Slow German
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Slow German episodes

  • SG #164: Ostern
    An Ostern feiern die Christen die Auferstehung von Jesus Christus, das wisst Ihr sicherlich. An Ostern ist die Fastenzeit nach 40 Tagen zu Ende. Man darf wieder alles essen, was man möchte. Die Fastenzeit beginnt am Aschermittwoch (nach Fasching) und endet an Ostern.
    Aber das Fest hat nicht nur etwas mit der Kirche zu tun, sondern auch mit alten heidnischen Bräuchen, die immer noch existieren. Zum Beispiel der Osterhase - er steht für die Fruchtbarkeit des Frühlings. Aber dazu später mehr. Ostern findet immer am ersten Frühlingsvollmond statt, also irgendwann im März oder April. Der Termin verschiebt sich von Jahr zu Jahr.
    An Ostern haben die Kinder zwei Wochen lang Ferien. Sie müssen also nicht in die Schule gehen. Die Erwachsenen haben zwei Tage frei, und zwar am Karfreitag und Ostermontag. Es ist also ein verlängertes Wochenende für alle.
    Vor Ostern fangen wir an, Ostereier zu bemalen. Wir blasen sie erst aus, so dass nur noch die leere Hülle bleibt. Dann malen wir die Eier mit bunten Farben schön an. Warum wir das tun? Denkt mal daran, dass es in Deutschland im Winter sehr lange sehr kalt ist. An Ostern beginnt langsam der Frühling. Es blühen die ersten Knospen an den Büschen. Die ersten Krokusse, Tulpen und Narzissen kommen aus dem Boden. Es wird wieder bunter und lebendiger in der Natur. Also holen wir uns blühende Zweige ins Haus. Entweder den gelb blühenden Ginster oder auch die kuscheligen Palmkätzchen. An diese Zweige hängen wir dann die ausgeblasenen und bemalten Ostereier.
    Man kann auch Eier hart kochen, also ungefähr zehn Minuten lang kochen, und sie dann färben. So bleiben die Eier lange haltbar und sehen trotzdem schön aus.
    Am Karfreitag beginnen die Feierlichkeiten. An diesem Tag trauern die Christen, sie essen an diesem Tag kein Fleisch. In Bayern darf man an diesem Tag auch nicht zu lauter Musik tanzen - es ist ein stiller Feiertag.
    Am Ostersonntag feiern viele Familien mit einem Osterbrunch oder einem langen Frühstück. Dann gibt es zu den Eiern auch einen geflochtenen Hefezopf. Natürlich gehen viele Familien an Ostern in die Kirche. Es ist der höchste Feiertag im Christentum.
    Für die Kinder gibt es zwei interessante Dinge. Zum einen kommt an Ostern der Osterhase. Er versteckt im Garten oder im Haus Ostereier und Süßigkeiten. Meistens sind diese in einem kleinen Körbchen versteckt, damit sie nicht dreckig oder nass werden. Zum anderen kann man mit den hartgekochten Eiern „Eier ditschen“ spielen. Jeder hat ein Ei in der Hand und dann haut der eine vorsichtig mit seinem Ei auf das Ei des Gegners. Wessen Ei kaputt geht, der hat verloren. Der Gewinner bekommt beide Eier.
    Wie alle anderen Feste wird auch Ostern immer kommerzieller. In den Geschäften gibt es schon Wochen vorher Osterhasen aus Schokolade zu kaufen und andere kleine Süßigkeiten. Die Kinder bekommen mittlerweile auch oft an Ostern richtige Geschenke oder einen Schulranzen, wenn sie im Herbst in die Schule kommen.
    Man wünscht sich in diesen Tagen übrigens „Frohe Ostern“.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg164kurz.pdf
    6 min
  • SG #163: Bürgerinitiative und Bürgerbegehren
    Ich habe Euch schon vom politischen System in Deutschland erzählt. Also von unseren Parteien, der Bundeskanzlerin und dem Bundespräsidenten. Heute möchte ich Euch von der Bürgerinitiative in Deutschland erzählen.
    Was ist eine Bürgerinitiative? Nehmen wir ein Beispiel. Eine Gruppe von Menschen möchte eine bestimmte Sache ändern. Dann kann sie genau für diese Sache eine Bürgerinitiative gründen. Anders als die Parteien, die viele verschiedene Probleme lösen möchten, konzentriert sich diese Bürgerinitiative auf ein einzelnes Problem.
    Bürgerinitiativen haben eine lange Geschichte in Deutschland. Schon 1501 schlossen sich die Menschen zusammen, als es um die Bestattung von Pesttoten ging. 1947 wollten die Menschen den Wald schützen. Es gibt also viele verschiedene Gründe, eine Bürgerinitiative zu starten.
    Was kann so eine Bürgerinitiative tun? Zunächst einmal kann sie zum Beispiel Demonstrationen organisieren, um mehr Menschen auf ihr Ziel aufmerksam zu machen. Sie kann auch Unterschriften sammeln und eine Petition starten. Zu guter letzt kann es zu einem Bürgerbegehren kommen - aber dazu gleich mehr.
    Meistens kümmern sich solche Bürgerinitiativen um Dinge, die mit der Umwelt zu tun haben. Sie wehren sich beispielsweise gegen den Bau einer weiteren Startbahn am Flughafen. Oder sie fordern den Neubau einer Umgehungsstraße, die einen Ort entlasten soll. Es sollen nicht so viele Autos durch den Ort fahren, sondern außen herum. Sie können auch fordern, dass ein neuer Kindergarten gebaut wird oder eine Lärmschutzwand.
    Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Bürgerinitiativen basisdemokratisch sind. Die Bürger selbst beschließen, dass sich etwas ändern muss - und packen es dann an. Meist finden die Bürger, dass die etablierten Parteien nicht genug unternehmen, um das Problem zu lösen, und wollen es dann selber in die Hand nehmen.
    Nehmen wir an, wir gründen also eine Bürgerinitiative. Wir wollen den Bau einer lauten Straße verhindern. Dann können wir dafür beispielsweise einen Verein gründen, um der Gruppe eine Struktur zu geben. Dann fangen wir an, zu demonstrieren und Unterschriften zu sammeln. Wir brauchen eine bestimmte Zahl an Unterschriften - das ist genau festgelegt. In München sind es beispielsweise 34.000 Unterschriften. Diese Zeit des Sammelns nennt man Bürgerbegehren. Wenn ausreichend Unterschriften gesammelt wurden, gibt es einen Bürgerentscheid. Das bedeutet, dass die Menschen zu einer Wahl eingeladen werden. Sie gehen in ihr Wahllokal - das sind meistens Schulen - und müssen dann ein Kreuz machen, entweder bei „Ja“ oder bei „Nein“. Wenn genügend Menschen sich an dieser Wahl beteiligen, dann gilt dieser Bürgerentscheid.
    Hier in München gab es im letzten Herbst einen Bürgerentscheid. Damals sollten wir Bürger darüber entscheiden, ob ein Steinkohlekraftwerk in München abgeschaltet werden soll. Die Bürger stimmten mit „Ja“.
    Das heißt aber noch lange nicht, dass die Entscheidung sofort umgesetzt wird. Zum Beispiel haben sich die Münchner 2012 auch gegen eine dritte Startbahn am Flughafen ausgesprochen - ob sie nun aber gebaut wird oder nicht ist weiterhin unklar. Die Stimme der Bürger ist so gültig und wertvoll wie zum Beispiel ein Beschluss des Stadtrats.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg163kurz.pdf
    6 min
  • SG #162: Deutsche Philosophen
    Keine Angst, auch wenn es heute um Philosophie geht verspreche ich Euch: Es wird nicht zu kompliziert! Ich werde wie immer versuchen, diese Episode so einfach verständlich wie möglich zu machen. Ich möchte Euch die großen deutschen Philosophen vorstellen - oder zumindest einige von ihnen.
    Fangen wir an in der Zeit der Aufklärung, das war im 17. und 18. Jahrhundert. Da gab es einen Mann namens Immanuel Kant. Er sagte: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Das bedeutet also: Denke selbst! Kant stellt vier große Fragen: Was kann ich wissen? Was soll ich tun? Was darf ich hoffen? Und die wahrscheinlich wichtigste: Was ist der Mensch? Vielleicht habt Ihr auch schon von Kants kategorischem Imperativ gehört. Das klingt kompliziert, ist es aber nicht. Denn es gibt ein Sprichwort, das eigentlich das gleiche sagt: "Was du nicht willst, dass man dir tu, das füg auch keinem anderen zu." Versetze Dich also in die Lage des anderen Menschen und tue nur, was für ihn auch gut wäre. Du möchtest nicht geschlagen werden? Dann schlage auch selber niemanden. Ganz einfach.
    Gehen wir weiter zum Idealismus und zu Hegel und Marx. Sie leben in der Zeit der Industrialisierung. Das Leben der Menschen verändert sich. Es ist nicht mehr wichtig, was sie arbeiten, sondern wieviel sie arbeiten. Am Ende ihres Arbeitstages sehen sie nicht das Ergebnis ihrer Arbeit, wie ein Schreiner seinen Tisch sieht. Die Arbeiter werden austauschbar.
    Also haben sich die beiden Philosophen Hegel und Marx die Geschichte angesehen und versucht, daraus zu lernen. Das Muster, das sie erkannten, war: die Menschen haben sich immer in zwei Lager gespalten, in die Unterdrückten und die Unterdrücker. Zum Beispiel in Sklaven und Sklavenhalter. Oder noch einfacher: Gewinner und Verlierer. So hat sich die Gesellschaft immer weiter entwickelt. Das bedeutet aber auch: Die Schere zwischen armen Menschen und reichen Menschen geht immer weiter auseinander. Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer. Marx und Hegel wünschten sich den Kommunismus, eine klassenlose Gesellschaft, die für alle Menschen optimal ist.
    Wir bleiben im 19. Jahrhundert und gehen in den Bereich Lebensphilosophie. Jetzt sind wir bei den Namen Schopenhauer und Nietzsche angekommen. Fangen wir mit Schopenhauer an. Ihn haben auch Weisheiten aus Indien und aus dem Buddhismus beeinflusst. Für Schopenhauer ist Leben auch Leiden. Durch dieses Leiden bekommt der Mensch Mitleid gegenüber anderen Menschen und auch Tieren. Wer aus diesem Leiden flüchten möchte, der hat nur eine Chance: Die Kunst und die Musik. Er sagt auch: Die Welt ist meine Vorstellung.
    Und Nietzsche? Der sagt: Tatsachen gibt es nicht, nur Interpretationen. Also ist auch bei ihm alles subjektiv. Aber es geht weiter: Für Nietzsche gibt es keinen Gott, keine Erkenntnis, keine Moral, keine Werte und keinen Sinn des Lebens. Alles wiederholt sich unendlich. Nichts ist neu. Ihr kennt sicher seinen Spruch: Gott ist tot. Für den Menschen gibt es also keinen Sinn zu leben. Aber wenn es den Menschen nicht mehr gibt, gibt es vielleicht den Übermensch - und der ist dann der große Sinn der Erde.
    Im 20. Jahrhundert waren da noch Freud, Heidegger, Wittgenstein und all die anderen - aber das führt jetzt zu weit.
    Wisst Ihr, was mir gerade auffällt? Von Philosophen spricht man meistens ohne Vornamen! Das waren natürlich längst nicht alle deutschen Philosophen, aber es war ein Anfang. Wer ist aktuell der bekannteste deutsche Philosoph, der noch lebt? Da würde ich sagen, es ist Richard David Precht. Ein Video von ihm stelle ich Euch auf slowgerman.com
    Richard David Precht: Vergesst das Wissen!https://www.youtube.com/watch?v=Gewb3-DUlJs
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg162kurz.pdf
    7 min
  • SG #161: Die Weimarer Republik
    Es wird Zeit für eine wichtige Geschichts-Episode. Und zwar geht es um die Weimarer Republik. Das ist die Zeit in Deutschland zwischen 1919 und 1933. Also vor der Nazi-Zeit. Diese Jahre waren besonders wichtig für Deutschland. In der Weimarer Republik gab es zum ersten Mal eine parlamentarische Demokratie hier. Vorher gab es das Kaiserreich, also eine parlamentarische Monarchie wie heute in Großbritannien oder den Niederlanden.
    Das war die kurze Zusammenfassung - jetzt erkläre ich Euch das ein wenig genauer. Machen wir eine Zeitreise ins Jahr 1918, also genau 100 Jahre in die Vergangenheit. Der Erste Weltkrieg ist gerade vorbei. Den Menschen geht es schlecht. Ihr Geld ist nichts mehr wert. Deutschland hat den Krieg verloren und muss viel an die Gewinner abgeben - das ist im Vertrag von Versailles festgehalten worden. Viele Menschen sind arbeitslos. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. ist abgesetzt worden. Aber wie soll es weitergehen?
    1919 gab es freie Wahlen in Deutschland. Zum ersten Mal durften auch die Frauen wählen. 83% der Deutschen gingen zur Wahl. Sie wählten eine Nationalversammlung. In der Nationalversammlung saßen die Menschen, die dann über die Zukunft Deutschlands entscheiden sollten.
    Die Nationalversammlung traf sich in der Stadt Weimar. Das ist die Stadt, die heute vor allem durch Schiller und Goethe bekannt ist. Sie entschied, dass Deutschland zu einer parlamentarischen Demokratie werden sollte. Erster Reichspräsident wurde Friedrich Ebert, ein Sozialdemokrat. Seine Partei, die SPD, hatte 37,9% der Stimmen bekommen und war damit die stärkste Partei im Reichstag. Ab August 1919 hatte die Weimarer Republik dann ihre eigene Verfassung. Darin festgeschrieben waren zum Beispiel die Gewaltenteilung und die Grundrechte.
    Das klingt wie ein guter Anfang - aber es war schwieriger als gedacht. Mit ein Grund dafür war sicher, dass es 1929 eine Weltwirtschaftskrise gab. Diese stürzte die Menschen in noch mehr Leid. Dazu kam die so genannte Dolchstoßlegende. Das war eine Propaganda-Lüge. Sie sagte: die neue Regierung war schuld am verlorenen Krieg! Der Hass auf die noch junge Demokratie wuchs.
    Es gab Menschen, die wieder die alte Kaiserzeit zurückwollten. Es gab radikale Linke, die lieber eine Räterepublik wollten. Das ist ein politisches System, bei dem die Herrschaft über direkt vom Volk gewählte Räte ausgeübt wird. Das Vorbild dafür war die damalige Sowjetunion. Es gab aber auch radikale Rechte, die eine Diktatur wollten. Welche dieser Gruppen schließlich gewonnen hat, wisst Ihr leider alle: Die Nationalsozialisten. Sie wurden immer stärker. 1933 übernahmen sie die Macht. Adolf Hitler wurde Reichskanzler. Das war das Ende der Weimarer Republik.
    Lebendiges Museum online:http://www.dhm.de/lemo/kapitel/weimarer-republik
    So sah Deutschland während der Weimarer Republik aus:http://www.webring.org/l/rd?ring=geschichte;id=61;url=http%3A%2F%2Fwww.gonschior.de%2Fweimar%2F
    MrWissen2go:https://www.youtube.com/watch?v=7WXxDy31Ygk
    Planet Wissen mit einer extrem gut gemachten Übersicht über die Zeit zwischen 1918 und 1933:https://www.youtube.com/watch?v=WGS7JpDiDew
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg161kurz.pdf
    6 min
  • SG #160: Die Volkshochschule
    In vielen deutschen Städten und Gemeinden gibt es eine Volkshochschule. Abgekürzt nennt man sie VHS. Heute möchte ich Euch erzählen, was so eine VHS ist.
    Eine VHS ist ein kommunales Weiterbildungszentrum. Kommunal bedeutet, dass die VHS zu einer bestimmten Gemeinde gehört. Sie ist also nicht für das ganze Land zuständig, sondern nur für eine kleine Region. Weiterbildung bedeutet, dass man hier neue Dinge lernen kann. Vor allem sind die Angebote für Erwachsene gedacht.
    An der VHS gibt es viele verschiedene Angebote. Vom Yoga-Kurs bis zum Mal-Kurs ist alles dabei. Man kann Nähen lernen und andere Sprachen. Es gibt Kurse für bestimmte Software-Programme wie Windows. Die Volkshochschule bietet auch Stadtführungen an, bei denen man zum Beispiel etwas über die Geschichte der eigenen Heimat lernt.
    Die Volkshochschulen haben entweder eigene Gebäude, in denen die Kurse abgehalten werden, oder sie nutzen öffentliche Gebäude. Zum Beispiel mieten sie im Rathaus einzelne Räume oder in einer Grundschule.
    Unterrichten dürfen an der VHS ganz unterschiedliche Menschen. Das können natürlich Lehrer sein, aber es sind oft auch einfach Experten für ein Gebiet. Ich selber habe an der Volkshochschule beispielsweise schon Computerkurse gegeben oder Podcasting-Kurse. Dafür habe ich dann Geld bekommen. Nicht viel, aber immerhin. Und meine Mutter unterrichtet Malerei.
    Wie sich dieses System finanziert? Volkshochschulen bekommen Geld vom Land, von der Gemeinde und vom Landkreis. Außerdem bekommen Volkshochschulen Spenden und oft auch Fördergelder. Und die Kurse sind nicht kostenlos, sie kosten für die Teilnehmer Geld. Aber sie sind viel günstiger als bei den meisten anderen Anbietern.
    Schon 1879 gab es in Deutschland so eine Art Volkshochschule. Hier versuchte man durch Vorträge den Bürgern neues Wissen beizubringen. Vor allem die Menschen, die keine Akademiker waren, sollten sich hier weiterbilden können. Es geht auch heute noch vor allem um die Erwachsenenbildung, also um lebenslanges Lernen.
    Es geht aber nicht nur um Hobbies: In vielen Kursen kann man Dinge lernen, die für den eigenen Beruf wichtig sind. Wenn beispielsweise jemand arbeitslos ist, kann er hier Neues lernen. Er lernt zum Beispiel, wie man mit einem neuen Computerprogramm umgeht. Nach dem Kurs an der VHS bekommt er sogar ein Zertifikat, also ein Zeugnis. Dieses Zeugnis ist der Beweis, dass er etwas Neues gelernt hat. Vielleicht hat er dadurch bessere Chancen, einen Job zu finden.
    Und noch eine Sache ist toll an den Volkshochschulen: Man kann dort natürlich auch gut neue Leute kennenlernen, die ähnliche Interessen haben.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg160kurz.pdf
    5 min
  • SG #159: Max und Moritz
    Es gibt ein altes Kinderbuch, das heißt „Max und Moritz“. Wilhelm Busch hat es 1865 veröffentlicht. Bis heute ist es eines der meistverkauften Kinderbücher. Es wurde in 300 Sprachen und Dialekte übersetzt.
    Der Autor Wilhelm Busch wurde 1832 geboren. Er war ein Pionier des Comics, das heißt er verknüpfte lustige Texte mit Bildern. Er mochte die Satire und machte sich gerne über die Gesellschaft lustig. Noch heute benutzen wir viele deutsche Redewendungen, die er sich vor langer Zeit ausgedacht hat. Zum Beispiel: „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr.“
    Interessanterweise war Busch kein fröhlicher, immer lachender Mensch, wie man es bei der Lektüre seiner Werke denken könnte. Im Gegenteil. Er war ernst und verschlossen. Viel lieber wäre er ein ernsthafter Künstler geworden - den größten Erfolg aber hatte er mit seinen lustigen Bildergeschichten.
    Die Geschichten von Max und Moritz sind allesamt in Reimform. So fängt die Geschichte an:
    Ach, was muß man oft von bösenKindern hören oder lesen!Wie zum Beispiel hier von diesen,welche Max und Moritz hießen;
    Die beiden Jungs werden als Lausbuben bezeichnet. Das ist ein eher alter Begriff für Jungs, die viel Unsinn machen. Sie spielen zum Beispiel anderen Menschen Streiche. Das bedeutet, dass sie sich Dinge ausdenken, um die anderen Menschen zu ärgern oder ihnen sogar zu schaden.
    Harmlos sind diese Geschichten keineswegs: Ständig wird jemand verletzt oder es sterben Tiere. Und am Ende der Geschichten sterben sogar Max und Moritz selber: Sie werden für ihre bösen Streiche bestraft und der Müller zerschrotet sie in seiner Mühle - er bringt sie also um.
    So würde man heute wahrscheinlich keine Kinderbücher mehr schreiben, oder? Aber ihr kennt das ja sicher auch von den alten Märchen - sie waren grausam und hatten immer eine Erziehungsbotschaft. Interessant ist, dass es bei Max und Moritz nicht um den klassischen Kampf von Gut gegen Böse geht. Die Jungen selber sind eher böse, die vorkommenden Erwachsenen aber eigentlich auch.
    Besonders gut verkaufte sich das Kinderbuch zu Beginn nicht. Langsam sprach es sich aber herum - und als Wilhelm Busch 1908 starb, gab es bereits 56 Auflagen von „Max und Moritz“. 1887 war es sogar ins Japanische übersetzt worden. Viele Links zu „Max und Moritz“ findet Ihr auf www.slowgerman.com.
    Hier könnt Ihr das Originalbuch durchblättern:http://www.deutschestextarchiv.de/book/view/busch_max_1865?p=7
    Hier gibt es eine Fernsehsendung zum Kinderbuch „Max und Moritz“ mit vielen prominenten Deutschen:http://www.ardmediathek.de/tv/LIDO/Max-und-Moritz-Die-unglaubliche-Geschi/BR-Fernsehen/Video?bcastId=14912680&documentId=33739606
    Hier könnt Ihr das Buch in verschiedenen Formaten herunterladen:http://www.gutenberg.org/ebooks/17161
    Hier wird Euch das Kinderbuch vorgelesen:http://www.gutenberg.org/files/21149/mp3/21149-01.mp3
    Hier gibt es Max und Moritz auf Deutsch und Englisch - mit Quizfragen:https://germanstories.vcu.edu/mm/mmmenu.html
    Die Originalgeschichte als Video:https://www.youtube.com/watch?v=8KRL3jgZ96Q
    Ein Max und Moritz-Spielfilm von 1956:https://www.youtube.com/watch?v=dOe_fLciHNc
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg159kurz.pdf
    5 min
  • SG #158: Die Zeit der Ritter
    Im Mittelalter gab es Kämpfer, die auf Pferden unterwegs waren. Man nennt diese Krieger Ritter, das kommt einfach vom Wort „Reiter“. Ein Ritter trug eine Rüstung aus Metall. Sie sollte ihn bei Kämpfen vor Verletzungen schützen. Manchmal trug sogar sein Pferd eine Rüstung. Und weil es ganz schön kompliziert war, so eine Rüstung an- und auszuziehen, war der Ritter selten allein. Meistens hatte er einen Knappen dabei, das war ein Knecht, also so eine Art Diener.
    Nun klingt es so, als wären Ritter arme Soldaten gewesen. Das war aber gar nicht so. Ritter waren reiche Menschen. Sie mussten sich selber ihre Pferde kaufen, ebenso die Ausrüstung und die Waffen und ihre Knappen mussten auch entlohnt werden. Die Ritter hatten meist eigene Ländereien, um die sie sich kümmerten. Es war auch so, dass die Herrscher der Zeit manche Männer zu Rittern schlagen konnten.
    Ritter waren dazu da, ihr Land und das ihres Herrschers zu schützen. Denn das Mittelalter war eine Zeit, in der man nicht sehr sicher lebte. Gruppen aus anderen Völkern versuchten, Länder zu erobern oder auszurauben. Das waren zum Beispiel die Wikinger. Dagegen versuchte man sich zu schützen. Ein normaler Soldat war immer noch zu Fuß unterwegs - und damit leicht zu besiegen. Die Ritter dagegen waren auf ihren Pferden und in ihren Rüstungen mächtige Gegner.
    Wenn Rittern gerade langweilig war, veranstalteten sie Ritterturniere. Das waren Wettkämpfe, in denen die Ritter gegeneinander kämpften um zu sehen, wer der stärkste oder beste Ritter war. Diese Wettkämpfe waren ein großes Spektakel, zu dem viele Zuschauer aus dem ganzen Land kamen. Ritter hatten lange Lanzen, also Holzwaffen, mit denen sie andere Reiter vom Pferd zu stoßen versuchten.
    Damit nicht jeder Ritter alleine vor sich hin kämpfte, gab es Ritterorden. Das waren Vereinigungen von Rittern.
    Als Ritter verkleidetes Kind
    Das Ende der Ritter kam übrigens daher, dass zwei neue Waffen erfunden wurden: Die Armbrust und der Langbogen. Mit diesen Waffen konnte man Pfeile abschießen. Und diese Pfeile hatten dann so eine Wucht, dass sie sogar durch Eisenrüstungen durchgingen.
    Dennoch wird die Zeit der Ritter heute nicht vergessen. Kinder spielen gerne Ritter, und auch Erwachsene verkleiden sich als Ritter und kämpfen in modernen Ritterturnieren gegeneinander. Es ist eine Zeit, die viele heute noch fasziniert.
    Wenn Ihr mehr über die Zeit der Ritter erfahren wollt, empfehle ich Euch eine Reihe von Kinderbüchern. Die Autorin Kerstin Boie hat nämlich den Ritter Trenk erfunden - einen kleinen Jungen, der unbedingt ein Ritter sein möchte. In ihren Büchern wird die Zeit des Mittelalters gut erklärt.
    Hier seht Ihr die Bücher, eine TV-Serie und einen Kinofilm über den Ritter Trenk (Affiliate-Links):
    Hier noch eine interessante Kindersendung zum Thema Ritter:
    https://www.youtube.com/watch?v=jeRclNOJ0R0
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg158kurz.pdf
    5 min
  • SG #157: Bertolt Brecht
    Bertolt Brecht war ein bekannter deutscher Dramatiker. Geboren wurde er 1898 in Augsburg, also in Bayern. Schon als Kind begann er zu dichten. Mit 15 Jahren gründete er mit einem Freund eine Schülerzeitung. Sie schrieben selber Texte und ließen diese dann drucken.
    Brecht schrieb viel, und einiges davon wurde sogar schon in frühen Jahren in Zeitungen abgedruckt. Es waren „Augsburger Kriegsbriefe“, patriotische Texte zu Zeiten des Ersten Weltkriegs.
    Bertolt Brecht fand Freunde, die ebenso kreativ waren wie er. Gemeinsam arbeiteten sie an Liedern oder Theaterstücken. Dann studierte Bertolt Brecht in München Medizin und Philosophie – allerdings ging er kaum in die Vorlesungen, sondern hörte sich lieber an, was im Literaturseminar erzählt wurde. Da ging es um zeitgenössische Literatur, also um das, was gerade zu der Zeit und in den Jahren zuvor geschrieben worden war.
    Kurz war er im Militärdienst, arbeitete in einem Lazarett, also einer Krankenstation für Soldaten. Mit 21 Jahren wurde er Vater – seine 17-jährige Freundin war schwanger geworden.
    Brecht schrieb weiter und schickte seine Werke an bekannte Menschen seiner Zeit – zum Beispiel an Lion Feuchtwanger. Der mochte Brechts Werke und unterstützte ihn. Brecht reiste mehrmals nach Berlin und knüpfte neue Kontakte, und zwar zu Verlegern, Lektoren, Schauspielern und Autoren.
    1922, da war Brecht gerade mal 24 Jahre alt, wurde sein erstes Stück auf einer Münchner Theaterbühne aufgeführt. Sein erstes Buch erschien in einem Berliner Verlag, er drehte mit Karl Valentin einen Film und 1923 kam sein zweites Kind zur Welt – von einer anderen Frau, mit der Brecht mittlerweile verheiratet war.
    1924 war eine dritte Frau von Brecht schwanger – er ließ sich also scheiden und heiratete diese Frau, Helene Weigel, die 1930 noch eine Tochter bekam. 1928 schrieb Brecht seinen größten Erfolg, die „Dreigroschenoper“. Ihr kennt vielleicht auch „Mutter Courage“ oder „Der gute Mensch von Sezuan“.Brecht zog nach Berlin, wurde Kommunist, arbeitete als Regisseur und arbeitete mit Kurt Weil zusammen – sie verbanden Theater und Musik.
    Als die Nationalsozialisten stärker wurden und Brecht bedrohten, flüchtete er ins Ausland. Seine Bücher wurden von den Nationalsozialisten verbrannt und seine Werke verboten. Brecht war in Paris und arbeitete weiter.
    1941 reiste er mit seiner Familie nach Kalifornien, er wollte dort als Drehbuchautor in Hollywood arbeiten. Weil man ihn hier nach Kriegsbeginn für einen Kommunisten hielt, reiste er in die Schweiz – nach Kriegsende wieder nach Berlin, diesmal nach der Teilung in den Ost-Teil der Stadt, also Teil der DDR. Er gründete 1949 das Berliner Ensemble – das ist heute eines der bekanntesten Theater in Berlin.1956 starb Brecht.
    Über 16,5 Millionen Bücher von Bertolt Brecht hat allein der Suhrkamp-Verlag bislang verkauft – jedes Jahr werden nochmal 300.000 Bücher verkauft.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg157kurz.pdf
    6 min
  • SG #156: Auf der Baustelle
    Jeden Tag, wenn ich in die Arbeit komme, gehe ich an einer riesigen Baustelle vorbei. Besser gesagt an zwei Baustellen. Am Eingang wird ein neues Parkhaus gebaut und ein Kindergarten. Weiter hinten werden gerade viele alte Garagen abgerissen - hier kommen neue Büros hin.
    So eine Baustelle ist sehr faszinierend, finde ich. Ich kann mir nicht vorstellen, wie man so viele Menschen und Maschinen koordinieren kann. Momentan bringen viele große LKW fertige Betonteile auf die Baustelle, die dann von Kränen zu einem großen Haus zusammengesetzt werden. Dann wird an der Außenseite ein großes Gerüst aufgebaut, damit die Maler die Außenfassade streichen können.
    An anderer Stelle kommen Betonmischer, also große Laster mit einer sich drehenden Trommel auf der Ladefläche. In dieser Trommel ist flüssiger Beton. Dieser Beton wird auf eine vorbereitete Bodenplatte geschüttet. Wenn der Beton fest ist, wird das der Boden des Kellers.
    Lange Zeit konnte man die Bauarbeiter dabei beobachten, wie sie das Gelände erst einmal vorbereitet haben für den späteren Bau. Sie mussten zum Beispiel leider alte Bäume fällen, die hier viele Jahrzehnte gewachsen waren. Dann haben sie mit einem Bagger die oberste Erdschicht abgetragen.
    Der Architekt steht oft mit dem Bauingenieur zusammen und sieht sich die gezeichneten Pläne genau an. Sie besprechen, was zu tun ist. Alles ist genau vorgeplant, damit auf der Baustelle dann auch alles funktioniert. Denn die Maschinen zu mieten kostet Geld, und die Bauarbeiter natürlich auch.
    Wenn sie Pause machen dürfen, treffen sich die Bauarbeiter in einem kleinen Container. Hier können sie sich einen warmen Kaffee kochen und etwas essen, sie können sich an einen Tisch setzen und sich ausruhen. Denn die Bauarbeiter arbeiten immer - ob bei Regen oder Schnee, Kälte oder Hitze. Es ist ein harter Job. Sie fangen sehr früh am Morgen an zu arbeiten. Jetzt im Winter ist es dann noch dunkel - also haben sie Scheinwerfer installiert, damit sie überhaupt sehen, was sie gerade tun.
    Wichtig ist natürlich die Sicherheit der Bauarbeiter. In Deutschland gibt es eine Baustellenverordnung. Hier wird alles festgehalten, was mit der Sicherheit und dem Schutz der Bauarbeiter zu tun hat. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Bauarbeiter Schutzkleidung tragen, also zum Beispiel einen Helm und extra verstärkte Schuhe. Es gibt Gitter und Gerüste, damit die Bauarbeiter nicht abstürzen können. Aber auch die Menschen, die täglich an der Baustelle vorbeikommen, werden geschützt: Eine Baustelle muss immer so durch Zäune abgesichert sein, dass zum Beispiel auch Kindern nichts passieren kann.
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg156kurz.pdf
    5 min
  • SG #155: Das Nibelungenlied
    Es gibt eine alte Geschichte, die Ihr kennen solltet. Es ist das Nibelungenlied. Das ist eine alte Heldengeschichte, eine Sage. Man nennt diese Geschichte auch das Nationalepos der Deutschen. Aufgeschrieben wurde das Nibelungenlied ungefähr um das Jahr 1200 herum - aber die Geschichte selbst ist sicher noch viel älter.
    Fangen wir mit dem Wort Nibelungenlied an. Ein Lied ist in unserer Zeit gesungen, also Musik mit Gesang. Damals aber war es eher eine Erzählung, eine Geschichte. Man konnte sie auch singen, das musste aber nicht sein.
    Vier Zeilen, die sich aufeinander reimen, ergeben eine Strophe des Nibelungenliedes. Und es gibt 2400 Strophen. Das ist also ein ganz schön langes Lied, oder?
    So geht es los:
    Uns wird in alten Erzählungen viel Wunderbares berichtet,von rühmenswerten Helden, großer Kampfesmühe,von Freuden und Festen, von Weinen und Klagen;von den Kämpfen kühner Helden könnt ihr nun Wunderbares erzählt hören.
    Jetzt werdet Ihr sagen: Moment Mal, das reimt sich doch nicht? Nein. Denn das ist nicht das Original, sondern eine Übersetzung. Denn damals sprach man noch nicht so Deutsch wie heute. In Mittelhochdeutsch hat es sich gereimt.
    Und was sind „Nibelungen“? Nun, in der Sage gab es einen König Nibelung. Der starb - und Siegfried tötete seine Söhne. Da war er also schon - Siegfried. Um ihn geht es im Nibelungenlied. Ich erzähle Euch die Geschichte - natürlich stark gekürzt.
    Da gab es also diesen Siegfried. Er erlebte viele Abenteuer, zum Beispiel kämpfte er mit einem Drachen. Er tötete den Drachen und badete in seinem Blut. Davon wurde seine Haut fester, fast wie Horn. Er wurde also unverwundbar, Schwerter oder andere Waffen können ihn nicht besiegen. Nur an einer kleinen Stelle am Rücken hatte das Blut seine Haut nicht verwandelt - dort ist er weiterhin verwundbar.
    Der Held Siegfried also will eine Frau. Nicht irgendeine Frau, sondern Kriemhild, eine Prinzessin. Die verliebt sich auch tatsächlich in ihn. Doch dann kommt eine Kriegserklärung, die das Reich der Prinzessin und ihrer Familie bedroht. Siegfried will helfen und zieht gemeinsam mit dem Bruder der Prinzessin in den Kampf. Sie gewinnen. Natürlich.
    Jetzt ist der Bruder dran. Er heißt Gunther. Und er sucht auch eine Frau. Er möchte unbedingt die schöne Brünhild haben. Da ist er nicht der einzige: Viele Männer buhlen, also werben um Brünhild. Sie ist stark und mutig. Sie möchte nur den Mann haben, der sie im Kampf besiegt. Das versuchen viele Männer - sie schaffen es nicht und werden getötet. Also macht Gunther einen Deal mit Siegfried. Siegfried soll ihm helfen, Brünhild zu besiegen. Dafür darf Siegfried dann seine Schwester Kriemhild heiraten.
    Der Plan funktioniert und es gibt eine Doppelhochzeit. In der Hochzeitsnacht jedoch wehrt sich Brünhild - wieder muss Siegfried helfen. Beide Male denkt Brünhild, ihr Mann hat sie „besiegt“. Siegfried war nämlich unsichtbar. Danach ist für einige Jahre alles ruhig.
    Doch dann streiten die beiden Frauen miteinander. Welche hat den besseren Ehemann? Kriemhild erzählt Brünhild davon, dass Siegfried sie eigentlich besiegt hat. Nicht ihr eigener Mann. Daraufhin wird Siegfried getötet. Kriemhild lässt den Nibelungenschatz bringen. Das ist ein Schatz, den der Drache damals bewacht hatte. Und sie fängt an, das Gold zu verteilen. Ihr Onkel will den Schatz retten und versenkt ihn im Rhein.
    Aber die Geschichte ist noch nicht zu Ende. Ihr erinnert Euch ja: 2400 Strophen hat das Lied. Also tief Luft holen, es geht weiter.
    Kriemhild ist jetzt allein. Sie hat keinen Mann mehr. Also muss ein neuer Mann her. Ein König wird ihr neuer Mann. Sie zieht zu ihm ins Hunnenland, bekommt einen Sohn und könnte glücklich sein - aber sie ist es nicht. Sie will Rache. Sie lädt ihre alte Familie zu einem Fest ein. 1060 Ritter und 9000 Knechte kommen zu ihr ins Hunnenland, also nach Ungarn.
    Kriemhild lässt alle Knechte töten. Als ihr Bruder das erfährt, tötet er Kriemhilds Kind. Es gibt ein Blutbad. Wenige überleben auf beiden Seiten. Darunter Gunther und Hagen. Zur Erinnerung: Gunther ist Kriemhilds Bruder, Hagen ihr Onkel. Beide werden gefangen und eingesperrt. Hagen verrät nicht, wo der Schatz liegt, den er im Rhein versenkt hat. Also lässt die gute Kriemhild ihrem Bruder den Kopf abschlagen und zeigt diesen Kopf ihrem Onkel. Der verrät es trotzdem nicht. Also köpft sie ihn auch. Und am Ende? Wird auch Kriemhild getötet.
    Also kein Happy End. Heute würde man so etwas wohl Horrorfilm oder Slasher nennen, oder?
    Wer hat das Nibelungenlied nun geschrieben? Das wissen wir nicht. Es gibt verschiedene Theorien, aber der Autor wird nicht genannt. Wir kennen die Geschichte, weil alte Handschriften gefunden wurden. Es ist aber wahrscheinlich eine Geschichte, die sich die Menschen damals schon lange erzählten. Und zwar nicht nur in Deutschland, sondern auch in Schweden, Norwegen und England.
    Auch wenn Ihr das Nibelungenlied noch nicht kanntet, habt Ihr schon davon gehört. Denn Werke wie „Herr der Ringe“ von Tolkien haben viele Elemente der alten Sage übernommen. Und selbstverständlich gibt es da noch „Der Ring des Nibelungen“, der Opernzyklus von Richard Wagner.
    Der Schatz im Rhein wurde übrigens nie gefunden…
    Auf slowgerman.com stelle ich Euch einige Links zum Nibelungenlied. Zum Beispiel eine Kurzfassung als Comic. Und natürlich auch den Link zum übersetzten Originaltext:
    Das Original:https://digital.blb-karlsruhe.de/blbhs/content/pageview/739401
    Leichter zu lesen (aber trotzdem Mittelhochdeutsch):https://www.lernhelfer.de/sites/default/files/das_nibelungenlied.pdf
    Eine Übersetzung in unser Deutsch:http://gutenberg.spiegel.de/buch/das-nibelungenlied-5833/1
    Das Nibelungenlied in 90 Sekunden:https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/die-nibelungensage-in-90-sekunden-102.html
    Das Nibelungenlied als Comic:https://www.zdf.de/dokumentation/terra-x/comic-die-nibelungensage-102.html
    Das Nibelungenlied aus Lego:
    https://www.youtube.com/watch?v=-73bW3NWKmA
    Text der Episode als PDF: https://slowgerman.com/folgen/sg155kurz.pdf
    10 min

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