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Ich habe mich mit mehreren Menschen unterhalten, die therapeutisch arbeiten. Was mich daran am meisten erschüttert hat, war nicht, womit ihre Klientinnen kommen — sondern womit sie nicht kommen. Über die Wechseljahre wird geredet, mühsam, aber es wird geredet. Über die Lust nicht. Nicht mal dort, wo eine Frau dafür bezahlt und wo nichts weitergetragen wird.
Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit diesem Thema, und ich stelle bei allen Frauen dasselbe fest: Sie reden nicht darüber. Und ich glaube, ich weiß inzwischen, warum. Weil die Antwort, die wir bekommen, wenn wir doch einmal etwas sagen, fast immer dieselbe ist. Das ist doch alles nur normal. Das passt nicht zu Ihrem Alter. Das kann gar keine Nebenwirkung sein. Und keine von uns will hören, dass sie normal ist. Denn wenn das alles normal ist — warum ist es dann so schwer zu ertragen?
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickIn dieser Folge geht es um das Schweigen, das vor allem anderen kommt. Bevor eine Frau herausfindet, was mit ihrem Körper passiert, muss sie erst einmal jemanden finden, dem sie es sagen kann. Ich erzähle von zwei Arztbesuchen, bei denen ich mit einem „ist doch normal" nach Hause geschickt wurde, und von einem Bild, das mir eine Therapeutin beschrieben hat und das mich seitdem nicht loslässt: Frauen um die vierzig, die nach der Arbeit zehn Minuten im Auto sitzen bleiben und überlegen, ob sie wirklich reingehen wollen. Sie gehen rein. Sie kochen, sie waschen, sie machen alles, was von ihnen erwartet wird. Aber in diesen zehn Minuten fragen sie sich: Ist das eigentlich normal? Ich frage mich das auch. Nicht im Auto, sondern unter der Dusche.
Über Lust in den Wechseljahren reden ist die Stelle, an der es dann ganz aufhört. Es gibt viele Frauen, die großartige Arbeit machen und über Hitzewallungen, Schlaf und Erschöpfung aufklären. Ich lese das, ich höre das, ich schaue mir die Videos an. Und immer wieder stelle ich fest: Die Lust bekommt einen einzigen Satz. Man verliert sie, sie ist weniger, sie ist weg. Fertig. Wir haben vierzig Jahre mit dieser Lust gelebt — und sie bekommt einen Halbsatz.
Ich habe keine Methode dafür. Ich habe nur die Beobachtung, dass sich nichts ändert, solange keine von uns anfängt. Und dass der erste Satz nicht groß sein muss.
Shownotes und EpisodendetailsIch war bei einer Osteopathin und habe erzählt, was mit mir los ist, und dass ich gelesen habe, das gehöre zu den Wechseljahresbeschwerden. Die Antwort: Ja, das kann schon mal vorkommen, aber eher in seltenen Fällen. Bei Ihnen ist die Wahrscheinlichkeit wohl eher anders gelagert.
Beim Frauenarzt habe ich gesagt, ich glaube, ich komme in die Perimenopause, vielleicht bin ich auch schon mittendrin. Die Antwort: Ja, das passt zu Ihrem Alter, aber gucken Sie mal, das ist doch alles nur normal.
Zweimal ausgesprochen. Zweimal höflich abgeräumt.
Warum uns die Worte fehlenEs gibt noch eine zweite Hürde, und die sitzt nicht beim Gegenüber, sondern bei mir. Wenn ich sage, ich spüre meinen Körper nicht mehr richtig, und jemand fragt zurück, was ich damit meine — dann kann ich es nicht genau sagen. Das ist keine Schüchternheit. Es gibt schlicht keine Begriffe dafür.
Es gibt keine Erklärung dafür, warum wir uns auf einmal so komisch fühlen. Die Hormone verändern sich, heißt es. Die Hormone gehen und sagen uns nicht Bescheid, dass sie weg sind. Für zehn Jahre meines Lebens ist mir das zu dürftig.
Und weil das so ist, reden wir irgendwann nur noch in einer bestimmten Tonlage darüber. Ach, ist ja lustig, ich habe auch Hitzewallungen. Es ist aber nicht lustig. Es fühlt sich auch nicht lustig an.
Die Lust bekommt einen SatzIch finde die Arbeit großartig, die inzwischen zu den Wechseljahren gemacht wird. Da geben sich viele Frauen echt Mühe, das sichtbar zu machen — auch gegenüber Männern, damit endlich ankommt, dass unser „ich bin müde" nichts damit zu tun hat, einmal schlecht geschlafen zu haben. Es fühlt sich an, als hätten wir zehn Jahre nicht richtig geschlafen und kämen da nicht mehr raus.
Was mir in all dem fehlt, ist die Lust. Sie taucht auf, aber immer nur als Nebensatz. Man verliert sie. Sie fühlt sich weniger an. Sie ist dann weg. Dabei fängt das mit dem Teenageralter an: Da prägt sich, wie viel wir über unseren Körper wissen, was er möchte und was nicht, und wie viel wir davon aussprechen können. Das entwickelt sich über Jahrzehnte weiter, durch alle Beziehungen hindurch. Und am Ende steht ein Halbsatz.
Ich habe nachts zwischen eins und zwei mit meinem Partner darüber geredet — wir reden öfter zu solchen Zeiten. Als ich ihm erklärt habe, dass die Menopause genau ein Tag ist, war er einfach schockiert. Und ich bin schockiert darüber, dass wir uns nicht trauen, eine andere Frau zu fragen. Nicht mal die beste Freundin.
Meine Mutter hat nie darüber gesprochen. Von ihren Wechseljahren weiß ich so gut wie nichts. Genau das möchte ich nicht weitergeben. Denn wenn wir nicht reden, wie soll irgendjemand wissen, wie es uns geht? Wie soll die nächste Generation verstehen, was auf sie zukommt?
Deswegen endet diese Folge mit drei Wörtern: Rede darüber. Und es muss kein großes Fass sein, kein „lass uns mal über den Sex reden" — das wird sowieso schwierig, weil im Kopf sofort alles umschaltet. Es reicht ein Satz über ein Gefühl, das neu ist.
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Der Mann hatte einen Orgasmus, und für mich war es auch ganz nett. Diesen Satz habe ich früher belächelt. Heute, Mitte 40, weiß ich, dass ich ihn jahrelang selbst gesagt habe.
Vor über zehn Jahren hätte ich nicht gedacht, dass ich über diesen Satz einmal nachdenken würde. Damals fand ich ihn absurd — es muss doch Spaß machen, dachte ich, das kann doch gar nicht sein. Wenn ich mich heute einen Tacken ehrlicher betrachte, sehe ich das anders. Denn ich habe über Jahre genau so gelebt: Sex, bei dem er kam, und ich fand es schön genug, um nichts zu sagen. Kein Orgasmus beim Sex war nichts, worüber ich mich beschwert hätte. Es war der Normalzustand, für den ich mir auch noch eine Entschuldigung zurechtgelegt habe.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickIch erzähle in dieser Folge meine eigene Partnerkette. Am Anfang war der Sex mit jedem Neuen gut, weil alles neu war. Dann wurde er anders, auch gut, mit dem einen oder anderen Orgasmus — aber nicht regelmäßig und vor allem nicht immer. Also habe ich gewechselt. Und wieder. Und nochmal. Jedes Mal in der Hoffnung, dass es diesmal der Sex ist, der mir meinen regelmäßigen Orgasmus bringt. Ich habe sogar in die SM-Szene hineingeschaut, um zu prüfen, ob Fesseln, Schläge, Schmerz das sind, was mich dahin bringen. Das Ergebnis war dasselbe wie überall sonst: Der Mann ist gekommen. Danach ging es zurück in braven Blümchensex zu Hause. Ich habe immer gesagt, ich gehöre nicht zu den Frauen, die mit über 40 ihren ersten Orgasmus erleben — und das stimmte auch, meinen ersten hatte ich in den Zwanzigern. Nur hat mir diese Rechnung kein einziges Mal geholfen. Sie hat mir bloß erlaubt, alles beim Alten zu lassen.
Diese Folge löst nichts auf. Sie stellt fest, was da war, wie lange es da war und wie gut ich mich daran gewöhnt hatte. Ich finde das traurig, und ich finde es krass, und beides gleichzeitig ist gerade der ehrlichste Punkt, an dem ich stehe.
Shownotes und EpisodendetailsEs gibt einen Unterschied zwischen etwas verlieren und etwas abschreiben. Verloren geht etwas ohne mein Zutun. Abgeschrieben habe ich selbst — leise, über Jahre, ohne dass es jemandem aufgefallen wäre, mir am wenigsten. Und weil niemand widerspricht, wenn eine Frau sagt, es war schön, klingt das Abschreiben von außen wie Zufriedenheit.
Ich wollte immer wissen, wie es sich für andere anfühltMich beschäftigt das Thema Sex seit Jahrzehnten, eigentlich schon immer. Ich wollte wissen, wie alles funktioniert, wie sich eine Berührung anfühlt, wie sie sich für mich anfühlt. Und noch mehr hat mich interessiert, wie es sich für andere anfühlt. Spüren die dasselbe? Spüren die etwas ganz anderes?
Man sieht ja an Periodenschmerzen, wie unterschiedlich Körper sind — die einen liegen flach, die anderen merken kaum etwas. So unterschiedlich stelle ich mir auch das Gefühl beim Sex vor. Und das fand ich erschreckend. Weil ich nie erfahren habe, wo ich in diesem Spektrum eigentlich stehe. Ich habe es auch einmal mit einer Frau versucht und war vom Ergebnis enttäuscht. Immerhin sind wir da zu zweit nicht gekommen und nicht wie sonst nur ich.
Die fünfzehn Minuten, in denen er eingeschlafen istIn einer Beziehung war ich irgendwann so weit, dass ich gesagt habe: Es muss doch eine Lösung geben, damit wir Frauen erfüllter sind. Ich hatte etwas gefunden, bei dem man sich fünfzehn Minuten lang ausschließlich um die Frau kümmert — eine Stelle, immer gleichbleibend, ohne schneller oder stärker zu werden. Fünfzehn Minuten. Ich habe meinen damaligen Partner überredet, das mit mir zu machen.
Ich lag da, er hat angefangen, und ich dachte noch: oh, interessant. Es ging überhaupt nicht darum, dass ich etwas Außergewöhnliches spüre oder einen Orgasmus bekomme. Es ging nur um dieses Dafür-da-Sein. Und dann hörte sein Finger auf, sich zu bewegen.
Ich habe mit dem Becken gewackelt. Hat nicht geholfen. Ich habe mich geräuspert, so als hätte sich im Liegen Spucke verhakt. Dann machte er weiter, als wäre nichts gewesen — und bestand hinterher darauf, dass er nicht eingeschlafen sei, er sei nur kurz abwesend gewesen. Ich habe das Thema danach wieder weggelegt.
Warum es allein fünf Minuten dauertIch habe letztens jemanden gehört, der sagte: Wir Frauen kommen doch auch, wenn wir es uns selber machen, da dauert es fünf Minuten. Darüber musste ich kichern, weil es genau so ist — und weil der Grund niemanden interessiert. Wir wissen, wo wir hingreifen. Wir merken, wenn wir etwas anders wollen, und dann ändern wir es einfach. Wir diskutieren es nicht aus, wir erklären uns nicht, wir müssen niemandem sagen: nein, mein rechts, nicht dein rechts. Mit meinem jetzigen Partner ist genau diese Rechts-Links-Arie gelaufen, bis er mir einfach manchmal die Handführung überlässt und sich um den Rest kümmert. Besser ist das vielleicht. Traurig ist es trotzdem.
Was bleibt, ist die Feststellung, dass ich mit Mitte 40 erst merke, wie viele Orgasmen an mir vorbeigegangen sind. Nicht weil mein Körper nicht konnte. Weil ich aufgehört hatte, damit zu rechnen.
Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonnier Saftig. Ich bin noch nicht fertig — du wahrscheinlich auch nicht.
Ein Satz von meiner Mutter hat mich zwanzig Jahre lang im Bett nicht nein sagen lassen. Nicht, weil sie gemein zu mir gewesen wäre. Sondern weil sie in dem einen Moment, in dem ich Trost gebraucht hätte, gesagt hat: das hast du dir doch so ausgesucht, also lebe damit.
Ich bin mit dem Satz nach Hause gegangen und habe ihn behalten. In jede Beziehung, in jedes Bett. Ich habe mitgemacht, was vorgeschlagen wurde, und viel zu selten gesagt: möchte ich nicht. Nicht, weil die Nächte schlimm gewesen wären — die meisten waren völlig okay. Sondern weil ich gelernt hatte, dass ich mir das ja so ausgesucht habe. Über Jahre und über mehrere Beziehungen habe ich diesen Satz mitgeschleppt, ohne ein einziges Mal zu bemerken, dass ich ihn überhaupt mit mir trage.
Meine Mutter hatte übrigens noch einen zweiten Satz: „Da brauchst du mal ein Stück Eisen im Kreuz." Das sollte Selbstbewusstsein heißen. Gemacht hat es mich klein — als würde ich das allein nie hinkriegen, als müsste sich immer jemand hinter mich stellen und mich gerade halten. Erst heute merke ich, dass sich das Eisen irgendwann in mein Eisen verwandelt hat. In dieser Folge erzähle ich, wie das passiert ist — und warum ausgerechnet die Perimenopause damit zu tun hat.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickZwanzig Jahre lang konnte ich beim Sex nicht nein sagen, weil ein Satz meiner Mutter in mir saß und jedes „möchte ich nicht" abgeräumt hat, bevor ich es aussprechen konnte. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich schon vorher doof fand — und trotzdem durchgezogen, weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Erst spät habe ich begriffen, dass das gar keine schlechten Erfahrungen waren. Es war dieser eine Satz, der mich daran gefesselt hat, bloß nie meine Meinung zu ändern. Und jetzt, in der Perimenopause, verliert er seine Kraft. Das Östrogen geht, und mit ihm geht die Kraft, die Klappe zu halten. Ich sage im Bett, was ich will. Und was nicht. Nicht, weil ich plötzlich mutig bin, sondern weil mein Körper aufgehört hat, mir die Wahl zu lassen. Und ja — es wird leichter und leichter.
Das ist kein Phönix aus der Asche. Das ist eine verspätete Rechnung.
Shownotes und EpisodendetailsManche Sätze hört man einmal und trägt sie ein Leben lang. Man merkt es nicht mal. Man denkt, man ist halt so.
Woher der Satz kamEs gab eine Nacht mit meinem damaligen Partner, nach der es mir nicht gut ging. Nichts Schlimmes, nichts Unfreiwilliges — und trotzdem war ich danach durcheinander und wusste nicht, warum.
Am nächsten Tag habe ich allen Mut zusammengenommen und versucht, mit meiner Mutter darüber zu reden. Ich habe mir einen stillen Moment gesucht und angefangen zu erzählen. Ich hätte mir gewünscht: Komm her, ich nehm dich in den Arm. Wie geht es dir heute? Lass uns in Ruhe schauen, was da eigentlich los war.
Bekommen habe ich einen Satz. Das hast du dir doch so ausgesucht. Also lebe damit. Kein „Wie kann das passieren", keine Frage, wie es mir geht. Nur die Ansage. Und mit der bin ich nach Hause gegangen und habe weitergemacht.
Das Traurige ist nicht der Abend. Das Traurige ist, dass ich gar nicht bemerkt habe, wie fest sich dieser Satz in mir verankert hat. Über Beziehungen hinweg habe ich alles mitgemacht, was mir vorgeschlagen wurde. Manches wollte ich wirklich ausprobieren. Und manches habe ich durchgezogen, obwohl ich vorher schon wusste, dass ich es doof finde. Weil ich mir das ja so ausgesucht hatte. Und wer sich etwas aussucht, ändert seine Meinung nicht.
Es gibt Dinge dabei, für die habe ich mich geschämt. Lange. Und wenn ich mir das heute anschaue, sehe ich, wie sehr dieser eine Satz meine Lust und meine Sexualität geprägt hat — nicht weil damals etwas schiefgelaufen ist, sondern weil danach niemand gefragt hat, wie es mir geht.
Warum er jetzt seine Kraft verliertIch sage in diesem Podcast immer wieder, dass sich in der Perimenopause alles verändert. Mit dem Östrogen fällt die Möglichkeit weg, bestimmte Dinge einfach hinzunehmen. Das klingt erstmal nach Verlust — Hitze, schlechte Laune, der ganze Kram.
Aber es fällt eben auch anderes weg. Festsitzende Erfahrungen. Alte Sätze. Meiner hat mit einem Mal keine Kraft mehr, weil ich inzwischen ziemlich klar sagen kann, was ich nicht will — und genauso, was ich gerne hätte. Und die Dinge, für die ich mich geschämt habe, wiegen von Mal zu Mal weniger.
Da wären wir wieder beim Stück Eisen im Kreuz. Nur ist es jetzt mein Eisen in meinem Kreuz. Nicht mehr das von irgendjemandem, der sich hinter mich stellt und mich gerade hält.
Und trotzdem sitze ich hier mit Mitte vierzig und stelle fest: Ich habe zwanzig Jahre gebraucht, um einen Satz loszuwerden, den mir jemand in zehn Sekunden reingedrückt hat. Leichter wird es, ja. Aber es ist keine schöne Verwandlung. Es ist eine Rechnung, die spät bezahlt wird.
Wenn du eine Frau kennst, die auch so einen Satz mit sich herumträgt — schick ihr diese Folge. Manchmal reicht es zu hören, dass es einer anderen genauso ging.
Vor über zehn Jahren habe ich einen Kurs gekauft, der meinen Beckenboden retten sollte. Nach vier Tagen habe ich das Ei in die Schublade gelegt. Nicht, weil es nichts gebracht hat — sondern weil es sofort gewirkt hat.
Angefangen hat alles beim Frauenarzt. „Gucken Sie sich das mal an, vielleicht fällt Ihnen demnächst die Gebärmutter entgegen." So ein Satz bleibt hängen. Ich habe nachgefragt, was Beckenbodentraining überhaupt heißt. „Ja, wissen Sie schon", hieß es. Wusste ich aber nicht. Auf der Seite liegen und anspannen — das war mir zu wenig. Und alles andere, was ich fand, erschien mir irgendwie nicht logisch. Ich konnte mich zu nichts richtig aufraffen.
Bis ich eine Sexualtherapeutin aus Amerika gefunden habe. Sie war die Erste, die über Beckenboden und Lust geredet hat — nicht über Vorbeugen, sondern über Kraft, über Durchblutung und über das, was ein trainierter Muskel mit dem Verlangen macht. Sie erzählte Sachen, bei denen ich erst dachte, das ist ein Scherz: Frauen mit so viel Kraft da unten, dass sie damit Dinge anstellen können, die ich hier lieber in der Folge lasse. Oder Ping-Pong-Bälle, die man angeblich damit durch die Gegend schießen kann. Ich weiß bis heute nicht, ob ich das je können will. Aber der Punkt saß. Endlich hatte dieser Muskel mal einen Nutzen, der nicht nur für den Mann gedacht war.
Der Kurs war auf acht Wochen ausgelegt. 21 Tage, dann läuft es von allein — das war die Idee. Ich bin nicht mal bis Tag fünf gekommen.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickIch erzähle von dem teuren Onlinekurs, dem Yoni-Ei und den ersten Tagen, an denen ich tatsächlich einen Unterschied gespürt habe — sofort, nicht nach Wochen. Und ja, ich weiß, dass Beckenboden nach Pflichtprogramm klingt. Für mich war es das Gegenteil. Und trotzdem habe ich genau da aufgehört. Ich steckte in einer Beziehung, aus der ich raus wollte. Und ich wollte diesem Mann keinen besseren Sex gönnen. Klingt bescheuert, und es war es auch. Es ging um mich, nicht um ihn. Trotzdem habe ich mir selbst etwas Gutes verweigert, nur damit er nichts davon hat. Das Ei liegt seitdem in meiner Nachttischschublade. Und zum ersten Mal seit Jahren denke ich ernsthaft: Ich hole es da wieder raus und fange klein an.
Manchmal lässt man nicht das liegen, was nicht klappt. Manchmal lässt man genau das liegen, was klappt.
Shownotes und EpisodendetailsEs gibt diesen einen Satz, den man überall hört: dranbleiben, dann wird es zur Gewohnheit. Bei mir war es umgekehrt. Ich musste nie erklären, warum ich aufgehört habe. Ich muss erklären, warum ich mitten im Funktionieren aufgehört habe.
Der Kurs, den ich wirklich gekauft habeEs hat eine Weile gedauert, bis ich ihn überhaupt gekauft habe — teuer war er, und ich war lange nicht sicher, ob mir sowas etwas bringt. Ein Onlinekurs, englischsprachig, Frauen aus der ganzen Welt. Einmal die Woche ein Gruppencall, am Telefon, ohne Bild — das gab es damals so, keine Zoom-Calls, nichts. Eine ziemlich verrückte Geschichte, ehrlich gesagt. Ich habe nie ganz verstanden, wie das laufen sollte, und einfach brav zugehört. Die Calls konnte man sich hinterher nochmal anhören, dazu gab es viele Videos. Ich habe sie sogar herausgezögert, weil ich dachte, ohne das Ei könnte ich die Übungen sowieso nicht richtig machen.
Die erste Woche war Yoga: fünf Übungen für die untere Bauch- und Beckenbodenmuskulatur. Anstrengend genug für ordentlichen Muskelkater. Und dann kam das Yoni-Ei. Man führt es ein, hält es mit dem Beckenboden, gibt leichten Widerstand. Der Trick dahinter: mit einem Gegenstand als Widerstand trainiert der Muskel stärker als ohne — genau das hatte mich an dem Kurs überzeugt. Nicht den ganzen Tag tragen, das leiert die Muskeln nur aus, wie ein Glas Wasser am ausgestreckten Arm. Sondern ein paar Minuten, ganz bewusst. Muskelkater an einer Stelle, von der ich nicht wusste, dass sie einen haben kann.
Nach drei, vier Tagen tat sich was. Spürbar. Kein Einbilden. Und laut Kurs war das erst der Anfang: mehr Kraft, bessere Durchblutung, ein besseres Scheidenmilieu, mehr Lust. So habe ich es jedenfalls verstanden.
Warum ich genau da aufgehört habeIch war in einer Beziehung, die eigentlich schon vorbei war. Nur noch nicht offiziell. Und irgendwo dachte ich: Wenn ich das durchziehe, wird der Sex besser — für ihn. Das wollte ich nicht. Also habe ich das Ei weggelegt. Nicht, weil es versagt hat. Weil es geliefert hat.
Das ist der unbequeme Teil, und ich sage ihn trotzdem. Eigentlich ging es um mich. Um meinen Körper, um meine Lust. Und ich habe mir das selbst verweigert, nur damit ein anderer nichts davon hat. Völliger Quatsch, im Nachhinein. Damals war es einer der Gründe, endlich zu gehen — lange hat es danach nicht mehr gedauert.
Und heuteDas Ei liegt immer noch in der Schublade. Gereinigt, aber seit über zehn Jahren nicht angefasst. Im Kurs gab es noch viele weitere Übungen, aber man kann ja klein anfangen. Beim Sprechen über diese Folge habe ich beschlossen: Ich lege es zurück auf den Nachttisch und mache erst mal die eine Übung. Und wenn ich wirklich dranbleibe, erzähle ich dir, wie es war — gib mir die eine oder andere Woche.
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Vor gut zehn Jahren dachte ich, es geht nichts mehr. Ich war trocken, ich wurde nicht mehr richtig feucht, und ich wusste nicht, woran das lag. Dann kam das einfachste Mittel der Welt: dann nehmen wir eben Gleitgel.
Der Anlass war nicht nur die Trockenheit. Ich bin damals immer zwischen den Schamlippen eingerissen, mit ganz feinen Haarrissen, und die tun genau so weh, wie sich das anhört. Gleitgel war die naheliegende Antwort darauf: Wenn es rutscht, reißt nichts. Dass ich noch gar nicht wusste, wie ich sie sauer halte, damit sie überhaupt in Ordnung bleibt, ist mir damals nicht in den Sinn gekommen.
Erst auf Wasserbasis. Das war so lala — irgendwann war es doch wieder trocken, es rubbelte sich auf, es wurde flockig. Also bin ich auf Silikonbasis umgestiegen. Das hat immer funktioniert, es war schön glitschig, und der Sex ging danach reibungslos. Nur hatte er nichts mehr damit zu tun, ob ich wirklich erregt war. Die Erregung habe ich vorher schnell mit dem Vibrator hergestellt, und dann konnte man eben Sex haben. Damals fand ich das gut. Eine gute Hilfe, kein Problem, damit kommen wir zurecht.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickAus einem Mal wurde jedes Mal. Irgendwann gab es bei jedem Sex Gleitgel dazu, und als ich zum Vibrator gegriffen habe, habe ich es gleich mit danebengelegt, weil es so besser flutschte. Aufgehört habe ich nicht aus Einsicht — ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich richtig schwierig. Ein, zwei Jahre später hatte sich etwas verändert: Das Scheidenmilieu war wieder in Ordnung, sie war nicht mehr ständig trocken, und sie riss auch nicht mehr bei Kleinigkeiten ein. Wenn ich den Sex von damals neben den Sex von heute lege, ist das ein Riesenunterschied. Nicht weil ich mehr könnte. Sondern weil mein Körper und ich anders damit umgehen können, wenn die Feuchtigkeit von innen kommt und nicht von außen dazugegeben wird.
Nicht das Gleitgel war mein Problem. Der Sex ohne Lust war es — und das Gleitgel hat ihn möglich gemacht. Ich habe damals auch Kokosöl ausprobiert und noch ein paar andere Ideen, aber keine davon hätte an dem etwas geändert, was fehlte. Es hat lange gedauert, bis ich gemerkt habe, was die Tube mir wirklich abgenommen hat: nicht die Trockenheit, sondern die Frage, ob ich überhaupt will.
Shownotes und EpisodendetailsIch habe damals keine Sekunde gedacht, dass ich mir mit dem Gleitgel etwas verbaue. Ich hatte ein Problem, es gab eine Lösung, und die stand im Drogeriemarkt.
Aus einem Mal wurde jedes MalErst war es die Notlösung, dann Routine. Am Ende standen mehrere Sorten neben dem Bett, und ich habe es auch dann danebengelegt, wenn ich allein mit dem Vibrator war — weil es damit besser flutschte.
Als Abhängigkeit habe ich das nie empfunden, sondern als praktisch. Das ist der Grund, warum es so lange ging: Es hat ja funktioniert. Der Sex fand statt, es tat nicht weh. Was dabei verschwand, war die Frage, ob ich überhaupt erregt bin. Die habe ich mir nicht mehr gestellt, sondern das Ergebnis vorher mit dem Vibrator hergestellt und den Rest mit der Tube geregelt.
Aufgehört habe ich nicht, weil ich klüger geworden wäre. Ein Partnerwechsel hat mir die Entscheidung abgenommen, und das fand ich anfangs schwer. Ich hatte das Gefühl, es geht ihr wie der Nase mit dem Nasenspray, das man nicht länger als eine Woche nehmen soll: Sie musste nichts mehr leisten, also hat sie nichts mehr geleistet. Das ist mein Eindruck, keine ärztliche Auskunft — mir hat das damals niemand erklärt, weder in der Apotheke noch beim Frauenarzt. Und ehrlich ist auch: Es hat sich zur selben Zeit noch etwas anderes geändert. Der Sex war ein anderer.
Wie ich sie sauer halteIch wusste damals nicht, wie ich sie sauer halte. Ich wusste nicht einmal, dass sie sauer sein soll. Sie braucht einen leicht säuerlichen Wert, um abzuwehren, was von außen kommt. Erst dann fühlt sie sich wohl, und erst dann macht sie von sich aus Feuchtigkeit.
Ein gutes Milieu, ein bestimmter Wert, die richtigen Bakterien — ich habe früher gedacht: Ist das nicht eklig? Nein. Von der Intimwaschlotion, die eine Bekannte seit ihren Zwanzigern benutzt, habe ich in Folge 13 erzählt — dort geht es auch um die Empfehlungen, die Frauen für ihre Trockenheit bekommen.
Der Spruch meiner MutterMeine Mutter hatte dafür einen furchtbaren Spruch. Ein Wortspiel mit einer Cremedose, das darauf hinauslief, dass man die Creme doch bitte nimmt. Ich fand ihn völlig abstrus. Aber es gab wohl Zeiten, in denen man nahm, was da war.
Das Eigentliche läuft im Spruch mit: Er kommt aus Situationen, in denen man selbst nicht wollte, der Mann aber schon. Der Spruch löst das nicht. Er macht es erträglich. Genau das hat meine Tube dreißig Jahre später auch getan.
Was ich heute merkeIch habe im Moment keine Probleme mit Scheidentrockenheit. Das kann noch kommen, es steht ja einiges auf der Liste dessen, was man in der Menopause abbekommt. Im Moment ist es so: Wenn ich richtig Lust habe, wird sie auch feucht.
Und wenn wirklich viel Lust da ist, macht sie ein Vielfaches von dem, was sie sonst macht. Das ist nicht eklig. Das ist so gewollt, und ich finde es großartig.
Ich weiß bis heute nicht, was am Ende den Ausschlag gegeben hat: dass die Tube weg war, dass der Sex ein anderer war, oder beides zusammen. Was ich weiß, ist, was das Gleitgel gemacht hat, solange es da war. Es hat den Sex möglich gemacht — auch an den Abenden, an denen ich eigentlich nicht wollte.
Deshalb wünsche ich mir, dass wir dieses Thema gar nicht erst so selbstverständlich auf dem Tisch hätten. Und ich wünsche mir, dass bei dir keins dauerhaft neben dem Bett steht — höchstens dann, wenn gar nichts anderes hilft oder wenn es etwas Besonderes sein soll.
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Ich hatte mal Sex mit einem Partner, der sagte mitten dabei: Du bist aber schon sehr weit da unten, da ist ja viel Platz. Ich habe nichts geantwortet. Ich bin gegangen und habe für mich beschlossen, dass ich darüber nie wieder rede.
Das war der Moment, in dem meine Scham beim Sex einen Beweis bekommen hat. Ich hatte mich vorher schon eklig gefunden, ausgeleiert, nach zwei Geburten nicht mehr passend zu dem Körper, den ich mal kannte. Er hat nur bestätigt, was ich sowieso über mich dachte. Und danach habe ich aufgehört, darüber zu sprechen — was der schlechteste Umgang damit ist, den es gibt.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickIn dieser Folge stehen zwei Geschichten nebeneinander. Die erste habe ich weggesperrt: die Scham über meinen Körper, über das, was zwei Schwangerschaften verändert haben, über die Frage, ob ich für Männer überhaupt noch passe. Ich habe darüber jahrelang geschwiegen, und sie ist in diesem Schweigen größer geworden. Die zweite ist ein paar Wochen alt und hat mich völlig überrumpelt: mein Freund nimmt mir das Handy aus der Hand, auf dem Bildschirm ein Foto mit Periodenblut, und ich bekomme Schnappatmung. Das darf der nicht sehen. Ich bin Mitte 40, ich rede seit Jahren offen über Sex — und da sitzt noch immer dieser Satz aus meiner Kindheit in mir. Diesmal habe ich es ausgesprochen. Und dann war es weg.
Die beiden Geschichten gehören zusammen, auch wenn zwischen ihnen fast zwanzig Jahre liegen. Die eine zeigt, was passiert, wenn ich schweige: Aus einem fremden Satz im Bett wird ein Urteil über mich, das niemand mehr überprüft, weil ich es nie wieder erwähne. Die andere zeigt, was passiert, wenn ich rede: Aus einem Berg wird innerhalb einer halben Stunde nichts. Ich habe für die erste Variante deutlich mehr Lebenszeit aufgewendet.
Ich erzähle das nicht, weil ich es hinter mir hätte. Ich erzähle es, weil ich mit Mitte 40 gemerkt habe, dass ich es immer noch mit mir herumtrage — und weil ich weiß, wie schnell es geht, wenn man es endlich laut sagt. Wissen und können sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegen bei mir ein paar Jahre.
Shownotes und EpisodendetailsEs gibt einen Satz, der mir vor Jahren das erste Mal begegnet ist: Scham überlebt es nicht, wenn man sie laut ausspricht. Ich war mir damals nicht sicher, ob ich das glauben soll. Heute weiß ich, dass es stimmt — ich habe nur sehr lange gebraucht, bis ich es auch konnte.
Was zwei Geburten mit meinem Selbstbild gemacht habenIch habe mich nicht mehr hübsch gefunden. Ich fand mich eklig, ausgeleiert, irgendwie nicht mehr zusammenpassend. Es war nicht nur die Brust, die anders aussah als vorher. Es hat sich so vieles verändert, das Gefühl war ein anderes, der Sex war dadurch auch ein anderer.
Und ich habe mich dafür geschämt. Dafür, dass ich so aussah. Dafür, dass ich vielleicht nicht mehr passend war für Männer, weil ich nicht mehr so schmal war wie damals, als mein Sexleben angefangen hat. Gesagt hätte ich das nie so. Gesagt hätte ich damals nur: Ist halt nicht mehr so schön bei mir. Wenn du es blöd findest, können wir es ja lassen.
Ich habe sogar überlegt, ob ich freizügiger auf Männer zugehen sollte — nach dem Motto, dann ist es doch egal, wie es da unten aussieht, Hauptsache sie kriegen, was sie wollen. So habe ich über mich gedacht. Das waren die Gedanken, die entstehen, wenn man mit niemandem darüber spricht.
Der Moment, in dem es zurückkamVor kurzem habe ich ein Bild gesehen, viele Fotos von Toiletten mit Periodenblut darauf. Mein Freund guckte mit auf den Bildschirm, sagte „zeig mal" und nahm mir das Handy ab. In dem Moment bin ich in Panik geraten. Das darf der nicht sehen. Der ist ein Mann, der darf das nicht sehen, Blut versteckt man, das ist denen unangenehm.
Es war nicht einmal mein Blut. Es waren fremde Fotos. Und trotzdem hatte ich Schnappatmung.
Ich habe ihn dann angeguckt und gesagt, dass ich ihm das jetzt sagen muss, weil es gerade einen riesigen Berg von mir wegnehmen wird. Und während ich es erzählt habe, liefen mir die Tränen — nicht aus Angst, sondern weil die Scham gehen durfte. Sie war da, ich habe sie gesehen, ich habe ihr den Platz eingeräumt, und dann ist sie gegangen. Mir läuft es heute noch kalt den Rücken runter, wenn ich daran denke, wie fest dieser Gedanke in meinem Kopf saß, ohne dass ich davon wusste.
Was er dazu gesagt hatEr hat mich angesehen und gesagt: Aber Schatz, du weißt doch, dass mir dein Blut überhaupt nichts ausmacht. Das hast du beim Sex mehr als einmal erlebt. Für ihn gab es dieses Problem nie. Und mir war das vom Verstand her völlig klar — ich konnte ihm nur kaum erklären, was es in dem Moment emotional mit mir gemacht hat.
Wir haben weitergeredet, und damit hat sich die Sache aufgelöst. Es gibt nichts Befreienderes, als endlich zu sagen, was da eigentlich los ist. Ich bin Mitte 40 und komme mit so etwas um die Ecke. Kann man peinlich finden. Ich finde inzwischen: besser mit Mitte 40 als gar nicht.
Wenn du beim Zuhören an eine Frau denken musstest, die genau so einen Satz mit sich herumträgt: schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der Anfang davon, dass sie ihn ausspricht.
Es hat angefangen zu regnen. Sommer, warm, die Dachfenster standen offen — und mitten im Sex schlug es in meinem Kopf ein: die Fenster sind auf. Ich bin aus dem Bett, die Treppe rauf, Fenster zu, Treppe runter. Wir haben beide gekichert und dann da weitergemacht, wo wir aufgehört hatten.
Vor zehn Jahren hätte ich diesen Satz hundertprozentig unterschrieben: Um deinen Kopf abzuschalten, musst du lernen, deine Vagina einzuschalten. Ich hätte damals auch gesagt, du musst deine Lust einfach wieder anregen, deine Yoni wieder stimulieren, und dann ist das mit dem Kopf überhaupt kein Problem mehr. Der Satz steht immer noch im Netz. Ich bin nur nicht mehr die, die ihn unterschreibt — nicht weil er böse gemeint ist, sondern weil er auf die falsche Stelle zeigt. Ich bin heute nicht mehr so alt wie vor zehn Jahren, und ich stecke auch nicht mehr in derselben Situation. Dazwischen liegt einiges, was vorher nicht dazwischenlag.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickKopf abschalten beim Sex ist bei mir keine Frage der Technik. Es gibt zwei völlig verschiedene Etagen, und die werden dauernd miteinander verwechselt. Die eine: Ich bin schon drin, es läuft, und dann kommt etwas dazwischen. Regen. Offene Dachfenster. Früher ein Kondom, dessen Verpackung nicht aufging. Das hat meine Lust nie unterbrochen, im Gegenteil — die Spannung bleibt im Körper stehen, danach ist es intensiver. Die andere Etage sieht anders aus: die Sorge um die Kinder, Sorgen um Geld, der Stress von der Arbeit, dazu der Autofahrer, den ich am liebsten an die Wand geklatscht hätte. Dieser Stapel liegt vor dem Bett, nicht darin. Und er lässt sich nicht mehr wegschieben wie früher, als ich einfach die Tür zumachen und sagen konnte: Stress bleibt heute draußen.
Das Bittere daran ist nicht der Stapel. Das Bittere ist, dass ich ihn an dem Abend gar nicht bemerke. Würde ich abends merken, dass meine Lust wieder nichts abbekommt, könnte ich mich umentscheiden. Ich merke es aber erst Tage später, wenn längst alles vorbei ist, und denke: Schade. Da wäre doch eigentlich Zeit gewesen. Und dann war ich so gefangen in dem, was ich gedacht habe, dass ich es nicht einmal gemerkt habe. Genau darin unterscheidet sich die Schleife vom Dachfenster: Die Fenster habe ich bemerkt. Die Schleife bemerke ich nicht.
Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Worauf ich achten kann: ob heute die Schleife dran ist — oder ob die Lust stark genug ist für die Treppe.
Shownotes und EpisodendetailsIch habe früher nie verstanden, warum Leute sagen, ein Kondom mache die Stimmung kaputt. Männer und Frauen haben mir das erklärt: Das unterbricht doch alles, danach hat keiner mehr Bock. Für mich war das nie eine Unterbrechung, sondern ein Teil davon. Da wurde gefriemelt, die blöde Verpackung ging nicht auf, einer hat geschubbelt, wir haben gelacht — und dann ging es los.
Ich habe das nie als Stimmungskiller erlebt. Kein einziges Mal hatte ich das Gefühl, dass mich das bei meiner Lust unterbricht. Genauso die ganze Dachfensteraktion. Dann regnet es halt. Einen Moment, ich komme wieder. Und dann kommen wir richtig.
Wobei das Zurückkommen ja eine Entscheidung ist. Ich hätte auf der Treppe genauso gut denken können: Jetzt bin ich durch die Gegend gerannt, jetzt ist es vorbei, jetzt kann ich nicht mehr. Habe ich aber nicht. Ich fand die ganze Sache viel zu lustig, um sie abzublasen.
Zwei Etagen, die dauernd verwechselt werdenWenn ich mir das genauer angucke, sehe ich zwei Bewegungen, die nichts miteinander zu tun haben.
Die erste: Die Lust ist da, der Sex wird unterbrochen — und danach geht es weiter. Nicht mühsam, sondern mit Leichtigkeit. Die Spannung bleibt ja im Körper, sie läuft nicht einfach aus. Deshalb wird es hinterher oft intensiver als vorher. Diese Unterbrechung kostet mich nichts.
Die zweite: Die Lust fängt gar nicht erst an. Und das liegt nicht daran, dass sie sich verabschiedet hätte, sondern daran, dass etwas anderes den ganzen Platz einnimmt. Sorge um die Kinder. Sorgen um Geld. Der Stress von der Arbeit, der sich im Moment doppelt und dreifach so schwer anfühlt wie früher. Diese Etage kann ich nicht mit Technik betreten, und schon gar nicht dadurch, dass ich unten anfange und hoffe, dass oben das Licht ausgeht.
Was das Dachfenster beweistWas diese Dachfenstergeschichte tatsächlich beweist: Meine Lust ist nicht weg. Sie hatte nur keinen Platz. Wenn sie da ist, halte ich eine Treppe aus, einen Regenguss, ein Kondom und mein eigenes Kichern. Wenn sie nicht da ist, liegt das nicht an einer fehlenden Übung, sondern an einem Leben, das sich verändert hat — und zwar nicht nur körperlich. Je älter ich werde, desto mehr verändert sich alles: meine Einstellung zu Menschen, zu Zeit, zu dem, was noch reinpasst. Und es heißt eben nicht, dass wir nach der Perimenopause keine Lust mehr haben — oder mittendrin. Es heißt, dass gerade kein Platz für sie da ist.
Ich kann diese Dauerschleife aus Gedanken und Vorwürfen nicht abstellen. Das habe ich versucht, das funktioniert nicht. Was ich machen kann: darauf achten, was heute gerade lauter ist. Und wenn die Lust lauter ist, dann laufe ich die Treppe hoch, mache das Fenster zu, laufe wieder runter und sage: und jetzt trotzdem.
Wenn dir diese Folge etwas gezeigt hat, das du wiedererkennst: Lass eine Bewertung da. Bewertungen entscheiden darüber, ob Saftig überhaupt bei den Frauen landet, die gerade nachts danach suchen — und für die meisten von ihnen ist es das erste Mal, dass jemand so darüber redet.
Ich hatte nein gesagt. Zu mir selbst, ziemlich deutlich: keine Lust, zu anstrengend, ich will jetzt einfach schlafen. Eine Weile später stand ich nackt im Wohnzimmer und habe den Esstisch freigeräumt.
Dazwischen lag nichts weiter als ein Kribbeln, das nicht wieder weggegangen ist. Ich habe mich umgedreht. Ich habe mir vorgerechnet, dass es spät wird und dass ich morgen früh raus muss. Ich habe überlegt, ob ich es schnell hinter mich bringe, damit Ruhe ist. Und dann bin ich doch aufgestanden, habe mir genommen, was ich haben wollte, und bin damit ins Wohnzimmer getapert. Mein Freund hat mich kurz irritiert angeguckt und danach ziemlich schnell verstanden, worum es geht.
Dabei hatte ich mich längst entschieden. Meine Yoni offensichtlich nicht. Sie hat sich gemeldet, ich habe mich weggedreht, sie hat sich wieder gemeldet. So ungefähr redet sie manchmal mit mir: Aber ich will doch. Mach doch was.
Das Merkwürdige daran: Der Widerstand kam von mir, nicht von außen. Niemand hat gefragt, niemand hat gedrängt, mein Freund saß nebenan und hat gar nichts gewollt. Ich lag im Bett und habe mit mir selbst diskutiert, ob sich der Aufwand lohnt. Es wird spät. Ich muss morgen früh raus. Vibrator wäre schnell, dann ist es hinter mir. Und über allem stand das Gefühl, dass ich mich damit anstrenge — für etwas, das ich früher einfach gemacht hätte.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickEs wurde der beste Abend seit Langem. Nicht, weil etwas Neues dabei gewesen wäre, sondern weil ich zum ersten Mal seit Langem nicht gefragt habe, ob es gerade passt. Ich habe nichts erklärt und nichts verhandelt, ich habe hingestellt, was ich wollte. Und es ging in diesem Moment ausschließlich um meine Lust, nicht um den Sex, den wir gemeinsam haben können. Danach haben wir gekichert, und ich konnte endlich schlafen. Am nächsten Tag ging es mir großartig — und genau da fängt der Ärger an. Denn die Frage, die geblieben ist, lautet nicht, wie schön das war. Sie lautet: Warum muss ich mich zu meinem eigenen Glück zwingen? Früher war ich gierig, da musste mich niemand überreden, am wenigsten ich selbst. Heute liegt zwischen mir und einem Abend, der mir guttut, eine Entscheidung, die ich aktiv treffen muss. Ich habe nicht darauf gewartet, dass jemand anfängt, und ich habe auch nicht darauf gewartet, dass die Lust erst richtig da ist. Ich bin losgegangen, während ich noch dachte, ich hätte keine.
Ich habe für diese Folge keinen Punkt gefunden, an dem sich alles auflöst. Ich habe einen Abend, der funktioniert hat, und eine Wut darauf, dass er die Ausnahme war.
Shownotes und EpisodendetailsDer Abend ist drei oder vier Wochen her. Ich erzähle ihn nicht, weil er besonders raffiniert war, sondern weil er funktioniert hat. Und weil mich seitdem eine Frage nicht loslässt, die deutlich unangenehmer ist als die Geschichte selbst.
Warum ist das nicht immer so?Am nächsten Morgen lag ich wach und habe gerechnet. Es war großartig. Es hat mir gutgetan. Mir ging es den ganzen Tag besser. Und trotzdem musste ich mich vorher gefühlt zu meinem Glück zwingen.
Früher war das anders herum. Ich war gierig. Ich wollte mehr, ich wollte öfter, und an manchen Tagen konnte ich gar nicht genug bekommen. Heute vergeht eine Woche, dann zwei, dann drei — und irgendwann klopfe ich innerlich an und frage: Hallo, ist da wer? Wo ist meine Lust hin?
Ich merke den Unterschied auch daran, wie ich an alte Abende denke. Früher habe ich mich an guten Sex erinnert und wurde beim Erinnern schon wieder feucht. Heute erinnere ich mich, finde es immer noch großartig — und ein Bedürfnis entsteht daraus nicht. Genau das finde ich schlimm.
Dazu kommt, dass ich es körperlich spüre. Ohne Sex habe ich mehr Kopfschmerzen. Ohne Sex habe ich mehr von allem anderen. Mir ist seit Neuestem öfter schlecht, meine Periode macht sowieso, was sie will, und die Hormone laufen zur Tür rein und wieder raus, wie es ihnen gerade passt. Das ist kein Wohlfühlprogramm, das ist eine Baustelle.
Und ich habe an dem Abend etwas gelernt, das mit Lust erst mal gar nichts zu tun hat: Ich musste nichts erklären. Ich habe keinen Satz gesucht, keine Ansage vorbereitet, keine Stimmung erzeugt. Ich habe zwei Dinge auf den Tisch gestellt und stand daneben. Das war die ganze Kommunikation. Rückblickend war das der leichteste Teil des ganzen Abends — und der, vor dem ich sonst am meisten Respekt habe.
Ich sehe das nicht einMit vielem kann ich leben. Hitzewallungen, kalte Füße, Wortfehltritte mitten im Satz — das nehme ich an, das kriegen wir hin. Aber dass mir ausgerechnet die Lust gestrichen wird, dass mir dieser Sex weggenommen wird, als hätte ich mein Kontingent aufgebraucht: nein.
Sex war nie nur dafür da, Kinder zu kriegen. Diese Rechnung ist irgendwann aufgemacht worden, vermutlich damit wir Frauen still sind. Wir gehören zu den wenigen Lebewesen, die Sex aus Vergnügen haben, Delfine übrigens auch. Also sehe ich nicht ein, warum ausgerechnet jetzt Schluss damit sein soll.
Deshalb probiere ich gerade Dinge aus. Mehr Wasser. Mehr Bewegung. Anders essen. Ich suche die Stellschraube, an der ich drehen kann, damit das wieder halbwegs Normalität wird. Gefunden habe ich sie nicht. An Trockenheit liegt es bei mir jedenfalls nicht — es muss also etwas anderes sein, und etwas anderes kann man auch anders angehen.
Was ich sicher weiß, ist nur das eine: Diese Umentscheidung, an diesem Abend und auch an anderen Abenden und Nachmittagen, hat mir gezeigt, dass es geht. Nicht dass es leicht ist. Nur dass es möglich ist. Und solange das stimmt, gebe ich mich mit „das ist jetzt eben so" nicht zufrieden.
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Am Telefon konnte ich alles sagen. Über Sex, über Lust, über das, was wir machen wollten, wenn wir uns wiedersehen. Und dann saßen wir uns gegenüber, und das Telefon war nicht mehr zwischen uns — und wir konnten über nichts mehr reden.
Das ist über zwanzig Jahre her und es beschäftigt mich heute wieder. Denn in der Perimenopause höre ich überall, dass man reden soll. Reden Sie mit Ihrem Partner. Sprechen Sie darüber. Und ich rede ja. Nur nicht über das eine.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickIn dieser Folge erzähle ich von einer frühen Beziehung, in der wir uns nur selten sehen konnten. Wir haben stundenlang telefoniert, und am Telefon fiel alles leicht — auch das Thema Selbstbefriedigung, über das wir so offen gesprochen haben, dass wir es irgendwann zusammen ausprobiert haben. Danach haben wir nie wieder darüber geredet. Nicht ein einziges Mal. Mir ist das damals nicht einmal aufgefallen; es ist mir erst jetzt aufgefallen, während ich davon erzählt habe.
Und genau dieses Muster finde ich heute wieder, mitten in der Perimenopause. Mit dem Partner über Lust reden ist etwas anderes, als mit ihm über Beschwerden zu reden. Über Migräneanfälle, die schlimmer werden, über Hitzewallungen, über das ständige Frieren an Stellen, an denen mir warm sein sollte — darüber spreche ich. Über meine Lust spreche ich viel seltener. Nicht weil ich nicht will. Sondern weil wir bis dahin gar nicht kommen.
Ich habe keine Antwort darauf, wie man das wieder aufmacht. Ich weiß nur, dass es nicht daran liegt, dass wir nicht reden. Wir reden ständig. Wir kommen bloß nie an der Stelle an, an der es interessant wird.
Shownotes und EpisodendetailsEs gibt diesen Moment, in dem man merkt, dass ein Thema aus einer Beziehung verschwunden ist. Meistens merkt man ihn nicht, während er passiert. Man merkt ihn Jahre später, wenn man jemandem davon erzählt.
Was am Telefon möglich warWir waren beide jung und haben uns nur selten gesehen. Also haben wir telefoniert, viel, und ich habe alles gefragt, was ich wissen wollte: wie er sich Sex vorstellt, wie er sich Lust vorstellt, ob es überhaupt schon Vorstellungen gibt. Er hat versucht, darauf einzugehen. Das meiste davon weiß ich nicht mehr.
Woran ich mich erinnere, ist eine Sache. Wir haben intensiv darüber gesprochen, wie sich der eine und wie sich der andere selbst befriedigt — und irgendwann gesagt, wir könnten das ja mal zusammen machen. Beim nächsten Wiedersehen haben wir es getan. Es war spannend und gleichzeitig unfassbar steif. Ich habe danach versucht, darüber zu sprechen, und relativ schnell gemerkt: Da war nichts mehr.
Warum die Lust aus dem Gespräch fälltIn der Perimenopause wird mir von allen Seiten gesagt, ich soll darüber sprechen. Aber es ist schwer zu erklären, was man selbst noch nicht verstanden hat. Mein Freund fragt völlig zu Recht, warum etwas nicht mehr funktioniert, das immer funktioniert hat — und ich habe keine saubere Antwort, weil ich sie selbst noch suche.
Also rede ich über das, was sich benennen lässt. Über die Migräne, die schlimmer wird. Über die Hitze und die Kälte an den falschen Stellen. Das sind konkrete Dinge, und sie füllen die Zeit. Was dabei hinten runterfällt, ist der Satz „Ich habe Lust — und zwar auf …". Der kommt gar nicht mehr vor, weil wir bis dahin nie kommen.
Was mir dabei auffälltIch kenne Leute, die seit Jahren getrennt wohnen und trotzdem zusammen sind. Die verstehen sich gut, freuen sich, wenn sie sich sehen, und bei denen scheint dieses ganze Thema gar nicht so schwer zu wiegen. Das ist keine Empfehlung, sich zwei Wohnungen zu nehmen — das mache ich ganz sicher nicht. Aber es sagt mir etwas darüber, was Abstand mit einem Gespräch macht.
Vielleicht sollten wir einfach mal wieder telefonieren. Oder ins Café gehen, wo man sich schlecht streiten kann, weil zu viele Leute drumherum sitzen. Ich habe da noch ein paar Ideen, wie man wieder in die Kommunikation kommt und nicht das Gefühl hat, dass der andere weit weg ist, obwohl er neben einem sitzt.
Wenn du diese Folge hörst und dabei an eine bestimmte Freundin denkst — schick sie ihr. Genau dafür ist sie gemacht.
Ein Bekannter fragt mich, was ich gerade so mache. Ich erzähle vom Podcast, von der Perimenopause, davon, dass sich unsere Lust verändert, unser Charakter gleich mit, und dass wir von ziemlich vielen Dingen furchtbar genervt sind. Er guckt mich an und sagt: „Ach, deshalb ist meine Frau so drauf. Das hätte ich ja nie gedacht."
Ich war ehrlich irritiert. Ich dachte, das weiß inzwischen jeder. Es wird überall darüber geredet, es gibt Reels darüber, es gibt Witze darüber. Und dann sitzt mir jemand gegenüber, der zum ersten Mal hört, dass es einen Zusammenhang gibt zwischen dem, was seine Frau gerade tut, und dem, was in ihrem Körper passiert. In dieser Folge erzähle ich, wie dieses Gespräch gelaufen ist — und warum ich danach mit einem Ratgebersatz gehadert habe, der so hilfreich klingt und so wenig hergibt.
Er hat nachgefragt. Er hat gesagt, er finde es gut, wenn seine Frau eine Meinung hat, das habe sie schon immer gehabt. Ich habe gefragt, ob sich daran etwas verändert hat. Und dann kam die Antwort, um die es eigentlich geht: Ja, schon. Sie sei jetzt sehr direkt. Nicht nur zu Hause. Auch gegenüber Außenstehenden.
Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen BlickWenn ich gereizt in den Wechseljahren bin, geht es nicht nur um Hitze und Zyklus. Mit den Hormonen verliere ich auch die Fähigkeit, immer lieb, nett, freundlich, höflich und hilfsbereit zu sein. Jahrelang habe ich für alle funktioniert, alles richtig gemacht, mich um alle gekümmert — und irgendwann merke ich, dass mir das nicht mehr entspricht. Ich bin direkter geworden. Nicht nur zu Hause, auch nach außen. Und das Anstrengendste daran ist nicht, dass mich Dinge nerven. Es ist, dass es mich nervt, dass es mich nervt. Denn früher lief das ja auch anders.
Und es fängt schleichend an. Der Körper legt keinen Schalter um, er macht das Stück für Stück. Erst weiß er nicht mehr genau, ob er produzieren soll oder alles fallen lässt, dann kommen die Schwankungen, und irgendwann wird es unangenehm. Ich habe mich schon lange verändert, bevor mir klar wurde, dass ich mich verändere.
Am Ende des Gesprächs war er still. Er hat gesagt, das erkläre einiges. Verstehen ist keine Lösung — aber es ist ein Anfang, und die meisten fangen nicht mal an.
Shownotes und EpisodendetailsIch habe lange gedacht, das Thema sei durch. Dass alle Bescheid wissen. Dieses eine Gespräch hat mir gezeigt, dass ich mich da gewaltig geirrt habe.
Warum ich nicht mehr lieb und nett binDer Satz, den ich am schwersten erklären kann, ist der hier: Ich bin nicht mehr bereit zu sagen „ja, ist in Ordnung, machen wir so".
Ich bringe mich dadurch ständig in anstrengende Situationen. Ich diskutiere über Dinge, die ich früher einfach durchgewunken hätte. Nicht weil ich streitlustig geworden wäre, sondern weil das automatische Ja weg ist. Es war nie eine Entscheidung. Es war eine Fähigkeit, und die hat sich verabschiedet.
Dazu kommt die Kleinteiligkeit. Es nervt mich, wenn jemand schmatzt. Es nervt mich, wenn jemand redet. Manchmal nervt mich sogar, dass jemand atmet. Und darüber ärgere ich mich dann selbst, weil ich weiß, dass das früher kein Thema war.
Und es bleibt nicht bei der Laune. Es verändert sich gerade alles gleichzeitig: das Verhältnis zu meinen Kindern, zu meinem Partner, zum Essen, zum Gewicht, zum Sport, zum Sex, zu meinem eigenen Körper. Es gibt keinen Bereich, der ausgenommen ist. Man fühlt sich auf den Kopf gestellt — und soll dabei bitte weiter gut gelaunt sein.
Der Satz aus dem Ratgeber, der nichts löstIn Ratgebern für Männer steht sinngemäß: Nimm es nicht persönlich, hab Verständnis, sie meint es nicht so.
Das ist nett gemeint. Nur — was soll er damit anfangen? Verständnis für etwas zu haben, das mir niemand erklärt hat, ist eine ziemlich große Bitte. Woher soll er es nehmen? Und nebenbei: Ich meine es durchaus so. Ich sage es nur zum ersten Mal laut.
Mein Gegenvorschlag ist unspektakulär und funktioniert trotzdem besser. Nimm dir Zeit für deine Frau. Und frag sie, ob sie jetzt darüber reden möchte. Nicht „wir reden jetzt", sondern „ich habe Fragen, sag mir, wann es dir passt". Das Wort Wechseljahre würde ich dabei weglassen, je nach Alter ist das ein Reizwort.
Was ich selbst mache, wenn es zu viel wirdIch sage meinem Freund inzwischen ziemlich oft: Können wir später darüber reden? Manchmal fällt mir dafür auch nur eine Ausrede ein. Das klappt nicht immer, aber es wird besser.
Der Effekt ist größer, als es klingt. Wenn er sagt „okay, kein Ding", habe ich Zeit. Zeit, mich zu sortieren, und dann einen Kopf dafür, mich mit der Sache zu beschäftigen — egal ob er etwas von mir will oder mir nur etwas erzählen möchte.
Was ich dabei gemerkt habe: Ich muss selbst verstehen, was gerade mit mir passiert, bevor ich mit ihm darüber reden kann. Ich habe mir Berge von Informationen reingezogen. Und die ehrliche Bilanz ist, dass ich es immer noch nicht zu hundert Prozent weiß. Ich arbeite dran. Je weniger Geduld ich habe, desto schwieriger wird die Kommunikation — und daran arbeite ich auch, zum Beispiel daran, nicht sofort zu sagen: Du bist doof und hör auf, mich zu nerven.
Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat: Hinterlass mir eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Das dauert eine Minute und sorgt dafür, dass andere Frauen den Podcast überhaupt erst finden.
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