Saftig
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Saftig episodes

  • Ich war mal die Lauteste am Tisch
    Offen über Sex reden — Shownotes Episode 009

    Ich habe letzte Woche drei Sprachnachrichten an meine beste Freundin aufgenommen und alle drei wieder gelöscht. Zwei Fragen wollte ich ihr stellen: ob ihr Zyklus auch macht, was er will. Und ob sie überhaupt noch Lust hat. Am Ende habe ich ein Herz zurückgeschickt. In dieser Folge geht es darum, warum ich offen über Sex reden konnte, als ich Mitte dreißig war, und warum ich es heute nicht mehr tue.

    Vor zehn Jahren war ich die, zu der auf jeder Feier die Leute gekommen sind. Einzeln, meistens spät am Abend, immer mit derselben halben Entschuldigung im Gesicht. Der eine am Grill, die andere am Getränketisch, eine auf der Treppe, die eigentlich nur zur Toilette wollte und dann zwanzig Minuten stehen geblieben ist. Ich war keine Fachfrau. Ich war die, die nicht rot geworden ist. Das war der ganze Unterschied.

    Aufgehört hat sie damit nicht an einem bestimmten Tag. Es gab keinen Knall und keine Szene, die sich zu erzählen lohnt. Es gab Gründe — manche einfach, manche saßen tief, manche waren selbst erfunden. Und dann ist sie der Sache einfach nicht mehr nachgegangen. Irgendwann war sie die, die am Tisch mitlacht und nichts mehr sagt. Genau diese Frau sitzt heute mit einem Mikrofon da und redet über Lust. In Umschreibungen. Mit halb geschlossener Tür.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Diese Folge erzählt von einer Frau, die ihre eigene Offenheit verloren hat, ohne es zu merken. Nicht an einem Tag und nicht wegen eines Dramas, sondern Wort für Wort. Aus Selbstbefriedigung wird „ich habe mich um mich gekümmert". Aus Vulva wird „da unten". Aus dem Vibrator wird „das Ding in der Schublade". Jede dieser Umschreibungen fühlt sich im Moment höflich an und macht die Sache trotzdem größer, nicht kleiner. Dazu kommt die Perimenopause: heftigere Stimmungsschwankungen, ein deutlich kürzerer Geduldsfaden — und die überraschende Nebenwirkung, dass die Kapazität für vorsichtige Rücksicht einfach aufgebraucht ist. In der Folge geht es außerdem um ein Gespräch beim Zähneputzen, das leichter war als drei gelöschte Sprachnachrichten, und um einen Abend im Wohnzimmer ein paar Tage später.

    • Peinlichkeit ist ansteckend — Gelassenheit auch. Wer am Tisch das Wort Klitoris sagt wie das Wort Nudelsalat, verändert damit den ganzen Tisch. Die anderen fangen nicht an zu witzeln. Sie fangen an zu fragen.
    • Reden hat die Lust vergrößert. Nach den Abenden, an denen stundenlang über Sex geredet wurde, kam Susanne mit mehr Lust nach Hause. Nicht wegen einer bestimmten Person, sondern wegen der Offenheit selbst.
    • Umschreiben macht die Scham größer. Jedes umgangene Wort ist die Botschaft an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich. Am Ende bleiben nur noch Andeutungen übrig.
    • Die vermutete Ablehnung ist selten belegt. Susanne war jahrelang sicher, dass ihre Freundin über dieses Thema nicht reden will — ohne einen einzigen Beweis dafür. Gefragt hat sie nie.
    • Ein kürzerer Geduldsfaden ist nicht dasselbe wie offen reden. Pampig werden geht von allein. Klar sagen, was man will, muss man üben.

    Es ist eine Folge über zehn verlorene Jahre und über den Punkt, an dem sie beschlossen hat, sich diese Frau zurückzuholen. Sie fängt damit hier an.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment, in dem eine Nachricht schon fertig aufgesprochen ist und der Daumen trotzdem auf „löschen" geht. Nicht weil die Frage falsch wäre. Sondern weil sie plötzlich zu groß aussieht für eine Freundschaft, die seit über zwanzig Jahren hält.

    Wie aus einer lauten Frau eine leise wurde

    Mitte dreißig hat Susanne angefangen, offen über Sex zu reden. Nicht als Projekt und nicht als Haltung, sondern weil sie irgendwann aufgehört hat, um die Wörter herumzulaufen.

    Die Wirkung kam sofort. Auf Feiern kamen die Leute einzeln zu ihr, oft erst nach dem Nachtisch, oft Menschen, die sie gar nicht kannte. Männer genauso wie Frauen — und die Männer hatten deutlich mehr Fragen, als man ihnen normalerweise zutraut.

    Und dann verschwand das wieder. Langsam, unspektakulär, ohne dass jemand etwas gesagt hätte.

    Was die Perimenopause damit zu tun hat

    Die Stimmungsschwankungen sind heftiger geworden. Öfter, deutlicher, und man sieht sie ihr inzwischen an. Das nervt.

    Gleichzeitig ist der Geduldsfaden kürzer geworden — und zwar nicht nur an der Supermarktkasse. Er ist auch kürzer geworden für Rücksicht. Für das vorsichtige Formulieren, damit sich außer ihr selbst niemand unwohl fühlt. Das war früher Höflichkeit. Heute ist es einfach zu anstrengend.

    Diese Nebenwirkung wird selten erwähnt, wenn über Wechseljahre gesprochen wird. Sie ist unbequem und sie ist ziemlich brauchbar.

    Warum Umschreibungen die Scham vergrößern

    „Ich habe mich um mich gekümmert." Das klingt nach Yogamatte und Kamillentee. Gemeint ist Selbstbefriedigung.

    Jedes Mal, wenn ein Wort umgangen wird, steckt darin dieselbe Nachricht an sich selbst: Dieses Wort ist zu groß für dich, nimm lieber das kleinere. Beim nächsten Mal wird wieder das kleinere genommen. Irgendwann sind gar keine Wörter mehr da, sondern nur noch Andeutungen — und die Sache, um die es geht, wirkt größer und schwieriger, als sie ist.

    Zwischen Freundinnen führt das zu einer stillen Verabredung, die keine je getroffen hat. Die eine sagt nicht, wie sie es macht. Die andere sagt es auch nicht. Beide gehen nach Hause und halten sich für die Komische.

    Ein Satz beim Zähneputzen

    In dieser Folge erzählt Susanne von dem Moment, in dem sie ihrem Partner gesagt hat, dass sie sich selbst befriedigt hat. Nicht angedeutet, nicht als Witz verpackt, aus dem man sich zurückziehen kann, wenn das Gegenüber komisch guckt.

    Davor stand derselbe Gedanke wie immer: Ich nehme ihm damit etwas weg. Danach kam ein kurzes „schade" und dann der Satz, um den es eigentlich geht: Toll, dass du dich um dich kümmerst.

    Und dann ist nichts passiert. Keine Krise, keine Aussprache, kein Abend mit Wein und ernsten Gesichtern. Am selben Abend ein blöder Witz und ein Lachen. Die Sache war genau um den Anteil kleiner geworden, den vorher die Angst ausgemacht hat.

    Für wen diese Folge ist

    Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die ihre Freundinnen alles fragen können — außer das eine. Die nachts googeln und tagsüber ein Herz zurückschicken.

    Und für alle, die gemerkt haben, dass sie über ihre eigene Lust inzwischen so reden, als wäre sie ein medizinisches Thema. Es ist möglich, sich das zurückzuholen. Diese Folge zeigt den Anfang davon, nicht das Ergebnis.

    Wenn dir beim Hören eine Freundin eingefallen ist, der es genauso geht: Schick ihr die Folge. Das ist manchmal der einfachere Weg, ein Gespräch anzufangen, als selbst den ersten Satz zu sagen. Link in Bio und im ersten Kommentar.

    13 min
  • Die Nachttischschublade
    Scham bei der Selbstbefriedigung — Shownotes Episode 008

    In meiner Nachttischschublade stehen Bücher. Dahinter lag mein Vibrator. Dreißig Jahre lang, immer am selben Platz. In dieser Folge erzähle ich, wie Scham bei der Selbstbefriedigung bei mir aussah: nicht dramatisch, sondern ordentlich. Ein Ritual aus Verstecken, Zurücklegen und Geraderücken — sogar dann, wenn ich allein zu Hause war.

    Es geht um die Jahre dahinter. Um die Methode, die ich als Mädchen entdeckt und nie verändert habe. Um den Delfin-Vibrator, der nur naja war und trotzdem jahrelang blieb. Um Nächte neben einem schlafenden Mann, in denen ich leise sein musste und schnell — und danach befriedigt war und allein zugleich. Und es geht um einen Nachmittag vor ein paar Wochen, an dem ich den Vibrator vor die Bücher gelegt habe. Zwei Zentimeter. Mehr war das nicht.

    Das Verrückte an dieser Geschichte: Es hat mir nie jemand verboten. Es gab keinen Satz, keine Strafe, keine Szene. Das Schweigen hat gereicht. Bei uns zu Hause gab es für alles unterhalb vom Bauchnabel keine Sprache, und mit Freundinnen habe ich über Jungs geredet, über Sex — aber über Selbstbefriedigung kein einziges Mal. Nicht mit sechzehn, nicht mit dreißig, nicht letzte Woche. Ich habe das Verstecken nicht gelernt. Ich habe es geerbt.

    Und weil ich es versteckt habe, habe ich nie daran gearbeitet. Mit der Hand allein hat es bei mir nie funktioniert, und statt zu denken, mein Körper braucht andere Wege, habe ich gedacht, mit mir stimmt was nicht. Erst mit der offenen Schublade habe ich verstanden, wie diese beiden Dinge zusammenhängen.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Ich habe mich mein Leben lang selbst befriedigt — und gleichzeitig so getan, als gäbe es das nicht. Kein Verbot, keine Strafe, nur Schweigen. Genau daraus entsteht Scham. In dieser Folge nehme ich die Nachttischschublade auseinander: warum die Bücher davor eine Kulisse waren, warum das Verstecken die Scham nicht abgebildet, sondern gefüttert hat, und warum ich meine Selbstbefriedigung deshalb nie weiterentwickelt habe. Bis zu dem Nachmittag, an dem ich die Kulisse durchschaut habe. Seitdem liegt das Ding vorne. Und ich lasse mir zum ersten Mal seit Jahrzehnten Zeit dabei.

    • Das Versteck erzieht das Gefühl — jedes Zurücklegen hinter die Bücher war eine Unterschrift unter denselben Satz: Das hier ist nicht in Ordnung.
    • Scham braucht kein Verbot — es reicht, wenn etwas nirgendwo vorkommt. Nicht zu Hause, nicht unter Freundinnen, in keinem einzigen Gespräch.
    • Was versteckt wird, wird nicht weiterentwickelt — deshalb die Methode aus Mädchentagen, deshalb der Delfin, der blieb, obwohl er nicht reichte.
    • Die Scham wächst mit dem Alter — eine deutsche Befragung zeigt: Bei Frauen zwischen sechzig und siebzig verweigert fast ein Drittel schon die Antwort auf die Frage.
    • Zwei Zentimeter ändern die Richtung — der Vibrator liegt jetzt vorne. Die Scham hat ihren festen Arbeitsplatz verloren.

    Die Folge erzählt zwei Szenen, die sich spiegeln: die Jahre hinter den Büchern — und den einen Nachmittag davor. Dazwischen liegt alles, was Scham mit Lust macht, wenn niemand hinguckt. Auch ich selbst nicht.

    Fertig bin ich damit nicht. Aber ich verstecke nichts mehr vor Leuten, die nie danach gesucht haben — mich selbst eingeschlossen.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt Themen, die haben nicht mal ein Schweigen. Die kommen einfach nicht vor. Selbstbefriedigung war für mich jahrzehntelang so ein Thema. Ich habe es getan — und gleichzeitig dafür gesorgt, dass es nirgendwo existiert. Nicht in Gesprächen, nicht in meiner Schublade, nicht mal in meinem eigenen Kopf.

    Die Jahre hinter den Büchern

    Ich habe mich befriedigt, seit ich ein Mädchen war. Die Methode von damals ist im Kern die Methode geblieben. Dieselben Handgriffe, derselbe Ablauf — während sich sonst alles an mir verändert hat.

    In der Folge erzähle ich von den Nächten neben einem schlafenden Mann. Vom Leisesein, vom flachen Atmen, vom Vibrator, der nicht gegen die Matratze brummen darf. Vom Weg ins Bad, Tür zu, schnell, Hände waschen, zurück ins Bett. Es hat sich verboten angefühlt. Im eigenen Bett, neben dem eigenen Partner.

    Und ich erzähle, was das Beeilen aus der Sache gemacht hat: etwas Funktionales. Schnell hin, schnell fertig, schnell zurück. Ich habe jahrzehntelang eine Sparversion von etwas bekommen, das groß sein kann. Und ich dachte, die Sparversion ist das Produkt.

    Der Nachmittag mit der Schublade

    Dann dieser eine Nachmittag beim Aufräumen. Ich habe auf die Bücher geguckt und gemerkt: Ich habe keins davon je gelesen. Ich hatte sie damals ausgesucht, weil sie unverdächtig waren. Das waren keine Bücher. Das war eine Kulisse.

    Ich habe kurz überlegt, die Schublade komplett leer zu räumen. Habe ich nicht gemacht — das wäre mir zu groß gewesen. Ich wollte nur, dass er nicht mehr hinten liegt. Also: rausgenommen, vor die Bücher gelegt, Schublade zu. Und dann gewartet, dass sich schlechtes Gewissen meldet. Kam nichts.

    Was sich verändert hat, kam später und in kleinen Dosen. Ich sehe das Ding jetzt jedes Mal, wenn ich die Schublade aufmache. Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mir Zeit lasse. Dass ich beim ersten Mal ohne Zeitdruck trotzdem gesprintet bin — aus reiner Gewohnheit — und mittendrin aufgehört habe. Fast gelacht. Nochmal von vorne, langsam diesmal.

    Ein Körper von heute, eine Methode von damals

    Mein Körper baut sich gerade um. Perimenopause, mittendrin. Und ich habe diesen Körper von heute jahrzehntelang mit dem Programm eines Mädchens bedient, das mal zufällig etwas entdeckt hat und nie wieder nachgucken durfte.

    Dabei ist Selbstbefriedigung der einzige Ort, an dem ich niemandem etwas erklären muss. Da liegt keiner daneben, der etwas erwartet. Da kann ich rausfinden, was dieser Körper heute mag. In Ruhe, ohne Publikum. Solange das Ding hinten lag, war es ein Notbehelf. Seit es vorne liegt, ist es meins.

    In der Folge steckt auch eine Zahl, die mich beschäftigt hat: In einer deutschen Befragung wollten fast dreißig Prozent der Frauen zwischen sechzig und siebzig die Frage nach Selbstbefriedigung gar nicht beantworten. Die Scham wird mit dem Alter nicht kleiner. Sie wird größer — genau andersrum, als es logisch wäre. Je mehr Leben eine Frau hinter sich hat, desto tiefer liegt das Ding in der Schublade.

    Saftig erscheint gerade jeden Morgen um sechs. Wenn du keine Folge verpassen willst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify — dann liegt die nächste Folge morgen früh automatisch vorne.

    14 min
  • Das Flämmchen
    Lust wieder spüren — warum ich nackt durch den Flur gelaufen bin

    Ich dachte lange, meine Lust kommt irgendwann von allein zurück. Groß, laut und eindeutig, so wie früher. Stattdessen habe ich etwas anderes gelernt: Lust wieder spüren fängt bei mir viel kleiner an. Mit einem leisen Ziehen nach dem Duschen. An einem Dienstag um drei.

    In dieser Folge erzähle ich von genau diesem Dienstag. Von der Hand auf meinem Bauch. Von einem Handtuch auf dem Boden. Und von einem Wasserglas, das ich nie getrunken habe — denn das Glas war nur mein Alibi. Falls die Lust unterwegs verschwindet, war ich offiziell nur durstig. So weit war es mit mir gekommen: Ich hatte einen Rückzugsplan für meine eigene Lust.

    Worum es in dieser Folge geht
    • Das Flämmchen: warum meine Lust heute kurz auflodert, statt einfach zu brennen wie früher
    • Der Automat in mir: wie Gewohnheit über meinen Nachmittag entscheidet, ohne mich zu fragen
    • Warum die Mail gegen den Sex gewinnt — und was das mit Drohen zu tun hat
    • Pflegen oder drübertrampeln: die Entscheidung, die ich jahrelang nicht als Entscheidung erkannt habe
    • Der Unterschied zwischen Verwaltung und bewusstem Berühren
    Lust wieder spüren beginnt mit Hinschauen

    Meine härteste Lektion war nicht, wie ich mir die Lust zurückhole. Sondern, wie ich aufhöre, sie zu übersehen. Denn sie war oft da. Sie hat kurz gelodert, und ich habe gedacht: gleich. Danach war sie weg. Ein Flämmchen kann nämlich nicht warten. Das ist keine Bosheit, das ist seine Natur.

    Deshalb geht es in dieser Folge um die zwei Sekunden zwischen dem Ziehen und dem, was ich damit mache. Früher hätte der Alltag gewonnen. Anziehen, föhnen, Mail, weiter im Programm. An diesem Dienstag lief es zum ersten Mal anders. Und ja — es hat sich gelohnt.

    Die Momente, die ich übersehen habe

    Wie das Übersehen aussieht, beschreibe ich in der Folge ziemlich genau. Abends auf dem Sofa meldet sich etwas, und ich denke: schön, nachher im Bett. Im Bett bin ich dann eingeschlafen. Oder es funkelt kurz, und gleichzeitig fällt mir ein, dass ich noch tanken muss. Tanken! Gegen eine Tankstelle hatte das Flämmchen keine Chance.

    Genau dafür gibt es keine Strichliste. Ich kann nicht wissen, wie viele solcher Momente ich verpasst habe. Aber ich kann ab jetzt anders hinschauen. Darum geht es hier: nicht um eine neue Technik, sondern um Aufmerksamkeit. Meine Lust braucht meine Aufmerksamkeit. Nicht seine. Meine. Das hat mir mit Mitte vierzig niemand mehr sagen müssen — ich habe es an einem einzigen Nachmittag verstanden.

    Für wen diese Folge ist

    Für dich, wenn deine Lust leiser geworden ist und du dich fragst, ob sie überhaupt noch da ist. Für dich, wenn du das Gefühl von früher vermisst — dieses Feuer, das einfach da war und brannte, ohne dass du etwas dafür tun musstest. Außerdem für dich, wenn bei dir auch immer irgendwas Dringendes dazwischenkommt. In der letzten Folge habe ich erzählt, dass meine Lust meistens einen Anlass braucht. Diesmal erzähle ich vom Gegenteil: von dem seltenen Moment, in dem sie von allein anklopft. Und davon, was passiert, wenn ich ihr endlich aufmache.

    Ein Dienstag, ein Handtuch, ein Wasserglas

    Die Geschichte beginnt unspektakulär. Ich hatte geduscht, weil morgens keine Zeit war. Dann stand ich im Bad, habe kurz die Hand auf meinen Bauch gelegt, und da war dieses Ziehen. Nicht dramatisch. Eher wie jemand, der vorsichtig anklopft und schon halb wieder gehen will. Ich habe gedacht: Na guck. Du lebst ja noch.

    Und dann kam der Moment, um den sich die ganze Folge dreht. Der Automat in mir griff schon nach der Unterwäsche. Der Automat ist der Teil von mir, der Tage abwickelt — er funktioniert komplett ohne mich. Aber diesmal bin ich mitten in der Bewegung stehen geblieben. Hand in der Luft. Warum eigentlich nicht jetzt? Wer hat festgelegt, dass Dienstag um drei nicht zählt? Ich habe auf eine Antwort gewartet. Es kam keine. Da war nur Gewohnheit, und Gewohnheit ist kein Argument.

    Acht Meter Flur, zwei Stimmen im Kopf

    Also bin ich nackt losgelaufen, mit einem leeren Glas als Sicherheitsnetz. Auf dem Weg liefen zwei Stimmen parallel. Die eine fand das albern. Die andere sagte nur: weitergehen. Irgendwo auf diesen acht Metern ist das Alberne gekippt und wurde großartig. Ich habe mich gefühlt wie eine, die was vorhat. Das hatte ich lange nicht.

    Was danach kam, erzähle ich in der Folge nicht komplett. Aber so viel: Mein Körper hat sofort mitgemacht. Ohne Anlauf, ohne banges Warten. Mittendrin dachte ich: Das gibt es also noch. Nicht als Erinnerung, sondern als Gegenwart.

    Warum die Mail sonst immer gewinnt

    Hinterher saß ich auf dem Sofa und habe verstanden, warum ich solche Momente jahrelang übersehen habe. Der Alltag droht nämlich. Die Mail wird dringender, je länger sie liegt. Der Termin platzt. Das Flämmchen dagegen droht nicht. Wenn ich es übergehe, passiert nichts — kein Vorwurf, keine Mahnung. Es geht einfach. Deshalb verliert es jeden Vergleich mit allem, was laut ist. Eine Mail gewinnt gegen Sex. Wenn mir das jemand über mein Leben erzählt hätte, hätte ich gelacht. Es war trotzdem jahrelang mein Leben.

    In der Folge nenne ich mich selbst die Spät-Aufgeklärte. Denn niemand hat mir je gesagt, dass Lust wieder spüren mit Aufmerksamkeit anfängt. Ich dachte, Lust ist da oder nicht. Kommt oder kommt nicht. Ich war Passagierin. Dabei gab es die ganze Zeit diese Entscheidung: Pflege ich das gerade — oder trete ich drüber? Ich habe sie jahrelang getroffen, ohne zu merken, dass ich sie treffe. Immer in dieselbe Richtung.

    Inzwischen weiß ich: Meine Lust wurde nicht lauter, sie wurde leiser. Das ist keine Fehlfunktion. Das bin ich jetzt. Seit ich hingucke, ist öfter etwas da, als ich jahrelang geglaubt habe. Nicht verlässlich und nicht planbar. Aber öfter. Und jedes Mal, wenn ich hinschaue statt drüberzutrampeln, kann ich meine Lust wieder spüren. Kleiner als früher, ja. Aber echt.

    Hör rein — und schick die Folge weiter

    Wenn du gerade erst einsteigst: Fang mit Folge 2 an, danach weißt du, ob wir uns kennen. Und wenn du eine Freundin hast, bei der auch ständig die Mail gewinnt — schick ihr diese Folge. Vielleicht ist das genau ihr Dienstag um drei.

    13 min
  • Warum sich seine Hand falsch anfühlt
    Responsive Desire — Shownotes Episode 006

    Responsive Desire — dieses Wort hätte Susanne ein paar Jahre früher gebrauchen können. Damals lag sie nachts wach und hat gerechnet: wann es das letzte Mal richtig war, wie oft falsch, ob das mehr wird. In dieser Folge erzählt sie, wie sie das Wort gefunden hat. Nicht in einer Arztpraxis, sondern in ihrem eigenen Bett, zwischen zwei Momenten mit ein und derselben Hand.

    Die Hand gehört ihrem Partner. Sie hat sich in fünf Jahren nicht verändert. Dieselben Finger, dieselbe Bewegung. Trotzdem fühlt sie sich an manchen Tagen richtig an und an anderen falsch. Susanne hat lange an ihm gesucht, dann an sich. Beides war die falsche Adresse. Zwischen seiner Hand und ihrer Haut sitzt noch etwas Drittes — und dieses Dritte hat die Regeln geändert, ohne Bescheid zu sagen.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Susanne erzählt zwei Momente. Ein Morgen, an dem ein Funken da ist — und sie trotzdem aussteigt, weil der Tag zu voll ist. Und ein Abend, an dem sie ihren Partner erst wegschickt und ihn zwei Stunden später selbst ins Bett holt. Dazwischen liegt eine Fortsetzungsgeschichte auf Instagram. Mit Werwölfen, ja. Susanne hat auch gelacht, ungefähr zwei Kapitel lang.

    Was diese Geschichten bei ihr auslösen, hat nichts mit Muskelbergen zu tun. In den Geschichten muss die Frau nichts tun. Nicht anfangen, nicht erklären, nicht den richtigen Moment abpassen. Da kümmert sich jemand zu hundert Prozent darum, dass sie ihre Lust bekommt. Genau an diesen Stellen hakt es bei Susanne im echten Leben: Anfangen ist Arbeit geworden, Annehmen auch. Die Geschichte schleust die Lust an beiden Baustellen vorbei — durch einen Eingang, von dem sie nicht wusste, dass es ihn gibt.

    • Die Hand ist nie das Problem — ob sich eine Berührung richtig oder falsch anfühlt, entscheidet sich im Kopf, bevor die Hand überhaupt losgeht.
    • Responsive Desire hat einen Namen — Lust, die nicht von selbst losläuft, sondern antwortet. Auf Nähe, auf Kontext, auf eine Geschichte. Die allermeisten Frauen funktionieren so, in langen Beziehungen werden es eher mehr.
    • Kippen ist eine Entscheidung — selbst mit Anlass passiert bei Susanne nichts automatisch. Sie muss sich bewusst dafür entscheiden, alles andere loszulassen. Sonst gewinnt der Dienstag.
    • Das Kaputt-Gefühl bremst mit — wer sich beim Streicheln fragt, warum sie nichts fühlt, fühlt garantiert nichts. Dieser Kreis hat Susanne Jahre gekostet.

    Am Ende bleibt Susanne ehrlich: Es funktioniert nicht immer. Es gibt Abende, an denen sie alles richtig macht und ihr Körper trotzdem still bleibt. Solche Abende lässt sie stehen, weil sie dazugehören. Aber aus dem Urteil „kaputt" ist ein Datum geworden — heute nicht. Mit einem Urteil kann man nichts machen. Ein Datum geht vorbei.

    Und ihre Lust? Die ist nicht weg. Sie ist umgezogen. Sie wohnt nicht mehr da, wo sie früher einfach aufgemacht hat, wenn er geklingelt hat. Sie hat einen anderen Eingang, weiter hinten, ohne Schild dran. Susanne hat Jahre gebraucht, um den überhaupt zu suchen. Aber es gibt ihn. Und seit sie das weiß, klingt dieselbe Klingel wieder anders.

    Shownotes und Episodendetails

    Vielleicht kennst du das: Er meint es lieb, die Berührung ist vertraut, und trotzdem zieht sich alles in dir zusammen. Nicht vor ihm. Vor dem Zeitpunkt. Diese Folge erklärt, warum das kein Beweis für irgendeinen Defekt ist.

    Der Morgen, an dem der Funken verliert

    Susanne liegt im Bett und liest. Ihr Partner wird wach, kuschelt sich an, seine Hand wandert. Und da ist tatsächlich etwas — ein Funken, ganz klar. Ihr Körper hätte Interesse.

    Gewonnen hat trotzdem der Kalender. Termine, Fahrerei, der volle Tag. Susanne windet sich freundlich aus seinen Händen und beantwortet beim Zähneputzen im Kopf schon die erste Mail. Gesagt hat sie nichts. Was auch — dass ein Funken da war und der Dienstag wichtiger?

    Das Bittere daran: Genau in dem Moment, in dem sie innerlich aufsteht, kippt seine Hand von richtig zu falsch. Die Hand streichelt eine Frau, die im Kopf längst im Flur steht.

    Der Abend, an dem sie ihn holt

    Wenige Tage später schickt sie ihn erst weg — sie will ihre Ruhe, sie will lesen. Dann baut die Geschichte auf dem Handy Spannung auf, Kapitel für Kapitel. Der Kopf kippt zuerst. Dann schießt der Gedanke in den Körper. Ihr Unterleib antwortet auf einen Text, auf Buchstaben, während der Mann nebenan im Wohnzimmer sitzt.

    Also ruft sie ihn. Und legt sich nackt auf ihn, damit keine Frage offenbleibt. Dieselbe Hand wie am Morgen, dieselbe Bewegung — diesmal fühlt sich alles daran richtig an.

    Gaspedal, Bremse und der Dienstag

    In der Erkenntnis nimmt Susanne ein Bild auseinander, das sie seitdem nicht mehr loslässt: Lust hat ein Gaspedal und eine Bremse. Das Gaspedal reagiert auf alles, was der Kopf als sexy einstuft. Die Bremse reagiert auf Stress, auf Listen, auf den Alltag.

    Das Problem ist fast nie das Gaspedal. Das Problem ist der Fuß auf der Bremse. Am Morgen standen dort die Termine. Am Abend hatte die Geschichte die Bremse längst gelöst, bevor er das Zimmer betrat.

    Dazu gehört eine Zahl, die vieles geraderückt: Nur ein kleiner Teil der Frauen bekommt Lust wirklich aus dem Nichts. Die allermeisten brauchen einen Anlass und den richtigen Kontext — und in langen Beziehungen werden es eher mehr. Was sich wie ein Defekt anfühlt, ist der Normalfall. Es hat Susanne nur nie eine gesagt.

    Ob das auf Dauer trägt, weiß Susanne nicht. Eine Fantasie ist kein Schalter, den man jeden Abend drücken kann — sie vermutet, dass Abnutzung dazugehört, und probiert weiter aus.

    Für wen diese Folge ist

    Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, die neben einer vertrauten Hand liegt und nachts ausrechnet, was mit ihr nicht stimmt. Die gelernt hat, dass echte Lust von allein kommen muss, und deren Lust das nicht mehr tut. Die an der Technik ihres Partners gesucht hat, am Timing, an sich selbst — und die Antwort eine Etage höher nie vermutet hätte.

    Nach dieser Folge hat das Ganze einen Namen. Und einen anderen Eingang.

    Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt von allein, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.

    16 min
  • Mein Periodentracker spinnt
    Zyklus unregelmäßig — Shownotes Episode 5

    Plötzlich ist der Zyklus unregelmäßig — und die App, die jahrelang alles auf zwei Tage genau wusste, schreibt nur noch: Deine Periode kommt voraussichtlich innerhalb der nächsten drei Wochen. Danke, sehr hilfreich. In dieser Folge erzählt Susanne die Geschichte von sich und ihrem Periodentracker. Es ist eine Beziehungsgeschichte. Die beiden hatten gute Jahre. Dann kam die Perimenopause dazwischen.

    Susanne mochte ihren berechenbaren Körper. Ein Zyklus wie ein Uhrwerk, eine App, die das schriftlich bestätigt, fruchtbare Tage mit Ansage. Sie hat morgens draufgeguckt und wusste, woran sie ist. Das war keine Kontrolle, das war Alltag — so selbstverständlich wie eine Uhr, die richtig geht. Bis der Tracker mit 44, 45 anfing, sich seltsam zu verhalten. Erst Kleinigkeiten, dann Ansagen wie "in drei Wochen oder in sieben, beides möglich". Susanne hat der App trotzdem weiter geglaubt, so wie man jemandem glaubt, der sich nie geirrt hat. Bis irgendwann die ganze Familie lachend durch die App scrollt — und für die kommenden Monate nur noch einen einzigen Eintrag findet: Periode möglich. Kein Datum, keine Prognose. Eine App, die aufgibt und in den Konjunktiv wechselt.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Diese Folge nimmt ein kleines Alltagsding — eine App-Nachricht — und packt damit ein großes Thema aus: den Moment, in dem der eigene Körper aufhört, sich an Pläne zu halten. Susanne erzählt, wie aus ihrer Zyklus-Vorhersage ein Tagebuch wurde, warum die Laune ohne Absender anstrengender ist als die Laune selbst, und wieso der Tracker gar nicht kaputt ist. Er rechnet nur mit einem Zyklus, den es so nicht mehr gibt. Wenn der Zyklus unregelmäßig wird, ist das kein Defekt der App und keiner der Frau. In der Perimenopause ist das Chaos der normale Ablauf — es fängt nur so unscheinbar an, dass der Körper längst umgezogen ist, während man noch an die alte Adresse schreibt.

    • Der Tracker spinnt nicht, der Zyklus spinnt — Zyklus-Apps sind auf Körper gebaut, die sich wiederholen. In der Perimenopause werden die Zyklen erst kürzer, dann länger, dann unberechenbar. Die App macht ihren Job. Der Job ist nur weg.
    • Die Laune verliert ihren Absender — Stimmungsschwankungen gab es immer, aber früher hatten sie ein Datum. Wenn niemand mehr weiß, wann die Tage vor den Tagen sind, steht die miese Laune einfach so im Zimmer. Ohne Beipackzettel.
    • Kontrolle war Gewohnheit mit gutem Ruf — Susanne hat nicht die Kontrolle über ihren Körper verloren. Sie hatte sie nie. Sie hatte einen Körper, der zufällig regelmäßig war, und eine App, die das aufgeschrieben hat.
    • Das eingebaute Signal funktioniert noch — Lust am Tag vor der Periode war für Susanne immer verlässlicher als jede App. Dieses Signal gibt es weiterhin. Sie liest es nur manchmal einen Tag zu spät — und auch dann lohnt es sich noch, ihm nachzugehen.

    Susanne hat keinen neuen Plan für ihren Körper. Sie hat eine App, mit der sie jetzt gemeinsam rät, einen Kalender, in dem sie die Einzige ist, die noch pünktlich kommt, und einen trockenen Satz für alles, was gerade gilt: Voraussichtlich wird das schon irgendwie. Rund vierzehn Minuten zum Wiedererkennen, Lachen und Aufatmen — für jede, deren Körper gerade improvisiert.

    Shownotes und Episodendetails

    Vielleicht kennst du diesen Moment: Du öffnest deine Zyklus-App, und statt eines Datums steht da ein Zeitfenster. Drei Wochen. Und irgendwas in dir weiß sofort — das ist nicht die App. Das bist du.

    Von der Vorhersage zum Tagebuch

    Susanne erzählt in dieser Folge, wie sie ihrer App die Daumen gedrückt hat. Jedes Mal, wenn eine neue Schätzung kam, dieser kleine Gedanke: Vielleicht diesmal. Vielleicht hat sie sich wieder gefangen.

    Hat sie nicht.

    Also hat Susanne umgestellt. Sie trägt weiter ein — aber rückwärts statt vorwärts. Was passiert ist, nicht mehr, was kommen soll. Löschen konnte sie die App trotzdem nicht. Da stecken Jahre drin. Es ist die einzige Stelle, an der ihr Körper lückenlos aufgeschrieben ist.

    Und wenn schon niemand mehr weiß, was als Nächstes kommt, will sie wenigstens wissen, was gewesen ist.

    Bist du das oder sind das deine Hormone?

    Die Periode kommt, wann sie will. Manchmal nach drei Wochen, manchmal nach sechs, manchmal nur kurz grüßen. Und hinten dran hängt die Laune.

    Susanne beschreibt einen Tag, an dem ihr alles zu viel war, obwohl nichts passiert ist. Wirklich nichts, sie hat extra nachgedacht. Früher hätte der Kalender das erklärt: klar, in vier Tagen geht es los. Heute guckt sie in den Kalender, der Kalender guckt zurück, und keiner von beiden weiß was. Die Laune kommt trotzdem. Sie kündigt sich nur nicht mehr an.

    Die Frage, ob das echt ist oder hormonell, lässt sie offen. Beziehungsweise: Sie schreibt sie auf einen Zettel, legt den Zettel auf einen Stapel, und irgendwann fliegt der Stapel weg. Wer Susanne kennt, weiß, dass das ihre Art von Ordnung ist.

    Die gute Nachricht in dieser Folge

    Zwischen all dem Durcheinander steckt ein Lichtblick, und Susanne sagt ihn extra deutlich, weil man zu diesem Thema sonst fast nur düstere Geschichten hört.

    Ihr Körper hatte schon immer ein eigenes Signal, zuverlässiger als jede App: Lust am Tag vor der Periode. Immer. Wie ein Naturgesetz, lange bevor es Apps gab. Dieses Signal meldet sich weiterhin. Es hat nur seinen Fahrplan verloren — das ist nicht dasselbe wie verschwunden.

    Manchmal versteht sie die Nachricht erst einen Tag später, wenn die Periode schon da ist, aber noch nicht richtig in Schwung. Und dann hilft der Sex ungemein. Die Lust ist nicht weg. Sie ist mit dem Zyklus durcheinandergeraten. Das ist ein Unterschied, der Mut macht.

    Für wen diese Folge ist

    Für jede Frau ab 35, ab 40, ab 45, deren Zyklus gerade macht, was er will. Die von zwei Geräten gleichzeitig beobachtet wird — App und Uhr — und trotzdem als Einzige im Raum keine Antwort bekommt. Die nachts googelt, ob das normal ist, und tagsüber Witze darüber macht. Die ihren berechenbaren Körper vermisst und trotzdem lachen kann, wenn die App aufgibt.

    Du wirst dich wiedererkennen. Vielleicht scrollst du danach selbst mal vorwärts, einfach um zu sehen, was deine App noch glaubt. Und du wirst ein bisschen freundlicher auf sie gucken.

    Kennst du eine Freundin, deren Tracker auch nur noch rät? Schick ihr diese Folge. Manchmal ist das der einfachste Weg zu sagen: Bei mir ist es genauso.

    15 min
  • Stell dich nicht so an
    In den Wechseljahren nicht ernst genommen — Shownotes Episode 004

    Es gibt diesen einen Satz, den fast jede Frau kennt: Stell dich nicht so an. Susanne hat ihn oft gehört. Und irgendwann hat sie ihn selbst gesagt — zu sich.

    In dieser Folge erzählt sie von einem ganz gewöhnlichen Vorsorgetermin. Eine Woche vorher legt sie sich Sätze zurecht. Sie überlegt, wie sie es sagt, ohne dramatisch zu klingen. Dann sitzt sie da, spricht es aus — und bekommt eine freundliche, sachliche Antwort. Das ist völlig normal. Sie sind gesund. Danach ist das Gespräch vorbei. Wer sich schon einmal in den Wechseljahren nicht ernst genommen gefühlt hat, kennt genau diesen Moment.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Susanne erzählt von dem Tag, an dem sie zum ersten Mal über ihre nachlassende Lust gesprochen hat — und von dem Satz, der das Gespräch beendet hat, bevor es angefangen hatte. Sie erzählt aber vor allem von dem, was danach kam. Denn abends, zu Hause, kommt die Frage noch einmal hoch. Und diesmal ist niemand da, der abwiegelt. Diesmal macht sie es selbst. Genau da wird aus einem Satz von außen eine Stimme von innen. Es geht in dieser Folge deshalb nicht um eine Ärztin. Es geht darum, wie man lernt, sich selbst zu unterbrechen — und was diese Gewohnheit mit der eigenen Lust macht.

    • Der Satz hat immer recht — es geht immer jemandem schlechter. Deshalb merkt man nicht, dass er einem etwas wegnimmt.
    • Normal und in Ordnung sind zwei verschiedene Dinge — normal ist eine Statistik. Sie sagt etwas über viele Frauen aus, aber nichts über dich.
    • Er beantwortet die Frage nicht, er beendet sie — und eine Frage, die lange genug nicht gestellt werden darf, wird nicht beantwortet. Sie wird leiser.
    • Irgendwann braucht der Satz keinen Absender mehr — solange er von außen kommt, kann man widersprechen. Von innen widerspricht niemand.
    • Die Lust ist nicht das Erste, was verschwindet — zuerst verschwindet die Frage danach. Und ohne Frage kommt auch keine Antwort zurück.

    Denn zwischen der Praxis und dem eigenen Wohnzimmer liegt oft nur ein halber Tag. Und in dieser Zeit passiert etwas, das kaum jemand beschreibt: Aus einer freundlichen Auskunft wird eine Erlaubnis, nicht weiterzufragen. Beruhigung fühlt sich fast an wie eine Antwort. Sie hält nur deutlich kürzer.

    Susanne erzählt außerdem, warum ihr dieser Satz so leicht gefallen ist. Sie hat ihn nämlich sehr früh gelernt: erst aufstehen, dann wird getröstet. In der Reihenfolge, nicht gleichzeitig. Wer das jahrzehntelang übt, unterdrückt seine Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt sie. Und Überspringen merkt man nicht.

    Es geht dabei nicht um Vorwürfe. Weder an die Ärztin, die in zwölf Minuten wahrscheinlich ihr Bestes gegeben hat, noch an den Partner, der auch nicht weiß, was er sagen soll. Es geht um die Reihenfolge, in der wir gelernt haben, mit uns selbst umzugehen.

    Am Ende steht keine Auflösung, sondern ein einziger Moment: die Sekunde, in der sie merkt, dass sie sich gerade selbst abgeräumt hat. Und der Satz, den sie damals runtergeschluckt hat und der Wochen später einfach wiederkommt. Diese Folge ist für alle, die sich in den Wechseljahren nicht ernst genommen und einfach abgefertigt gefühlt haben. Und für alle, die abends zu Hause weitermachen, obwohl die Frage noch offen im Raum steht.

    Shownotes und Episodendetails

    Du kennst das vielleicht: Du legst dir tagelang zurecht, wie du etwas sagst. Und dann ist das Gespräch nach zwanzig Sekunden vorbei.

    Susanne beschreibt diesen Vorgang von innen. Nicht den Termin selbst, sondern alles drumherum. Die Woche davor, in der sie an der Lautstärke ihres eigenen Anliegens dreht. Den Gedanken im Wartezimmer, der ganz freundlich vorschlägt, einfach nichts zu sagen. Und den zweiten Satz, den sie sich zurechtgelegt hatte und dann trotzdem runtergeschluckt hat, weil noch acht Leute draußen saßen.

    Warum sich viele Frauen in den Wechseljahren nicht ernst genommen fühlen

    Die kurze Antwort: weil für diese Frage nirgends ein Platz vorgesehen ist.

    Es geht dabei um nachlassende Lust, um einen Körper, der nicht mehr antwortet, und um das Gefühl, sich selbst fremd zu werden. Das sind keine Beschwerden, die man in fünf Minuten abhandelt. Also landen sie da, wo gerade jemand steht. Und wer wenig Zeit hat, beruhigt — denn beruhigen geht schneller als zuhören.

    Das Ergebnis ist eine Auskunft, die stimmt und trotzdem nichts klärt. Normal heißt: viele andere haben das auch. Über dich selbst sagt das kein Wort. Susanne beschreibt in dieser Folge genau das Wort, das ihr auf dem Heimweg dazu eingefallen ist — abgefertigt. Nicht schlecht behandelt. Nicht unfreundlich. Abgefertigt.

    Wenn der Satz von außen nach innen wandert

    Der eigentliche Kern dieser Folge liegt aber nicht in der Praxis. Er liegt am Abend danach.

    Die Frage kommt noch einmal hoch, ganz kurz und ohne Drama. Und Susanne räumt sie selbst weg. Mit genau dem Satz, den sie an diesem Tag schon einmal gehört hat. Von da an braucht er keinen Absender mehr. Solange jemand anders abwiegelt, kann man sauer werden — und Ärger ist Energie. Wenn die Stimme aus dem eigenen Kopf kommt, fühlt sie sich einfach nur vernünftig an.

    Susanne erzählt auch, wo sie das gelernt hat. Erst aufstehen, dann wird getröstet. Ein Satz, den kein Kind je erklärt bekommt und trotzdem jedes versteht. Wer diese Reihenfolge lange genug übt, unterdrückt Gefühle irgendwann nicht mehr — er überspringt sie. Und da, wo etwas war, ist dann einfach nichts.

    Am Ende erzählt sie von dem Moment, in dem der Satz das erste Mal durchgefallen ist. Sie hat gelacht. Weil er ihr gerade verbieten wollte, über ihn zu reden. Und davon, dass der runtergeschluckte Satz Wochen später einfach wiederkam — und dass sie ihn diesmal zu Ende gesagt hat. Eine Antwort gab es trotzdem nicht. Aber ein Satz, der einmal draußen war, wiegt weniger als einer, den man ein Jahr mit sich rumträgt.

    Und genau da liegt die Verbindung zur Lust. Denn ein Satz wie dieser kann keine Lust wegnehmen, dafür ist er viel zu klein. Was er wegnimmt, ist die Frage danach. Wer über Jahre nicht mehr fragt, was der eigene Körper eigentlich will, bekommt irgendwann auch keine Antwort mehr — und hält das dann für Verlust.

    Diese Folge gehört zu Cluster III von Saftig. und handelt vom Schweigen — davon, wie es entsteht, wer es beibringt und warum es sich von innen wie Vernunft anfühlt. Sie dauert vierzehn Minuten und lässt sich gut beim Autofahren oder beim Spazierengehen hören.

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    15 min
  • Mein Körper hat die Regeln geändert
    Meinen Körper nicht kennen — Shownotes Episode 003

    Es gibt einen Satz, den kaum eine Frau laut sagt: Ich kenne meinen Körper eigentlich gar nicht. Nicht so richtig. Nicht von innen. In dieser Folge erzählt Susanne, wie es passieren kann, dass man Jahrzehnte in einem Körper lebt und ihn trotzdem nicht kennt. Meinen Körper nicht kennen klingt nach einem Mangel an Interesse. Es hat aber meistens ganz andere Gründe.

    Sie fängt an einem Klettergerüst an. Sechs Jahre alt, ein warmes Gefühl, das einfach kommt. Sie erzählt es einer Freundin, und die guckt sie zwei Sekunden lang irritiert an. Aus diesen zwei Sekunden baut ein Kind eine Regel — und hält sich vierzig Jahre daran. Von da an lernt Susanne ihren Körper von außen kennen. Durch Bilder, durch Ärzte, durch Männer, durch alles, nur nicht durch sich selbst.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Susanne erzählt ihre Körpergeschichte der Reihe nach: der Handspiegel mit acht und die Neugier, für die es kein einziges Wort gab. Die Pornos, die zum Körperwissen wurden, weil nichts anderes da war. Der erste Freund mit siebzehn und die Frage danach, ob das jetzt gut war — ohne jemanden, den sie das fragen konnte. Der Partner, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß. Die Geburt, nach der ihr Körper endgültig etwas war, mit dem andere Leute etwas machen. Und dann die Jahre, in denen alles gut ging, weil ein Körper, der mitläuft, keine Fragen stellt. Bis er anfängt, andere Regeln zu spielen. In der Perimenopause merkt Susanne: Das Schlimme ist nicht die Veränderung. Das Schlimme ist, dass ihr der Vergleichswert fehlt.

    • Kein Vergleichswert — Wer nie hingefühlt hat, kann nicht sagen, was sich verschoben hat. Man merkt nur: irgendwas stimmt nicht. Und sucht sich sofort jemanden, der es erklärt.
    • Wissen aus zweiter Hand — Alles, was Susanne über ihren Körper weiß, hat sie von jemand anderem. Sie hat die Übersetzung gelernt und nie die Sprache.
    • Der Körper als Auto — Man guckt nicht rein, solange es fährt. Und wenn es Geräusche macht, fragt man jemanden, der sich auskennt. Nur ist der Körper der Einzige, der die Antwort wirklich hat.
    • Der Satz ihrer Mutter — „Ich muss mich selber streicheln. Mich streichelt ja keiner mehr." Warum dieser Satz Susanne bis heute nicht loslässt — und warum er nicht wehtat, weil ihre Mutter krank war.
    • Regeln von außen halten nur so lange — Solange der Körper mitspielt, braucht es keine eigene Verbindung zu ihm. Genau in dem Moment, wo er eigene Regeln macht, fällt einem das auf die Füße.

    Susanne fängt gerade erst an, die Sprache zu lernen, von der sie vorher nur die Übersetzung hatte. Sie ist auf Vokabelstand. Sie kann noch keine Sätze bilden. Aber sie merkt inzwischen den Unterschied zwischen einer Berührung, die ankommt, und einer, die nur passiert.

    Und genau da hängt für sie die Lust mit dran. Nicht als Ergebnis, sondern als Bedingung, die sie jahrzehntelang übersehen hat: Man kann nicht wollen, was man nicht fühlt. Man kann keine Lust auf einen Körper haben, den man nur vom Hörensagen kennt. An Stellen, die man nicht benennen kann. In einer Haut, die man nie selber angefasst hat. Wenn du in der Perimenopause das Gefühl hast, dein Körper sei dir fremd geworden, dann geht es in dieser Folge um genau diese Fremdheit — und darum, wo sie eigentlich anfängt.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment, in dem einem auffällt, dass man über das eigene Auto mehr weiß als über den eigenen Körper. Wann er zuletzt in der Werkstatt war. Was das Klackern bedeutet. Beim Körper: nichts. Da ist nur die Erinnerung an das, was andere darüber gesagt haben.

    Wie ein Körper zu einem Ding wird, mit dem andere etwas machen

    Susanne erzählt das nicht als Anklage. Sie erzählt es als Reihenfolge.

    Erst der Blick der Freundin am Klettergerüst. Dann der Handspiegel mit acht, hinter geschlossener Tür, und die Neugier, für die es kein Wort gab. Weil niemand darüber sprach, ging sie davon aus, dass man da nicht hinguckt. Und irgendwann guckte sie nicht mehr hin.

    Dann kamen die Bilder. Pornos, relativ früh, als einziges verfügbares Körperwissen. Menschen, die dafür bezahlt wurden, so auszusehen, als würden sie etwas fühlen. Für ein Mädchen ohne Vokabular ist das kein Vergnügen, das ist ein Lehrbuch.

    Dann die Partner. Der erste mit siebzehn, ohne Vorspiel, und danach die stille Frage: War das jetzt gut? Der nächste, bei dem Vorspiel zweimal über die Schulter streicheln hieß — und Susannes eigenes Vorspiel deshalb vorher stattfand. Allein. Im Bad. Damit überhaupt was ging. Gesagt hat sie das nie, und zwar nicht aus Angst vor seiner Reaktion, sondern weil sie auf die Nachfrage keine Antwort gehabt hätte. Sie hätte nicht sagen können, wo.

    Warum die Perimenopause die Rechnung aufmacht

    Und dann die Jahre, in denen alles funktionierte. Genau das ist der Punkt, den Susanne lange nicht verstanden hat: Ein Körper, der mitläuft, stellt keine Fragen. Man kommt damit durch. Jahrzehntelang.

    In der Perimenopause hört er auf mitzulaufen. Er spielt nach anderen Regeln und sagt vorher nicht Bescheid. Und in dem Moment fällt einem auf, dass man niemanden fragen kann. Eine Ärztin kann sagen, was normal ist. Sie kann nicht sagen, was normal ist für dich.

    Deshalb ist diese Folge auch die Vorgeschichte zu allem anderen: zur Lust, die nicht mehr kommt, zum Warten, zum Gefühl, kompliziert zu sein. Wer den eigenen Ausgangszustand nie gekannt hat, kann nicht sagen, was gerade fehlt.

    Der Satz, der bleibt

    Am schwersten wiegt in dieser Folge ein Satz, den Susannes Mutter in ihren letzten Monaten gesagt hat: Ich muss mich selber streicheln, mich streichelt ja keiner mehr. Er war nicht sexuell gemeint. Er hieß: für mich selber da sein.

    Susanne stand daneben und dachte, es tut weh, weil ihre Mutter krank ist. Es tat aber aus einem anderen Grund weh. Ihre Mutter hatte etwas verloren. Susanne hatte es nie gehabt.

    Heute streicht sie sich manchmal selbst über die Arme. Nicht sexuell, einfach so, im Vorbeigehen. Und es ist fast nicht auszuhalten — nicht weil es wehtut, sondern weil es sich so gut anfühlt, dass es ihr unangenehm ist. An den Armen kommt bei ihr am meisten an. Jeden Tag macht sie das nicht. Manchmal wochenlang nicht. Aber etwas hat sich dadurch verschoben, und in dieser Folge erzählt sie, was.

    Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du ihn noch nicht laut aussprechen willst: Schick die Folge einfach einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die ehrlichste Art, etwas zu sagen.

    14 min
  • Ich habe aufgehört anzufangen
    Lust nicht annehmen können — Shownotes Episode 002

    Es gibt Frauen, die ihre Lust nicht annehmen können, obwohl sie den Mann neben sich lieben. Susanne ist eine davon. Sie hat sich jahrelang erzählt, sie wolle einfach nicht mehr. Und irgendwann gemerkt, dass dieser Satz so nicht stimmt.

    Es ist Muttertag, ein Sonntagabend, die Kinder sind nicht da. Ein guter Tag, ein guter Mann, ein Bett, in dem alles möglich wäre. Er fängt an. Und in ihr passiert einfach nichts. Kein Ja, kein Nein, kein Vielleicht. Ihr Körper antwortet nicht. Also wartet sie. Und während sie wartet, baut sie im Kopf Sätze zusammen. Sätze für ihn.

    Wie sage ich es ihm, ohne dass er denkt, es liegt an ihm. Soll ich sagen, ich bin müde. Soll ich noch fünf Minuten liegen bleiben, damit es weniger nach Abweisung aussieht. Ein einziger Satz hätte gereicht. Trotzdem musste dieser Satz erst durch fünf Filter, bevor sie ihn aussprechen konnte. Dabei hat ihr Partner ihr das nie schwer gemacht. Er sagt ihr immer, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. An diesem Abend ging es aber gar nicht um ich-will-nicht. Es ging um etwas anderes: mein Körper will nicht. Und das ist noch mal eine ganz andere Aussage.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Am nächsten Morgen steht Susanne in der Küche und rechnet nach. Fünf Formulierungen hatte sie in dieser Nacht im Kopf. Alle fünf waren für ihn. Wie geht es ihm damit, was denkt er, wie verpacke ich das so, dass es ihn nicht trifft. Für sich selbst hatte sie keinen einzigen Satz übrig. Nicht einen. Aus dieser Rechnung entsteht die ganze Folge. Dass Frauen die Lust nicht annehmen können, obwohl eigentlich alles stimmt, hat nämlich selten mit dem Partner zu tun. Dahinter steckt eine Frau, die ihre eigene Lust nie als ihre eigene Angelegenheit betrachtet hat. Und die deshalb jahrelang gewartet hat, statt zu entscheiden. Warten fühlt sich dabei harmlos an. Es sieht von außen aus wie Geduld. Tatsächlich ist es die Entscheidung, gar nichts zu entscheiden.

    • Nicht wollen und nicht anfangen sind zwei verschiedene Dinge — der eine Satz klingt wie eine Diagnose, gegen die nichts zu machen ist. Der andere beschreibt eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten sind ein anderes Kaliber.
    • Die Blockade geht in beide Richtungen — Susanne kann nicht mehr selbst anfangen. Sie kann darüber hinaus die Lust nicht annehmen, wenn sie von ihm kommt. Solange sie nur über die eine Hälfte nachgedacht hat, kam sie zu keinem Ergebnis.
    • Annehmen ist kein passiver Vorgang — es sieht aus wie stillhalten, ist es aber nicht. Wer etwas annehmen will, muss ja sagen können. Und dieses Ja kommt aus derselben Stelle wie das Anfangen.
    • Warten ist keine Pause vom Entscheiden — je länger es dauert, desto normaler wird es. Irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern die Grundeinstellung.
    • Wenn deine Lust der Beziehung gehört, kommt deine eigene Frage nicht vor — nicht weil du sie verdrängst. Sondern weil sie in diesem System nie vorgesehen war.

    Susanne behauptet dabei nicht, dass es bei allen so ist wie bei ihr. Sie erzählt, was sie an einem Morgen in ihrer Küche verstanden hat. Und was sich dadurch verändert hat. Nämlich vor allem ein einziges Wort.

    Wenn du deine Lust nicht annehmen kannst und dir das seit Jahren als Erschöpfung oder als Phase erklärst, dann ist diese Folge für dich. Nicht weil sie dir sagt, was zu tun ist. Sondern weil sie beschreibt, wie sich das von innen anfühlt.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment, in dem du im Bett liegst und merkst, dass du dir selbst zuguckst. Seine Hand ist da. Du registrierst sie. Aber sie kommt nicht bei dir an, sie bleibt auf der Haut liegen und geht nicht weiter rein. Wenn du das kennst, ist diese Folge für dich.

    Warum das Warten das eigentliche Problem ist

    Susanne hat jahrelang gewartet. Sie hat gewartet, bis der richtige Moment kommt. Sie hat gewartet, bis die Kinder aus dem Haus sind. Vor allem aber hat sie darauf gewartet, dass dieses Gefühl von selbst wieder auftaucht, so wie früher.

    Das Tückische daran: Warten fühlt sich vernünftig an. Es sieht nach Geduld aus und nach Erwachsensein. Trotzdem ist in dieser ganzen Zeit keine einzige Entscheidung gefallen. Und irgendwann ist Warten kein Zustand mehr, sondern einfach die Grundeinstellung.

    Deshalb geht es in dieser Folge nicht um Technik und nicht um Timing. Es geht um die Frage, wem deine Lust eigentlich gehört. Denn wenn sie der Beziehung gehört und nicht dir, dann ist die einzig relevante Frage immer, wie es dem anderen damit geht.

    Wichtig ist dabei eines: In dieser Folge macht der Partner nichts falsch. Er drängt nicht, er macht keine Vorwürfe, er sagt sogar ausdrücklich, dass sie es einfach sagen soll, wenn sie nicht will. Genau das macht die Sache aber nicht leichter, sondern schwerer. Denn dann gibt es niemanden mehr, dem man die Schuld geben kann. Es bleibt nur noch die Frage, was eigentlich mit einem selbst gerade los ist.

    Anfangen heißt nicht, den Sex zu initiieren

    Das ist die Stelle, an der die Folge kippt. Susanne hat Anfangen jahrelang als Handlung verstanden. Wer legt die Hand wohin, wer macht die erste Bewegung.

    Tatsächlich meint Anfangen etwas ganz anderes. Es heißt, überhaupt eine Meinung dazu zu haben, was du willst. Es heißt, dass in dir eine Instanz sitzt, die Lust hat oder keine Lust hat, und die das auch weiß.

    Bei Susanne ist diese Instanz irgendwann leise geworden. Nicht weg. Nur leise. Und weil sie leise war, hat Susanne sie nicht mehr gefragt. Weil sie sie nicht mehr gefragt hat, wurde sie noch leiser. Das ist ein Kreis, den man nicht sieht, solange man mittendrin steht.

    Was sich heute verändert hat

    Nicht viel, ehrlich gesagt. Susanne fängt nach wie vor selten an. Sie legt sich immer noch abends Sätze zurecht und merkt es meistens erst hinterher.

    Geändert hat sich etwas Unspektakuläres. Sie stellt sich die Frage inzwischen tagsüber. Beim Autofahren, beim Wäscheaufhängen, mittags irgendwann. Nicht abends im Bett, wenn es für eine ehrliche Antwort sowieso zu spät ist.

    Meistens kommt darauf immer noch nichts. Manchmal aber eben doch. Ganz leise. Und dann weiß sie wenigstens, dass da unten noch jemand sitzt.

    Was diese Folge liefert, ist eine Unterscheidung. Und die ist größer, als sie klingt: Ich will nicht mehr ist eine Diagnose. Ich fange nicht mehr an ist etwas, das man macht.

    Wenn du wissen willst, wie es weitergeht: Abonniere Saftig. in deiner Podcast-App. Die nächste Folge kommt garantiert, und du musst nicht dran denken. Saftig. Endlich sagt es eine.

    15 min
  • Der Tab den ich geschlossen habe
    Perimenopause verdrängen — Shownotes Episode 001

    Es gibt diesen einen Moment, den fast jede Frau kennt und über den fast keine spricht: Du googelst ein Wort, das gerade zu deinem Leben passt. Du liest zwei Absätze. Und dann machst du den Tab wieder zu. In dieser Folge erzählt Susanne, warum sie die Perimenopause jahrelang verdrängen konnte, obwohl ihr Körper längst etwas anderes gesagt hat.

    Es geht um Hitze, die sich nicht als Hitze angefühlt hat. Um eiskalte Füße im Hochsommer. Um einen Abend, an dem Susanne die Tür aufreißt und alle anderen frieren. Und um die Frage, die irgendwann nachts im Dunkeln auftaucht und nicht mehr weggeht: Was passiert mit mir? Keine medizinische Frage. Eine Frage nach der Frau, die man zu kennen glaubte.

    Diese Episode gehört zu den Folgen, in denen es nicht um Hormonwerte geht, sondern um Selbstbild. Denn die Perimenopause verändert nicht nur den Körper. Sie verändert das Bild, das eine Frau von sich selbst hat — und darüber spricht kaum jemand.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Susanne hat das Wort einmal nachgeschlagen und dann acht Jahre lang weggeklickt. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern weil sie nicht bereit war. In dieser Episode erzählt sie, wie sich die ersten Veränderungen angefühlt haben, bevor sie einen Namen dafür hatte. Die Wärmflasche bei dreißig Grad. Der Satz, den sie an dem Abend nicht gesagt hat, weil sie ihn selbst nicht hätte erklären können. Und der Moment, in dem ihr klar wurde, dass sie denselben Reflex nicht nur beim Körper hatte, sondern auch bei ihrer Lust. Kurz merken, dass etwas anders ist. Und dann nicht hinschauen. Diese Folge löst nichts auf. Sie beschreibt, wie es sich anfühlt, wenn der eigene Körper anfängt, Dinge zu tun, die keinen Sinn ergeben — und man selbst die Einzige ist, die dabei zuschauen kann.

    • Verdrängen ist nicht Gleichgültigkeit — wer die Perimenopause verdrängen will, ist meistens nicht desinteressiert, sondern schlicht noch nicht bereit. Das sind zwei völlig verschiedene Dinge.
    • Der geschlossene Tab hat eine Funktion — er hält die Frau von früher noch einen Tag länger am Leben. Die, die ihren Körper kannte. Die, bei der alles nach Plan lief.
    • Symptome werden oft gar nicht als Symptome erkannt — Susanne hat die Hitze zuerst für Empfindlichkeit der anderen gehalten. Erst viel später kam der Gedanke, dass sie selbst gemeint sein könnte.
    • Kompetenz kann im Weg stehen — Frauen, die sonst alles im Griff haben, räumen weg, was sie nicht reparieren können. Genau die Stärke, die sonst trägt, wird hier zum Problem.
    • Kaputt und verändert sind nicht dasselbe — kaputt heißt, da war mal etwas heil. Verändert heißt, da wird gerade etwas Neues draus. Nur weiß man noch nicht, was.

    Wer nach Informationen über die Perimenopause sucht, landet fast immer bei zwei Sorten von Texten: medizinischen Erklärungen oder Produktempfehlungen. Was fehlt, ist eine Frau, die einfach erzählt, wie sich das anfühlt. Ohne Diagnose, ohne Lösungsversprechen, ohne den Zeigefinger. Genau das passiert hier.

    Kein Ratgeber, keine Checkliste, keine Expertin, die dir deinen Körper erklärt. Susanne hat auf die Frage, was da gerade mit ihr passiert, bis heute keine Antwort. Sie erzählt nur, wie es ist, mittendrin zu stehen — und dass niemand von außen draufschauen und sagen kann: so wirst du.

    Shownotes und Episodendetails

    Du sitzt vor dem Laptop. Ganz allein in der Wohnung. Und trotzdem fühlt es sich an, als würde gleich jemand über deine Schulter schauen. Genau da fängt diese Folge an.

    Das Wort, das man nicht sein will

    Susanne hat die Perimenopause einmal gegoogelt. Zwei Minuten, vielleicht drei. Dann Tab zu. Und dieses Wegklicken ist danach zur Gewohnheit geworden — immer wenn ihr etwas an sich auffiel, das neu war oder komisch.

    Sie hat sich eingeredet, das sei praktisch. Sie ist schließlich eine, die Dinge erledigt. Nächster Punkt auf der Liste, dann der danach. Erst viel später hat sie gemerkt: Wegschauen sieht von außen aus wie Effizienz. Von innen ist es etwas ganz anderes.

    Denn hinter dem Wort stand ja nicht nur eine Information. Hinter dem Wort stand eine Frau, die sie noch nicht kannte. Und die wollte sie an dem Tag einfach noch nicht kennenlernen.

    Wenn der Körper Dinge tut, die keinen Sinn ergeben

    Vorbereitet war sie auf schlechte Laune. Gekommen ist die Hitze. Und die hat sie zuerst gar nicht als Hitze erkannt — sie hat einfach überall Fenster aufgemacht und gedacht, alle anderen seien empfindlich.

    In der Folge erzählt Susanne einen Abend, an dem das gekippt ist. Wein, Gespräch, gemütlich. Und mitten in einer Geschichte kommt es hoch, vom Brustbein über den Hals ins Gesicht. Sie steht auf und reißt die Tür auf. Und jemand sagt: Kannst du die bitte wieder zumachen, uns ist kalt.

    Sie hat die Tür zugemacht. Und den Satz, den sie hätte sagen können, hat sie nicht gesagt. Weil sie dann hätte erklären müssen, was das ist. Und das wusste sie ja selbst nicht.

    Dazu kommen die Füße. Eiskalt am Abend, so kalt, dass sie sich bei dreißig Grad draußen eine Wärmflasche macht. Oben warm, unten gefroren. Gleichzeitig, am selben Körper.

    Die Frage, die nachts kommt

    Was Susanne dabei am meisten durcheinandergebracht hat, war nicht der Körper. Es war, dass ausgerechnet ihr das passiert. Sie ist die, die den Überblick hat. Die, bei der andere anrufen, wenn sie nicht weiterwissen. Und dann steht sie ratlos in ihrer eigenen Küche mit einer Wärmflasche in der Hand.

    Und irgendwann liegt sie nachts wach und da ist dieser Satz. Ganz leise, nicht dramatisch: Was passiert mit mir? Nicht, welches Hormon gerade was macht. Sondern: was passiert mit mir. Mit der Frau, die sie zu kennen glaubte.

    Warum das auch mit Lust zu tun hat

    Der eigentliche Punkt der Folge kommt zum Schluss. Denselben Tab hat Susanne nämlich nicht nur beim Thema Körper geschlossen, sondern genauso bei ihrer Lust. Da hat sich auch etwas verändert, leise und schleichend. Und der Reflex war exakt derselbe: kurz merken, dass etwas anders ist — und dann nicht hinschauen.

    Kalte Füße lassen sich mit einer Wärmflasche überbrücken. Eine Lust, bei der man jahrelang wegklickt, verschwindet nicht. Sie wird nur immer fremder. Bis man irgendwann nicht mehr weiß, was man überhaupt will, weil man so lange nicht gefragt hat.

    Wenn dich in dieser Folge ein Satz erwischt hat und du ihn noch nicht laut aussprechen möchtest: schick die Episode einer Freundin. Ohne ein Wort dazu. Manchmal ist das die ehrlichste Art, etwas zu sagen.

    15 min
  • Ich rede über den Rest
    Ich rede über den Rest — der Trailer zu Saftig.

    Deine beste Freundin redet mit dir über alles. Fast alles. Über den Rest redet Susanne — in diesem Podcast über Perimenopause und Lust, über Körper, Begehren und Selbstbild ab Mitte 40.

    In dieser Trailer-Folge stellt sich Susanne Miel vor. Sie erzählt, wonach sie gesucht und was sie nicht gefunden hat, und warum sie deshalb selbst anfängt zu reden.

    Das Wichtigste auf einen Blick
    • Sie hat gesucht und nichts gefunden. Alles, was sie über Perimenopause und Lust fand, klang medizinisch, ratgeberisch oder so glatt, dass es sich nicht nach ihrem Leben anfühlte.
    • Es geht nicht um Hitzewallungen. Sondern um das, was sich darunter verändert: das Verhältnis zum eigenen Körper, zur eigenen Lust, zum eigenen Bild von sich.
    • Mittendrin, nicht fertig. Susanne hat Erfahrungen, keine Antworten. Und Fragen, die sie selbst noch stellt.

    Für Frauen, die nachts wach liegen und sich fragen, was eigentlich gerade mit ihnen passiert. Nicht als medizinische Frage. Als Frage danach, wer sie gerade sind.

    Shownotes und Episodendetails

    Du hast nach etwas gesucht. Vielleicht nach einer Erklärung. Vielleicht nach einer Stimme, die sagt: bei mir ist es auch so. Vielleicht bist du hier richtig.

    Wer ist Susanne?

    Mitte 40, selbstständig, Mutter, in einer Beziehung. Eine Frau, die irgendwann gemerkt hat, dass ihre Lust sich verändert hat. Nicht weg. Anders. Und dass sie darüber mit niemandem geredet hat — auch nicht mit den Freundinnen, mit denen sie sonst über alles redet.

    Worum es hier geht

    Um Lust, die nicht mehr vorher da ist, sondern erst unterwegs kommt. Um Sex in einer langen Beziehung. Um den Blick in den Spiegel, morgens. Um das, was man allein macht und nie jemandem erzählt. Und um die Abende, an denen es plötzlich wieder gut ist — die gibt es nämlich auch.

    Es ist anders geworden. Nicht schlimmer. Ehrlicher.

    Für wen dieser Podcast ist

    Für Frauen ab 35, ab 40, ab 45, die sich in den letzten Jahren verändert haben und nicht wissen, wohin damit. Die nachts googeln und tagsüber nichts sagen.

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    6 min

About Saftig

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Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert.