So sehr aus den Schilderungen erkennbar ist, wie stark Patienten unter erlebten Eigenarten der Eltern, sei es Mutter oder Vater bzw. auch beide zugleich, zu leiden hatten, so wenig ist in ihnen in den meisten Fällen ein Bewusstsein vorhanden, dass sie selbst viele dieser beschriebenen Persönlichkeitszüge verinnerlicht haben. Dies bedeutet und hat zur Folge, dass sie sich im Erleben anderer durchaus in gleicher Weise wahrnehmen lassen, wie sie es in ihren Schilderungen von der eigenen Mutter oder dem eigenen Vater berichten.
Somit ist es nichts Ungewöhnliches, wenn ein Patient, der von der Kälte, Distanziertheit, Uneinfühlsamkeit sowie der stets berechnenden und selbstbezogenen Haltung seiner Mutter berichtet, welcher er sich immer ausgesetzt fühlte, in seinem eigenen Denken, Empfinden und Verhalten die gleichen Züge erkennen lässt. Dies zeigt sich unter anderem in den Schilderungen seiner aktuellen Konflikte und Auseinandersetzungen mit seiner Ehefrau, dem Sohn oder der Tochter, Geschwistern und den berichteten sozialen Situationen aus seinem privaten und beruflichen Umfeld. Anhand seiner Schilderungen lässt sich sehr deutlich erkennen, wie wenig einfühlsam er für die Bedürfnisse und Nöte der anderen ist, wie kalt und distanziert er seine Beziehungen gestaltet und zugleich stets um sich selbst besorgt ist, stets das Gefühl hat, zu kurz zu kommen, sich in allen möglichen Situationen benachteiligt fühlt und sein Verhalten nach dem Prinzip „Angriff ist die beste Verteidigung“ ausgerichtet hat.