SWR Aktuell: Fangen wir mit den Grundlagen an: Ein paar Erste-Hilfe-Artikel wie Pflaster oder Wundspray können natürlich nie schaden. Nun kann ja auch im Urlaub immer mal etwas Größeres passieren und ein großer Verbandskasten, den muss man dann mit sich rumschleppen. Was sollte trotzdem immer in den Rucksack?
Checken, wenn ich eine Aktivität im Freien mache, ob ich noch einen Tetanusschutz habe
Quelle: Lothar Zimmermann, Arzt und Journalist
Lothar Zimmermann: Je nachdem, was man für eine Reise macht, muss man sich unterschiedlich vorbereiten. Wenn ich eine Wanderung mache, dann sollte ich Pflaster dabei haben. Und da gibt es neuerdings auch Pflaster, die bei Schürfwunden helfen, solche Gel-Pflaster. Man muss die Wunde immer säubern. Da braucht man Wasser. Man müsste sich irgendwoher sauberes Wasser besorgen und dann ist es wichtig, dass man die Wunde natürlich desinfiziert. Das sollte man dabei haben, wenn man irgendwas macht, was mit körperlicher Betätigung zu tun hat – und vielleicht im Vorfeld checken, wenn ich irgendwie eine Aktivität im Freien mache, ob ich noch einen Tetanusschutz habe, und falls nicht, ihn beim Hausarzt auffrischen lassen. Das ist schon mal wichtig, wenn ich mich draußen aktiv bewegen möchte im Urlaub.
SWR Aktuell: Jetzt wollen wir mal auf die Medikamente schauen. Schmerztabletten haben ja die meisten wahrscheinlich immer dabei. Was sollte man denn noch einpacken?
Zimmermann:Das hängt sehr davon ab, was ich machen möchte. Wenn ich eine Abenteuerreise plane in einem tropischen Land, dann brauche ich beispielsweise etwas, das mir hilft, wenn ich Durchfall habe. Wenn ich eine Busreise mache, dann muss ich da was haben, was den Darm vorübergehend stilllegt – und ich sollte auch Kohletabletten mitnehmen. Wenn ich nur einen ganz normalen Strandurlaub mache, dann brauche ich andere Dinge. Dann brauche ich sicherlich neben meiner Sonnenmilch möglicherweise etwas gegen Juckreiz nach Insektenstichen. Ich muss es immer abchecken und individuell am Urlaubsort festmachen. Aber wenn ich im europäischen Ausland unterwegs bin oder in Deutschland unterwegs bin, dann brauche ich tatsächlich nicht die ganze Hausapotheke mitschleppen. Denn es gibt ja überall Apotheken, wo ich das bekommen kann, was ich brauche.
SWR Aktuell: Nun müssen ja viele Medikamente auch kühl gelagert werden. Wie verpacke ich die denn am besten, damit sie auch bei sommerlichen Temperaturen haltbar bleiben?
Immer wieder in die Reiseapotheke schauen, ob das eine oder andere Medikament abgelaufen ist.
Quelle: Lothar Zimmermann, Arzt und Journalist
Zimmermann:Das wissen natürlich alle Diabetiker, dass sie ihr Insulin kühl halten müssen. Und natürlich brauche ich dann eine Kühltasche oder Kühlpads. Generell sollte ich natürlich die Medikamente nicht zu sehr der Sonne aussetzen. Und auch ganz wichtig: Wenn ich so eine kleine Reiseapotheke habe und die immer wieder rausziehe, sollte ich schauen, ob möglicherweise das eine oder andere Medikament schon abgelaufen ist. Medikamente haben ja nur ein bestimmtes Haltbarkeitsdatum, und dann müssen sie aussortiert werden. Deswegen immer mal checken, wenn ich mir was zusammengerichtet habe, ob das auch noch wirklich haltbar ist und noch sozusagen „funktionsfähig“.
SWR Aktuell: Viele fahren ja auch mit ihren Kindern in den Urlaub, die fallen mal hin, da gibt es kleine Schürfwunden, das ist ja nichts Besonderes, da hat man eben das Pflaster dabei. Was muss ich denn noch beachten, wenn ich mit Kindern in den Urlaub fahre?
Zimmermann:Kindern wird es ja häufig im Auto oder anderen Transportmitteln schlecht. Und da ist es schon mal wichtig, dass ich die Kinder so setze, dass sie nach vorne rausgucken und praktisch mit dem Körper diese Bewegung mitmachen können – und dass sie nicht nebenher etwas ganz anderes machen. Ob es mir schlecht wird oder nicht, hängt auch sehr davon ab, ob mein Gehirn, meine Augen und meine Gleichgewichtsorgane klarbekommen, in welche Richtung ich unterwegs bin. Mit Medikamenten bin ich bei Kindern immer sehr vorsichtig. Aber wenn ich als Erwachsener mit Reiseübelkeit zu tun habe oder beispielsweise auf ein Schiff gehe, dann gibt es da mittlerweile Pflaster, die man hinters Ohr kleben kann, die sehr gut gegen Reiseübelkeit helfen. Und es gibt auch noch die eine oder andere Tablette. Also immer mal checken, was man machen möchte, und, wenn ich Probleme habe mit Übelkeit, den Horizont zu fixieren.
SWR Aktuell: Auf dem Schiff draußen aufhalten und den Horizont fixieren, damit man nicht die ganzen Schwankungen des Schiffes mitnimmt. Ist es denn auch sinnvoll, immer Dokumente zum Beispiel über Vorerkrankungen oder Allergien dabei zu haben?
Medikamente heißen möglicherweise in einem anderen Land anders, da brauche ich den Wirkstoffnamen.
Quelle: Lothar Zimmermann, Arzt und Journalist
Zimmermann:Unbedingt. Man sollte sowieso Allergie-Tabletten dabei haben, wenn man zu Allergien neigt. Man weiß ja nie, was irgendwo blüht oder einen anweht. Wenn ich Insektengift-Allergiker bin, habe ich natürlich mein Notfall-Set dabei, weil ich ja nie weiß, was da unterwegs ist und ob ich tatsächlich mal von irgendeinem Insekt gestochen werde. Wenn ich regelmäßig Medikamente einnehme, dann sollte ich einen Nachweis haben, was ich nehme. Denn es kann ja immer passieren, dass ich Medikamente verliere, dass mir irgendetwas ausgeht und dann reicht es nicht, wenn ich sage, ich habe da eine rote und eine weiße Tablette, oder die Tablette heißt so und so. Da brauche ich den Wirkstoffnamen. Medikamente heißen möglicherweise in einem anderen Land auch anders. Auf jeden Fall sollte ich mir das mitnehmen und im Zweifelsfall, je nachdem was für eine Reise ich habe, sollte ich mir auch einen Nachweis vom Arzt mitnehmen, dass ich das brauche: Wenn ich im Flughafen bin und durch die Sicherheitsschleuse muss und Spritzen dabei habe, dann kann das möglicherweise Probleme geben. Man sollte sich, was das angeht, schon vorbereiten.