Seine Abneigung habe nichts mit Technikfeindlichkeit zu tun. Ihn überzeuge das Prinzip jedoch nicht, auf dem der Wahl-O-Mat basiert: "Sag mir deine Themen, und ich sage dir, welche Partei am ehesten deine Interessen teilt", diese Idee stecke hinter dem Wahl-O-Mat. Doch aus philosophischer Perspektive greife dieser Ansatz zu kurz.
Gute Politik ist daran zu erkennen, dass sie gerade nicht Partikularinteressen bedient, sondern sich am Gemeinwohl orientiert.
Quelle: Christoph Quarch, Philosoph und Buchautor
Politik ist mehr als Eigeninteresse
Wahlentscheidend sollte sein, dass eine Partei die beste Politik für die gesamte Bevölkerung macht. Die persönlichen Interessen seien zweitrangig. Christoph Quarch begründet seine Argumentation mit der Philosophie der alten Griechen. Politik stamme von "Polis" ab, was auf Deutsch "Gemeinwesen" bedeutet. "Dementsprechend meint Politik ursprünglich ein Handeln, bei dem es nicht um meine subjektiven Belange geht, sondern um das, was für alle gleichermaßen förderlich ist." Deshalb würde er immer eine Partei wählen, die sich dem Gemeinwohl verpflichtet fühlt.
Parteien mit breiter Themenpalette "wählbarer"
Für Christoph Quarch sollte eine Partei thematisch breit aufgestellt sein. Daran erkenne man, dass sie dem Gemeinwohl verpflichtet ist. Bei kleineren Parteien nehme er eine solche Themenvielfalt nicht wahr. Als Beispiele nennt der Philosoph die Fokussierung nur auf das Thema Tierschutz. Gleiches gelte, wenn der Schwerpunkt nur auf Migration liegt und Themen wie Klimaschutz und Miete ausgeklammert werden. In solchen Fällen bestehe der Verdacht, "eigene Befindlichkeiten höher zu gewichtigen als das Wohl des Landes." Die Konsequenzen ist: je breiter die Themenpalette einer Partei ist, desto wählbarer sei sie für ihn.
Was ist Führungskompetenz bei Politikern?
Bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg geht es jedoch nicht nur um die Parteien mit ihren politischen Inhalten, sondern auch die Persönlichkeit der Spitzenkandidaten spielt eine große Rolle. Denn Amtsinhaber Winfried Kretschmann (Grüne) tritt nicht wieder an. Manuel Hagel (CDU) und Cem Özdemir (Grüne) wollen Ministerpräsident werden.
Gute Politik zeigt sich nicht nur darin, dass eine Person gemeinwohlorientiert handelt, sondern auch in der Fähigkeit, ein Land zu führen.
Quelle: Christoph Quarch, Philosoph und Buchautor
Wer schon mal als Lobbyist gearbeitet hat, ist für Christoph Quarch "aus dem Rennen". Eine solche Politikerin oder einen solchen Politiker könne er nicht wählen. Das stehe im Widerspruch zur Gemeinwohlorientierung. Wer jedoch Regierungserfahrung mitbringe und gezeigt habe, dass er nicht ideologisch, sondern sachbezogen arbeite, "kommt in die engere Wahl", sagt der Philosoph.