Liebe Hörerinnen und Hörer!
Heute geht es weiter mit Chris Paul:
Chris Paul: Für Angehörige_der ERSTE Todestag_1
Trauerfacette Sich anpassen:
Vieles ist nach dem Tod eines geliebten Menschen anders, für die etlichen Herausforderungen und Veränderungen braucht es Lösungen und neue Alltagsroutinen, sowohl privat als auch beruflich. Trauernde sind öfter weniger lustig und weniger leistungsfähig als zuvor. Freunde sind deswegen unsicher und es fällt ihnen schwer, sich zwischen Mitgefühl, Neugier und dem Wunsch nach Normalität zu entscheiden.
Außerdem kann es sein, dass sie als Freund oder Angehöriger nun plötzlich zum Unterstützer geworden sind, was in den ersten Monaten wahrscheinlich selbstverständlich und ok war, sich vielleicht aber mit der Zeit etwas abnützt. Denn funktionierende Beziehungen basieren auf einem Gleichgewicht des Gebens und Nehmens. Hier empfiehlt sich Normalität und Respekt als Überlebenshelfer, mehr als übertriebene Fürsorge, das tut ihrer Freundschaft, bzw. Beziehung sicher besser.
Zum Beispiel können sie an Jahrestagen des Geburtstags oder des Todes Zeit mit den Trauernden verbringen, Halt und Trost geben. Bei Festen und Feierlichkeiten können sie durch ihre Anwesenheit Stabilität geben. Erklären sie sich bereit, telefonisch erreichbar zu sein, wenn der Trauernde jemanden zum Reden braucht. Überlegen sie bitte genau, was sie leisten können, es ist wichtig versprochenes einzuhalten. Als stabile Personbieten sie Taschentücher, den Arm und Halt an, falls der Trauernde von Gefühlen überwältigt wird.
Auch der praktischen Unterstützung ist fast keine Grenzen gesetzt (denken sie an einkaufen, kochen, Kinder hüten, Hunde ausführen, Reparaturen, Gartenarbeit erledigen….oder an Gesprächsangebote, Recherchen über Trauerangebote, Mithilfe beim Ausräumen der Wohnung eines verstorbenen Angehörigen bzw. administratives bei Ämtern und Behörden, oder auch die Grabpflege in der Zeit eines Urlaubs), und im Laufe der Trauerjahre brauchen Trauernde immer weniger davon, da sie auf der Facette der Anpassung Stück für Stück neue Lösungen für die geänderten Lebensumstände gefunden haben. Bedenken sie, die praktische Unterstützung soll stützen, nicht überlagern oder bevormunden.
Die mitfühlende Normalität wird im Laufe des Trauerwegs immer wichtiger, auch in engen Beziehungen. Mitmenschliche Normalität meint, dass sie einen Blick auf die Stimmung des Trauernden haben und Rücksicht auf Traurigkeit, Gereiztheit und unkonzentriertes Verhalten nehmen. Allerdings bedeutet es auch, den Trauernden nicht auf Dauer in Watte zu packen, sondern ihm auch etwas zuzutrauen. Im Laufe der Zeit das Weiterleben zutrauen und nicht auf den Trauerschmerz zu reduzieren.
Versuchen sie als Unterstützer, Angehöriger und Freund den Trauernden zu verstehen. Jeder Mensch sehnt sich nach Unterstützung, aber auch nach Selbstständigkeit. Daher sollte die Unterstützung für trauernde Freunde und Verwandte Hilfe zur Selbsthilfe sein. Trauernde möchten sich langfristig ihr Leben zurückerobern und neugestalten. Vielleicht gehört es auch dazu, dass der Trauernde unabhängig von Ihnen und Ihrer Unterstützung wird. Möglicherweise gefällt ihnen die Lebensgestaltung des Trauernden nicht, aber es ist das Leben des anderen, nicht Ihres.
Vergessen sie nicht, es ist ein Stück weit der Erfolg ihrer Unterstützung, wenn der Trauernde nun wieder mehr allein schafft. und sie können sich wieder mehr auf sich selbst konzentrieren und ihr eigenes Wohlbefinden in den Mittelpunkt stellen und darauf haben sie immer Einfluss.
Viel Interesse beim Hören!