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Interstitielle Lungenerkrankungen (ILDs) sind komplex und können im Zusammenhang mit Systemerkrankungen auftreten. Um diesen komplexen Krankheitsbildern und ihrer systemischen Dimension gerecht zu werden, ist eine enge Zusammenarbeit verschiedener Fachdisziplinen von großer Bedeutung. Doch wie können sogenannte ILD-Boards dabei helfen, diese Prozesse zu optimieren? In dieser Folge des Pneumo-Podcasts widmen sich Dr. Justus De Zeeuw und Prof. Dr. Valentin Schäfer, Leiter der Sektion Rheumatologie an der Universitätsklinik Bonn, genau dieser Frage.
Prof. Schäfer erläutert die Struktur und Arbeitsweise von ILD-Boards, die je nach Fall unterschiedliche Fachdisziplinen wie Pneumologie, Rheumatologie, Radiologie oder Pathologie einbinden. Gemeinsam analysieren die Expert:innen komplexe Fälle, treffen fundierte Therapieentscheidungen und verbessern so die Versorgung von Patient:innen mit ILDs.
Eine deutschlandweite Umfrage, die Prof. Schäfer und sein Team durchgeführt haben, liefert Erkenntnisse über die Organisation und Arbeitsweise dieser interdisziplinären Gremien und zeigt zugleich Unterschiede im internationalen Vergleich auf. Dabei wird klar, dass selbst bei einer im internationalen Vergleich höheren Beteiligung von Rheumatolog:innen in deutschen ILD-Boards weiterhin erheblicher Optimierungsbedarf besteht, um eine umfassende interdisziplinäre Besetzung in allen Boards sicherzustellen.
Die Episode beleuchtet die Herausforderungen, die mit der Organisation und Durchführung von ILD-Boards verbunden sind. Dazu zählen der zeitliche und personelle Aufwand, die Frage nach der Vergütung und die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Klinik und niedergelassenen Ärzt:innen. Trotz dieser Aspekte entfalten ILD-Boards einen erheblichen Nutzen: Sie können nicht nur die Diagnostik und Therapie verbessern, sondern auch als Plattform für den fachlichen Austausch und die Weiterbildung dienen. Diese Strukturen bieten sowohl für die Fachwelt als auch für die Patient:innen einen echten Mehrwert.
Zum Abschluss der Folge werfen die beiden einen Blick auf ein faszinierendes Forschungsergebnis aus der Natur: Eine aktuelle Studie zeigt, wie Ameisen auf Infektionen in ihrem Kollektiv reagieren. Sobald einige ihrer Artgenossen mit einem Pilz infiziert sind, ändern die anderen Tiere ihre Verhaltensweisen radikal. Sie vergrößern Abstände, gestalten ihre Nester um und minimieren Kontakte, um die Ausbreitung der Infektion zu verhindern. Was können wir Menschen von diesem „Social Distancing“ der Ameisen lernen?
Die Folge bietet einen umfassenden Einblick in die Welt der ILD-Boards, ihre Bedeutung für die interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Versorgung von Patient:innen mit komplexen Krankheitsbildern. Hören Sie rein und erfahren Sie, wie diese Expertenkreise die medizinische Praxis bereichern und welche spannenden Erkenntnisse die Natur für uns bereithält.
Behandelte Studien:
0:50 min: Nationale Umfrage zur Präsenz von interdisziplinären Fallkonferenzen bei interstitiellen Lungenerkrankungen (ILD-Boards) an Kliniken in Deutschland. [Bauer CJ et al., Pneumologie 2025;79.09:619–26.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/40913127/
1:58 min: The characterisation of interstitial lung disease multidisciplinary team meetings: a global study [Richeldi L et al., ERJ open research 2019;5.2.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30949489/
29:55 min: Architectural Immunity: ants alter their nest networks to fight epidemics [Leckie L et al., Science 2025;390.6770:266–71.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/41100621/
Univ.-Prof. Dr. med. MU Dr. Valentin Schäfer ist der Leiter der Sektion Rheumatologie und klinische Immunologie, sowie Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie an der Medizinischen Klinik III am Universitätsklinikum Bonn. Er ist Leiter des Psoriasis Arthritis Zentrum Bonn und des Vaskulitis Zentrum West Ko-Leiter Uveitis Zentrum Bonn. Zudem ist Dr. Schäfer Stellv. Sprecher des Zentrums für seltene Erkrankungen Bonn (ZSEB) und Sprecher Zentrum für seltene rheumatologische Erkrankungen des ZSEB.
Lungenbeteiligungen in Form von ILDs stellen bei rheumatischen Erkrankungen eine relevante Manifestation dar, deren oft verzögerte Erkennung die therapeutischen Möglichkeiten limitiert und die Prognose ernsthaft beeinträchtigt. Die neue ERS/EULAR-Leitlinie setzt genau hier an: Sie bietet klare Empfehlungen für die Früherkennung, Diagnostik und Therapie dieser komplexen Krankheitsbilder und verbindet die Expertise der Rheumatologie und Pneumologie. Dabei wird die Expertise weiterer Fachdisziplinen wie Radiologie, Pathologie und weiterer Spezialisten umfassend integriert.
In dieser Folge des Pneumo-Podcasts diskutieren Dr. Justus de Zeeuw und PD Dr. Rebecca Hasseli-Fräbel, Oberärztin für Rheumatologie und Klinische Immunologie am Universitätsklinikum Münster, die zentralen Inhalte der Leitlinie. Sie erklären, warum die hochauflösende Computertomographie (HRCT) als Goldstandard in der Diagnostik gilt und wie die Lungenfunktionsprüfung eine entscheidende Rolle bei der Verlaufsbeurteilung spielt. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Unterscheidung zwischen entzündlichen und fibrotischen Veränderungen des Lungengewebes, die maßgeblich die Wahl der Therapie beeinflusst.
Die beiden Expert:innen beleuchten außerdem die Bedeutung eines interdisziplinären Ansatzes, der eine enge Zusammenarbeit zwischen Rheumatolog:innen, Pneumolog:innen, Radiolog:innen und weiteren Fachdisziplinen erfordert. Die Leitlinie berücksichtigt dabei nicht nur die medizinische Evidenz, sondern auch die Perspektive von Patient:innen, um eine ganzheitliche und praxisnahe Versorgung zu gewährleisten.
Darüber hinaus thematisieren sie die Herausforderungen bei der Umsetzung der Leitlinie in der klinischen Praxis, insbesondere in niedergelassenen Praxen ohne direkten Zugang zu interdisziplinären Teams.
Einen Blick über die klinische Praxis hinaus wagen die Expert:innen mit einer aktuellen Studie über zurückgezogene wissenschaftliche Artikel, die Fragen zur Geschlechterverteilung in der Wissenschaft aufwirft. Die Diskussion darüber, warum Männer signifikant häufiger als Frauen als Autoren von "Retracted Papers" genannt werden und welche Rolle die oft geringe Evidenzlage in der Medizin seltener Erkrankungen spielt, regt zum Nachdenken an.
Die Episode zeigt, wie evidenzbasierte Medizin und Teamarbeit dazu beitragen können, Lungenbeteiligungen frühzeitig zu erkennen, irreversible Schäden zu verhindern und die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu verbessern. Dabei werfen die Expert:innen auch einen kritischen Blick auf die Geschlechterverteilung in der Wissenschaft selbst und plädieren für mehr Transparenz und die unersetzliche Rolle des menschlichen Austauschs in einer zunehmend algorithmengesteuerten Welt.
Behandelte Studien:
01:00 min: ERS/EULAR clinical practice guidelines for connective tissue diseases associated interstitial lung disease.
42:30 min: Gender disparities among authors of retracted publications in medical journals: A cross-sectional study
PD Dr. med. Rebecca Hasseli-Fräbel ist stellvertretende Sektionsleitung, leitende Oberärztin und Fachärztin für Innere Medizin und Rheumatologie mit der Zusatzbezeichnung Immunologie sowie Osteologin DVO am Universitätsklinikum Münster.
Lungenkrebs ist in Deutschland nach wie vor eine der häufigsten Krebsarten mit hoher Sterblichkeit. Ein wesentlicher Grund dafür ist die späte Diagnose, denn Lungenkrebs verläuft im frühen Stadium oft symptomlos. Um die Früherkennung zu verbessern und die Überlebenschancen zu erhöhen, ist in Deutschland ein nationales Lungenkrebs-Screeningprogramm geplant. Im Pneumo-Podcast diskutieren Dr. Justus De Zeeuw und Prof. Dr. Thorsten Blum die zentralen Aspekte dieses vielversprechenden Programms.
Prof. Blum, Oberarzt an der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring und deutschlandweit anerkannter Experte für Lungenkrebs, erläutert die Notwendigkeit eines Screenings sowie eines risikoadaptierten Ansatzes. Das Screening richtet sich an Personen zwischen 50 und 75 Jahren mit einer hohen Tabakrauchexposition, da sie ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Die Untersuchung erfolgt mittels Niedrigdosis-CT (LDCT), die zwar eine geringe Strahlenbelastung mit sich bringt, die aber dennoch im Verhältnis zum Nutzen abgewogen werden muss.
Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist die Qualifizierung der beteiligten Radiolog:innen und Ärzt:innen, um die Qualität der Untersuchungen und Befundung sicherzustellen. Die korrekte Interpretation der LDCT-Bilder und das Management von Rundherden sind entscheidend, um falsch positive Befunde und unnötige invasive Eingriffe zu minimieren.
Neben der Früherkennung von Lungenkrebs bietet das Screeningprogramm auch die Chance, die Raucherentwöhnung zu fördern. Studien zeigen, dass die Bereitschaft, mit dem Rauchen aufzuhören, im Rahmen eines Screeningprogramms deutlich erhöht ist.
Ein weiteres Thema sind Zufallsbefunde, die bei der LDCT entdeckt werden können. Dazu zählen beispielsweise Koronarkalk, Lungenemphysem oder interstitielle Lungenanomalien (ILAs), die auf eine mögliche interstitielle Lungenerkrankung (ILD) wie Lungenfibrose hindeuten können. Die Entdeckung solcher Befunde im Rahmen des Screenings bietet die Chance, weitere Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln.
Die Podcast-Folge bietet einen umfassenden Einblick in das geplante Lungenkrebs-Screeningprogramm in Deutschland, beleuchtet die Chancen der Früherkennung und diskutiert die damit verbundenen Herausforderungen.
Behandelte Studien:
Prof. Dr. med. Thorsten Blum ist Oberarzt an der Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin.
Hinter unspezifischen Symptomen wie Atemnot und hartnäckigem Husten können sich manchmal ernsthafte Erkrankungen verbergen. In dieser Folge des Pneumo-Podcasts dreht sich alles um die Lungenfibrose, eine zwar seltene, dafür jedoch schwerwiegende und oftmals progredient verlaufende Lungenerkrankung. Dr. Justus de Zeeuw spricht mit Dr. Sylva Mitterdiami, einer erfahrenen Hausärztin aus Berlin, über die Herausforderungen und Chancen in der Diagnostik und Behandlung dieser Erkrankung.
Dr. Mitterdiami betont dabei die wichtige Rolle der Hausarztpraxis als erste Anlaufstelle und „Lotse“ im Gesundheitssystem. Durch die oftmals langjährige Kenntnis der Patient:innen und den umfassenden Blick auf den Menschen – inklusive Hobbys, Beruf und familiärer Vorgeschichte – können Hausärzt:innen Hinweise auf eine mögliche Lungenfibrose frühzeitig erkennen. Besonders wichtig ist das Wissen um Risikofaktoren wie Rauchen oder bestimmte Berufserkrankungen, sowie das Vorliegen von Komorbiditäten wie z. B. rheumatischen Erkrankungen oder Schlafapnoe. Das Auskultieren kann bei Patient:innen mit diesen Risikoprofilen eine entscheidende Rolle spielen. Denn das für eine Lungenfibrose typische Knisterrasseln, welches an das Öffnen eines Klettverschlusses erinnert, kann bereits hörbar sein, bevor Veränderungen im Lungengewebe im CT sichtbar werden.
Um letztlich eine genaue Diagnose stellen und die bestmögliche Therapie einleiten zu können, ist die Zusammenarbeit mit Lungenfachärzt:innen und Kliniken essenziell. Dr. Mitterdiami erläutert anhand konkreter Beispiele, wie eine gute Kommunikation und ein optimaler Informationsaustausch zwischen den Kolleg:innen sowohl die Diagnostik beschleunigen, als auch die Therapietreue der Patient:innen fördern kann. Gerade beim Management von Nebenwirkungen, wie z. B. therapiebedingtem Durchfall, ist die enge Betreuung durch Hausärzt:innen unverzichtbar. Nicht selten sind diese für die Betroffenen die erste Anlaufstelle, wenn unter der Therapie der Lungenfibrose Nebenwirkungen auftreten.
Doch nicht nur fachliche Expertise ist gefragt: Auch ein einfühlsames Erwartungsmanagement kann Patient:innen helfen, besser mit dem Fortschreiten der Erkrankung und der damit einhergehenden abnehmenden Lebensqualität umzugehen.
Am Ende auch dieser Podcast-Folge steht wieder eine etwas abstruse Studie im Mittelpunkt. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Schlangen schneller erkannt werden, nachdem man jemanden gähnen gesehen hat. Was es damit auf sich hat und Vieles mehr, erfahren Sie in dieser Folge des Pneumo-Podcasts. Also nichts wie rein ins Hörvergnügen!
Dr. med. Sylva Mitterdiami ist Fachärztin für Allgemeinmedizin in Berlin (Lehrpraxis der Charité).
Behandelte Studie:
In dieser Folge des Pneumo-Podcasts "Sach- und Fachgeschichten" taucht Justus De Zeeuw mit Prof. Thorsten Bauer, Direktor der Lungenklinik Heckeshorn und ehemaliger Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP), tief in die Welt der Berufspolitik im Gesundheitswesen ein. Prof. Bauer, gleichzeitig Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose, teilt seine langjährige Erfahrung und bietet ehrliche Einblicke in die komplexen Zusammenhänge, die die Lungenheilkunde prägen.
Die beiden Experten diskutieren offen über die finanzielle Realität im Krankenhaus- und Praxisalltag, wo Kostenerstattungssysteme und Verhandlungen mit Krankenkassen den ärztlichen Handlungsspielraum beeinflussen. Sie beleuchten die Schwierigkeiten der Zusammenarbeit zwischen ambulantem und stationärem Sektor und plädieren für mehr Transparenz und Verständnis in der Finanzierungsdebatte.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Bedeutung von Leitlinien in der medizinischen Praxis. Prof. Bauer erklärt den aufwändigen Prozess der Leitlinienerstellung, die Herausforderungen der Evidenzbasierung und die Notwendigkeit, medizinische Entscheidungen individuell an Patient:innen anzupassen. Die Diskussion berührt auch die Zentrumsbildung und die Vorteile einer interdisziplinären Zusammenarbeit für komplexe Krankheitsbilder wie Lungenfibrose oder Lungenkrebs.
Besonders brisant ist der Austausch über die Rolle der Politik in gesundheitsrelevanten Fragen. Am Beispiel der Tabakentwöhnung zeigen De Zeeuw und Bauer die Diskrepanz zwischen wissenschaftlichen Empfehlungen und politischen Entscheidungen auf. Sie runden diese Podcastfolge mit einer kuriosen Studie zur Nikotinaufnahme über die Haut ab. Diese liefert nicht nur überraschende Erkenntnisse, sondern regt auch zum Schmunzeln an.
Prof. Dr. med. Thorsten Bauer ist Chefarzt der Klinik für Pneumologie an der Lungenklinik Heckeshorn, HELIOS Klinikum Emil von Behring in Berlin. Er ist Facharzt für Pneumologie, Infektiologie und Allergologie. Außerdem ist er Generalsekretär des Deutschen Zentralkomitees zur Bekämpfung der Tuberkulose (DZK) und war von 2021 bis 2023 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (DGP).
Behandelte Studie:
Placebos spielen insbesondere in der klinischen Forschung eine wichtige Rolle, denn die einfache Annahme ein wirksames Medikament verabreicht zu bekommen, kann bereits einen positiven Effekt bei Patient:innen erzeugen. Doch nicht nur das – erläutern Dr. Justus de Zeeuw und die Neurologin Prof. Dr. Ulrike Bingel: Selbst ohne Verabreichung einer Tablette, kann es zu Placeboeffekten kommen, beispielsweise durch eine positive Erwartungshaltung an spezielle Laufsocken oder das Wetter.
Für die Praxis stellt sich die Frage: Wie können behandelnde Ärzt:innen die Erwartungen von Patient:innen an eine Therapie positiv beeinflussen? Auf dieser Gratwanderung gilt es die positiven Effekte realistisch und den Patient:innen verständlich zu übermitteln, ohne jedoch unrealistische Versprechungen zu machen. Ganz zentral sieht Frau Prof. Bingel positive Vorerfahrungen in Bezug auf eine Therapie an. Auch Patientengruppen, in denen Erfahrungen geteilt werden, können zu einer positiven Erwartungshaltung beitragen. Für Frau Prof. Bingel steht fest: Ärzt:innen haben eine Bandbreite an Möglichkeiten, um die Erwartungen von Patient:innen an eine Therapie gut und hilfreich zu beeinflussen.
Die Forschung zeigt darüber hinaus einen weiteren unerwarteten Aspekt von Placebos: In verschiedenen Studien wurde untersucht, ob Placebos auch einen Effekt haben, wenn Patient:innen darüber aufgeklärt werden, dass es sich um ein Placebo handelt. Verblüffend zeigt sich: Dies scheint tatsächlich der Fall zu sein.
Mit Blick auf die Bedeutung von Placeboeffekten wird deren negativer Zwilling, der sogenannte Noceboeffekt ebenfalls thematisiert. Dieser kann zu negativen Effekten bei Therapien führen. Besonders, wenn Patient:innen verunsichert sind oder Angst vor einer Behandlung haben, kann diese negative Erwartungshaltung zu einem Noceboeffekt führen. Auch hier haben behandelnde Ärzt:innen die Möglichkeit Einfluss zu nehmen, um den Therapieerfolg und Therapieadhärenz zu verbessern.
Zuletzt wird im Gespräch eine neue Studie aus Wien aufgegriffen, die sich mit der Frage auseinandergesetzt hat, welche Menschen besonders anfällig für Verschwörungstheorien sind.
Hören Sie sich die Podcastfolge in ganzer Länge an und erlangen Sie viele weitere spannende Einblicke in die Welt der Placebos.
Prof. Dr. med. Ulrike Bingel leitet neben der Professur für Klinische Neurowissenschaften auch das Zentrum für universitäre Schmerzmedizin (Universitätsklinikum Essen) und ist Sprecherin der SFB/TRR 289 Treatment Expectation.
Behandelte Studie:
Als niedergelassene Pneumologen sind die beiden Gesprächspartner oftmals mittendrin, wenn es darum geht, an Atemnot leidende Patient:innen zum Lungensport zu motivieren. Das es insbeson-dere für das erste Mal mitunter bildhafte Beispiele und eine Extraportion Motivation und Durchhal-tevermögen braucht, bestätigen die Geschichten aus dem Alltag der beiden Mediziner. Wie immer äußerst unterhaltsam und kurzweilig geben sie praxisnahe Einblicke, wie sich selbst sehr stark ein-geschränkte Patient:innen vom Lungensport überzeugen lassen.
Überzeugungsarbeit ist dabei nicht nur bei den Patient:innen zu leisten. Auch gegenüber Kostenträ-gern gilt es mitunter, kreativ zu werden und gute Begründungen zu liefern, damit auch Folgeverord-nungen anerkannt und erstattet werden. Dabei sind die ca. 6 € pro Übungseinheit im Vergleich zu den z. T. hohen Kosten moderner Asthma-, COPD- oder Lungenfibrosetherapien eher gering und bestens investiert. Als ergänzendes Therapiekonzept kann Lungensport Alltagsaktivitäten und die Lebensqualität Betroffener effektiv verbessern.
Und was wünschen sich die beiden Experten für die Zukunft? Zum einen, dass das Angebot ausge-baut wird und jeder, der Lungensport braucht, auch Zugang erhält. Als äußerst interessant und wünschenswert sehen beide Experten zudem Studien, die die Effekte von Face-to-Face-Sportgruppen und Onlineangeboten vergleichen. Aber auch ohne diese Daten sind sich beide Me-diziner einig, dass die vor allem aus Pandemiezeiten resultierenden, z. T. kostenlosen, Online-Angebote die Situation insgesamt verbessert haben und das limitierte Angebot an Präsenzsport-gruppen ergänzen können. Den Effekt der Gruppendynamik und die soziale Komponente vollstän-dig auffangen bzw. ersetzen können diese Angebote jedoch nicht.
Auch in dieser Podcast-Folge wird über den Tellerrand hinausgeblickt. Im Fokus stehen dabei die „unteren Luftwege“, genauer gesagt der Darm und das Mikrobiom. Die beiden Experten beleuchten aktuelle Studienergebnisse, die zeigen, dass sich mit einer Stuhltransplantation die sogenannte Darm-Hirn-Achse beeinflussen lässt. Und auch wenn offen bleibt, ob ein Sportmuffel künftig ganz ohne Motivation von außen zum Bewegungsfreak umprogrammiert werden kann, ist auch dieser Part äußerst hörenswert. Aber überzeugen Sie sich am besten selbst, indem Sie aktiv den Play-Button drücken, einmal tief durchatmen und sich entspannt zurücklehnen.
Behandelte Studie:
07:49 min: Benefits of whole body vibration training in patients hospitalised for COPD exacerbations - a randomized clinical trial
31:00 min: Faecal microbiota transplantation from patients with depression or healthy individuals into rats modulates mood‑related behaviour
PD Dr. med. Matthias Krüll ist habilitiert an der Charitè Berlin und als niedergelassener Pneumologe tätig. Er leitet darüber hinaus 14 Lungensportgruppen in einem großen Rehazentrum in Berlin.
In dieser Folge ist Dr. Siemon zu Gast bei Dr. de Zeeuw und spricht mit ihm rund um das Thema Luftnot bei chronischen Atemwegserkrankungen und der Rolle von Sauerstoff im Allgemeinen und Speziellen.
Zunächst erklären sie anhand von anschaulichen Beispielen, warum Luftnot weder etwas mit geringer Sauerstoffsättigung noch mit hohem CO2-Gehalt im Blut zu tun hat und welche Gemeinsamkeiten COPD-Patient:innen und Apnoe-Taucher:innen haben. Anschließend geben sie einen Überblick darüber, wie eine Luftnot definiert wird, welche Mechanismen hinter der Entstehung von Luftnot stecken – die je Erkrankung unterschiedlich sein können – und an welchen Stellschrauben gedreht werden kann, um eine Luftnot zu verbessern.
Darüber hinaus klären sie die Fragen, warum sich Kardiolog:innen und Pneumolog:innen häufig im rechten Vorhof treffen, was der Unterschied zwischen der Sauerstoffsättigung und dem Sauerstoffgehalt im Blut ist und warum die Bestimmung des letzteren dazu führen kann, dass Patient:innen doch von der Beatmungsmaschine entwöhnt werden können.
Anschließend sprechen sie darüber, für welche Patient:innen eine Langzeit-Sauerstofftherapie geeignet ist, was bei der Anwendung zu beachten ist, warum es bei einer Sauerstofftherapie nicht egal ist, ob eine COPD oder eine Lungenfibrose vorliegt und was es mit der „Happy Hypoxie“ bei Post-Covid-Patient:innen auf sich hat.
Den Abschluss der Folge bildet eine Studie, die die Überlebenszeit von Schokolade auf Krankenhausstationen untersuchte.
Hören Sie rein und erfahren Sie mehr rund um die Atemnot bei chronischen Atemwegserkrankungen.
Dr. Karsten Siemon ist leitender Arzt der Pneumologie am Fachkrankenhaus Kloster Grafschaft in Schmallenberg.
Lungen- bzw. Atemwegserkrankungen und Ernährung sind bei vielen vermutlich nicht die erste Assoziation, wenn es um das Thema „Therapie“ geht. Doch Entzündungsreaktionen im Körper und die damit einhergehende Katabolie können dazu führen, dass Muskulatur (u.a. Atem- / Schluckmuskulatur) bei Betroffenen abgebaut und so die Atmung dauerhaft beeinträchtigt wird – und das unabhängig vom Gewicht.
Luftnot ist ein häufiges Symptom, das Betroffene veranlasst, weniger zu essen. Um Schluckbeschwerden und dadurch entstehende Luftnot zu minimieren, spielt beispielsweise die Konsistenz von Lebensmitteln eine wichtige Rolle. Dipl. Ernährungswissenschaftlerin Ramona Schinköthe gibt im Laufe des Gesprächs mit Dr. Justus de Zeeuw Einblick über Messmethoden rund um den ungewollten Gewichtsverlust und außerdem einige wertvolle und vor allem praktische Tipps, um die Kalorienzufuhr bei Patient:innen zu erhöhen – ihr Geheimrezept ist Mascarpone.
Schon bei einem 5%igen ungewollten Gewichtsverlust vom Ausgangswert sowie einsetzendem Appetitverlust sollten Ärzt:innen hellhörig werden. Die Ernährungswissenschaftlerin erklärt ebenfalls im Gespräch, wie Sie als Arzt bzw. Ärztin die Ernährungstherapie richtig verordnen, damit der Patient bzw. die Patientin über die Krankenkasse eine Bezuschussung erhält.
Zum Ende dieser Folge widmen sich die beiden Expert:innen einem amerikanischen Artikel aus dem Bereich der Kardiologie, in dem untersucht wurde, in wieweit mit Hilfe der national cholesterol education panel III Leitlinie* Erwachsene identifiziert werden können, die ein erhöhtes Risiko für kardiale Ereignisse (z. B. Herzinfarkt) aufweisen. Doch so viel darf verraten sein: Das Krankheitsrisiko wird bei Erwachsenen unterschätzt. Mehr zur Studie und zu weiteren interessanten sowie unterhaltsamen Fragestellungen können Sie ab sofort in der 24. Podcast-Folge anhören.
*Alle deutschen Leitlinien zur klinischen Ernährung (bis auf die Leitlinie für klinische Ernährung in der Intensivmedizin (S2K) und der Leitlinie für enterale und parenterale Ernährung von Patienten mit Nierenversagen (S1)) sind sogenannte S3-Leitlinien und haben somit die höchste Verlässlichkeit bzw. methodische Qualität.
Zu einer leitliniengerechten, vollbilanzierten Ernährungstherapie gehören nicht nur die Makronährstoffe Kohlenhydrate, Fette und Eiweiß, sondern auch die Mikronährstoffe. Vitamine und Mineralstoffe haben laut DGE Empfehlungen für die tägliche Mindestmenge, die aufgenommen werden müssen. Ein Mangel an Mikronährstoffen erhöht das Risiko zu erkranken, verringert Heilungschancen und verschlechtert immer den aktuellen Gesundheits- / Krankheitszustand.
PS:
Notwenigkeitsbescheinigung vom Verband der Oecotrophologen (VDOE)
Notwenigkeitsbescheinigung vom Verband der Diätassistenten (VDD)
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Weiterbildungsmöglichkeiten
In der 23. Episode des Pneumo-Podcasts diskutieren Dr. Justus de Zeeuw und Dr. Felix Döllinger das Thema der radiologischen Diagnostik der Lunge in einem interdisziplinären Austausch zwischen Pneumologie und Radiologie. Die Experten klären auf, dass Menschen nicht nur durch medizinische Röntgengeräte oder Computertomografen, sondern auch durch die Umwelt Strahlenbelastung ausgesetzt sind. Hätten Sie gewusst, dass die Strahlenbelastung eines Hin- und Rückflugs von Deutschland nach New York in etwa mit der einer Röntgen-Thorax-Aufnahme verglichen werden kann?
Im Verlauf des Gesprächs diskutieren die Experten die Vor- und Nachteile der Computertomografie im Vergleich zum konventionellen Röntgenbild und thematisieren das Thema der Kontrastmittel. Und bei einem Thema sind sich beide einig: Alle wichtigen Informationen der Patient:innen sollten bei der Überweisung in die Radiologie vorliegen, damit für die Verdachtsdiagnose z. B. einer interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) bzw. einer Lungenfibrose, die richtige Untersuchungsmethode und -Einstellung verwendet werden kann.
Im Rahmen der ILD/Lungenfibrose-Diagnostik zeichnet Dr. Döllinger zudem eindrucksvoll ein Bild der Lungenanatomie vor dem inneren Auge und beschreibt hierbei, wie Milchglastrübungen und das "Tree-in-Bud"-Phänomen aussehen, ohne auf radiologische Aufnahmen zurückzugreifen. Als entscheidend für die Diagnosestellung wird dabei von den beiden Experten die multidisziplinäre Diskussion (MDD) herausgestellt, die auch in der aktuellen nationalen S1-Diagnostikleitlinie als Goldstandard empfohlen wird.
Zum Abschluss widmen sich die Experten der australischen Studie „Herr Doktor! Haben Sie meine Symptome gegoogelt? (…)“. Diese hat untersucht, wie das Nachschlagen von Symptomen während des Patienten-Arzt-Gesprächs im Behandlungszimmer von den Patient:innen aufgenommen wird. Dies und weitere faszinierende und unterhaltsame medizinische Fragestellungen können Sie nun in der 23. Podcast-Folge kostenlos anhören.
Dr. Felix Döllinger ist Oberarzt der radiologischen Klinik der Charité in Berlin.
Behandelte Studie:
Doctor! Did you Google my symptoms? A qualitative study of patient perceptions of doctors’ point-of-care information seeking | BMJ Open
Trenter I et al. BMJ Open. 2022;12(7):e061090.
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