Wenn sich die NATO-Vertreidigungsministerinnen und -minister treffen, gibt es unter ihnen eine Art unausgesprochenen Chef - nämlich den US-Verteidigungsminister. Das war schon früher so, weil die Vereinigten Staaten einen so großen Anteil an NATO-Verteidigungskapazitäten mit ihren Streitkräften abdecken. Der neue US-Verteidigungsminister Pete Hegseth aber wird wohl mit noch mehr Aufmerksamkeit bedacht werden, wenn er zu seinem Antrittsbesuch zur NATO nach Brüssel kommt. Beim Treffen der Ukraine-Kontaktgruppe geht es um die Koordination von Waffenhilfen. Unmittelbar davor dürfte NATO-Generalsekretär Rutte aktualisierte Zahlen zu den Verteidigungsausgaben der 32 Mitgliedsstaaten bekannt geben. Nach Angaben der Allianz erfüllen in diesem Jahr voraussichtlich 25 Länder die Vorgabe, mindestens zwei Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts in Verteidigung zu investieren - das wären dann zwei mehr als im vergangenen Jahr.
Trump als "Elefant im Raum"
Verteidigungsminister Hegseth gehört zu den umstrittensten Kabinettsmitgliedern von US-Präsident Donald Trump. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderator Andreas Fischer erklärt Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Uni Bremen, welche Szenarien einer Ukraine-Politik der neuen US-Regierung relevant sind.
Momentan ist der Elefant im Raum tatsächlich Trump und die Frage, was er macht.
Quelle: Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Uni Bremen
Die Ukraine-Unterstützer-Staaten wollten etwa um jeden Preis verhindern, dass Trump nach Moskau zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin reist, um dort bilateral über die Köpfe der Ukraine und der europäischen Staaten hinweg eine Verhandlungslösung herbeizuführen. Zu den schlimmsten Szenarien zähle auch, dass Trump und Putin sich einigen, dass nationale Sicherheitsinteressen Priorität haben und deswegen Putins Streben nach dem Gebiet der Ukraine oder Belarus genauso legitim seien wie Trumps Streben nach dem Panama-Kanal oder Grönland.
Finanzierung der Ukraine-Hilfen ungewiss
Europa müsse auf jeden Fall lernen, mehr auf eigenen Beinen zu stehen, so Schattenberg. Dazu gehöre es auch, sich für das Szenario vorzubereiten, dass die Vereinigten Staaten ihre Ukriane-Unterstützung mit Waffen und finanziellen Mitteln einstellen:
Da gab es schon mal den Vorschlag, jedes EU-Land möge einen Teil seines Bruttoinlandproduktes zur Verfügung stellen.
Quelle: Susanne Schattenberg, Professorin für Zeitgeschichte und Kultur Osteuropas an der Uni Bremen
Die Ukraine sei ohnehin nach fast drei Jahren Krieg ausgezehrt und erschöpft. Schattenberg betont, es liege jetzt in der Verantwortung der westlichen Unterstützer-Staaten, zu liefern, was das Land für seine Verteidigung benötige.