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  • FPÖ warnt: Auf dem Volksschul-Formular werden sechs Geschlechter angegeben

    In Absdorf sorgt das Anmeldeformular der Volksschule für Kontroversen. Für die Einschreibung von Erstklässlern können Eltern zwischen den Geschlechtern männlich, weiblich, divers, offen, inter oder keine Angabe wählen. Viele Eltern halten die Auswahl für übertrieben und unverständlich. Ein Vater weist darauf hin, dass eine derart große Zahl an Optionen selbst in Multiple-Choice-Tests selten vorkommt.

    Die FPÖ kritisiert das Formular scharf. Gemeinderat Daniel Hollensteiner bezeichnet die Auswahl als absurd und sieht darin ein grundsätzliches Problem der Schulausrichtung. Unterstützung erhält er von Andreas Bors, Landtagsabgeordneter in Niederösterreich. Bors wertet die sechsfachen Geschlechtsoptionen als Ausdruck größerer gesellschaftlicher Experimente, die zunehmend ungefiltert an Kinder weitergegeben werden. Er hält die Kategorien für völlig unpassend für Volksschulkinder.

    Bors fordert ein sofortiges Eingreifen der Bildungsbehörde und betont, dass Volksschulen keine Versuchslabore für Gender-Ideen seien. Die Bildungsdirektion weist darauf hin, dass die Gestaltung von Formularen grundsätzlich in der Verantwortung der einzelnen Schule liege und keine verbindlichen Vorgaben existieren. Die Schulen orientieren sich dabei an den gesetzlichen Rahmenbedingungen zum Diskriminierungsschutz.

    Die Bildungsdirektion zeigt sich jedoch bereit, auf die Kritik zu reagieren. Das Formular wird derzeit gemeinsam mit der Schulleitung und dem Qualitätsmanagement überprüft. Ziel ist eine mögliche Vereinfachung, um die Handhabung zu erleichtern, ohne geltende Vorschriften zu verletzen.

    Mehr zum Thema ‒ "Das wird Sie krank machen": US-Generalstaatsanwältin zur bevorstehenden Freigabe von Epstein-Akten

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  • Historische Abläufe als Zumutung – Warum eine Zeitung ein Lawrow-Interview nicht veröffentlicht

    Von Gert Ewen Ungar

    Das russische Außenministerium hat der italienischen Tageszeitung Corriere della Sera ein Interview mit Außenminister Sergei Lawrow angeboten. Die Zeitung nahm das Angebot an und schickte Fragen. Die Fragen speisen sich aus dem Geist der westlichen Propaganda. Die Antworten Lawrows darauf korrigieren diese Sicht, indem sie den Ukraine-Krieg in die historischen Abläufe einordnen und die Fehler im westlichen Narrativ über Russland berichtigen. 

    Lawrow schildert unter anderem, welchen Anteil der Westen an der Eskalation des Konflikts habe und wie vor allem die EU den Krieg in die Länge ziehe. Lawrow korrigiert die Behauptung, beim Krieg in der Ukraine handele es sich um einen imperialistischen Angriffskrieg Russlands, bei dem das Motiv der Landnahme im Zentrum stehe. Lawrow erläutert zudem, wie der Westen die Sicherheitsarchitektur in Europa durch die Absicht, die Ukraine in die NATO aufzunehmen, zerstört habe. Er wiederholt die Einladung an die westlichen Staaten, an der Errichtung einer neuen Sicherheitsarchitektur auf der Grundlage des Prinzips gegenseitigen Respekts mitzuarbeiten. 

    Weil die Ausführungen von Russlands Außenminister Sergei Lawrow nicht ins Narrativ passen, veröffentlicht die italienische Zeitung Corriere della Sera ein Interview mit ihm nicht. Das Interview wurde nun vom russischen Außenministerium veröffentlichthttps://t.co/hzYpNw47DD

    — Gert Ewen Ungar (@GertEwen) November 13, 2025

    Dass sich Lawrow diese Freiheit nimmt, war allerdings schon zu viel für ein Medium des westlichen Mainstreams. Die Redaktion des Corriere della Sera hat sich entschieden, das Interview nicht zu veröffentlichen. Das lesenswerte Interview wurde inzwischen auf der Seite des russischen Außenministeriums publiziert. Die Entscheidung des Corriere della Sera fügt dem Bild, das den Zustand des westeuropäischen Journalismus zeigt, ein weiteres Mosaiksteinchen hinzu. 

    Dieser Zustand ist ganz einfach in Worte zu fassen: Wer vom offiziellen Narrativ abweicht, wird gecancelt. Abweichungen vom eng gesteckten Korridor des Sagbaren werden nicht zugelassen. Eine offene Diskussion über die Ursachen des Ukraine-Kriegs findet daher nicht statt. Da diese Diskussion nicht stattfindet und das offizielle Narrativ darauf besteht, dass die alleinige Schuld für den Krieg bei Russland liegt, kann Westeuropa zu einer Lösung des Konflikts nichts beitragen. Der Weg, eine Lösung und einen Ausgleich der Interessen zu finden, ist durch die Leugnung der eigenen Mitverantwortung für die Entstehung des Konflikts und durch das Beharren auf der absoluten Richtigkeit der eigenen Position verbaut. Weil die Realität der Abläufe aber das westliche Propaganda-Narrativ in seinen Grundfesten erschüttert und zum Einsturz bringt, ist man nicht mehr in der Lage, die Schilderung dieser historischen Abläufe zu ertragen. Sie erscheinen als Zumutung. 

    Nichts an dem, was Lawrow sagt, ist falsch. Nichts ist Propaganda oder Desinformation – genau das aber ist das Problem. Wäre das der Fall, ließe es sich schnell entlarven. Wahrheit lässt sich aber nicht als falsch entlarven. Sie lässt sich nur verschweigen. Zu diesem Mittel greift der Corriere della sera. 

    Falsch sind dagegen die Annahmen, auf denen die an an Lawrow gestellten Fragen beruhen. Lawrows Antworten decken das auf. 

    Die Frage beispielsweise, "hat der bewaffnete Konflikt in der Ukraine und die darauf folgende internationale Isolation Russlands es Russland nicht unmöglich gemacht, in anderen Krisengebieten, wie etwa im Nahen Osten, effektiver zu agieren?", beruht auf der Annahme, Russland sei isoliert. Das deckt sich zwar mit der in Westeuropa veröffentlichten Desinformation und Propaganda, entspricht aber nicht den Tatsachen.

    Das Gegenteil ist der Fall. Russland ist inzwischen ein wesentlich bedeutenderer internationaler Player als die EU. Die EU droht inzwischen aller Welt mit Konsequenzen, wenn EU-Vorgaben wie die Russlandsanktionen nicht umgesetzt werden. Sie macht sich so Widersacher in aller Welt, denn es macht die EU und Bündnisse mit ihr unattraktiv. Russland bietet dagegen Kooperation und bleibt für Gespräche und Verhandlungen auf Augenhöhe offen. Kooperationen mit Russland öffnen Perspektiven, Brüssel dagegen fordert Unterordnung. Brüssel trägt ganz offen imperialistische und neokoloniale Arroganz zur Schau. 

    Westeuropa ist daher isoliert und hat sich mit dem Festhalten an den eigenen Narrativen von der Partizipation an der internationalen Diskussion obendrein entkoppelt. Was sowohl der Corriere della Sera als auch andere Medien des Mainstreams nämlich übersehen: Die westeuropäischen Narrative gelten nur regional, nämlich in Westeuropa. Außerhalb haben sie keine Gültigkeit. Sie wirken im Gegenteil lächerlich, verbohrt und in ihrer Leugnung von Abläufen und Fakten idiotisch.

    Das ist ein Problem, über das man in Westeuropa nicht nachdenkt. Der Krieg geht nämlich auch an der Informationsfront verloren. Man war in der EU so vermessen, zu glauben, die Welt ließe sich eine verkürzte westliche Sicht zum Ukraine-Konflikt aufzwingen. Das ist gescheitert. Inzwischen lassen sich die Informationen, die auf den aggressiven Charakter Westeuropas hindeuten, auch nicht mehr entsprechend umdeuten und umschreiben. Es sind zu viele, und sie sind zu eindeutig. Sie müssen daher unterdrückt werden, wie der Vorfall um das Interview mit Lawrow deutlich macht.

    Das Misstrauen gegenüber den eigenen Medien ist in Westeuropa inzwischen so groß, dass auch ein journalistisch ins Narrativ "eingeordnetes" Interview mit Lawrow nicht mehr gebracht werden kann. Es muss komplett verschwiegen werden. Stattdessen setzt man auf immer schrillere Töne, auf noch lauteres Kriegsgeschrei und immer hysterischer klingende Russophobie – das Vertrauen in die Medien lässt sich dadurch natürlich nicht zurückgewinnen. Was allerdings als Nebenwirkung produziert wird, ist, dass man die Konsumenten des Mainstreams an ihrer Einfalt und der Schlichtheit ihrer Gedanken zu komplexen Themen sofort erkennt. 

    Mehr zum Thema – "Krasse Zensur": Italienische Zeitung lässt Interview mit Sergei Lawrow unveröffentlicht

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  • Eskalation im Pazifik: China warnt Bürger wegen Streit um Taiwan-Frage vor Reisen nach Japan

    Der Streit zwischen China und Japan um Taiwan hat nun konkrete Folgen für viele Touristen und Geschäftsleute: China rät seinen Staatsbürgern bis auf Weiteres davon ab, nach Japan zu reisen.

    In einer Stellungnahme, die vom Außenministerium in Peking und der chinesischen Botschaft in Tokio veröffentlicht wurde, heißt es, dass japanische Politiker mit "unverhohlen provokativen Aussagen zu Taiwan" zuletzt die Atmosphäre für den gegenseitigen Austausch "schwer belastet" und die Sicherheit chinesischer Staatsbürger in Japan "erheblich gefährdet" hätten.

    Die Regierung in Tokio legte als erste Reaktion Protest ein und ihr Sprecher, Kabinettschef Minoru Kihara, forderte China laut der japanischen Nachrichtenagentur Kyodo News auf, "angemessene Maßnahmen" zu ergreifen. 

    Der Streit geht auf Aussagen der neuen japanischen Premierministerin Sanae Takaichi von vergangener Woche zurück. Die 64-Jährige hatte im Parlament gesagt, dass ein chinesischer Angriff auf das unabhängig regierte Taiwan eine "existenzbedrohende Situation" darstellen würde, die dazu führen könnte, dass Japan sein Recht auf Selbstverteidigung ausübe.

    Diese Äußerung löste heftige Proteste seitens Chinas aus, darunter einen Social-Media-Beitrag seines Generalkonsuls in Osaka vom vergangenen Wochenende, in dem es hieß: "Wenn du deinen dreckigen Hals hinsteckst, wo er nicht hingehört, wird er dir kurzerhand abgeschnitten." Auf diesen Kommentar reagierte wiederum Tokio mit einer Beschwerde in Peking. 

    Japan ist ein äußerst beliebtes Reiseziel für chinesische Touristen, was der Wirtschaft einen dringend benötigten Aufschwung verschafft, aber auch bei einigen eine anti-chinesische und ausländerfeindliche Gegenreaktion auslöst. Es ist unklar, welche Auswirkungen die Reisewarnung auf die Bereitschaft der Chinesen haben wird, Japan zu besuchen, aber mehrere chinesische Fluggesellschaften boten nach der Ankündigung der Regierung eine kostenlose Rückerstattung für bereits verkaufte Tickets nach Japan an.

    Der Streit deutet darauf hin, dass die ohnehin schon fragilen Beziehungen Japans zu China unter Takaichi, die den Ausbau des Militärs unterstützt, um potenziellen "Bedrohungen" durch Peking und dessen Ansprüche auf umstrittene Gebiete in den nahe gelegenen Gewässern im Westpazifik entgegenzuwirken, noch schwieriger werden könnten.

    Weder die Vereinigten Staaten noch Japan unterhalten offizielle diplomatische Beziehungen zu Taiwan, aber die USA sind der wichtigste Lieferant von Verteidigungsgütern für das Militär der abtrünnigen Insel und lehnen eine gewaltsame Lösung der China-Taiwan-Frage ab.

    Japan ist ein militärischer Verbündeter der Vereinigten Staaten und beherbergt amerikanische Truppen in mehreren US-Stützpunkten auf seinem Territorium, darunter ein großer Marinestützpunkt südlich von Tokio.

    Mehr zum Thema – China protestiert gegen Äußerungen der japanischen Premierministerin zu Taiwan

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  • Orbán: Die Ukraine kann zum Ende des Konflikts gezwungen werden

    Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán hat zum Ausdruck gebracht, dass die Ukraine ihre Souveränität verloren habe und daher zum Ende des Konflikts bewegt werden könne. Der ungarische Regierungschef äußerte bei einer Antikriegsdemonstration die Meinung, dass Moskau und Kiew weiterhin davon überzeugt werden sollten, Frieden zu schließen:

    "Im Falle der Ukraine ist das einfacher. [...] Denn sie ist kein souveränes Land mehr."

    Die Ukraine ist laut dem Ministerpräsidenten nicht in der Lage, sich selbst zu versorgen. Sie existiere nur, weil der Westen dies wolle, meinte Orbán. Wie der Politiker betonte, "beliefern die westlichen Länder die Ukraine mit Geld und Waffen", und genau deshalb hätten sie "die Mittel, die Ukrainer zum Frieden zu motivieren".

    Ungarns Ministerpräsident behauptete, dass die Konfliktparteien keinen Frieden möchten. Seinen Angaben zufolge hatte er im vergangenen Sommer zwei Stunden mit Wladimir Selenskij verbracht. Orbán erzählte davon wie folgt:

    "Als Leiter eines benachbarten befreundeten Landes wollte ich ihn davon überzeugen, dass die Zeit nicht auf ihrer Seite ist. Je länger der Krieg dauert, desto mehr verlieren sie."

    Orbán erinnerte daran, dass es ihm nicht gelungen sei, Selenskij davon zu überzeugen, dass er sich in einer Verliererposition befinde.

    Zuvor hatte Orbán bereits erklärt, dass die Ukraine ihre Souveränität verloren habe, und vorgeschlagen, dass sie eine Pufferzone zwischen Russland und der Europäischen Union bildet und den Plan, der EU beizutreten, aufgeben solle. Seiner Meinung nach liegt es im Interesse der Sicherheit Europas, den Konflikt in der Ukraine so schnell wie möglich beizulegen – andernfalls würden "die Steuerzahler der EU jahrzehntelang eine Millionenarmee" der Ukraine finanzieren.

    Selenskij hatte zuvor in Bezug auf Orbán Zweifel geäußert, dass "ein Ministerpräsident, der die Ukraine überall blockiert, etwas Positives für die Ukrainer oder zumindest etwas Ausgewogenes tun kann".

    Mehr zum Thema – Wahre Herren des Westens rufen heimlich Kreml an – London als Hauptgegner Russlands in der Ukraine

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  • Der Souveränität kein Stück näher – Tokio bereit, gegen China für US-Interessen zu kämpfen

    Von Pjotr Akopow

    Die neue japanische Regierung hat Schwierigkeiten mit der räumlichen Orientierung – sowohl im Norden als auch im Süden.

    Im Süden liegt Taiwan, das die japanische Regierung seit über einem halben Jahrhundert als chinesisches Territorium anerkennt, auch wenn es nicht von Peking kontrolliert wird. Im Norden befinden sich die Südkurilen, die Tokio nicht als russisches Territorium betrachtet und stattdessen weiterhin als "illegal besetzt" bezeichnet. Doch in den letzten Tagen herrscht im japanischen Kabinett Verwirrung bezüglich der bisherigen Werte: Die Kurilen werden als "ausländisch" bezeichnet, und um Taiwan will man praktisch Krieg führen.

    Dabei ist noch nicht einmal eine Woche vergangen, seit Sanae Takaichi am Rande des APEC-Gipfels in Gyeongju, Südkorea, Chinas Präsidenten Xi Jinping traf. Zu Treffen zwischen den Staatschefs Chinas und Japans kam es zuvor lange Zeit nicht, und die aktuellen Gespräche boten die Chance auf eine zumindest leichte Verbesserung der bilateralen Beziehungen. Die neue japanische Premierministerin ist eher konservativ und neigt nicht dazu, die japanische Aggression gegen China im Zweiten Weltkrieg häufiger zu verurteilen als absolut nötig. Doch ihr Versuch, die Beziehungen zu verbessern, wurde von Peking begrüßt. Bei dem Treffen erklärte Xi:

    "Es ist wichtig, Partner zu sein und einander nicht zu bedrohen."

    Der chinesische Bericht über das Treffen schloss mit der Feststellung, dass Takaichi in Bezug auf die Taiwan-Frage erklärt habe, Japan werde an der Position der gemeinsamen Erklärung Chinas und Japans vom Jahr 1972 festhalten. Mit anderen Worten: Japan erkennt die Insel als chinesisch an.

    Dass Takaichi nur einen Tag später in Gyeongju nicht bloß einen taiwanesischen Vertreter traf, der am APEC-Gipfel teilnahm, sondern auch ihre Hoffnung auf eine Vertiefung der praktischen Zusammenarbeit mit der Insel zum Ausdruck brachte, blieb in Peking nicht unbemerkt. Man protestierte und forderte die Nichteinmischung in Chinas innere Angelegenheiten. Dies war allerdings nichts Ungewöhnliches: Schließlich hatte Tokio die Beziehungen zu Taipeh nie abgebrochen, und die chinesische Führung war ebenfalls schon lange daran gewöhnt.

    Doch wenige Tage später eskalierte die Situation deutlich: Am vergangenen Freitag wurde Takaichi im japanischen Parlament gefragt, ob sie eine militärische Krise in Taiwan – also einen theoretischen Versuch Pekings, die Insel mit Gewalt zu unterwerfen – als existenzielle Krise für Japan betrachte. Der Begriff der existenziellen Krise für Japan existiert so im japanischen Recht und beschreibt eine Bedrohung für die Existenz des Landes – eine Situation, in der die Regierung bewaffnete Gewalt anwenden und gemeinsame Operationen mit den Vereinigten Staaten und anderen Verbündeten durchführen darf. Takaichi antwortete mit "Ja" – und erklärte damit faktisch Japans Bereitschaft, gegebenenfalls gegen China um Taiwan zu kämpfen.

    Das ging eindeutig zu weit, und Chinas Reaktion war entsprechend. Und wenn es nur die Erklärung des chinesischen Außenministeriums gewesen wäre, das die japanische Führung scharf für ihre "Fehler in Form ihrer Äußerungen zu Taiwan, die eine militärische Intervention in der Taiwanstraße andeuteten", verurteilte. Weitaus bezeichnender war nämlich die Reaktion des chinesischen Generalkonsuls in Osaka, Xue Jiang, der Folgendes in den sozialen Medien veröffentlichte:

    "Wenn sie sich in die Situation einmischt, müssen wir ihren widerwärtigen Kopf abhacken, sofort und ohne zu zögern. Seid ihr darauf vorbereitet?"

    Die ungewöhnliche Härte der traditionell zurückhaltenden chinesischen Diplomaten (obwohl der Generalkonsul sich bereits zuvor weit deutlicher geäußert hatte als andere) ist kein Zufall. Für China ist die Taiwan-Frage eine jener absoluten "roten Linien", die niemand überschreiten darf. Ja, hier werden Angriffe gegen China bloß verbal geführt – doch während zuvor vor allem US-Politiker damit auffielen, hat sich nun auch die japanische Premierministerin dem angeschlossen. Wenn Washington andeutet, wegen Taiwan gegen China kämpfen zu wollen, so ist man in Peking bereits daran gewöhnt (wenn man es auch immer mit Protesten quittiert). Ähnliche Drohungen aus Japan sind wiederum einfach zu viel. Und obwohl die japanische Regierung ihrerseits an China eine Protestnote adressierte und Xues Äußerungen als "völlig inakzeptabel" bezeichnete – und der Generalkonsul kurz darauf seinen Post in den sozialen Medien löschte, ist klar, dass Peking Takaichi fortan als absolut feindlich gesinnt betrachten wird. Daran änderte auch ihre Klarstellung, sie habe lediglich die "extreme Phase der bedrohlichen Situation" gemeint, nichts – insbesondere nachdem sie erklärt hatte, sie werde ihre Worte nicht zurücknehmen.

    Die Volksrepublik China beabsichtigt nicht, Taiwan militärisch zurückzuerobern – sondern strebt eine friedliche Wiedervereinigung mit der Insel an. Die USA nutzen Provokationen im Zusammenhang mit der "chinesischen Bedrohung", um China einzudämmen und ihre regionalen Verbündeten, allen voran Japan, zu höheren Militärausgaben und dem Erhalt der US-amerikanischen Truppenpräsenz auf ihrem Staatsgebiet zu bewegen.

    Gleichzeitig wird China den militärischen Weg zur Wiedervereinigung mit Taiwan niemals vollständig aufgeben – und dies erst recht nicht öffentlich verkünden –, da es den USA nicht die Möglichkeit geben will, es in der Taiwan-Frage endlos zu erpressen (von Waffenlieferungen an die Insel bis hin zu Drohungen, ihre Unabhängigkeit anzuerkennen). Wenn sich aber Japan jetzt dauerhaft der US-Politik anschließen will, China mit der "Taiwan-Karte" unter Druck zu setzen, ist eine Verbesserung der chinesisch-japanischen Beziehungen ausgeschlossen.

    Hat Japan das überhaupt nötig? Insbesondere vor dem Hintergrund der zunehmend eingefrorenen Beziehungen zu einem anderen Nachbarn, Russland – denn die USA fordern nun von Tokio, auch noch die Erdgasimporte von der russischen Halbinsel Sachalin einzustellen. Takaichi ist schließlich keine pro-amerikanische, sondern eine pro-japanische Politikerin: eine Nationalistin, eine Traditionalistin, eine Konservative. Ihr Ziel ist die Stärkung (oder, wenn wir ehrlich sind, der Aufbau. Anm. d. Red.) der japanischen Selbständigkeit. Doch dies ist unmöglich, falls die ohnehin schon enorme militärpolitische Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten noch weiter anwachsen sollte – besonders bei gleichzeitiger Verschlechterung der Beziehungen zu anderen Nachbarn. Takaichi möchte natürlich nicht, dass sich Japans Beziehungen zu China auf das Niveau derer zu Russland verschlechtern. Doch derartige Versuche, Trump zu gefallen (auch und gerade durch Äußerungen über eine "existenzielle Krise" im Falle eines Kriegs um Taiwan) könnten sie sehr schnell in eine Sackgasse führen.

    Zumal eine Wiederherstellung nicht etwa der Beziehungen im Ganzen, sondern des bloßen Dialogs mit Russland für Japan noch nicht einmal am Horizont steht. Übrigens ist es gerade Russlands Territorium, mit dem der zweite Fall des räumlichen Orientierungsverlusts bei der neuen Regierung zu tun hat.

    Am Samstag (einen Tag nach Takaichis Äußerungen) reiste der japanische Staatsminister für Okinawa und die Nordterritorien, Hitoshi Kikawada, nach Nord-Hokkaido; seine Reise brachte ihn bis in die Stadt Nemuro und zum Kap Nosappu. Er bezeichnete die Gegend als "den Ort, der einem fremden Land am nächsten liegt."

    Wie es dann aber losging! Vom Kap aus kann man nämlich die russische Signalinsel sehen, die weniger als vier Kilometer von dort entfernt liegt – eine Insel, die in Japan Kaigara heißt und als von Russland besetzt gilt! Der Minister verteidigte sich später und erklärte, er habe lediglich den Worten des Bürgermeisters zugestimmt, der Nemuro als "Tor zu anderen Ländern" bezeichnet hatte. Er versprach, künftig vorsichtiger mit seinen Äußerungen zu sein.

    Das bedeutet, dass Japan selbst 80 Jahre nach seiner Niederlage im Krieg weiterhin von den Vereinigten Staaten abhängig ist, was seine Sicherheit und seine nationalen Interessen betrifft – und diese Abhängigkeit ums Verrecken nicht lösen kann. Es weigert sich dabei, die Realität im Norden anzuerkennen – und spielt im Süden bei fremden Machtspielen mit.

    Dies ist gewiss nicht der Weg zur Selbständigkeit.

    Übersetzt aus dem Russischen. Erschienen bei "RIA Nowosti" am 11.11.2025.

    Pjotr Akopow ist ein russischer Historiker und Geschichtsarchivar (Absolvent des Moskauer Staatlichen Geschichtsarchivarischen Instituts). Seit dem Jahr 1991, nach einer Geschäftsreise in die damalige Bürgerkriegszone Südossetien, schreibt er als Journalist für zahlreiche Medien: "Golos", "Rossijskije Westi", bis 1994 "Nowaja Gaseta", ab 1998 "Nesawissimaja Gaseta"; seit Anfang der 2000er-Jahre als politischer Beobachter bei "Nowaja Model" und im entsprechenden Ressort der "Iswestija". Er arbeitete als Sonderberichterstatter beim Chefredakteur des "Polititscheski Dschurnal", dessen Chefredakteur er selbst im Jahr 2007 wurde. Der ehemalige stellvertretende Chefredakteur der "Wsgljad" ist zudem ständiger politischer Beobachter bei "RIA Nowosti". 

    Mehr zum Thema - Wahl von Sanae Takaichi: In Japan hat eine konservative Revolution stattgefunden

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  • Beschlagnahme russischen Vermögens? Euroclear-CEO spricht vor großen Sorgen bei Investoren

    Valérie Urbain, Generaldirektorin des weltweit größten Wertpapierabwicklungssystems Euroclear mit Sitz in Brüssel, hat der französischen Zeitung Le Monde ein Interview gegeben.

    Angesprochen auf eine mögliche Beschlagnahme eingefrorener russischer Vermögenswerte, die derzeit auf Euroclear liegen, warnt sie, dass ein solcher Schritt völkerrechtswidrig wäre und Europas Position schwächen würde.

    Wie Le Monde berichtet, verwahrt Euroclear in Belgien derzeit 193 Milliarden Euro am Staatsvermögen der Russischen Föderation.

    Nach dem Beginn der militärischen Spezialoperation in der Ukraine haben die EU und die G7-Staaten die Gold- und Devisenreserven Russlands im Wert von rund 300 Milliarden Euro eingefroren. Seitdem sucht der kollektive Westen nach Möglichkeiten, eingefrorene russische Gelder zu beschlagnahmen.

    Im Gespräch mit der Zeitung führt die Euroclear-Chefin aus:

    "Ich treffe mich regelmäßig mit Kunden und Regierungsvertretern. Ich kann Ihnen versichern, dass das Thema der Beschlagnahmung russischer Vermögenswerte vielen große Sorgen bereitet. Unsere chinesischen und arabischen Partner sprechen offen davon: Sie beobachten die Situation sehr genau. Wir haben alles darangesetzt, ihr Vertrauen zu bewahren, und sie wissen das zu schätzen."

    Laut Urbain werde die Beschlagnahme von russischen Vermögenswerten das Vertrauen der Anleger in die EU untergraben, und die Folgen dieser Entscheidung könnten Europa selbst sehr schnell treffen. Globale Akteure würden weniger in den Euroraum investieren, was sämtliche Bereiche betreffen würde, darunter Verteidigung, Energiewende und digitale Transformation.

    Ferner erklärt sich Urbain bereit, die Europäische Union zu verklagen, falls die eingefrorenen Vermögenswerte der Russischen Föderation tatsächlich konfisziert werden. Ein entsprechender Beschluss könne gefasst werden, wenn der Verwaltungsrat zu der Ansicht komme, dass die treuhänderischen Pflichten von Euroclear infrage gestellt würden.

    Sowohl das Einfrieren russischer Vermögenswerte als auch alle damit verbundenen Handlungen seien absolut rechtswidrig, erklärten Spitzenpolitiker in Moskau mehrfach. "Dies sollte von der Weltgemeinschaft als das wirtschaftliche Banditentum des kollektiven Westens betrachtet werden, der seine neokolonialen Instinkte nicht überwinden will", betonte Russlands Außenministerium.

    Mehr zum Thema ‒ Russisches Staatsvermögen für Ukraine? Slowakei lehnt Idee strikt ab

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  • In der Straße von Hormus: Iran bestätigt Beschlagnahme von ausländischem Öltanker

    Teheran bestätigte am Samstag, dass iranische Revolutionsgarden (IRGC) am Freitag in den Gewässern des Persischen Golfs einen Tanker mit petrochemischer Fracht auf dem Weg nach Singapur beschlagnahmt haben. Nach einer Inspektion erklärten die Behörden, der Tanker habe gegen die Vorschriften verstoßen, da er nicht genehmigte Fracht transportiert habe. Weitere Details wurden nicht bekannt gegeben. 

    Die IRGC teilte mit, das Schiff sei auf Anweisung der iranischen Justizbehörde für Untersuchungen in den Hafen von Makran gebracht worden.

    Bereits am Freitag wurde aus Kreisen der US-Regierung und von für die Sicherheit der Schifffahrt zuständigen Stellen verlautet, dass iranische Kräfte den Tanker abgefangen und in iranische Hoheitsgewässer geleitet hätten.

    Die unter der Flagge der Marshallinseln fahrende "Talara" war den Angaben zufolge mit etwa 30.000 Tonnen schwefelreichem Gasöl beladen. Der Betreiber des Schiffes, Columbia Shipmanagement, gab an, am Freitagmorgen etwa 20 Seemeilen vor der Küste von Khor Fakkan in den Vereinigten Arabischen Emiraten den Kontakt zur "Talara" verloren zu haben. Er fügte hinzu, dass er eng mit den zuständigen Stellen – darunter Seesicherheitsbehörden und dem Eigner des Schiffes – zusammenarbeitet, um den Kontakt wiederherzustellen.

    Die "Talara" wird von der zyprischen Firma Columbia Shipmanagement betrieben, deren Vorstandsvorsitzender der deutsche Unternehmer Heinrich Schoeller ist. Eigner des Schiffes ist die zyprische Pasha Finance.

    In den letzten Jahren hat die iranische Revolutionsgarde (IRGC) regelmäßig Handelsschiffe im Persischen Golf beschlagnahmt und dabei häufig Verstöße gegen das Seerecht wie mutmaßlichen Schmuggel, technische Verstöße oder Rechtsstreitigkeiten als Grund angegeben. Ein US-Beamter, der anonym bleiben wollte, sagte jedoch, der Vorfall sei überraschend, da Iran in den letzten Monaten keine derartigen Operationen durchgeführt habe.

    Iran hat seine militärischen Aktivitäten in der Region seit der zwölftägigen israelischen Bombardierungskampagne im Juni, an der sich auch die Vereinigten Staaten beteiligten, eingeschränkt, um seine Militärkraft wieder aufzubauen. Die letzte gemeldete Beschlagnahmung eines Schiffes erfolgte im April 2024.

    Mehr zum Thema – Bericht: Iran kapert Schiff mit Bezug zu Israel in der Straße von Hormus

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  • Spaltung des MAGA-Lagers: Trump entzieht Marjorie Taylor Greene seine Unterstützung

    US-Präsident Donald Trump hat der republikanischen Abgeordneten Marjorie Taylor Greene, einer seiner lautstärksten Unterstützerin im Wahlkampf, seine Unterstützung entzogen. Greene hatte zuvor seinen Umgang mit der trotz Ankündigung nicht erfolgten Freigabe von Akten des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein kritisiert.

    In einem Post auf der Plattform Truth Social griff Trump die Kongressabgeordnete scharf an, bezeichnete sie als "durchgeknallt" und "wahnsinnig". Sie sei "extrem links" geworden und müsse ihr Mandat verlieren. In den kommenden Vorwahlen in Greenes Wahlkreis wolle er einen anderen "geeigneten" Kandidaten "mit aller Kraft" unterstützen, kündigte der US-Präsident an.

    Die Republikanerin beschwere sich trotz seiner "rekordartigen Erfolge für unser Land" immer nur, schrieb Trump weiter. Und:

    "Ich kann nicht jeden Tag die Anrufe einer pöbelnden Wahnsinnigen entgegennehmen."

    Greene zog 2021 in das US-Parlament ein und galt als eine der exponiertesten Vertreter der MAGA-Fraktion. Diese spaltet sich in jüngster Zeit angesichts nicht eingehaltener Versprechen des US-Präsidenten. Wichtigste Konfliktpunkte sind dabei die fortdauernde Unterstützung für die Ukraine, die Bombardierung Irans und generell das Einschwenken Trumps auf die Linie von Neokonservativen und Kriegstreibern, repräsentiert von Senator Lindsey Graham, der einen großen Einfluss auf das Weiße Haus zu haben scheint. Greene hatte mehrmals die Einstellung der Unterstützung für das Kiewer Regime gefordert.

    In der Frage der Epstein-Akten, die das Weiße Haus trotz einst angekündigter Veröffentlichung weiterhin unter Verschluss hält, unterstützt Greene ein Gesetzvorhaben mit dem Ziel, deren Freigabe doch noch zu erreichen. Kommende Woche soll das Repräsentantenhaus darüber abstimmen.

    In einem Interview hatte Greene die Weigerung Trumps, sein Wahlkampfversprechen einzulösen und sämtliche Epstein-Akten zu veröffentlichen, als "schwere Fehleinschätzung" bezeichnet. Sie könne sein Verhalten nicht nachvollziehen, sagte sie dem Sender CBS.

    Als Reaktion auf Trump schrieb Greene am Samstag auf X, dass Trump versuche, andere Republikaner davon abzuhalten, für den Epstein-Antrag zu stimmen.

    "Er geht hart gegen mich vor, um ein Exempel zu statuieren und alle anderen Republikaner vor der Abstimmung über die Freigabe der Epstein-Akten in der nächsten Woche einzuschüchtern. Es ist wirklich erstaunlich, wie hart er darum kämpft, die Veröffentlichung der Epstein-Akten zu verhindern, dass er tatsächlich so weit geht."

    Mehr zum Thema – Risse in der Fassade – Trumps Rückhalt bröckelt

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  • Zurück aufs Wasser: Flüsse werden zum geopolitischen Trumpf Russlands

    Von Dmitri Skworzow

    Der Flussverkehr ist einer der Wirtschaftszweige, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR am stärksten gelitten haben. In der frühen postsowjetischen Zeit ging man davon aus, dass die neue Marktwirtschaft keinen Bedarf an günstigen Transporten auf Binnenwasserstraßen hat. Viele Branchen wurden eingestellt, technologische Ketten wurden unterbrochen. Hinzu kam der Anstieg der Kraftstoffpreise.

    Welche Folgen dies angesichts der Größe des russischen Territoriums hatte, muss nicht extra erklärt werden. Im Jahr 1988 beförderte die Flotte der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik (RSFSR) 582 Millionen Tonnen Fracht und circa 100 Millionen Passagiere. Zehn Jahre später, im Jahr 1998, betrug das Frachtvolumen 94,1 Millionen Tonnen, und das Passagieraufkommen sank bis 2019 auf elf Millionen Passagiere.

    In den 1990er Jahren tauchten Begründungen dafür auf, "warum Russland nicht Amerika ist" (Titel eines Anfang der 2000er Jahre populär gewordenen Buches). Es wurde behauptet, dass es in einem Land mit riesigen Weiten und rauem Klima nicht notwendig sei, die industrielle Produktion zu entwickeln – die Kosten würden immer höher sein als in New York, das auf dem Breitengrad von Odessa liegt, und erst recht als in Texas oder Kalifornien, die deutlich südlicher liegen. Und ohne Produktion sei auch kein billiger Flussverkehr erforderlich.

    Unter diesen Umständen existierte die russische Flussflotte – sowohl die Passagier- als auch die Frachtflotte – nach dem Restprinzip und nutzte das sowjetische Erbe aus. Die Schiffseigner minimierten die Reparaturkosten. Die Instandhaltung der Wasserstraßen und der Uferinfrastruktur wurde durch einen katastrophalen Mangel an Finanzmitteln behindert. In den Flussbetten nahm die Absenkung der Tiefe zu (wenn der Fahrwasserbereich mit Sand und Erde verschüttet wurde, wodurch sich die Tiefe verringerte und Schiffe solche Abschnitte nur mit unvollständiger Beladung überwinden konnten). Dies hatte erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Güterverkehrs.

    Das Verständnis für die Bedeutung der Entwicklung des Binnenwassertransports (als kostengünstigere Alternative zum Schienen- und Straßenverkehr) kehrte seit Mitte der 2000er Jahre zurück. Im Jahr 2008 wurde in Russland die "Verkehrsstrategie 2030" verabschiedet, die langfristige Ziele festlegte: Beseitigung von Kapazitätsengpässen, Ausgewogenheit der Verkehrsträger, Steigerung der Effizienz und Sicherheit, auch auf Binnenwasserstraßen.

    In dem im Jahr 2010 verabschiedeten föderalen Zielprogramm "Entwicklung des russischen Verkehrssystems bis 2020" wurde ein separates Unterprogramm zur Modernisierung der Binnenwasserstraßen aufgenommen. Dabei ging es um die Wiederherstellung garantierter Abmessungen für Schiffswege, die Modernisierung von Schleusen und Navigationsausrüstung, die Einführung eines Flussinformationssystems/einer elektronischen Navigation sowie die Beseitigung von Engpässen im Einheitlichen Tiefwassersystem (EGTS) im europäischen Teil des Landes.

    Ziel war es, einen Teil der Güter von der "Landseite" (Straßen- und Schienenverkehr) auf die Flüsse zu verlagern, die Durchlasskapazität des EGTS zu erhöhen und die technische Flotte (Schlepper, Baggerschiffe, Lotsen- und Rettungsboote sowie Schiffe für die Wartung der Hafeninfrastruktur) zu erneuern.

    Heute verfügt das Land über 100.000 Kilometer Binnenwasserstraßen, wobei der Staat auf 48.700 Kilometern garantierte Abmessungen für die Durchfahrt von Schiffen aufrechterhält.

    Die im Jahr 2016 verabschiedete "Strategie zur Entwicklung des Binnenwasserverkehrs bis 2030" sieht unter anderem die Beseitigung von Engpässen (der Abschnitt der Wolga bei Gorodez im Gebiet Nischni Nowgorod, der Abschnitt Kotschetowski Stauwerk–Axai am Don, die Schleuse Nischni-Swirski), den Bau des Stauwerks Bagajewski und die Erhöhung der garantierten Tiefe der Hauptstrecken des Einheitlichen Tiefwassersystems auf 4 Meter vor.

    In der "Tourismusstrategie 2035" aus dem Jahr 2019 wurde erstmals die Frage der Förderung des Wasserkreuzfahrttourismus aufgeworfen, und schon bald zeigten sich konkrete Ergebnisse. In Nischni Nowgorod wurde das erste Kreuzfahrtschiff PV300 "Mustai Kerim" in der postsowjetischen Ära gebaut und ist bereits aktiv in Betrieb. Ein weiteres Schiff derselben Klasse, die "Wladimir Schirinowski", befindet sich derzeit im Bau.

    Es wird erwartet, dass ab 2026 neue Kreuzfahrtschiffe des Projekts A45-90.2 "Wiktor Astafjew" und "Andrei Dubenski" auf dem Jenissei verkehren werden – die ersten im Land, die speziell für den Einsatz in der Arktis konzipiert sind. Ein weiteres völlig neues Kreuzfahrtschiff, die "Nikolai Scharkow" vom Typ 00840, wird im selben Jahr seine erste Fahrt in Karelien antreten.

    In den kommenden Jahren sollen bis zu 260 Schiffe (darunter 73 Passagierschiffe) an Reedereien geliefert werden – insbesondere dank der Tatsache, dass das entsprechende föderale Programm vergünstigte Leasingkonditionen für den Erwerb von Passagierschiffen vorsieht. Was das laufende Jahr betrifft, so wurden in den ersten neun Monaten 11,1 Millionen Passagiere auf Flussrouten befördert (ein Anstieg von 20,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr).

    In den letzten Jahren wurden Hochgeschwindigkeits-Wasserstraßen mit den Tragflügelbooten "Waldaï-45R" und "Meteor-120R" aktiv ausgebaut. Das Projekt "Flussmagistralen" wurde ins Leben gerufen, in dessen Rahmen Subventionen für die Wiederbelebung von Schnelllinien auf der Wolga eingeführt werden. Ähnliche Maßnahmen wurden für eine Reihe von Routen auf sibirischen Flüssen ergriffen.

    Aber neben den noch aus der Sowjetzeit stammenden "Meteoren" tauchten auch Passagierschiffe eines gänzlich neuen Typs auf – elektrische. In Moskau und Sankt Petersburg entwickelt sich eine elektrische Stadtflotte (Ecobus und "Moskau 2.0"). Auf dem Amur steigt das Passagieraufkommen auf der Strecke Blagoweschtschensk – Heihe (ab dem 7. Mai 2025 wurden vier Fahrten in jede Richtung durchgeführt, und seit dem 27. Oktober wurde die Strecke für den Winter auf Luftkissenfahrzeuge umgestellt). Am 11. November wurde das erste elektrische Radschiff Russlands, die "Minin", vom Stapel gelassen, und sofort wurde mit dem Bau des nächsten Schiffes der Serie, der "Poscharski", begonnen. Es handelt sich um eine Art elektrische Flussbusse, die für regelmäßige Fahrten auf der Wolga zwischen Nischni Nowgorod und seiner Satellitenstadt Bor vorgesehen sind.

    Komplizierter ist die Lage beim Güterverkehr. Der Beginn der militärischen Sonderoperation und die Verhängung antirussischer Sanktionen durch Europa (einschließlich des Verbots für russische Schiffe, europäische Häfen anzulaufen) hatten auch erhebliche Auswirkungen auf einige Flussverkehrswege innerhalb Russlands. Dies betraf in erster Linie die Wolga-Ostsee- und die Weißmeer-Ostsee-Wasserstraße. In der Schifffahrtssaison 2023 sank der Güterverkehr auf der Wolga-Ostsee-Wasserstraße von 16,7 Millionen Tonnen im Jahr 2021 auf 12,46 Millionen Tonnen im Jahr 2024. Der größte Rückgang betraf Metall, Holz und Baumaterialien, die zuvor mit Fluss-See-Trockengüterschiffen in europäische Länder transportiert worden waren.

    Aber auch hier besteht aufgrund der aktuellen geopolitischen Lage eine der wichtigsten Tendenzen darin, den Schwerpunkt auf die Entwicklung der Binnenwasserstraßen auf den Flüssen Sibiriens und des Fernen Ostens zu verlagern. Vor allem im Zusammenhang mit den Plänen zur beschleunigten Entwicklung der Nordostpassage wird verstärktes Augenmerk auf die Anbindung der Flussrouten an den Transport über die Nordostpassage gelegt. Die nördlichen Flüsse werden zu "Zubringern" für die Nördliche Seepassage. Im Sommer werden in den Flusshäfen (Krasnojarsk, Ossetrowo/Ust-Kut, Archangelsk, Narjan-Mar und so weiter) die per Eisenbahn angelieferten Güter auf Fluss-See-Schiffe umgeladen und weiter über die Nördliche Seepassage transportiert. Umgekehrt werden auch Güter, die über die Nördliche Seepassage ankommen, auf Flussschiffe umgeladen, um einen stabilen Transport in den Norden zu gewährleisten.

    Bestehende Einschränkungen – seichte Wasserdurchfahrten, kurze Navigationszeit, Stürme auf den Fahrrinnen, Mangel an modernen Baggern und Winterkapazitäten in arktischen Hafenanlagen (Tixi, Narjan-Mar usw.) – werden durch Vertiefung der Fahrrinnen, Einsatz von Eisbrechern, Modernisierung von Anlegestellen und Umschlagplätzen überwunden. Für Baggerarbeiten auf den nördlichen Flüssen werden neue Flussbagger (Serie 93.159) gebaut, die speziell für den Einsatz auf flachen nördlichen Flüssen entwickelt wurden. Auf diese Weise wird der Jenissei während der Schifffahrtssaison zu einer Meridianroute, die die Breiten-Eisenbahnroute über die Transsibirische Eisenbahn und die Breiten-Wasserroute über die Nordostpassage verbindet.

    Auf einem weiteren großen sibirischen Fluss, der Lena, wird die Flotte der Vereinigten Flussschifffahrtsgesellschaft Lena modernisiert. Die Lena wird zu einer wichtigen Meridian-Verbindung zwischen zwei Breiten-Verbindungen: der Nordostpassage und der Baikal-Amur-Magistrale (kurz BAM). Letztere wird durch eine Eisenbahnlinie verknüpft, die in Jakuzk beginnt und an der BAM-Station Bestuschewo (eine Station von der Station Tynda entfernt) endet.

    In Ostsibirien und im Fernen Osten geht das Wachstum der Durchlasskapazität des östlichen Teils des Eisenbahnnetzes mit einem Anstieg des Güterverkehrs auf dem Amur einher, was hauptsächlich auf die Entwicklung der multimodalen Infrastruktur zurückzuführen ist. Im Jahr 2024 erreichte der Güterumschlag 2,3 Millionen Tonnen, und die vorläufigen Ergebnisse für 2025 zeigen einen Anstieg des Güterverkehrsaufkommens auf 3,5 Millionen Tonnen. Es ist geplant, den multimodalen Verkehr bis zum Jahr 2040 auf 7 Millionen Tonnen zu steigern.

    Trotz der rückläufigen Aussichten für den Transport auf dem Wolga-Ostsee-Wassersystem (aufgrund der Sanktionen der Europäischen Union) nahm die Bedeutung der Entwicklung des EGTS rund um die Wolga nur noch zu. Im Norden mündet dieses System über die Nördliche Dwina in Archangelsk, das sich zu einem multimodalen Knotenpunkt entwickelt, der die Nordseeroute mit dem EGS und dem Eisenbahnnetz des europäischen Teils Russlands verbindet.

    Im mittleren Teil des EGTS bei Gorodez wurden die Pläne zum Bau eines Niederdruckstaudamms in der Nähe von Nischni Nowgorod aufgegeben, und um den Engpass (Abschnitt mit unzureichender Tiefe) zu beseitigen, sind der Bau einer weiteren Schleuse im System des Gorodez-Wasserkomplexes sowie umfassende Arbeiten zur Vertiefung des Flussbettes geplant. Im Süden wird durch das Schleusensystem des Wolga-Don-Kanals der Zugang für den Güterverkehr zum Asowschen und Schwarzen Meer gewährleistet. In den Jahren 2023 und 2024 wurden umfangreiche Arbeiten an den Schleusen Nr. 13 und Nr. 6 (Austausch von Toren, Knotenpunkten und Pumpen) abgeschlossen. Dadurch konnte der Güterverkehr im Jahr 2024 im Vergleich zu 2023 um 29 Prozent (auf 13,5 Millionen Tonnen) gesteigert werden. Der Bau des Bagajewski-Stauwerks am Don soll eine garantierte Tiefe von 4,0 Metern während der gesamten Navigationszeit gewährleisten, was ebenfalls zu einer Erhöhung der Durchlasskapazität für den Güterverkehr auf dem Don führen wird.

    Am südlichen Ende des EGTS im Unterlauf der Wolga besteht die Hauptaufgabe für das Wachstum des Frachtverkehrs darin, eine Tiefe von 4,5 Metern am Eingang vom Kaspischen Meer aufrechtzuerhalten, wofür regelmäßig Tiefbaggerarbeiten durchgeführt werden. Diese sollen eine stabile Durchfahrt von Fluss-See-Schiffen nach Astrachan durch das flache Delta unter den Bedingungen des Absinkens des Kaspischen Meeresspiegels gewährleisten.

    All dies soll für einen Anstieg des Frachtumschlags auf dem Wasserweg des internationalen multimodalen Verkehrskorridors "Nord-Süd" von der Ostsee und dem Weißen Meer über das Kaspische Meer und weiter südlich über das Eisenbahn- und Straßennetz Irans zu seinen Häfen am Indischen Ozean sorgen.

    Angesichts der zunehmenden geopolitischen Spannungen und des Zusammenbruchs eines Teils der internationalen Wirtschaftsbeziehungen gewinnt das Problem der internen Verkehrsanbindung Eurasiens zunehmend an Bedeutung. Dies betrifft alle Verkehrsträger – den Schienen-, den Straßen- und den Pipelineverkehr. Der Wassertransport, der den Transport großer Frachtmengen mit minimalen Kosten ermöglicht, ist ein wichtiger Teil dieses innerkontinentalen Verkehrsnetzes. Ein besonderer Vorteil für Russland besteht darin, dass die Flussverkehrswege nicht nur durch die wirtschaftlich am weitesten entwickelten Regionen verlaufen, sondern auch wirtschaftlich entwickelte Cluster in den riesigen, dünn besiedelten Gebieten Sibiriens miteinander verbinden.

    Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 11. November 2025 zuerst auf der Webseite der Zeitung "Wsgljad" erschienen.

    Dmitri Skworzow ist Analyst bei der Zeitung "Wsgljad".

    Mehr zum Thema – Das Imperium lärmt – Russland antwortet mit Hyperschall

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  • "Versucht zu beschleunigen" – Haben Wissenschaftler ein außerirdisches Raumschiff entdeckt?

    Das Weltraumobjekt 3I/ATLAS, das man zunächst für einen Kometen hielt, weist Anzeichen künstlichen Ursprungs auf, wie der Wissenschaftler Avi Loeb von der Harvard University in seinem Blog am Donnerstag erklärte.

    Diese Meinung stützt er auf die nun festgestellte Tatsache, dass der Körper während des Vorbeiflugs an der Sonne nicht zerbrochen ist. Aufnahmen von 3I/ATLAS vom 11. November 2025 zeigen nach wie vor einen ganzheitlichen Körper, ohne Anzeichen für eine Aufspaltung nach dem Durchgang durch das Perihel zwei Wochen zuvor. 

    "Für einen natürlichen Kometen ist es überraschend, dass 3I/ATLAS ein einheitlicher Körper bleibt", schrieb Loeb.

    Der Wissenschaftler kommentierte damit die Veröffentlichung von Messdaten und Aufnahmen auf dem Portal Astronomer’s Telegram. Darin heißt es, dass Aufnahmen vom 11. November gezeigt hätten, dass das interstellare Objekt nach seinem Vorbeiflug an der Sonne keine Anzeichen von Zerfall aufweise und weiterhin als aktiver, einheitlicher Körper existiere.

    In vorausgegangenen Veröffentlichungen hatte Loeb auf den ungewöhnlichen Ausstoß einer riesigen Gasschleppe hingewiesen, der bei einem natürlichen Kometen dem Verlust der Hälfte seiner Masse gleichgekommen wäre. Zudem wirft das Objekt das Gas nicht hinter sich aus, sondern vor sich, in Richtung seiner Bewegung. Der Wissenschaftler sieht darin ein bewusstes Manöver, vergleichbar mit dem Zünden von Triebwerken, abgepasst auf einen bestimmten Zeitpunkt der Passage der Sonne: 

    "Technologische Triebwerke, deren Ausstöße in Richtung Sonne gerichtet sind, würden sich von der Sonne weg beschleunigen. Dieses Manöver nach dem Perihel könnte von einem Raumfahrzeug eingesetzt werden, das durch die Gravitationshilfe der Sonne eher an Geschwindigkeit gewinnen als langsamer werden möchte."

    Nach Ansicht des Wissenschaftlers eröffnet dies eine neue Anomalie von 3I/ATLAS, die nun seine Kollegen erklären müssen, die versuchten, das Weltraumobjekt als einen Kometen darzustellen und alternative Erklärungsmöglichkeiten von vornherein wegzuwischen. Er zitiert dazu Albert Einstein:

    "Wissen ist zu erkennen, dass die Straße eine Einbahnstraße ist; Weisheit ist, trotzdem in beide Richtungen zu schauen."

    Das interstellare Objekt 3I/ATLAS wurde am 1. Juli entdeckt. Wissenschaftler erklärten, dass es sich um einen Kometen aus einem anderen Sternensystem handelt. Seine Koma (eine Gas- und Staubwolke um den Kern) hat einen Durchmesser von etwa 24 Kilometern. Ein Computermodell ergab ihr ungefähres Alter: mehr als siebeneinhalb Milliarden Jahre – drei Milliarden Jahre älter als die Sonne. Möglicherweise ist er der älteste jemals beobachtete Komet.

    Den bisherigen Berechnungen zu seiner Flugbahn nach stellt der Körper keine Gefahr für die Erde dar: Er wird ihr demnach nicht näher als 1,8 Astronomische Einheiten kommen – fast das Doppelte der durchschnittlichen Entfernung zwischen Erde und Sonne. Was aber, wenn Loeb recht hat und das "außerirdische Raumschiff" beschließt, seine Flugbahn zu ändern?

    Im September berichtete Loeb, dass das interstellare Objekt 3I/ATLAS, das durch das Sonnensystem fliegt, eine "anomale Entwicklung" durchlaufen und begonnen habe, seine Farbe zu verändern.

    Im August berichtete der Wissenschaftler, dass 3I/ATLAS sein eigenes Licht ausstrahlt, ähnlich wie die Scheinwerfer eines Autos, wobei die Lichtquelle nicht identifiziert werden konnte. Er vermutete, dass 3I/ATLAS ein künstliches Objekt mit einer starken Energiequelle sein könnte, das in der Lage ist, Licht zu erzeugen, das über Millionen von Kilometern sichtbar ist.

    Avi Loeb ist Leiter des Galileo-Projekts, Gründungsdirektor der Black Hole Initiative der Harvard University, Direktor des Instituts für Theorie und Berechnung am Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics und ehemaliger Vorsitzender der Abteilung für Astronomie an der Harvard University (2011 bis 2020). Er ist der Bestsellerautor von "Extraterrestrial: The First Sign of Intelligent Life Beyond Earth" (Außerirdische: Das erste Zeichen intelligenten Lebens außerhalb der Erde) und Mitautor des Lehrbuchs "Life in the Cosmos" (Leben im Kosmos). Beide Bücher wurden im Jahr 2021 veröffentlicht.

    Mehr zum Thema – Musk sieht Überleben der Menschheit allein als Weltraumzivilisation

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