Saftig
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Saftig episodes

  • Der Bauch macht, was er will
    Bauch in den Wechseljahren — Shownotes Episode 019

    Ich stand gestern Abend nackt vor dem Spiegel, frisch geduscht, das türkise Kleid in der Hand. Blumen, ein bisschen Glitzer. Ich habe es angezogen, der Reißverschluss ging zu — und trotzdem war ich nicht mehr die Frau, die in dieses Kleid gepasst hat. Am Ende habe ich das schwarze genommen. Das, das ich immer nehme.

    In dieser Folge geht es um den Abstand zwischen dem, was der Spiegel zeigt, und dem, was ich darin sehe. Mein Bauch in den Wechseljahren macht, was er will. Er wird nicht dicker im Sinne von Fett, er wird runder — er passt sich der gedehnten Form an, die er von den Schwangerschaften kennt. Kurz vor meiner Periode fällt er in genau die Halbrundung zurück, die ich aus dem vierten Monat kenne. Und dann werde ich gefragt, ob ich wieder schwanger bin. Nein. Ich habe meine Tage.

    Das Merkwürdige daran: Vom Kopf her ist mir völlig klar, dass das zu meinem Körper gehört. Ich weiß, was dieser Bauch geleistet hat, ich weiß, dass die Gebärmutter größer wird und der Bauch mit ihr, ich weiß, dass mein Körper sich gerade umbaut und offenbar beschlossen hat, dass er sich in der Körpermitte am wohlsten fühlt. Ich könnte das alles ordentlich erklären. Und dann gucke ich in den Spiegel und sehe jemanden, den ich nicht mag.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Ich erzähle von einem türkisen Kleid, das noch passt und trotzdem hängen bleibt. Von einer Bekannten, die mir vor über zehn Jahren gesagt hat, ich solle vor vierzig dringend ein niedriges Gewicht haben, weil ich es danach nicht mehr halten könne. Von meinem Freund, der mich anguckt und nicht versteht, wovon ich rede. Und von drei Kleidern in meinem Schrank, die immer funktionieren, egal wo ich im Zyklus stehe. Es ist keine Folge über Abnehmen. Es ist eine Folge über den Blick, mit dem ich vor dem Spiegel stehe — und darüber, dass mein Kopf längst kapiert hat, was mein Bauch geleistet hat, während mein Auge das anders sieht. Dazwischen steht eine Frage, die mir Fremde gestellt haben und die ich mir selbst stelle: Wo ist die Frau hin, die dieses Kleid mal getragen hat?

    • Der Bauch verändert sich, ohne dass die Waage etwas dazu sagt — er wird runder statt dicker, und er reagiert auf den Zyklus. Das hat mit meinem Gewicht wenig zu tun und mit dem Umbau in meinem Körper viel.
    • Ich erkenne mich, ich mag mich nur nicht — mir ist mein Körper nicht fremd geworden. Ich sehe ihn jeden Tag. Der Unterschied liegt nicht im Wiedererkennen, sondern im Gefallen.
    • Ein Kompliment repariert das nicht — mein Freund findet mich attraktiv und sagt das auch. Ich glaube ihm sogar. Das Kleid ziehe ich trotzdem nicht an.
    • Drei sichere Kleider statt einem schönen — meine Lösung ist nicht, das türkise Kleid anzuziehen. Meine Lösung sind drei, bei denen ich meinen Bauch nicht den ganzen Abend sehen muss.
    • Manches ist weg und kommt nicht wieder — es gibt Dinge an meinem Körper, auf die ich stolz war und die ich selbst abgeschafft habe, weil jemand darum gebeten hat. Das macht mich manchmal traurig.

    Ich löse das hier nicht auf. Ich ziehe eines der drei an und gehe.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment, in dem ich vor dem Kleiderschrank stehe und genau weiß, was ich anziehen möchte — und es trotzdem nicht tue. Nicht, weil es nicht passt. Weil ich mich darin nicht sehen will.

    Was mein Freund sieht und was ich sehe

    Wenn er im Zimmer ist, mache ich es demonstrativ. Ich halte den Bauch fest, quetsche die Falte zusammen und sage: Guck mal, wie dick ich bin.

    Dann fängt er an zu kichern, guckt an sich runter, guckt mich an und sagt: Ja, dann guck doch mal mich an.

    Und ehrlich gesagt ist er in dem Moment sowieso längst woanders. Wenn ich nackt vor ihm stehe, sieht er nicht den Bauch. Ich finde das total lieb von ihm. Es ist nur leider keine qualifizierte Meinung. Er sitzt nicht in meinem Kopf, wenn ich morgens in den Spiegel gucke.

    Und ich glaube, das ist der Punkt, an dem so ein Kompliment verpufft. Es kommt von außen an eine Stelle, die von innen entschieden wird. Er kann mir hundertmal sagen, dass er mich attraktiv findet — ich glaube ihm sogar. Es ändert nur nichts an dem, was ich sehe, wenn ich alleine vor dem Spiegel stehe und der Bauch sich unter meiner Hand bewegt.

    Die drei sicheren Kleider

    Meine Lösung ist nicht, mich vor den Spiegel zu stellen und das türkise Kleid trotzdem anzuziehen. Meine Lösung sind drei Kleider.

    Das schwarze, etwas kürzere, vorne leicht gerafft — damit auf gar keinen Fall irgendwas an Bauch auffällt, egal ob ich kurz vor der Periode stehe oder danach. Und zwei lange für Gartenparty und Sommerfest, oben an der Brust eng geschnitten, der Rest fällt weit.

    Ist das die perfekte Lösung? Ich weiß es nicht. Aber ich ärgere mich wenigstens nicht den ganzen Abend über ein Kleid, das mehr spannt als sitzt. Das macht am Ende ja auch keinen Spaß.

    Und dann ist da noch die Sache mit dem Dreieck

    Ich rasiere mich, seit ich erwachsen bin. Angefangen habe ich damit, weil einer meiner Partner irgendwann sagte, ich solle das doch mal machen.

    Dazu muss man wissen: Bis dahin war ich sehr stolz auf meine Frisur da unten. Ein perfektes Dreieck, kleine Löckchen, kein Haar, das in irgendeine Richtung abstand, eine hübsche Kante drumherum, als wäre es rasiert. Es war perfekt.

    Wenn ich es heute wachsen lassen würde, sähe es aus wie gewollt und nicht gekonnt. Kraut und Rüben. Das macht mich manchmal traurig, wenn ich darüber nachdenke, dass das mal anders war.

    Es geht dabei nicht um Härchen. Es geht darum, dass ich etwas abgeschafft habe, auf das ich stolz war, weil jemand anders es netter fand — und dass ich es nicht zurückholen kann, selbst wenn ich wollte.

    Ich erkenne mich. Ich mag mich nur nicht mehr.

    Am Ende ist das der Satz, der übrig bleibt. Ich bin mir nicht fremd geworden, ich sehe mich schließlich jeden Tag. Ich gefalle mir nur nicht mehr, und das ist etwas anderes.

    Ich habe keinen Trick dafür. Ich habe drei Kleider und einen Bauch, der macht, was er will, und einen Mann, der das alles nicht versteht und mich trotzdem angucken will. Das türkise Kleid hängt weiter im Schrank. Ich ziehe eines der drei an und gehe.

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    9 min
  • Machen Sie mal Beckenbodentraining
    Beckenbodentraining Wechseljahre — Shownotes Episode 018

    Zwei Menschen haben heute über meinen Beckenboden geredet. Die eine hat ihn abgetastet und mir gesagt, ich soll mal drüber nachdenken. Der andere hat einen Witz gemacht und wollte Sex. Ich weiß nicht, welcher Satz mich mehr beschäftigt hat, aber ich weiß, welcher mich schlechter fühlen ließ.

    Morgens ging es noch ums Wasser. Ich trinke zu wenig, ungefähr einen Liter am Tag, und mein Freund fand, ich sollte mehr trinken. Ich habe erklärt, warum ich das nicht tue: kleine Blase, ständig auf Toilette, zwei Wochen Umgewöhnung, bis der Körper sich daran gewöhnt. Danach bin ich zur jährlichen Untersuchung gefahren. Und während sie das Ultraschallgerät wieder aus mir herausgezogen hat, sagte meine Frauenärztin, ich sollte über Beckenbodentraining nachdenken. Später, als ich schon wieder angezogen war, kam der zweite Satz: solange ich den Urin gut halten kann und sonst keine Probleme habe, muss ich nichts tun.

    Ich habe nichts gesagt. Danke, schönen Tag noch. Dann saß ich im Auto und wusste nicht, was ich mit dieser Information anfangen soll.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Beckenbodentraining in den Wechseljahren wird mir seit über zehn Jahren empfohlen, und zwar immer im selben Ton: als Auftrag ohne Anleitung. Keine Übung, kein Wie, kein Warum. Nur der Hinweis, dass ich mal drüber nachdenken soll. Und direkt hinterher die Entwarnung, die den Auftrag wieder einkassiert, weil ich mir ja noch nicht in die Hose mache. Der Maßstab ist, was mein Körper zurückhalten kann. Nicht, was er kann.

    Ich erzähle in dieser Folge, warum mich dieser Termin so schlecht gemacht hat, obwohl körperlich alles in Ordnung war. Und warum ich einen teuren Onlinekurs dazu drei-, vier-, fünfmal angefangen und jedes Mal aus demselben Grund liegen gelassen habe. Der Grund war nie meine Gesundheit. Der Grund war, dass ich mir die Zeit für mich nicht genommen habe.

    • Ein Auftrag ohne Anleitung ist keine Empfehlung — machen Sie mal Beckenbodentraining, ohne zu sagen welche Übungen, verschiebt die Arbeit komplett zu mir.
    • Der Maßstab ist Kontinenz, nicht Empfindung — es geht beim Beckenboden auch um Muskulatur, die ich beim Sex benutze. Davon war kein Wort die Rede.
    • Ich bin nicht am Beckenboden gescheitert — sondern an dem Punkt, an dem ich mir Zeit für mich hätte nehmen müssen.
    • Der Widerstand fehlt — früher wurde mit einem Gewicht gearbeitet, gegen das man anspannt. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch anspannen gesagt.
    • Ärzte haben eine Macht über einen — sie können sagen, das ist jetzt schlecht, und dann hat man sich gefälligst schlecht zu fühlen.

    Was mich an diesem Tag am meisten beschäftigt hat, war nicht der Befund. Es war der Abstand zwischen zwei Sätzen über denselben Muskel. Der eine kam aus einer Praxis und hat mich klein gemacht, der andere kam aus meinem Wohnzimmer und hat mich lachen lassen. Beide meinten dasselbe Körperteil. Nur einer hat so geklungen, als hätte ich selbst etwas davon.

    Und genau das ist der Punkt, an dem sich für mich Beckenboden und Lust berühren, ohne dass es je jemand ausspricht. Es geht nicht nur darum, ob ich beim Niesen dichthalte. Es geht auch darum, was ich spüre. Aber danach fragt niemand, und ich habe auch nicht gefragt.

    Shownotes und Episodendetails

    Ich kenne das Gefühl, aus einer Praxis zu kommen und sich schlechter zu fühlen als beim Reingehen, obwohl alles in Ordnung war. Genau das ist mir passiert.

    Der Termin

    Es war die jährliche Untersuchung, mit Ultraschall, wie seit Jahren. Alles gut, alles unauffällig, auch beim Brustultraschall. Der Satz zum Beckenboden kam beiläufig, während sie fertig wurde. Ich habe geantwortet, so ein bisschen mache ich schon was, und darauf kam die Entwarnung: solange keine Probleme da sind und kein Urin verloren geht, reicht das ja.

    Was ich in dem Moment nicht gesagt habe: doch, manchmal passiert mir das. Ein zu starkes Niesen beim Spaziergang. Kein Trampolin. Beim Husten anhalten. Ich weiß das alles. Ich habe es nur nicht gesagt, weil ich beim Frauenarzt sowieso das Gefühl habe, ausgeliefert zu sein.

    Warum ich es nicht mache

    Vor über zehn Jahren habe ich einen teuren Onlinekurs gekauft. Acht Wochen, allein zu Hause, in einer Gruppe von Frauen. Ich war zwei Wochen dabei, dann musste ich auf das Ei warten, das dazugehörte und das aus Amerika kam. Als es endlich da war, habe ich die Übung genau einmal gemacht. Danach nicht mehr.

    Und das war nicht das einzige Mal. Drei-, vier-, fünfmal habe ich das angefangen und immer wieder liebevoll zur Seite gelegt. Nicht, weil ich nicht wusste, dass es gut für mich wäre. Sondern weil ich nicht bereit war, mir die Zeit dafür zu nehmen. Das Schlimme an diesem Termin war, dass mich jemand mit der Nase genau darauf gestoßen hat.

    Der Widerstand, den man weggelassen hat

    Ich habe irgendwann einen Bericht gelesen, dass beim Beckenbodentraining ursprünglich mit einem Gewicht gearbeitet wurde. Etwas, das eingeführt wird und gehalten werden muss. Irgendwann hat man das weggelassen und nur noch gesagt, Sie müssen anspannen und wieder anspannen und wieder anspannen. Ich bin keine Ärztin und weiß nicht, was daran genau stimmt. Aber die Frage, die mir seitdem im Kopf hängt, ist: warum schafft man etwas ab, was funktioniert hat?

    Und dann kam der Witz

    Zurück zu Hause habe ich weiter aufgenommen und mich geärgert, weil ich ständig schlucken und schmatzen musste. Der Grund war banal: ich hatte vorher zwei Gläser Wasser getrunken, und mein Mund hat sich riesig darüber gefreut. Mein Freund hat das mitbekommen und gefragt, ob das auch woanders funktioniert.

    Ich habe gesagt, theoretisch schon, dafür müsste ich aber deutlich mehr und deutlich regelmäßiger trinken. Woraufhin er beschlossen hat, dass wir das ab jetzt gemeinsam machen. Er wollte damit ganz offensichtlich auf etwas hinaus, und ich fand es zuckersüß.

    Am Ende dieses Tages haben zwei Menschen über denselben Muskel geredet. Die eine hat mir Befunde gegeben. Der andere hat einen Witz daraus gemacht und mir damit gezeigt, dass das alles kein Grund ist, den Kopf in den Sand zu stecken. Und ich habe an dem Abend gemerkt, dass mir der zweite Ton mehr geholfen hat als der erste.

    Wenn du gerade auch mit einem Satz aus einer Praxis nach Hause gefahren bist und nicht weißt, wohin damit: schick diese Folge einer Freundin, bei der du dir sicher bist, dass sie das kennt. Es hilft, wenn eine anfängt.

    15 min
  • Du nimmst mir den ganzen Sex weg
    Selbstbefriedigung in der Beziehung — Shownotes Episode 017

    Es ist wichtiger, dass du die Befriedigung kriegst, als dass du sie nicht kriegst. Das hat mein Partner vor ein paar Jahren zu mir gesagt, mitten in einem Gespräch, das wir gar nicht geplant hatten. Keine Therapiesitzung, kein festgelegter Termin für ein schwieriges Thema. Wir haben einfach geredet.

    Vorher war das anders. In meinen früheren Beziehungen habe ich mich selbst befriedigt und es niemandem erzählt. Absichtlich nicht, wenn der andere dabei war. Und ich habe bis heute das Gefühl, dass es nicht in Ordnung ist.

    Der eigentliche Anlass für dieses Gespräch war ein anderer. Es ging darum, warum die Lust weniger wird — und darum, dass ich diesmal nicht will, dass eine Beziehung genau daran endet. Die Körper verändern sich, seiner auch, und das hat mehr Gründe als Arbeit und Stress.

    Bei ihm finde ich es übrigens überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: Wenn er sich selbst befriedigt, habe ich einen Job weniger. Dieselbe Sache, zwei völlig verschiedene Bewertungen — und beide sitzen in meinem Kopf.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Selbstbefriedigung in der Beziehung ist bei mir nie eine Notlösung gewesen. Sie war die kürzere Strecke. Manchmal habe ich Lust, aber nicht auf das ganze Primbamborium drumherum. Ich wollte meinen Orgasmus, und bitte nicht erst in zwei Stunden. Erzählt habe ich das trotzdem nie, weil ich wusste, was dann kommt: Wie kannst du das tun ohne mich. Du nimmst mir den ganzen Sex weg. Ich kriege sowieso schon so wenig von dir. Um diese Sätze zu vermeiden, habe ich geschwiegen. In dieser Folge erzähle ich, was passiert ist, als ich es zum ersten Mal nicht getan habe — und warum mein schlechtes Gewissen trotzdem geblieben ist, obwohl die Erlaubnis seit Jahren auf dem Tisch liegt.

    • Ich wollte nicht, dass meine Beziehung daran scheitert, dass die Lust nicht mehr ist wie vorher. Deshalb habe ich geredet. Das war der eigentliche Anlass, nicht das Thema selbst.
    • Es ging nie um Ersatz. Zwischen Duschen und Anziehen, weil es schneller geht und weil ich diesen Oxytocin-Schub manchmal einfach brauche.
    • Das schlechte Gewissen hört nicht auf, nur weil der Vorwurf aufhört. Ich weiß seit Jahren, wie er das sieht. Es ist trotzdem noch da.
    • Bei Männern wird darüber gewitzelt, bei Frauen wird gerechnet. Als hätte er nur so viel Sex, wie ich Lust habe — und als würde ich ihm etwas abziehen, wenn ich mir selbst etwas gebe.
    • Was ich mit zwanzig wollte, will ich heute nicht mehr. Also finde ich gerade heraus, was ich jetzt mit meinem Körper möchte. Auch allein.

    Das Wichtigste an dieser Folge ist für mich nicht die Erlaubnis. Es ist, was das Reden gebracht hat. Er hat nicht abgeblockt, und allein das hat uns ein ganzes Stück weitergebracht — an einer Stelle, an der ich jahrelang davon ausgegangen bin, dass Reden alles nur schlimmer macht.

    Ich habe ewig auf eine Erlaubnis gewartet, die mir niemand geben konnte. Und jetzt habe ich sie.

    Shownotes und Episodendetails

    Kurze Zeit nach diesem Gespräch waren wir über ein Wochenende in einem Hotel. Das Hotel hatte eine Saunalandschaft, ich war vormittags allein dort, er kam nicht mit. Kein Mensch da, weder in den Becken noch in der Sauna.

    Es gab eine Feuchtraumsauna, viel Dampf, die Wände werden extra nass gemacht. Das hat mich ziemlich angetörnt. Also habe ich mich dort selbst befriedigt, und es war sehr, sehr schön.

    Warum das schlechte Gewissen trotzdem kam

    Wir hatten diesen Urlaub gebucht, damit wir beide Lust aufeinander haben. Und ich sitze allein in der Sauna. Mein schlechtes Gewissen hat nicht angeklopft, es hat gehämmert.

    Ich habe es ihm hinterher erzählt und dachte nur: Oh Gott, was kommt jetzt. Seine Antwort: boah geil, super, freut mich voll. Geht es dir gut damit? Möchtest du nochmal hingehen, ich beschäftige mich hier so lange. Da waren inzwischen fünf, sechs Leute da — also nein. Aber voll lieb von dir.

    Das war der Moment, in dem klar wurde, wie unsinnig dieses Gewissen an dieser Stelle ist. Es ist trotzdem noch da. Ein paar Jahre Wissen schlagen nicht zwanzig Jahre Prägung.

    Warum ich früher nichts gesagt habe

    In meinen früheren Beziehungen war das anders gelagert. Der Sex hat mir oft nicht gut genug gefallen, oder es war mir schlicht zu aufwendig, was der andere alles wollte. Da muss noch dies und jenes und hier und da. Uns Frauen sagt man ja immer nach, wir bräuchten die ganze Romantik. Nett ist das schon. Aber ich hatte Lust, ich wollte Sex, ich wollte meinen Orgasmus — und eben nicht erst in zwei Stunden.

    Erzählt habe ich es nie, weil ich die Vorwürfe kannte. Ich habe geschwiegen, um sie zu vermeiden.

    Das Gespräch, das ich mal versucht habe

    Ganz am Anfang meines Liebeslebens habe ich es einmal probiert. Ich habe gefragt, du befriedigst dich doch auch selbst. Nein, auf gar keinen Fall, jedenfalls nicht in der Beziehung. Mich hat das ehrlich interessiert — ich habe keinen Penis, also wollte ich wissen, wie das geht.

    Das Ganze hatte ein Grundschul-Sexualkunde-Gefühl: Alle wollen darüber reden, alle wollen etwas verstehen, und allen ist es mehr als peinlich. Er war konsterniert, und weil es ihm so unangenehm war, wurde es mir noch unangenehmer. Das hat vermutlich dafür gesorgt, dass ich Jahrzehnte gebraucht habe, um es nochmal zu versuchen.

    Heute frage ich anders. Wenn ich dir einen runterhole, dann sag mir doch mal, was du gut findest und was nicht. Ich kann da auch eine Stunde rumdoktern — das bringt nichts, wenn du mir nicht sagst, wo es empfindlich ist.

    Ich habe mich lange kompliziert gefunden. Umständlich, was meine Lust angeht. Inzwischen habe ich die Zeit nicht mehr, so über mich zu denken.

    Wenn dich diese Folge erwischt hat: Eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify hilft mehr, als du denkst. Sie sorgt dafür, dass die nächste Frau, die nachts danach sucht, Saftig überhaupt findet.

    12 min
  • Statt Lust sage ich, ich bin müde
    Zu müde für Sex — Shownotes Episode 016

    Der Tag war lang. Gearbeitet, gewerkelt, aufgeräumt, gekocht, den Hund raus, dann irgendwann ins Bett. Er kommt angekuschelt und fängt an, mich zu streicheln — und ich drehe mich auf die Seite und sage: ich bin müde, der Tag war lang. Das ist keine Lüge. Genau deshalb komme ich an diesen Satz nicht ran.

    Wenn ich sagen würde, ich habe Kopfschmerzen, würde jeder hellhörig. Diesen Satz durchschaut man, mein Partner benutzt ihn manchmal sogar, um mich zu ärgern. „Ich bin müde" durchschaut keiner. Er stimmt ja. Und weil er stimmt, hakt niemand nach — ich selbst am allerwenigsten.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Ich habe darauf keine Antwort. Ich habe das nicht gelöst, ich habe es nicht einmal probiert, ich bin zu müde, um es zu probieren. Was ich habe, sind die Fragen, die ich mir sonst nie stelle. Will ich jetzt wirklich schlafen? Will ich einfach nur meine Ruhe? Oder wäre da eher: es wäre gut, wenn du mich nochmal eine Runde streichelst. Abends stelle ich mir das nicht. Ich sage „ich bin müde", gehe ins Bett, schlafe ein, und am nächsten Abend läuft dieselbe Szene nochmal.

    Dass man in der Perimenopause müder wird, weil der Körper umbaut, ist völlig in Ordnung und stimmt bei mir auch. Trotzdem frage ich mich, ob dieser eine Satz jedes Mal der richtige ist. Ich habe drei Tage lang darauf geachtet. An einem Abend bin ich früher ins Bett gegangen und habe trotzdem gesagt, ich gehe schlafen, weil ich müde bin. Es ist so normal geworden. Es ist so einfach geworden.

    Darum geht es in dieser Folge
    • Warum „ich bin müde" keine Ausrede ist wie Kopfschmerzen, sondern eine Deckgeschichte — wahr genug, dass niemand nachfragt
    • Wie ein wahrer Satz die Lust überschattet: man kann gar nichts spüren, wenn man ständig müde ist
    • Was ich stattdessen sagen wollte — nur gestreichelt werden, kein Geschlechtsverkehr — und warum mir das im Bett nie einfällt
    • Warum ich zu müde für Sex bin und gleichzeitig nicht weiß, ob das der Grund ist
    • Eine Folge ohne Auflösung, weil ich mittendrin bin und nicht am Ende
    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt drei Arten, im Bett zu schweigen, und diese hier ist die leiseste.

    Ich kann so tun, als würde ich schon schlafen — dann gehe ich dem Moment aus dem Weg. Ich kann nur noch sagen, was er gern hört — dann gehe ich dem Inhalt aus dem Weg. Und ich kann sagen, ich bin müde. Damit gehe ich dem Gefühl aus dem Weg, und zwar so gründlich, dass ich selbst nicht merke, dass ich es tue.

    Denn der Satz ist wahr. Ich war wirklich früh auf. Ich habe wirklich den ganzen Tag etwas gemacht. Ich muss morgen wirklich wieder früh raus. Ich lüge niemanden an, weder ihn noch mich. Nur beantwortet der Satz eine ganz andere Frage als die, die im Raum steht.

    Manchmal sage ich ihn sogar vorsorglich. Er fragt, ob ich auf ihn warte, und ich sage, ich bin so müde, ich gehe jetzt schlafen. Dann bleibt er noch im Wohnzimmer und kommt später nach. Der Satz ist so verlässlich, dass ich ihn wie einen Schalter benutze. Und so geht das tagein, tagaus.

    Was mich beschäftigt: Ist das eine Ausrede, die ich bewusst brauche, um nichts tun zu müssen? Oder ist es einfach Routine geworden, so sehr, dass ich abends gar keine andere Aussage mehr zulasse, wenn es um meine Lust geht?

    Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, was ich stattdessen hätte sagen können. Dass alles schön ist und ich eigentlich noch gar nicht müde bin. Dass ich meine Lust heute gern anders erleben würde. Dass ich nur gestreichelt werden möchte und keinen Geschlechtsverkehr. Das ist super schwierig zu sagen, und mir fällt es in dem Moment fast nie ein.

    Deshalb endet diese Folge nicht mit einer Lösung. Sie endet mit dem einzigen Satz, bei dem ich mir sicher bin: Ich war nicht immer müde. Ich hatte nur keinen anderen Satz.

    Wenn dir das bekannt vorkommt: Abonniere Saftig, dann verpasst du keine Folge.

    9 min
  • Neun von zehn behalten ihre Lust
    Lust verändert sich in den Wechseljahren — Shownotes Episode 015

    Eine von zehn Frauen in der Perimenopause verliert die Lust ganz. Über diese eine reden alle. Über die neun anderen redet keine — nicht mal die neun selbst. Und ich wette, du hältst dich auch für die eine.

    Ich habe die Zahl gelesen und mich geärgert. Nicht über die Zahl, über die Formulierung. Denn wenn eine von zehn ihre Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Nur sagt das niemand laut. Was ich stattdessen überall höre, ist ein einziges Wort: weniger. Weniger Sex, weniger Verlangen, weniger von allem. In dieser Folge rechne ich anders.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Meine Lust verändert sich in den Wechseljahren, das merke ich sehr deutlich. Aber verändern und verschwinden sind zwei verschiedene Dinge, und dazwischen liegt der ganze Unterschied. Was früher zuverlässig funktioniert hat, funktioniert heute nicht mehr — und weil ich lange kein Wort dafür hatte, habe ich gesagt, ich hätte weniger Lust. Das stimmt so nicht. Ich hatte weniger Lust auf genau das, was wir immer gemacht haben. In dieser Folge rechne ich vor, wie aus einem ehrlichen „so nicht" ein diagnostisch klingendes „meine Libido ist im Keller" wird, und warum dieser Unterschied alles verändert. Ich erzähle von einer Freundin, die für sich einen komplett anderen Weg gewählt hat, und von einem Satz, der bei mir hängengeblieben ist: Ich habe ganz genaue Vorstellungen, und die möchten befriedigt werden. Ich erzähle von den letzten zehn Jahren, in denen sich bei mir Schritt für Schritt etwas verschoben hat, ohne dass irgendetwas Dramatisches passiert wäre. Und ich erzähle davon, warum wir irgendwann lieber gar nichts sagen, statt zu sagen, was wir tatsächlich wollen.

    • Neun von zehn behalten ihre Lust — die Zahl steht in der Studie, aber sie wird nie so herum erzählt. Erzählt wird immer die eine.
    • Behalten heißt nicht: bleibt gleich — meine Lust hat sich verschoben, nicht verabschiedet. Das ist ein Unterschied, den kaum jemand macht, und genau deshalb erkenne ich mich in keiner der üblichen Beschreibungen wieder.
    • Aus „lieber nicht" wird „weniger Lust" — wenn ich immer denselben Sex bekomme, den ich so gar nicht will, sage ich irgendwann lieber gar nichts mehr. Nach außen sieht das aus wie Lustlosigkeit. Von innen ist es eine Entscheidung.
    • Ich weiß oft selbst nicht, was ich will — nicht weil ich nichts fühle, sondern weil ich es nie herausfinden musste. Das ist kein Defizit, das ist eine Lücke, die niemand gefüllt hat.
    • Lust und Sex sind zwei getrennte Sachen — ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt noch lange nicht, dass ich es tue, und beides gleichzeitig stimmen zu lassen war für mich neu.

    Was ich in dieser Folge nicht mache: dir erklären, wie du es besser machst. Ich sitze selbst mittendrin und ziehe keine Bilanz. Dafür ist es viel zu früh, und ehrlich gesagt glaube ich auch nicht daran, dass es am Ende eine gibt. Ich habe nur aufgehört, mit der falschen Zahl zu rechnen — und das hat mehr verändert als jede Empfehlung, die ich in den letzten Jahren gelesen habe.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment, in dem ich denke: Mit mir stimmt was nicht. Alle anderen scheinen zu wissen, wie das geht, nur bei mir ist es weg. Genau dieser Moment ist der Grund für diese Folge — und er beruht auf einer Rechnung, die falsch herum erzählt wird.

    Die neun, über die keine redet

    Wenn eine von zehn Frauen die Lust ganz verliert, dann behalten neun sie. Das ist keine Interpretation, das ist Subtraktion. Trotzdem läuft die gesamte Erzählung über die eine. Über die neun steht nichts, und die neun selbst sagen auch nichts — weil jede von ihnen glaubt, sie sei die eine.

    Ich habe das jahrelang geglaubt. Ich habe mich mit anderen verglichen, ich habe Artikel gelesen, in denen es immer nur um Verlust ging, und ich bin jedes Mal mit demselben Gefühl herausgekommen: Bei mir ist es schlimmer. Dabei stimmte etwas ganz anderes.

    Verschoben, nicht verschwunden

    Bei mir hat sich in den letzten zehn Jahren etwas verändert, und zwar langsam. Nicht mit einem Knall, nicht von einem Tag auf den anderen. Ich habe Dinge ausprobiert, die ich vorher nicht ausprobiert hätte. Ich habe irgendwann mit meinem Freund darüber gesprochen, dass ich mich selbst befriedige — und was passieren würde, wenn wir das mal zusammen machen.

    Das sind keine spektakulären Geschichten. Es geht hier nicht um Swingerclubs oder um irgendeine große Wendung. Es geht um kleine Verschiebungen, die zusammengenommen bedeuten: Ich will das anders. Und wenn ich das nicht sage, sondern nur denke, dann sieht das von außen aus wie weniger Lust.

    Warum wir lieber nichts sagen

    Angenommen, ich war jahrelang zufrieden mit dem, was war. Und dann merke ich, dass ich es heute anders möchte. Ich sage es. Und mein Gegenüber findet das anstrengend, unbequem oder einfach nicht so gut. Dann stehe ich schlechter da als vorher: Vorher hatte ich etwas, das okay war. Jetzt habe ich es benannt und kriege es trotzdem nicht.

    Also sage ich beim nächsten Mal nichts. Und beim übernächsten auch nicht. Irgendwann ist meine Devise: dann lieber gar nicht. Lieber keinen Sex als einen, bei dem ich mich langweile. Das ist eine völlig vernünftige Entscheidung — nur heißt sie nach außen dann nicht mehr „ich will es anders", sondern „sie hat keine Lust mehr".

    Was ich stattdessen mache

    Ich versuche gerade herauszufinden, was ich wirklich brauche. Nicht, was ich zu brauchen glaube, weil ich es irgendwann mal so gelernt habe. Und nicht, was ich anderen vorspiele. Das sind manchmal winzige Sachen: Ich möchte vorher duschen, weil ich ständig schwitze. Ich möchte danach duschen. Ich möchte mal Kerzen aufstellen und gucken, ob mich das überhaupt interessiert. Vielleicht tut es das nicht. Dann weiß ich es wenigstens.

    Und ich habe für mich zwei Dinge getrennt, die vorher immer zusammengehörten: Lust haben und Sex haben. Ich merke inzwischen sehr genau, wann ich könnte. Das heißt nicht automatisch, dass etwas passiert. Beides darf gleichzeitig wahr sein.

    Wenn du dich in dieser Folge wiedererkannt hast, schick sie einer Freundin. Ohne Kommentar, ohne Erklärung. Vielleicht hält sie sich auch gerade für die eine.

    12 min
  • Frag mich doch mal, warum ich keine Lust auf Sex hab
    Warum keine Lust auf Sex — Shownotes Episode 014

    Akzeptieren Sie für den Augenblick, wenn Ihre Partnerin keine Lust auf Sex hat. Diesen Satz habe ich im Netz gelesen, in einem Ratgeber, als nummerierten Tipp. Er war nicht an mich gerichtet. Er war an ihn gerichtet, über mich hinweg. Und mein erster Gedanke war: Welcher Augenblick denn bitte?

    Das ist ja der Haken an der Sache. Ein Augenblick ist etwas Kurzes. Fünf Minuten, eine schlechte Nacht, ein Streit vor dem Einschlafen. Die Perimenopause dauert statistisch zehn Jahre, und praktisch fängt sie früher an und hört später auf, als in irgendwelchen wissenschaftlichen Dokumenten steht. Wer mir sagt, ich solle für den Augenblick akzeptiert werden, sagt eigentlich etwas ganz anderes. Er sagt: Dein Nein bekommt ein Verfallsdatum. Wir sitzen das aus.

    Und noch etwas gehört dazu. Dieser Ratschlag steht nicht in einem Forum, wo irgendwer nachts seine Meinung tippt. Er steht in einem Ratgeber, redaktionell betreut, als Empfehlung an Männer. Jemand hielt ihn für richtig genug, ihn zu veröffentlichen. Das macht ihn nicht klüger, aber es zeigt, wie selbstverständlich diese Sicht ist. Und genau deshalb rede ich in dieser Folge dagegen an.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    In dieser Folge rede ich gegen einen einzigen Satz an. Warum keine Lust auf Sex kein Zustand ist, den man aussitzt, sondern eine Auskunft, nach der nie jemand fragt. Ich erzähle, was passiert, wenn Frauen die alleinige Verantwortung dafür bekommen, dass es im Bett weitergeht, und warum unser Nein in solchen Ratschlägen immer nur ein Aufschub ist und nie eine Antwort. Ich rechne vor, wie das bei mir wirklich aussah, mit einem Mann, der sich beschwert hat, dass ich zu lange brauche. Ich rede darüber, dass es meistens gar nicht stimmt, dass wir keine Lust haben. Wir haben nur keine Lust mehr auf das, was seit Jahren gleich abläuft. Und ich sage, was ich mittlerweile für das Beste an dieser ganzen Lebensphase halte: dass wir die Nerven dafür nicht mehr haben. Es ist keine Folge über Hormone. Es ist eine Folge darüber, wer in diesem Gespräch überhaupt vorkommt.

    Die wichtigsten Gedanken
    • Es geht selten darum, dass ich keine Lust habe. Es geht darum, dass ich keine Lust auf diesen Sex habe, auf das Immergleiche, auf das Vorgespielte. Das ist nicht dasselbe, und es wird ständig verwechselt.
    • Wer rät, einfach abzuwarten, bis die Lust wiederkommt, hat mich in seinem Satz gar nicht vorgesehen. Ich bin darin ein Zustand, kein Gegenüber. Man wartet ihn ab wie schlechtes Wetter.
    • Der Vorwurf, ich würde zu lange brauchen, kam ausgerechnet von einem Mann, der selbst eine Dreiviertelstunde brauchte, wenn ich es machte. Gefragt, was er anders wollte, hat er nie. Er hat sich lieber beschwert.
    • Es gibt unzählige Videos darüber, wie Männer mit der Periode ihrer Partnerin umgehen sollen. Blumen, Schokolade, Rückzug. Beim Thema Lust hört die Fürsorge auf und wird zu einem einzigen Satz: abwarten.
    • Nach diesem Augenblick sind wir andere Frauen. Nicht kaputte, nicht schwierige, nicht anstrengende. Andere. Und wer bereit ist, mitzugehen, bekommt eine Frau, die selbst Spaß hat, statt einer, die mitmacht.
    • Fragt mich, und ich antworte. Ich habe eine Antwort darauf. Sie wollte nur noch nie jemand hören.
    Shownotes und Episodendetails

    Ich lese viel. Berichte, Foren, Ratgeberseiten, alles, was mir zum Thema unter die Finger kommt. Und irgendwann fällt einem auf, wie viele dieser Texte gar nicht mit uns reden. Sie reden über uns, mit jemand anderem.

    Der Satz, gegen den ich in dieser Folge anrede, ist so einer. Er wendet sich an den Mann. Er erklärt ihm, wie er sich zu verhalten hat, wenn seine Partnerin nicht will. Und die Empfehlung lautet: für den Augenblick akzeptieren. Nicht fragen. Nicht wissen wollen. Aussitzen.

    Was mich daran wirklich ärgert, ist nicht die Freundlichkeit im Ton. Es ist, dass wir dabei die gesamte Verantwortung tragen. Wir sind diejenigen, die etwas verweigern, die wieder in Ordnung kommen müssen, die irgendwann bitte wieder mitspielen. Dass zwei Menschen im Bett liegen und beide etwas beitragen könnten, kommt in dem Satz überhaupt nicht vor.

    Der Augenblick, der keiner ist

    Ich rechne in dieser Folge einmal nach. Wenn dieser Augenblick zehn Jahre dauert, dann ist es kein Augenblick, sondern ein Lebensabschnitt. Und selbst wenn er irgendwann vorbei ist, kommt danach nicht die Frau von vorher zurück. Es kommt eine andere. Eine, die nicht mehr bereit ist, Dinge hinzunehmen, nur weil sie dreißig Jahre lang so gelaufen sind.

    Das halte ich übrigens für das Beste an dieser ganzen Zeit. Nicht die Hitzewallungen, nicht der Schlaf, nicht der Rest. Sondern dass wir die Nerven nicht mehr haben, uns zu verstellen. Wir hören auf, den Orgasmus vorzuspielen, damit der andere sich gut fühlt. Wir hören auf, still zu bleiben, wenn uns etwas nicht gefällt. Das ist keine Krise. Das ist eine Erleichterung.

    Warum das keine Absage an Sex ist

    Ich will das nicht missverstanden wissen. Es geht nicht darum, dass wir keine Lust haben. Wir haben Lust. Wir haben richtig Lust. Nur eben nicht auf das, was seit Jahren gleich abläuft, ohne dass jemals jemand gefragt hätte, ob das für uns überhaupt passt.

    Ich erzähle in dieser Folge von einem Mann, der sich bei mir beschwert hat, ich würde zu lange brauchen. Derselbe Mann brauchte eine Dreiviertelstunde, wenn ich ihn befriedigte, und zwar deshalb, weil es nicht so war, wie er es gern hätte. Gesagt hat er es mir nie. Er fand das doof. Beschwert hat er sich trotzdem.

    Und ich saß da mit anderthalb Stunden, weil er nicht traf. Nicht mit dem Vibrator, nicht am Kitzler. Als wäre ich anatomisch falsch gebaut. Oder als hätte er einfach nicht hingesehen.

    Was ich mir stattdessen wünsche

    Nichts Kompliziertes. Ich möchte gefragt werden, was ich eigentlich möchte. Das ist alles. Und wenn mich jemand fragt, dann antworte ich gerne, ausführlich sogar, denn ich habe eine Antwort. Ich hatte sie die ganze Zeit.

    Deshalb ist einfach abzuwarten, bis die Frau wieder Lust hat, keine Lösung. Es ist noch nicht mal ein Versuch.

    Wenn dir diese Folge etwas gegeben hat, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Ehrlich gesagt hilft das mehr, als man denkt: Es entscheidet darüber, ob eine Frau, die nachts sucht, diese Folge überhaupt findet. Ein paar Sterne reichen. Ein Satz dazu wäre großartig.

    10 min
  • Ein Orgasmus am Tag, für die Durchblutung
    Scheidentrockenheit Wechseljahre — Shownotes Episode 013

    Meine Schwester kam von der Ärztin zurück, mit einem Saugwellenvibrator in der Hand. Den gibt es gratis dazu, hatte die Ärztin gesagt, das machen wir immer so. Einen Orgasmus am Tag, für die Durchblutung. Vom Spaß war nie die Rede.

    Ich habe mir das angehört und zuerst gedacht: das hätte ich dir auch sagen können, ohne Rechnung. Was mich wirklich geärgert hat, kam später. Niemand weiß, ob die teure Behandlung überhaupt nötig war, weil niemand es untersucht hat. Und ich saß da mit einem Satz, den ich selbst schon von einem Frauenarzt gehört hatte. Das hilft manchen Frauen.

    Was mich an diesem Nachmittag am meisten beschäftigt hat, war nicht die Behandlung selbst. Es war die Selbstverständlichkeit, mit der ein Gerät verteilt wird, während über das, wofür es eigentlich gedacht ist, kein Wort fällt. Ein Orgasmus wird zur Anwendung. Etwas, das man macht, damit etwas anderes besser wird. Ich kenne diese Verschiebung, und ich glaube, viele Frauen kennen sie auch: Der Körper wird versorgt, das Wollen bleibt draußen vor der Tür stehen.

    Dazu kommt, dass meine Schwester diese Praxis selbst finden musste. Es hat sie Wochen Recherche gekostet, herauszufinden, dass es diese Möglichkeit überhaupt gibt. Niemand hat sie darauf hingewiesen. Es steht in keiner Broschüre, die im Wartezimmer liegt.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    In dieser Folge geht es um Scheidentrockenheit in den Wechseljahren und um das, was drumherum passiert, wenn Frauen damit zum Arzt gehen. Ich erzähle von der Behandlung meiner Schwester und davon, dass ein Gerät auf den Tisch kommt, während über Lust kein Wort fällt. Ich war selbst um die dreißig beim Frauenarzt, weil bei mir ständig etwas einriss, obwohl ich Lust hatte und feucht war. Ich habe eine Creme bekommen und den Satz, das sei normal in den Dreißigern. Die Creme war furchtbar. Was mir wirklich geholfen hat, habe ich Jahre später von einer Bekannten erfahren. Nicht von einer Ärztin, nicht von einem Arzt, sondern in einem Gespräch zwischen zwei Frauen.

    • Ein Orgasmus auf Anweisung ist keine Lust, sondern Muskelarbeit. Die Ärztin sagte, es sei irrelevant, ob meine Schwester das allein oder mit ihrem Partner macht. Dass sie Spaß daran haben könnte, stand nicht zur Debatte.
    • Es gibt keine Vergleichsgruppe. Ob die Behandlung nötig war oder ob das Gerät allein gereicht hätte, weiß niemand, weil es niemand untersucht hat.
    • Die Zahlen erklären das Schweigen. Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Im deutschen Arzneimittelgesetz steht erst seit 2004, dass Männer und Frauen in größeren Studien getrennt untersucht werden müssen. Die meisten Medikamente, die wir heute nehmen, sind vor 2004 zugelassen worden.
    • „Das hilft manchen Frauen" ist kein medizinischer Satz. Bei Männern heißt es: nimm das, das hilft. Bei uns bleibt ein Vielleicht.
    • Der brauchbare Hinweis kam von einer Frau, nicht aus einer Praxis. Ich nenne unten, was ich seit Jahren benutze, und sage gleichzeitig, dass ich nicht weiß, ob es bei anderen genauso funktioniert.

    Ich bin mit dem Thema nicht durch. Ich ärgere mich nur nicht mehr über die einzelne Ärztin, sondern darüber, dass so vieles einfach nie nachgesehen wurde.

    Shownotes und Episodendetails

    Es gibt diesen Moment beim Arzt, in dem man merkt, dass die Antwort nicht für einen gemacht ist. Sie ist nicht falsch. Sie ist nur allgemein. Und man geht raus mit einem Rezept und dem Gefühl, dass die eigentliche Frage nicht gestellt wurde.

    Was die Ärztin gesagt hat, und was sie nicht gesagt hat

    Meine Schwester hat sich diese Behandlung selbst gesucht. Sie hat nicht den ersten Treffer im Internet gelesen, sondern auch den dreißigsten, und irgendwann eine Praxis gefunden, die genau das anbietet. Danach lag ein Saugwellenvibrator auf dem Tisch, gratis dazu, wie immer, und die Anweisung, täglich einen Orgasmus zu haben, damit sich das Mittel verteilt und das Gewebe durchblutet wird. Ob mit Partner oder allein, sei egal. Es ging um Blutfluss, nicht um Lust.

    Für mich ist das der Kern dieser Folge. Der Körper wird behandelt, das Begehren kommt in dem Gespräch überhaupt nicht vor.

    Warum niemand weiß, ob es auch einfacher gegangen wäre

    Ich habe mich gefragt, ob dasselbe Ergebnis auch ohne die teure Behandlung zu haben gewesen wäre, nur mit regelmäßiger Erregung. Ich weiß es nicht. Und das ist genau der Punkt. Es gibt keine Gruppe von Frauen, die das über Monate ausprobiert hat und deren Ergebnisse man nachlesen könnte.

    Bis in die neunziger Jahre waren Frauen in klinischen Studien standardmäßig ausgeschlossen. Seit 2004 verlangt das Arzneimittelgesetz, dass in größeren Studien getrennt untersucht wird, ob Männer und Frauen unterschiedlich reagieren. Das ist zweiundzwanzig Jahre her, und die meisten Präparate im Schrank sind älter.

    Der Satz, den ich nicht mehr hören will

    Ich war um die dreißig, als bei mir ständig etwas einriss. Nicht aus Lustlosigkeit, im Gegenteil. Ich bin damit zum Arzt gegangen und habe gehört, das sei normal in den Dreißigern. Dazu eine Creme, mit dem Zusatz, das helfe manchen Frauen. Die Creme war furchtbar, ich habe sie weggeworfen.

    Aufgehört hat es erst, als eine Bekannte mir erzählte, dass sie seit ihren Zwanzigern eine Intimwaschlotion benutzt. Bei mir ist es Sagella hydramed geworden, unter der Dusche, nach dem Waschen. Wenn irgendwo eine feine juckende Stelle war, ist die am nächsten Tag weg. Ob das bei allen so ist, weiß ich nicht. Bei mir schon, seit Jahren.

    Und noch etwas, das in dem Gespräch fehlte: Saugwellenvibratoren gibt es inzwischen in verschiedenen Stärken und mit verschiedenen Aufsätzen, weil keine Klitoris aussieht wie die andere. Eine Bekannte fand genau das Gerät zu heftig, das ich gut finde. Auch das wäre eine Information gewesen, die auf den Tisch gehört.

    Ich habe für all das eine Formel, die ich in dieser Folge mehrmals benutze, halb im Scherz und halb nicht: Wir sind ja nur Frauen. Wenn das die Erklärung dafür sein soll, dass Dinge nicht untersucht, nicht erklärt und nicht auf uns zugeschnitten werden, dann nehme ich diesen Satz gern auch in die andere Richtung. Dann darf ich weiter schief einparken und alles machen, was uns Frauen nachgesagt wird. Ich bin ja nur eine Frau.

    Wenn du dich in irgendeinem dieser Sätze wiedererkennst, abonniere Saftig. Dann liegt die nächste Folge automatisch bei dir, und du musst nicht daran denken.

    12 min
  • Und dann war da doch was
    Orgasmus im Schlaf — Shownotes Episode 012

    Ich bin nachts aufgewacht, mitten in einem Orgasmus. Kein Spielzeug, keine Hand, kein Sex. Er lag neben mir und schlief tief und fest. Mein Körper hat das ganz allein gemacht, und ich lag da und dachte nur: Wo kommt das denn her?

    In dieser Folge erzähle ich von zwei Abenden, an denen mein Körper etwas gemacht hat, mit dem ich nicht gerechnet habe. Der erste war unspektakulär: Ich lag im Bett, der Tag war anstrengend gewesen, und auf einmal fing es an zu kribbeln. Nicht am Kitzler, sondern ein ganzes Stück weiter innen, und es wanderte weiter und weiter, bis hinten Richtung Muttermund. Der zweite war der mit dem Orgasmus im Schlaf. Und dann geht es um das, was danach kommt und wovon ich viel länger etwas habe, als ich früher gedacht hätte.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Ich bin mitten in der Phase, in der man eigentlich meint, es hört jetzt alles auf. Umso mehr hat mich das kalt erwischt. Beim ersten Mal habe ich einfach ganz still gehalten und beobachtet, wo dieses Kribbeln hinwandert. Beim zweiten Mal bin ich aus einem Traum aufgewacht, und mein ganzer Körper hat vibriert, ohne dass jemand irgendetwas getan hätte. Ich habe kurz überlegt, ihn zu wecken, und mich dagegen entschieden. Am nächsten Tag habe ich es ihm erzählt, und er war ehrlich überrascht und hat gesagt, ich soll ihn das nächste Mal wecken. Ich war zu perplex, um das im Moment schon einzuordnen. Und ich habe gemerkt: Ich zehre tagelang davon. Nicht von der Erinnerung an eine große Nacht, sondern von der Lust selbst, die einfach nicht sofort wieder weggeht.

    • Mein Körper macht das ohne mich — kein Spielzeug, keine Hand, nicht mal wach sein. Ich habe nichts richtig gemacht und nichts falsch, und trotzdem war es das intensivste Gefühl seit langem.
    • Kribbeln ist kein Nebengeräusch — wenn ich still halte statt es wegzuatmen, wandert es weiter. Ich atme heute bewusst, wenn ich das Gefühl behalten will, und nicht, um es loszuwerden.
    • Es gibt nicht nur den einen Peak — die flacheren Momente kann ich über Tage ziehen, und manchmal wächst daraus mehr, als ich am ersten Abend erwartet hätte.
    • Hinhören statt drübergehen — ich frage mich inzwischen mitten im Gefühl, ob das noch intensiver wird und ob ich es greifen kann, oder ob es flüchtig ist. Manchmal ist die Antwort: flüchtig. Auch das ist eine Antwort.
    • Erzählen war schwerer als erleben — ich habe erst auf den richtigen Moment gewartet, bevor ich es ihm gesagt habe. Vor der eigenen Lust steht bei mir oft noch die Frage, wie sie beim anderen ankommt.

    Und was mich dabei am meisten beschäftigt hat, war nicht der Orgasmus selbst, sondern dass ich in dem Moment gar nichts dafür getan habe. Ich musste nicht in Stimmung kommen, mich nicht überreden, nichts vorbereiten. Es war einfach da. Genau das habe ich in den letzten Monaten für unmöglich gehalten.

    Ich habe daraus keine Technik gemacht und keinen Vorsatz. Ich habe nur gemerkt, dass mein Körper offenbar noch Dinge kann, die er mir nicht angekündigt hat.

    Shownotes und Episodendetails

    Ich liege abends im Bett, und normalerweise passiert da genau nichts. Ich bin müde, ich lese noch was, ich schlafe ein. An diesem Abend war das anders, und ich habe eine Weile gebraucht, um zu begreifen, was mein Körper da gerade veranstaltet.

    Das Kribbeln, das wandert

    Es fing im Unterleib an, ganz leicht, überhaupt nicht unangenehm. Vom Bauchnabel abwärts, irgendwo an der Blase entlang. Und dann eben nicht am Kitzler, wo ich es erwartet hätte, sondern ein Stück weiter innen. Wenn ich ganz ruhig halte und einfach zuschaue, wandert es weiter nach innen, bis hinten Richtung Muttermund.

    Früher hätte ich das weggeatmet. So ein Gefühl kommt zwischen zwei Terminen, es passiert mir auch tagsüber, und dann ist es eher lästig als schön. Inzwischen atme ich in solchen Momenten bewusst, langsam, weil ich das Gefühl behalten will und nicht loswerden.

    Ich befinde mich in einer Phase, in der man den Eindruck bekommt, demnächst hört alles auf. Dass da noch so ein intensives Gefühl entsteht, aus dem Nichts, an einem völlig unspektakulären Abend, finde ich schwer zu glauben und großartig zugleich.

    Aufgewacht, mitten drin

    Die zweite Geschichte ist die, bei der ich immer noch geflasht bin, wenn ich davon erzähle. Es gibt diese Träume, aus denen man aufschreckt, weil man fällt, oder weil man Durst hat. Dieses Aufwachen war anders. Ich bin in einem extrem intensiven Orgasmus aufgewacht. Mein ganzer Körper hat vibriert.

    Er lag neben mir und hat tief und fest geschlafen. Kein Vibrator, kein Dildo, kein Zubehör. Er hat mich nicht angefasst, wir hatten keinen Sex. Mein Körper hat das im Schlaf allein produziert, und ich lag danach wach und habe gedacht: Das gibt es doch gar nicht, dass man so etwas erleben kann.

    Kurz habe ich überlegt, ihn zu wecken, und mich dann entschieden, ihn schlafen zu lassen. Am nächsten Morgen stand die nächste Frage im Raum: erzähle ich es ihm überhaupt? Ich habe auf einen guten Moment gewartet, damit er sich nicht übergangen fühlt. Erzählt habe ich es am nächsten Tag, und er war überrascht und hat gesagt, ich soll ihn nächstes Mal wecken, das wolle er mitbekommen.

    Wie lange man davon zehrt

    Der Teil, über den kaum jemand spricht, kommt danach. Es gibt bei mir den Peak, bei dem ich sehr laut bin, und es gibt die flacheren Orgasmen. Und gerade von den flacheren kann ich die Lust über Tage hinweg ziehen. Ich spüre etwas, und dann habe ich tagelang was davon, ohne dass ich noch einmal etwas tun müsste.

    Was ich seitdem versuche, ist hinzuhören. Wird das intensiver? Kann ich das festhalten, kann ich die Lust greifen, die gerade da ist, kann ich sie in mehr Lust verwandeln? Oder ist das flüchtig und gleich wieder weg? Manchmal weiß ich es erst hinterher.

    Manchmal ist die Antwort: flüchtig, gleich wieder weg. Und trotzdem endet diese Folge da, wo ich in dieser Nacht im Bett gelandet bin: Da war noch was. Da ist immer noch was.

    Wenn du eine Frau kennst, die im Moment glaubt, bei ihr sei diese Baustelle geschlossen: schick ihr diese Folge. Mehr braucht es nicht.

    8 min
  • Ich benutze das nicht als Ausrede
    Partner versteht Wechseljahre nicht — Shownotes Episode 011

    Er hat es nett gemeint. Genau das war das Problem. In dieser Folge erzähle ich von zwei Sätzen, die mein Freund innerhalb einer Woche gesagt hat, und davon, was passiert, wenn der Partner Wechseljahre nicht versteht und trotzdem eine Erklärung parat hat.

    Der erste Satz fiel im Bett, direkt nachdem gerade nichts passiert war. Ich hatte zu ihm gesagt: Du hast ja nicht gesagt, stell dich nicht so an. Er guckte mich verdutzt an. Dann kam seine Antwort, und danach haben wir so schallend gelacht, dass ich hinterher Bauchschmerzen hatte. Alles, was zehn Minuten vorher riesig ausgesehen hatte, war auf einmal klitzeklein. Danach sind wir selig eingeschlafen.

    Der zweite Satz fiel ein paar Tage später in der Küche. Mir ging es miserabel, ich stand am Tresen und versuchte, mir irgendwas zu essen zu machen — einfach, damit es mir körperlich nicht auch noch schlecht ging. Da stand er schräg gegenüber und sagte ganz trocken: Du bist halt in der Phase.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Das Schlimme an diesem Satz ist, dass er stimmt. Trotzdem klingt er wie das, was ich mit Mitte dreißig nicht ertragen konnte: Du hast wohl deine Tage. Vorher hatte ich meine Tage, jetzt bin ich in der Phase. Ständig kriegt man irgendwelche Erklärungen. Als ich ihm sagte, dass ich das doof finde, kam allerdings seine Antwort — und die hat mich wirklich getroffen. Er hat nämlich das Gefühl, die Phase sei inzwischen eine Entschuldigung für das, wie ich bin. Danach war ich sprachlos. Denn eine Ausrede erfindet man für etwas, das man eigentlich nicht wollte. Ich bin aber da drin, weil ich da überhaupt nicht drin sein möchte.

    • Zwei Sätze, zwei Wirkungen — derselbe Mann, dieselbe Woche. Einmal löst sich alles im Lachen auf. Einmal bleibt etwas hängen, das tagelang weiterarbeitet.
    • Gut gemeint ist nicht harmlos — er wollte mich nicht kleinmachen. Er hatte schlicht keinen anderen Satz zur Hand. Gegen etwas Nettes lässt sich außerdem sehr schlecht streiten.
    • Der Unterschied zwischen Ausrede und Zustand — warum das vergessene Geschirr und meine Stimmung am Nachmittag zwei völlig verschiedene Dinge sind.
    • Von Minute zu Minute — vor ein paar Tagen habe ich noch mit ihm im Bett gelacht. Dann stehe ich da und frage mich: Wo ist es hin?
    • Was das mit der Lust macht — mal haben wir Bock, dann wieder gar nicht. Und ich kann niemandem sagen, in welchem Moment ich gerade bin.
    Warum mich ausgerechnet dieses Wort trifft

    Ich hasse Ausreden. Deshalb sitzt der Vorwurf so tief. Wenn meine Kinder erklären, sie hätten die Butter im Kühlschrank nicht gefunden, dann sagen sie nicht: weil ich nicht hingeguckt habe. Sondern: weil sie da nicht steht. Das ist eine Ausrede. Für so etwas findet man immer eine.

    Bei mir ist es andersherum. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich habe nicht extra irgendwas gegessen oder bestimmte Übungen gemacht, damit mein Körper jetzt genau so reagiert. Das Einzige, was passiert ist: Ich bin in einem weiblichen Körper geboren, mit Gebärmutter und allem drum und dran. Und deshalb bin ich in meinem Alter jetzt halt in einer Phase.

    Ich wünschte, ich hätte eine Erklärung. Ich wünschte, ich könnte es abstellen. Am Ende dieser Folge habe ich beides immer noch nicht — dafür einen Satz, der stimmt.

    Shownotes und Episodendetails

    Diese Folge hat zwei Hälften, und sie klingen unterschiedlich. Die erste ist leicht. Die zweite nicht. Genau so ist die Woche auch gewesen.

    Wenn Lachen alles kleiner macht

    Der Abend im Bett war schwer, bevor er lustig wurde. Es war nichts passiert, und ich lag da mit diesem Satz im Kopf, den er eben nicht gesagt hatte. Dann kam seine Antwort, und wir haben gelacht, bis mir der Bauch wehtat.

    Das ist bei uns immer noch so: Wenn wir einmal richtig anfangen zu lachen, löst sich fast jedes Problem in Luft auf. Puff, weg. Danach lagen wir nebeneinander und sind eingeschlafen. Vorher hatte das nicht so richtig funktioniert. Danach schon.

    Und dann steht er da und sagt, du benutzt das als Ausrede

    Ein paar Tage später war ich wieder unten. Das Leben war furchtbar, die Welt brach zusammen, ich hätte heulen oder wütend werden können und wusste einfach nicht, wohin mit mir.

    Ich habe versucht, mich zu wehren. Ich fand es doof, dass er das gesagt hat, und ich habe es ihm auch gesagt. Seine Antwort war allerdings ehrlicher, als mir lieb war: Er finde es ebenfalls doof, dass es schon wieder eine Phase gibt. Und er habe das Gefühl, diese Phase sei mittlerweile eine Entschuldigung für das, wie ich bin.

    Danach hatte ich nichts mehr. Keinen Satz, keine Erwiderung, nichts. Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen soll, und ich weiß es bis heute nicht richtig.

    Denn er hat ja nicht ganz unrecht. Von außen sieht es vermutlich wirklich aus wie eine Begründung, die immer passt. Von innen fühlt es sich völlig anders an. Ich stehe morgens auf und weiß nicht, welche Version von mir heute mitgekommen ist. Vor ein paar Tagen war ich noch mega gut drauf, wir haben alles geregelt gekriegt, ich habe mit ihm im Bett gelacht. Und dann stehe ich da und denke nur: Wo ist es hin?

    Dabei ist es doch so: Ich möchte gar nicht in dieser Phase sein. Wenn es nach mir ginge, könnten wir sie abschaffen und streichen. Ich mag Ausreden nicht, ich hasse sie sogar. Und dann steht jemand vor mir und sagt genau das.

    Was das mit der Lust zu tun hat

    Diese Phase betrifft nämlich alles, auch die Lust. Mal sind wir schlecht drauf und haben deshalb keinen Bock. Dann könnten wir heulen. Kurz darauf lachen wir wieder und haben plötzlich richtig Bock. Und danach wieder gar nicht.

    Manchmal wünsche ich mir, ich könnte einmal mit unseren testosterongesteuerten Mitmenschen tauschen und einfach sagen: Du magst in einer Phase sein, ich bin es nicht. Andererseits ist bei mir das Lange ja das Schöne. Je länger es dauert, desto intensiver wird diese Lust. Schnell wäre praktisch, aber vermutlich wäre es auch weniger.

    Zum Mäusemelken ist es trotzdem. Ich kann dir nicht sagen, in welchem Moment ich gerade bin. Genau deshalb rede ich darüber.

    Wenn dir dieser Satz bekannt vorkommt, dann hör auch in Folge 004 — Stell dich nicht so an rein. Dort geht es um den Moment davor: um das Nicht-ernst-genommen-Werden, aus dem dieser Abend überhaupt erst entstanden ist.

    Wenn du beim Hören genickt hast, hinterlass mir bitte eine Bewertung bei Apple Podcasts oder Spotify. Zwei Sätze reichen. Sie sorgen dafür, dass Frauen diese Folgen finden, die nachts danach suchen und tagsüber nichts sagen.

    10 min
  • Wer hat sich dieses Wort ausgedacht
    Lustverlust Wechseljahre — Shownotes Episode 010

    Es gibt ein Wort dafür, wenn die Blutung aufhört. Es gibt auch eins für die Phase davor. Aber für den Lustverlust in den Wechseljahren hat sich niemand ein Wort ausgedacht. Genau darüber rede ich in dieser Folge.

    Ich kann „Perimenopause" hier ins Mikrofon sagen, ohne mit der Wimper zu zucken. Sobald das Mikrofon aus ist und ich unter Menschen bin, gebe ich alles, um dieses Wort nicht auszusprechen. Nicht aus Scham. Ich fühle es einfach nicht. Es beschreibt nichts von dem, was gerade tatsächlich mit mir passiert. Also habe ich mir die ganzen Begriffe mal in Ruhe angesehen. Danach war ich noch genervter als vorher.

    Zusammenfassung und das Wichtigste auf einen Blick

    Menopause ist genau ein Tag, nämlich der Tag der letzten Periode. Und du weißt erst ein Jahr später, dass er stattgefunden hat, weil bis dahin rückwärts gerechnet wird. „Peri" bedeutet drumherum. Perimenopause ist also die Zeit rund um einen Tag, der noch gar nicht war. Bei „Wechseljahre" steckt die Mehrzahl schon im Wort, was ehrlich ist und trotzdem frech. Und „Periode" heißt eigentlich Kreislauf, obwohl da längst nichts mehr im Kreis läuft.

    Dann erzähle ich von einer Freundin Anfang sechzig. Sie hat mit vierzig die Gebärmutter entfernt bekommen und danach trotzdem fünfzehn Jahre lang die volle Klatsche kassiert. Seit zwei Jahren wird es besser. Zusammen sind das zwanzig Jahre. Hat das eigentlich mal jemand mitgerechnet? Zwanzig Jahre sind kein Übergang mehr, das ist ein Lebensabschnitt. Von ihr kommt außerdem der Gedanke, der mich seitdem nicht loslässt: In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause geht irgendwann zu Ende. Stell dir vor, du sitzt da und wartest, ob das Ganze mit siebzig noch mal von vorn losgeht.

    • Die Wörter beschreiben Termine, keine Frauen — sie halten fest, wann eine Blutung aufhört. Über alles andere sagen sie nichts.
    • Verlust ist das falsche Wort — es fühlt sich nämlich nicht an, als wäre etwas weg. Es kommt ständig etwas dazu, und zwar nichts Gutes.
    • Lustverlust in den Wechseljahren ist kein Zustand, sondern ein Hin und Her — weg, wieder da, wieder weg. Dafür fehlt die Sprache komplett.
    • Früher konnte man sich am Zyklus orientieren — es gab Tage, an denen ziemlich verlässlich Lust da war. Inzwischen ist auch das weg.
    • Zehn Tage können vergehen, bis es dir auffällt — erst dann merkst du, dass du deinen Partner die ganze Zeit nicht mehr angefasst hast.
    • Ohne Bezeichnung gibt es nichts, worum man sich kümmern könnte — was keinen Namen hat, taucht in keinem Gespräch auf. Deshalb bleibt es liegen.

    Am Ende dieser Folge bin ich nicht schlauer als vorher. Aber deutlich lauter. Denn solange wir für den Lustverlust in den Wechseljahren keine eigene Bezeichnung haben, bleibt uns nur der Satz, den ich seit Jahren höre: Wir haben die Pause und wir haben das davor, und damit müsst ihr leben. Nee. Reicht nicht. Denn eine Sache, die einen Namen hat, kann man ansprechen. Man kann sie einordnen, man kann etwas daran ändern, und man kann sie jemandem erklären, ohne vorher drei Sätze Anlauf zu nehmen. Genau das fehlt hier. Und deshalb rede ich.

    Shownotes und Episodendetails

    Du liegst nachts wach und tippst irgendwas ins Handy. Und was dir entgegenkommt, sind Wörter, die sich anfühlen wie ein Stempel. Alt. Fertig. Vorbei. Dabei willst du nur eine einzige Sache wissen: Warum war meine Lust letzte Woche da und heute nicht?

    Warum ich das Wort nicht in den Mund nehme

    Wenn ich draußen über das Thema rede, sage ich „die Hormone". Oder „der Verlust der Hormone". Perimenopause kommt mir nicht über die Lippen, und das hat nichts mit Peinlichkeit zu tun. Das Wort passt einfach nicht zu dem, was ich erlebe.

    Und ehrlich gesagt stört mich auch „Verlust". Denn es geht ja nichts verloren. Es kommt ständig etwas dazu: kalte Füße, Hitzewallungen, Ungeduld, Aggression, Wörter, die mir mitten im Satz wegrutschen. Die Liste wird länger statt kürzer. Nur die Hormone gehen tatsächlich zur Tür raus.

    Zwanzig Jahre, und keiner hat mitgerechnet

    Meine Freundin ist Anfang sechzig und damit fast durch. Fast. Bei ihr wurde mit vierzig die Gebärmutter entfernt, und ich dachte beim Erzählen tatsächlich: Na, dann war ja Ruhe. War nicht. Fünfzehn Jahre volle Klatsche, mit oder ohne Organ, das hat ihren Körper überhaupt nicht interessiert.

    Von ihr stammt auch der Satz, an dem ich mich seitdem festbeiße. In „Menopause" steckt das Wort Pause. Eine Pause ist definitionsgemäß etwas, das endet. Also sitzen wir alle da und warten insgeheim, ob das Ganze irgendwann wieder losgeht.

    Lustverlust in den Wechseljahren: wofür es kein Wort gibt

    Früher konnte ich mich am Zyklus orientieren. Es gab Tage, an denen ziemlich zuverlässig Lust da war, und Tage, an denen keine da war. Das lief im Kreis, und darauf war Verlass.

    Inzwischen ist das weg. Es gibt Phasen, da fasse ich meinen Partner tagelang nicht an und vergesse abends sogar den Gute-Nacht-Kuss. Dann kommt irgendwann die Frage: Hast du mich vergessen? Und erst danach fällt mir auf, dass zehn oder elf Tage vergangen sind. Dann wiederum gibt es Tage, an denen alles da ist, manchmal drei Tage am Stück, manchmal nur einen halben. Für dieses Hin und Her hat sich niemand ein Wort ausgedacht.

    Und komm mir jetzt bitte nicht mit Libidoverlust. Libido heißt Lust, das ist also kein eigenes Wort, sondern dasselbe Wort auf Latein. Der Lustverlust in den Wechseljahren taucht in keinem Begriff auf, den ich kenne, weder in dieser Phase noch in irgendeiner anderen. Für jeden Mist hat sich irgendwer eine Bezeichnung überlegt. Ausgerechnet dafür nicht.

    Dabei wäre so eine Bezeichnung praktisch. Sie wäre etwas Konkretes, um das man sich kümmern könnte. Man könnte sagen: Hier fehlt uns was, da ändere ich jetzt etwas. So bleibt nur ein Achselzucken und der Hinweis, dass das eben dazugehört. Damit sollen wir uns dann zufriedengeben.

    In der letzten Folge ging es darum, dass ich meine eigenen Wörter suche. Diesmal geht es um die Wörter, die es überhaupt nicht gibt. Und darum, dass mich das wütender macht, als ich erwartet hätte.

    Wenn du das kennst: Abonniere Saftig bei Apple Podcasts oder Spotify. Dann ist die nächste Folge einfach da, ohne dass du dran denken musst. Link in Bio und im ersten Kommentar.

    11 min

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Ich kann nicht anfangen. Und wenn er anfängt, kann ich es nicht annehmen. Dazwischen liege ich wach und frage mich, was eigentlich mit mir passiert.