebos, Nocebos, Psychosomatik, Homöopathie, Medienwirkung, Placebo-Operationen, Marketing, Sport und Dr. Google. Außerdem klären wir, warum die Geschichte der Medizin eigentlich eine Geschichte des Placebos ist, warum Musik und Ärzt:innen wie Drogen wirken, ob man an einem Nocebo sterben kann und warum Beipackzettel einen Beipackzettel brauchen.
Literatur:
Antidepressiva gelten in Zeiten steigender Depressionsraten und fehlender Therapieplätze für viele als Mittel der Wahl. Heute werden sie rund achtmal häufiger verschrieben als noch in den 1990er-Jahren. Gleichzeitig ist ihre Wirksamkeit seit Jahren Gegenstand kontroverser Debatten. Besonders seit 2008, als Irving Kirsch und sein Team in einer Metaanalyse unveröffentlichte und veröffentlichte Studien der US-amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA auswerteten. Ihr Ergebnis: Antidepressiva wirken — wenn überhaupt — nur bei sehr schweren Depressionen stärker als ein Placebo. Die Studie findet ihr hier.
Sowohl in der klinischen Praxis als auch in der Forschung herrscht bis heute Uneinigkeit: Sind Antidepressiva Fluch oder Segen? Viele Betroffene profitieren kaum oder gar nicht von der Einnahme, manche kämpfen mit starken Nebenwirkungen, andere haben große Schwierigkeiten beim Absetzen.
Zu Gast ist Prof. Dr. Nils Kroemer. Er ist Professor für Medizinische Psychologie an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, leitet eine Arbeitsgruppe im Bereich Translationale Psychiatrie an der Eberhard Karls Universität Tübingen und das NeuroMADLAB. Sein Forschungsschwerpunkt: die neurowissenschaftlichen Grundlagen von Motivation, Handlungen und Verlangen. Er untersucht, welche Rolle Motivation beziehungsweise Antriebslosigkeit im Rahmen einer Depression spielt und inwiefern sich Motivation durch körpereigene Mechanismen wiederherstellen lässt – um depressive Symptome lindern zu können. Im Gespräch erklärt er außerdem, wie Antidepressiva entwickelt wurden, wie sie wirken und warum er sie trotz aller Kritik für einen wichtigen Baustein in der Behandlung von Depressionen hält.
„Die Obdachlosen sind die Zeugen der Wahrheit, die die Gesellschaft nicht hören will“, schreibt Adorno in seinen Minima Moralia. Diese Wahrheit ist unbequem. Sie zeigt sich im öffentlichen Raum, in Großstädten, in Köln etwa an Orten wie dem Neumarkt oder dem Wiener Platz.
In dieser Folge fragen wir: Wem gehört der öffentliche Raum? Und was bedeutet er für diejenigen, die keinen privaten Raum haben?
Gemeinsam mit Claudia und Bina von Vision e.V. und dem Journalisten Max Hübner sprechen wir über die aktuelle Situation wohnungsloser und konsumierender Menschen am Beispiel Köln, über Rückzugsorte, Drogenkonsumräume – und darüber, was sich ändern muss.
Diese Folge wurde am 19.6.2025 live in der Grotte des Schauspiel Köln im Rahmen der Veranstaltungsreihe Studiobüdchen aufgenommen.
In dieser Folge erzählt der Anthropologe Nicolas Langlitz von seiner Forschung und aktuellen Entwicklungen im Feld der Psychedelika.
Nicolas Langlitz ist Professor für Anthropologie an der New Yorker Universität The New School for Social Research. 2012 erschien sein Buch »Neuropsychedelia«, eine anthropologische Studie über die die Wiederaufnahme der Psychedelika-Forschung. Seitdem hat er zahlreiche weitere Artikel zum Thema Psychedelika veröffentlicht.
Im Gespräch geht es um Feldforschung in neurowissenschaftlichen Laboren, die psychedelische Renaissance, Forschung zwischen Mystik und Materialismus, Aldous Huxley und seine perenniale Philosophie, psychedelische Plattitüden, die Paradoxien der geisteswissenschaftlichen Psychedelika-Forschung, Ich-Auflösungen in Zeiten von Identitätspolitik, das Interesse der politischen Rechten an Psychedelika und deren Liberalisierungsvorhaben, die Krise der Psychopharmakologie, nicht-psychedelische Psychedelika, der Stand von Psychedelika in Deutschland und das Buch als extrapharmakologischen Faktor.
Literatur:
Nicolas Langlitz: »Neuropsychedelia. The Revival of Hallucinogen Research since the Decade of the Brain«. Berkeley 2012.
–: »Rightist Psychedelia«. In: Cultural Anthropology, Hot Spots, Fieldsights, 10 July 2020.
–: »What Good Are Psychedelic Humanities?«. In: Frontiers in Psychology 14 (2023).
–: »The Paradoxes of Psychedelic Humanities«. In: Rob Lovering (Hrsg.), Palgrave Handbook of Philosophy and Psychoactive Drug Use. Cham 2024. S. 281-297.
–: »Psychedelic Innovations and the Crisis of Psychopharmacology«. In: BioSocieties 19 (2024), S. 37-58.
–: »Das Buch als extrapharmakologischer Faktor«. In: Ines Barner et al.(Hrsg.): Über Bücher. 101 Texte und Bilder für Michael Hagner. Göttingen 2025. S. 39-42.
Auf Nicolas' Website könnt ihr viele seiner Artikel herunterladen:
Augenringe, blasse Haut, extrem schlanke Körper – inszeniert vor heruntergekommenen Industriefassaden. Der Heroin Chic war eines der prägendsten und umstrittensten Modephänomene der 90er-Jahre und zumindest der Begriff erlebt seit kurzem ein Comeback.
Aber wie genau funktioniert der Heroin Chic eigentlich? Warum kaufen wir Kleidung, die von kränklich wirkenden Models beworben wird? Und was verrät das über unsere Gesellschaft?
Corinne Day – Georgina, Brixton:
Calvin Klein Kampagne mit Kate Moss:
Raf Simons Kampagne:
Bill Clinton Rede:
Literatur:
Arnold, Rebecca: Heroin Chic. In: Fashion Theory. The Journal of Dress, Body & Culture. 3 (1990), S. 279-295.
Sontag, Susan: Krankheit als Metapher. Frankfurt 1996.
Weis, Diana: Somästhetik. Moderne, Drogen und Depression. In: Pop. Kultur und Kritik. Bielefeld 2019. 14 (2019), S. 25-35.
Aus den Blättern des Kratombaums wird in Indonesien, Thailand und Malaysia traditionell ein Tee gekocht, der Schmerzen lindert und entspannt. Verbreitet ist außerdem die Blätter zu kauen, um länger wach bleiben und schwere körperliche Arbeit besser aushalten zu können. Kratom ist ein leichtes Opioid und wird deshalb vor allem in den USA immer beliebter: Die Opioidkrise lässt Menschen nach Alternativen zu etwa Fentanyl suchen. Unternehmen entwickeln Kratom-Extrakte, die sehr viel potenter sind, als die reinen Blätter oder das daraus gewonnene Pulver. Kratom gewinnt auch in Deutschland mehr Aufmerksamkeit. Toxikologe Fabian Steinmetz erklärt in dieser Folge, warum das so ist und warum Kratom ihn schon sehr viel länger interessiert.
Fabian Steinmetz arbeitet als Toxikologie bei Delphic HSE und engagiert sich als aktives Mitglied beim Drogenexperten-Netzwerk Schildower Kreis und beim Deutschen Hanfverband Darmstadt.
Obwohl Khat in manchen Ländern von mehr als der Hälfte der Bevölkerung konsumiert wird, ist es hierzulande kaum jemandem ein Begriff.
In dem Vortrag "Sexualtabus und Recht heute", den Theodor W. Adorno 1967 vor Studierenden der Uni Wien hält, stellt er die Frage, warum "Rauschgiftsüchtige" mit einer so allgemeinen Wut verfolgt werden. Diese Wut könne nicht mit der Schädlichkeit der Substanzen erklärt werden, denn die Frage, wie schädlich sie tatsächlich sind und welche es vielleicht überhaupt nicht sind, werde nicht zur geprüft. Noch heute gibt es Tabus und scheinbar gefallene Tabus, die eine solche Wut auslösen.
Stefan Hain war bereits Gast bei Provisorisch legal. In der Folge "Keine richtige Therapie im Falschen?" sprechen wir über Freud, Psychotherapie und Kritik an ihr. Stefan Hain hat Psychologie in Frankfurt a.M. und Berlin studiert. Für die Platypus Review schreibt er regelmäßig Artikel über marxistische Fragestellungen.
Wer ihn lieber hört, findet ihn hier..
LSD und Psilocybin sind vielen Menschen ein Begriff. Doch woher kommen diese Substanzen überhaupt und wie wurden sie entdeckt?
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde zwischen Medikament und Droge nicht unterschieden. In der Apotheke waren alle Substanzen gleichermaßen erhältlich. Die berauschenden und bewusstseinserweiternden Effekte einiger dieser Substanzen, wurden vor allem für die Romantiker zur Inspirationsquelle – und riefen sogleich die Gegner von Rausch und Müßiggang auf den Plan.
From the publisher's feed

324 Listeners