Die Preise für Rohkaffee sind in den vergangenen Monaten immer wieder gestiegen. "Das hat vor allem mit dem Wetter zu tun", sagt Tamara Land aus der SWR-Wirtschaftsredaktion: "In Brasilien, wo der meiste Kaffee herkommt, war das vergangene Jahr das wärmste Jahr überhaupt. Es herrschte Dürre und es gab Waldbrände, die hektarweise Anbauflächen vernichtet haben. Dadurch sinkt die Erntemenge und der Preis schießt in die Höhe."
Rohkaffee auf dem höchsten Stand seit fast 50 Jahren
Im Dezember waren die Preise für Arabica-Bohnen an der New Yorker Rohstoffbörse auf dem höchsten Stand seit fast fünfzig Jahren. Größere Konzerne könnten Preisschwankungen ein stückweit besser abfedern als kleine, erklärt Land - "vor allem, wenn sie eine Mischkalkulation machen und in Kauf nehmen können, dass sie an Kaffee nichts verdienen, dafür aber beispielsweise an Waschmittel." Dies funktioniere allerdings nur bedingt. Wenn der Rohstoff Kaffee knapp werde, müsse auch der Preis steigen. "Tchibo zum Beispiel verkauft nicht nur Kaffee, hat aber angekündigt, den Preis um bis zu ein Euro pro Pfund zu erhöhen."
Kaffee-Streit zwischen Tchibo und Aldi um den günstigsten Preis
Sowohl Aldi als auch Tchibo verkaufen zehntausende Tonnen Kaffee pro Jahr. Der Hamburger Konzern wirft dem Discounter vor, Aldi verkaufe seinen Kaffee zu oft zu billig. Das Landgericht Düsseldorf hat im Januar die Klage von Tchibo abgewiesen - das Hamburger Unternehmen will sich dagegen wehren.
Konkret geht darum: "Tchibo wirft Aldi-Süd vor, den Kaffee seiner Eigenmarke 'Barissimo' seit Ende 2023 unter dem sogenannten Einstandspreis zu verkaufen, also unter dem Preis, den Aldi-Süd selbst dafür bezahlen muss", so SWR-Wirtschaftsredakteurin Land. Das Kilogramm Kaffee soll zeitweise nicht mal vier Euro gekostet haben.
Da bei einem Kilo Kaffee allein schon über zwei Euro an Steuern anfallen, meint Tchibo, es sei völlig unrealistisch, dass so ein Preis noch wirtschaftlich ist. Tchibo sieht darin den Versuch, die Konkurrenz aus dem Markt zu drängen und hält das für Wettbewerbsverzerrung.
Quelle: Tamara Land, SWR-Wirtschaftsredakteurin
Dennoch hat Aldi vor dem Landgericht Düsseldorf recht bekommen: "Aus Sicht des Gerichts hat Aldi nicht gezielt versucht, kurzfristig den Kaffeepreis zu drücken, um damit die Wettbewerber zu verdrängen." Aldi habe etwa 2.000 Produkte im Sortiment, vieles davon auch als Eigenmarke. An manchen dieser Produkte verdiene Aldi sehr viel, an anderen wenig oder mache sogar ein Verlustgeschäft.
So eine Mischkalkulation ist aus Sicht des Gerichts aber in Ordnung. Problematisch würde es nur dann, wenn man nachweisen könnte, dass Aldi ganz gezielt den Kaffeepreis extrem niedrig ansetzt, um die Konkurrenz auszuschalten – aber diesen Nachweis hat das Gericht in erster Instanz so nicht gesehen.
Quelle: Tamara Land, SWR-Wirtschaftsredakteurin
Mit Tamara Land hat SWR Aktuell-Moderator Stefan Eich gesprochen.