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Der Musikhistoriker und Kulturmanager Michael Nemeth spricht über seinen Werdegang, seine Familie und prägende Erinnerungen.
2700 Mitglieder zählt der Musikverein für Steiermark mittlerweile, die das Team rund um Michael Nemeth betreut. Antonia Pötsch ist Dramaturgin und zudem für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Elisabeth Probst ist die Referentin des Generalsekretärs.
Michael Nemeth bewegt sich als Generalsekretär und künstlerischer Leiter des Musikvereins für Steiermark zwischen Tradition und Innovation.
Im Künstlerzimmer mit Helmut Deutsch, Krassimira Stoyanova, Olga Scheps, Andrés Orozco-Estrada, Jan Nast und Markus Schirmer.
Im Auslandskulturjournal spricht diesmal der Andreas Wenninger. Er ist Attaché für Wissenschaft und Bildung der Österreichischen Botschaft in Kiew und leitet als Direktor die OeAD-Kooperationsstelle Lemberg.
Hier hören Sie, wie Andreas Wenninger aus Lemberg nach Österreich gekommen ist.
Die tschechisch-deutsche Initiative Musica non grata bemüht sich, eben diese wieder auf die Spielpläne zu bringen. Musica non grata, in der Vergangenheit unter anderem von den Nationalsozialisten unerwünschte Musik. Gestern hatte in diesem Zyklus am ehemals Neuen Deutschen Theater in Prag Franz Schrekers Oper „Der ferne Klang“ Premiere. Musikchefin Ursula Magnes hat sich mit dem Zug nach Prag aufgemacht und berichtet über den gestrigen Abend.
Die Oper „Der ferne Klang“ von Franz Schreker ist eine Ikone der Musik des 20. Jahrhunderts. Ein Meilenstein am Weg in die Moderne. Die Uraufführung 1912 in Frankfurt/Main brachte Franz Schreker den internationalen Durchbruch. Seine erfolgreiche Berliner Karriere als Lehrer zahlreicher, heute prominenter Schüler, ist von den Nationalsozialisten unterbunden worden. Im schleichend totalitären System war Schreker unerwünscht. Eine schmerzliche Lücke, die erst ein in den 1970er-Jahren abgehaltener musikwissenschaftlicher Kongress in Graz, mit einer langsam einsetzenden Schreker-Renaissance schloss. Zuletzt gab es 2015 den „Fernen Klang“ an der Grazer Oper zu erleben.
Am 20. Mai 1920 war es Alexander von Zemlinsky, der die Musik seines Freundes Franz Schreker „Zum Besten des Deutschen Theatervereins“ in Prag herausbrachte. Die aktuelle Fassung für die gestrige Premiere stammt vom jungen russischen Regisseur Timofey Kulyabin und dem Dramaturgen Ilya Kuharenko. Die drei Akte lassen mit zwei Pausen auch Zeit für genügend frische Luft.
Der Inhalt der Oper „Der ferne Klang“, für die Franz Schreker wie für die meisten seiner Opern, das Libretto selbst verfasste, dreht sich um den Komponisten Fritz und seine Geliebte Grete. Er verlässt sie auf der Suche nach dem reinen, perfekten Klang. Gretes Vater wiederum verspielt Grete im Rausch an den Wirt. Sie flieht zutiefst gekränkt. Als berühmte Kurtisane begegnet Grete Jahre später Fritz erneut. Er wirbt mit einem Lied um sie. Als Fritz erkennt, was aus ihr geworden ist, wendet er sich mit Schrecken ab. Im 3. Akt fällt seine Oper „Die Harfe“ durch. Grete sucht ihn auf, doch ist es zu spät. Fritz stirbt aus Erschöpfung in ihren Armen.
Regisseur Timofey Kulyabin lässt die Oper in einer modernen europäischen Stadt spielen. Fritz ist ein ambitionierter Kompositionsprofessor und Grete ein junges Mädchen, seine Studentin und Geliebte. Es geht dem Regisseur weniger um das Bild des Fernen Klanges als vielmehr um das Recht der Frau auf Selbstverwirklichung und das Recht ihre Talente zu leben.
Franz Schrekers Musik ist so überbordend prall an Klängen, dass sie auch ohne Worte auskommen würde. So findet in der Musik statt, was sich auf der Bühne kaum als Erlebniszauber wiederfindet. Die Kluft zwischen dem Unbewussten des „Fernen Klanges“ und einer Geschichte der Geschlechter, die in ihren gesellschaftlichen Rollenbildern stecken, schließt sich nicht. Dafür sind Timofey Kulyabin keine entsprechenden Bilder eingefallen. Lediglich das stumme Double der Grete lässt etwas an innerer Bewegung aufkommen. Bis zum Schluss bleibt jegliches Geschehen auf Distanz: ob im Wirtshaus, im Dark-Room des Freudenhauses oder im Künstlerzimmer des Komponisten. Grete geht relativ ungerührt wieder weg. Wäre spannend zu sehen, wohin sie das Leben nach den Machenschaften des Vaters und Fritz wiederholter Ablehnung führt.
Die Partien der Grete und des Fritz sind äußerst fordernd. Svetlana Akse
Gedanken zum Evangelium von Kardinal Christoph Schönborn, am 20. März 2022.
Lukas 13, 1-9
Umkehr ist das Schlüsselwort, im heutigen Evangelium und in Jesu Botschaft überhaupt. Eigentlich müsste dieses Wort uns allen in den Ohren klingen. Es ist das Schlüsselwort unserer Zeit. Die bloße Vernunft sagt es uns und auch das Gespür, das Bauchgefühl. Ohne Umkehr sieht die Zukunft düster aus: Klimawandel, Wirtschaftskrise, Kriegsgefahr, bedrohliche Szenarien überall. Aber lässt sich der Lauf der Dinge noch umkehren? Geht nicht alles in Richtung eines großen Crashs, einer globalen Katastrophe? Was kann da die Mahnung Jesu ausrichten?
Gestern Abend hat die zweite Premiere des diesjährigen Opernfestivals in Lyon stattgefunden. Einer jener Opernabende, mit denen sich Michael Gmasz als Rezensent ein wenig schwergetan hat. Irrelohe, eine Oper von Franz Schreker aus den frühen 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, mit einer spannenden Geschichte, die Schreker selbst innerhalb weniger Tage zu Papier gebracht hat. Und einer saftigen Musik, die der Hollywood Ära jener Zeit auch alle Ehre gemacht hätte. Mehr dazu wieder frisch aus Lyon.
Thema des diesjährigen Opernfestivals in Lyon ist ja Familiengeheimnisse, und auch in Irrelohe dreht es sich, wie schon bei Rigoletto, um einen Familienfluch. Dieser lastet nämlich auf den Männern des Adelsgeschlechts auf Schloss Irrelohe. Jeder Mann hat einmal den Drang eine Frau zu vergewaltigen, und zwar direkt nach deren Hochzeit. Quasi als vom Fluch auferlegtes Jus primae noctis… Heinrich allerdings kämpft, von Familiendämonen verfolgt, dagegen an, vertieft sich in Bücher und offenbar auch in die Pflanzenzucht. Mit Peter stellt sich allerdings ein weiterer Nachfahre heraus, der als Sohn der „ehemals feschen“ Lola aus einer früheren Vergewaltigung hervorgegangen ist. Dazu kommt Christobald der eigentliche Bräutigam Lolas, der nach der Vergewaltigung verschwunden ist und nun 30 Jahre später plötzlich wieder auftaucht. 30 Jahre, in denen er sich zum Feuerteufel entwickelt hhat, denn nur durch das Feuer sind Reinheit und Ordnung wieder zu erreichen. Und dann ist da noch die junge Förstertochter Eva, die unschudige Reine. Sie will, all den überlieferten Irreloher Geschichten zum Trotz Heinrich heiraten. Es ist eine vertrackte Geschichte, die damit endet, dass das Schloss in Flammen steht, als in irrer Lohe (!). An sich würde das, durch die kathartische Wirkung des Feuers den Weg für eine gemeinsame Zukunft Evas und Heinrichs ebnen, doch nimmt sich Eva überraschend das Leben und lässt so das, trotz aller Tragik erwartete, happy end nicht zu.
Doch warum habe ich mir mit dem Opernabend schwergetan? Es liegt nicht an der Regie von David Bösch (bis auf den überraschenden Selbstmord Evas am Ende). Die Inszenierung ist düster, mit Dauernebel auf der Bühne, aber seine Personenführung ist gelungen, die Handlung wird, auch mithilfe von stummfilmartigen schwarzweiß Videoprojektionen, klar erzählt. Auf explizite Sex- und Gewaltdarstellungen verzichtet Bösch, auch wenn diese ob der Vergewaltigungsthematik naheliegen würden. Anders ist die Sache auf musikalischer Ebene. Altmeister Bernhard Kontarsky lässt sich von der saftigen und klanglich herausfordernden Partitur Schrekers zu sehr mitreißen. So groß sind manche Stimmen auf der Bühne nicht, dass sie auch nur annähernd eine Chance hätten, über den Graben zu kommen. Die Stimme von Lioba Braun als alte Lola z.B. trägt nicht mehr genug für eine solche Wucht an Orchestermusik. Auch unter den Männerstimmen sind einige für diese Art der Interpretation zu schwach. Positiv zu erwähnen ist allerdings Julian Orlishausen, der sowohl stimmlich als auch darstellerisch einen überzeugenden Peter gibt und der Tenor Tobias Hächler, der als gealterter „Draco Malfoy“ seinen Mann steht. Großer und strahlender Lichtblick des Abends ist aber die kanadische Sopranistin Ambur Braid, die als Förstertochter Eva in allen Belangen überzeugt. Sie hat eine große Stimme, die wir in Zukunft sicher des Öfteren hören werden. Eine erste Salome an ihrem Stammhaus in Frankfurt hat sie schon sehr erfolgreich abgeliefert. Im Großen und Ganzen ein Abend mit Längen, aber einer spätromantischen Musik, die gut und gerne, mit einigen Kürzungen, auch ohne die Gesangsstimmen auskommen würde. Dem Lyoner Publikum hats aber gefallen. (mg)
Frau Sonnenschein nannte sich früher "Graue Maus". In Wirklichkeit heißt sie Daniela Brodesser, ist Mutter von vier Kindern und war viele Jahre von Armut betroffen. “Das Finanzielle ist das eine, aber was dir den Rest gibt, sind Vorwürfe und Beschämungen”, erzählt sie. Heute ist Daniela Brodesser mit Tausenden Menschen über Twitter vernetzt, viele sind Armutsbetroffene. Warum wir ihre Geschichten anhören sollten und warum wir einfach einmal fragen sollten: Was brauchst du?, darüber spricht Daniela Brodesser in den radio klassik Passionswegen, gestaltet von Stefanie Jeller.
Eine Sendung im Rahmen des radio klassik Stephansdom "Frauenmonat März"
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