Warum Softwareprodukte besser werden, wenn nicht nur Informatiker sie bauen
Wer gestaltet eigentlich die Software, die unseren Alltag durchdringt, und wessen Werte fließen dabei ein? Mit Claudia Nass Bauer spreche ich darüber, warum homogene Teams blinde Flecken produzieren, die keine böse Absicht sind, sondern einfach das natürliche Ergebnis, wenn immer dieselben Perspektiven am Tisch sitzen. Wir reden über unbewusste Denkmuster, über Kommunikationssysteme, die in männerdominierten Gruppen entstehen, und darüber, wie agile Methoden mit kleinen Teams diesen Mustern entgegenwirken können. Claudia stellt außerdem ein Forschungsprojekt vor, das Studentinnen aus Design, Psychologie und Sozialwissenschaften gezielt an Softwareentwicklung heranführt, weil viele von ihnen schlicht nicht wissen, dass sie dort einen echten Beitrag leisten könnten.
„Wenn nur eine Perspektive abgebildet ist, dann wird diese Perspektive ausgedruckt. Das sind die Produkte, die wir bauen." - Claudia Nass Bauer
Prof. Claudia Nass Bauer ist Professorin für Design-Strategie an der Hochschule Mainz.
Sie ist Design geboren und im Software Engineering aufgewachsen. Seit Beginn ihrer
beruflichen Laufbahn arbeitet sie in interdisziplinären Teams an digitalen Lösungen und setzt
sich engagiert dafür ein, Design und Software Engineering in Forschung und Lehre zu
verknüpfen. Ihr Schwerpunkt liegt auf der strategischen Entwicklung und Umsetzung
innovativer Lösungen sowie auf Design- und Innovationsprozessen. Aktuell leitet sie an der
Hochschule Mainz das Forschungsprojekt WiSE (Activating Women in Software
Engineering). Bereits seit 2006 ist sie zudem am Fraunhofer IESE tätig. Dort konzentriert
sie sich auf die Entwicklung, Erprobung und Anwendung nutzerzentrierter UX-Methoden,
insbesondere im Rahmen von Forschungs- und Beratungsprojekten für eine Vielzahl von
Industriekunden aus unterschiedlichsten Domänen.
Wenn ein Softwareteam ausschließlich aus Informatikern besteht, spiegeln die gebauten Produkte zwangsläufig nur deren Werte und Weltbild wider, wichtige Gestaltungsaspekte fehlen.Fachfremde Disziplinen wie Psychologie, Soziologie und Design bringen Methoden in die Softwareentwicklung ein, die Informatikstudien kaum abdecken, etwa Nutzerforschung und ethnografische Studien.Viele Absolventinnen aus Design, Soziologie oder Psychologie wissen laut Fragebogenstudie nicht, dass sie einen konkreten Beitrag zur Softwareentwicklung leisten könnten.Unbewusste Denkmuster und Privilegien sind in jedem Menschen vorhanden, Bewusstsein darüber schaffen ist der erste notwendige Schritt, bevor Methoden oder Strukturen greifen können.Kleine Teams und agile Arbeitsweisen fördern Zusammenarbeit in diversen Gruppen aktiv, weil sie hierarchische Kommunikationsmuster strukturell verhindern.📌 Testen ist People Business, Menschlichkeit als Superkraft. Darüber spreche ich am 7. Oktober auf der HUSTEF 2026 in Budapest: Programm und Tickets ansehen
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