Während Fisch generell oft viele wertvolle Inhaltsstoffe mitbringt, können gerade größere Raubfische auch mit Schadstoffen belastet sein. Auf Qualitätssiegel, so Dandekar, sei leider kaum Verlass – eher schon auf eine persönliche Auswahl beim Kauf des Fischs.
SWR Aktuell: Sollten wir denn grundsätzlich bei Fisch zugreifen?
Anna Dandekar: Aus ernährungsphysiologischer Sicht erst mal ja. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt, für eine gesunde Ernährung ein bis zwei Mal die Woche Fisch zu essen. Von daher gebe ich erst mal ein "go" - auch die Studienlage ist relativ eindeutig. Wer regelmäßig Fisch isst, kann sein Risiko für einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder auch Fettstoffwechselstörungen reduzieren.
SWR Aktuell: Was macht denn Fisch so gesund?
Dandekar: Vor allem ist er bekannt für die enthaltenen Omega-3-Fettsäuren. Die sind ja, weil sie eben Fettsäuren sind, vor allem aber in fettem Fisch enthalten: Lachs, Makrele oder Hering. Dann ist aber Fisch auch noch gut für die Jodversorgung. Jod findet man vor allem in Meeresfischen, zum Beispiel Kabeljau oder Seelachs. Viele wissen auch nicht: Fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung hat einen Jodmangel. Dieser Mangel kann durch Fischkonsum aufgehalten werden, aber auch durch die Nutzung von Jodsalz. Fisch ist aber zusätzlich auch noch kalorienarm und eiweißreich, also eine gute Alternative zu Fleisch.
SWR Aktuell: Jetzt gibt es ja auch durchaus Menschen, die keinen Fisch mögen – oder Menschen wie ich, die Vegetarier sind und jetzt hören: Ich sollte unbedingt zweimal die Woche Fisch essen! Habe ich denn da auch gute Alternativen?
Dandekar: Ja, ich esse auch hauptsächlich vegetarisch oder vegan. Auch wenn man einfach insgesamt keinen Fisch essen möchte - aus Geschmacksgründen - empfehle ich Algen-Öl. Auch dieses Öl enthält Jodsalz und alle gesunden Omega-3-Fettsäuren. Genauso könnte man übrigens Nüsse, Leinöl oder auch Samen essen. In Omega-3-Öl-Kapseln ist davon ganz viel konzentriert drin. Man kann zum Beispiel täglich eine Kapsel schlucken und ist damit bestens versorgt.
SWR Aktuell: Fisch kann tatsächlich aber auch bedenklich für die Gesundheit sein - zum Beispiel wenn der Fisch mit Schwermetallen oder Chemikalien, Medikamenten oder Würmern belastet ist. Kann ich mich da als Verbraucherin oder Verbraucher schützen?
Dandekar: Wenn man Fisch essen möchte, gilt so ein bisschen die Regel, je älter, größer und fetter der Fisch ist, desto höher ist in der Regel die Schadstoffbelastung. Dabei geht es vor allem um Schwermetalle wie Quecksilber und Cadmium, aber auch Umweltgifte wie Dioxine oder sehr viel Mikroplastik. Wer kein großer Räuber ist und deswegen einigermaßen frei von diesen Giften, das wäre zum Beispiel Kabeljau, Seehecht, Seelachs oder auch Hering. Vermeiden sollte man eben große Raubfische, wie Hai, Heilbutt, Schwertfisch, aber auch Thunfisch. Um Parasiten wie Würmer, Listeriose, oder Toxoplasmose-Erreger zu eliminieren, würde ich immer darauf achten, dass der Fisch wirklich gut durchgegart ist, vor allem als Schwangere – oder, wie erwähnt, einfach zum Algen-Öl greifen.
SWR Aktuell: Jetzt sinkt ja auch der Fischbestand weltweit. Meere und Seen sind überfischt. Fischfang und Fischzucht zählen zu den brutalsten und umweltfeindlichsten Methoden der Lebensmittelbeschaffung. Wenn man das jetzt alles im Kopf hat, welchen Fisch kann man denn mit relativ gutem Gewissen essen?
Dandekar: Wenn man ganz streng ist, ist es wirklich extrem schwierig. Man kann pauschal eigentlich fast gar keinen Fisch wirklich empfehlen, weil man einfach nicht genau sagen kann, wie der Fisch gefangen wurde oder wie er in der Aquakultur behandelt wurde. Auch wenn verschiedene Siegel versuchen, uns das weiszumachen oder da ein System aufzuziehen: Es wird sehr viel Schindluder getrieben und man kann das wirklich sehr, sehr schwer kontrollieren. Selbst wenn man das kontrollieren könnte, kommt noch die Schadstoffbelastung aus dem Meer oder dem Fluss dazu und der Transportweg macht zusätzlich noch eine schlechte Umweltbilanz. Wer wirklich auf Nummer sicher gehen will, sollte sich eine heimische Karpfen- oder Forellenzucht anschauen - die sind meistens noch ganz gut - und dann dort kaufen. Außerdem gibt es theoretisch auch auf Internetseiten wie zum Beispiel beim WWF Listen mit geeigneten Fisch-Quellen, auf die ich aber auch nicht immer komplett vertrauen würde.
SWR Aktuell: Also hilft vielleicht ein ähnliches Prinzip, wie beim traditionellen Sonntagsbraten, dass man nicht so viel Fleisch isst, aber sich sonntags ein ganz tolles Stück Fleisch - am besten noch beim Jäger direkt holt? Also auch Fisch besser als besondere Delikatesse nutzen und sich nicht täglich das "Schlemmerfilet" reinpfeifen?
Dandekar: Ganz genau - wirklich als Delikatesse sehen, dann lieber gezielt auswählen, ein bisschen mehr Geld ausgeben und mit Genuss und Bedacht essen. Manchmal bekomme ich von angelnden Freunden Forellen oder auch andere heimische Fische. Ab und zu gönne ich mir das. Dann am liebsten einfach mit Butter oder Rapsöl, Petersilie, Zitrone und Mandelblättchen den Fisch braten oder grillen - das ist quasi die "Müllerin-Art" - überhaupt nicht kompliziert. Das schmeckt sehr, sehr lecker. Man hat den puren Fischgeschmack und weil man eben weiß, woher der Fisch kommt, kann man das auch mit gutem Gewissen ab und zu mal machen.