Der ehemalige Co-Vorsitzende der Fraktion "Die Linke" im Bundestag, Dietmar Bartsch, hat die mögliche Verabschiedung eines Sondervermögens mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit des "alten" Bundestags scharf kritisiert. Ein Kritikpunkt: Die Union habe mit einem anderen Versprechen, nämlich dem Festhalten an der Schuldenbremse, Wahlkampf gemacht. Darüber hinaus kritisierte Bartsch im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Bernhard Seiler, dass dies eine so weitreichende Entscheidung sei, dass sie angesichts eines gerade neu gewählten Parlaments auch dort getroffen werden müsse.
Es gibt neue Mehrheiten. Die Bundesrepublik Deutschland hat einen neuen Bundestag gewählt und weil diese Mehrheiten einem jetzt nicht passen, wird noch einmal der alte Bundestag bemüht.
Quelle: Dietmar Bartsch, ehemaliger Co-Vorsitzender der Fraktion "Die Linke" im Bundestag
Bartsch ist Mitglied sowohl des noch amtierenden als auch des gewählten, aber noch nicht konstituierten Bundestages.
Abstimmungsverhalten der aus dem Parlament ausscheidenden Abgeordneten unsicher
Bartsch verwies darüber hinaus darauf, dass zahlreiche Abgeordnete, die heute zur Parlamentssitzung erscheinen, aus dem Bundestag ausscheiden - auch in den Reihen von Union und SPD: "Viele Abgeordnete, die gar nicht mehr im neuen Bundestag vertreten sein werden, können hier sicherlich nach ihrem Gewissen entscheiden. Ich kann sie alle nur aufrufen, genau zu überlegen, was man hier tut."
Bartsch kritisierte die aktuellen Pläne als "Blankoscheck" und ein "kaltes Ende" der Schuldenbremse. Hier brauche es eine breitere Debatte im neu gewählten Parlament statt eiliger Beschlüsse.
Bundestag kommt parallel zu Koalitionsverhandlungen zusammen
Union und SPD beginnen unterdessen offiziell ihre Koalitionsverhandlungen. Insgesamt sollen 256 Politikerinnen und Politiker aus Bund, Ländern und dem Europaparlament in 16 Arbeitsgruppen über das schwarz-rote Regierungsprogramm verhandeln. Das alte Parlament kommt am Donnerstagmittag nochmals zusammen, um über die Änderung des Grundgesetzes für das Finanzpaket von Union und SPD zu beraten. Für eine Umsetzung braucht es eine Zweidrittel-Mehrheit – die Grünen haben allerdings schon Ablehnung signalisiert. Eine Abstimmung ist für Dienstag geplant.