Der Sportjournalist und ntv-Autor Tobias Nordmann diskutiert mit Mario Thunert, ob der FIFA-Präsident endgültig stürzt, oder seinen Kopf nochmal aus der Schlinge ziehen kann.
Aus aktuellem Anlass beschäftigt sich «Thunerts Thema» erneut mit Gianni Infantino. Nach seinem kürzlich gescheiterten Investoren-Deal wankt der FIFA-Präsident so stark wie noch nie. Doch ob er auch wirklich stürzt, ist keinesfalls gesichert.
Der Schweizer hatte den Plan forciert, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen – in der FIFA Forward Enterprise sollten die kommerziellen Rechte der Veranstaltungen gebündelt werden, um genau das zu ermöglichen.
Dabei wollte Infantino rund 20 Prozent einer solchen Gesellschaft an private Investoren verkaufen. Die FIFA bewertete das Konglomerat mit 20 Milliarden US-Dollar, etwa 4,2 Milliarden Dollar sollten Investoren beisteuern. Zu ihnen gehörte eine Firma von Joshua Kushner, dem Bruder von Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner.
Nicht nur der mediale Aufschrei war riesig, nachdem die Pläne bekannt wurden. Vor allem auch die UEFA mit sämtlichen europäischen Verbänden positionierte sich in ungewohnter Schärfe und ungewohnter Geschlossenheit gegen den FIFA-Boss. Inzwischen Boykottieren die Europäer den Weltverband – Norwegen fordert Infantino sogar zum Rücktritt auf.
Ein weiterer Aspekt ist die öffentliche Stimmung, beziehungsweise die Haltung der Fußball-Verfolger. Das Funktionieren des Kreislaufs ist von der Autoritätszuschreibung der Zuschauergemeinden abhängig, die die WM und ihren Pokal als etwas Großes, sportlich vielleicht als das Größte idealisieren. Dieser Bezug bröckelte schon in den letzten Jahren und gipfelte im Affront um die rote Karte von Balogun bei der diesjährigen WM.
Ein Ausverkauf des Sports an Investoren hätte die angeschlagene Unabhängigkeit nun weiter erschüttert, die autarke Souveränität existenziell gefährdet – sollte man meinen. Denn: Das die Reaktion auf Infantinos Machenschaften weder in Kontinentalverbänden, noch in Zuschauerkreisen einheitlich konsequent ausfällt – auch das hat sich in der Vergangenheit herausgestellt. Zu unterschiedlich sind die Interessenlagen, zu unterschiedlich sind die kulturellen Bezüge im internationalen Vergleich.