Chancen, Herausforderungen und der Weg zu einem erfolgreichen Screeningprogramm
Lungenkrebs ist in Deutschland nach wie vor eine der häufigsten Krebsarten mit hoher Sterblichkeit. Ein wesentlicher Grund dafür ist die späte Diagnose, denn Lungenkrebs verläuft im frühen Stadium oft symptomlos. Um die Früherkennung zu verbessern und die Überlebenschancen zu erhöhen, ist in Deutschland ein nationales Lungenkrebs-Screeningprogramm geplant. Im Pneumo-Podcast diskutieren Dr. Justus De Zeeuw und Prof. Dr. Thorsten Blum die zentralen Aspekte dieses vielversprechenden Programms.
Prof. Blum, Oberarzt an der Lungenklinik Heckeshorn am Helios Klinikum Emil von Behring und deutschlandweit anerkannter Experte für Lungenkrebs, erläutert die Notwendigkeit eines Screenings sowie eines risikoadaptierten Ansatzes. Das Screening richtet sich an Personen zwischen 50 und 75 Jahren mit einer hohen Tabakrauchexposition, da sie ein erhöhtes Lungenkrebsrisiko haben. Die Untersuchung erfolgt mittels Niedrigdosis-CT (LDCT), die zwar eine geringe Strahlenbelastung mit sich bringt, die aber dennoch im Verhältnis zum Nutzen abgewogen werden muss.
Ein wichtiger Bestandteil des Programms ist die Qualifizierung der beteiligten Radiolog:innen und Ärzt:innen, um die Qualität der Untersuchungen und Befundung sicherzustellen. Die korrekte Interpretation der LDCT-Bilder und das Management von Rundherden sind entscheidend, um falsch positive Befunde und unnötige invasive Eingriffe zu minimieren.
Neben der Früherkennung von Lungenkrebs bietet das Screeningprogramm auch die Chance, die Raucherentwöhnung zu fördern. Studien zeigen, dass die Bereitschaft, mit dem Rauchen aufzuhören, im Rahmen eines Screeningprogramms deutlich erhöht ist.
Ein weiteres Thema sind Zufallsbefunde, die bei der LDCT entdeckt werden können. Dazu zählen beispielsweise Koronarkalk, Lungenemphysem oder interstitielle Lungenanomalien (ILAs), die auf eine mögliche interstitielle Lungenerkrankung (ILD) wie Lungenfibrose hindeuten können. Die Entdeckung solcher Befunde im Rahmen des Screenings bietet die Chance, weitere Erkrankungen frühzeitig zu diagnostizieren und entsprechend zu behandeln.
Die Podcast-Folge bietet einen umfassenden Einblick in das geplante Lungenkrebs-Screeningprogramm in Deutschland, beleuchtet die Chancen der Früherkennung und diskutiert die damit verbundenen Herausforderungen.
01:09 min: Positionspapier zur Implementierung eines nationalen organisierten Programms in Deutschland zur Früherkennung von Lungenkrebs in Risikopopulationen mittels Low-dose-CT-Screening inklusive Management von abklärungsbedürftigen Screeningbefunden [Blum TG et al., Pneumologie 2024;78:15–34.]https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37816379/
07:15 min: Reduced Lung-Cancer Mortality with Low-Dose Computed Tomographic Screening [Aberle DR et al., N Engl J Med. 2011;365:395–409.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/21714641/08:38 min: Reduced Lung-Cancer Mortality with Volume CT Screening in a Randomized Trial [de Koning et al., N Engl J Med. 2020;382:503–13.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31995683/ 29:33 min: Golf habits among physicians and surgeons: observational cohort study [Koplewitz G et al., BMJ. 2018;363:k4859.] https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30530803/Prof. Dr. med. Thorsten Blum ist Oberarzt an der Lungenklinik Heckeshorn, Helios Klinikum Emil von Behring in Berlin.