Nach dem virtuellen Merz-Gipfel ist vor dem Trump-Putin-Gipfel: Aus Sicht der Europäer - und vor allem von Bundeskanzler Friedrich Merz - hat man gestern alles getan, was möglich war, um die eigene Position vor dem Treffen von Donald Trump und Wladimir Putin in Alaska zumindest nochmal deutlich zu machen. Der US-Präsident hatte zuletzt die Erwartungen eher gedämpft.
In Russland haben sich die Medien über den virtuellen Vorgipfel der Europäer mit Donald Trump zum Ukraine-Krieg eher lustig gemacht - oder ihn herablassend kommentiert. Es sei sogar von "Sabotage" die Rede gewesen, sagt ARD-Korrespondentin Stefanie Markert in SWR Aktuell. Die Merz-Initiative und die Einmischung der Europäer würden den Gipfel in Alaska gefährden.
Der Gipfel in Alaska ist Moskau unglaublich wichtig. In Russland sieht man das als diplomatischen Coup Putins an. Er hat im Prinzip Trumps Ultimatum zu neuen Sanktionen ausgesessen, ohne zu liefern. Er hat den geforderten Waffenstillstand nicht geliefert. Jetzt kann er auf Augenhöhe mit Trump sprechen - und Russland feiert das.
Quelle: Stefanie Markert, ARD-Korrespondentin für Russland
In Russland habe man immer gesagt, man solle nicht immer auf die Ukraine schauen, "obwohl der außenpolitische Sprecher Russlands, Juri Uschakow, gesagt hat, die Ukraine sei das Thema Nummer eins."
Russland geht es beim Gipfel um mehr als "nur" um die Ukraine
Allerdings hat Russland nach Einschätzung unserer Korrespondentin noch viele andere Themen auf der Agenda.
Man will die Beziehungen zu den USA normalisieren, beispielsweise wieder direkte Flugverbindungen haben, man will die diplomatischen Vertretungen in den USA wieder nutzen können und man denkt über Abrüstungsverträge nach, von denen viele ausgesetzt oder gekündigt wurden. Außerdem will man auch in der Arktis möglicherweise zusammenarbeiten.
Quelle: Stefanie Markert, ARD-Korrespondentin für Russland
Das seien Themen, die auf dem Gipfel nicht zu kurz kommen sollten.
Beobachter: Russland will seine Ziele weiter militärisch erreichen
Politologen und Beobachter in Russland gehen aber auch davon aus, dass Russland seine Ziele in der Ukraine weiterhin militärisch erreichen will, sagt Markert. "Man wartet da nicht auf ein Geschenk des Westens oder von Trump. Ein Politologe sagte auch: Sie werden uns Odessa nicht schenken, das müssen wir schon selbst erobern. An den territorialen Gebietsforderungen, die abgesegnet werden sollen, hat sich also nichts geändert."
Putin weiß: Trump ist der "Game-Changer"
Und dennoch dürfe man Trump "auch nicht zu sehr verärgern. Trump ist schon der Game-Changer, der den Finanzhahn für Kiew zudrehen oder keine Waffen mehr an die Ukraine schicken könnte. Ihn muss man irgendwie bei Laune halten - und da wendet Putin oft eine Scheibchen-Taktik an. Zum Beispiel: keinen totalen Waffenstillstand, vielleicht aber einen in der Luft oder auf See."
Was sich die Menschen in Russland vom Trump-Putin-Treffen erhoffen, darüber hat SWR Aktuell-Moderator Christian Rönspies mit Stefanie Markert gesprochen.