Ulrike Franke, Sicherheits- und Verteidigungsexpertin beim "European Council on Foreign Relations", einer europäischen Denkfabrik, hat sich gewundert. Im Gespräch mit SWR Aktuell-Moderatorin Katja Burck hat sie gesagt:
Arbeitsgruppen sind jetzt eigentlich nicht so das Vorgehen der Trump-Administration.
Quelle: Ulrike Franke, Sicherheits- und Verteidigungsexpertin beim "European Council on Foreign Relations"
Sie fühle sich fast ein wenig an die "alten Zeiten" erinnert, in denen Regierungen bemüht waren, Expertinnen und Experten in solchen Arbeitsgruppen zusammenzubringen, um gute Lösungen zu erarbeiten. Gleichzeitig bleibe sie skeptisch, weil ein fundamentaler Konflikt bleibe: Die Vereinigten Staaten seien der Meinung, Grönland müsse US-Territorium werden, während Grönland und Dänemark dies nicht wollten.
Veränderte Sicherheitslage
In einem Punkt bestand allerdings Einigkeit, nämlich, dass sich die Sicherheitssituation in der Arktis verändert habe und es darauf zu reagieren gelte. Ulrike Franke führt das auf den Klimawandel zurück und neue Schifffahrtswege, die sich dadurch auftun sowie Rohstoffe, die so zugänglich würden. Trotzdem sei das Interesse anderer globaler Akteure, wie von China oder Russland, dem US-Interesse an Grönland nicht vergleichbar - nur die Vereinigten Staaten wollten Grönland wirklich in Besitz nehmen.
Dänemark erhöht Militär-Präsenz auf Grönland
Dänemark sendet in der Folge ab sofort mehr Soldaten nach Grönland. Das hat die dänische Regierung rund um die Gespräche mit der US-Seite bekannt gegeben. Das Ziel sei, Europas Norden stärker abzusichern. Schon in den kommenden Wochen sollen Flugzeuge, Schiffe und zusätzliche Truppen in die Region kommen. Auch andere NATO-Länder wollen Dänemark mit eigenen Kontingenten unterstützen. Offiziere aus Schweden sind schon in Grönland gelandet, hat die schwedische Regierung mitgeteilt. Aus Dänemarks Verteidigungsministerium hieß es, das Engagement helfe der Sicherheit des gesamten NATO-Bündnisses. US-Präsident Donald Trump betont immer wieder, dass die Vereinigten Staaten Grönland übernehmen müssten, um die Insel vor möglichen Angriffen von Russland oder China zu schützen.
Bundeswehr sendet Erkundungsmission nach Grönland
Deutschland beteiligt sich mit 13 Soldaten an einer Erkundungsmission. In Berlin stößt das Bundeswehr-Engagement parteiübergreifend auf Zustimmung. Politiker von Union, Bündnis 90/Die Grünen und der FDP unterstützen den gemeinsamen Einsatz mit europäischen und kanadischen NATO-Partnern. Die Verteidigungspolitikerin Sara Nanni (Bündnis 90/Die Grünen) nennt die Erkundungsmission von 13 Bundeswehrsoldaten nach Grönland ein „starkes Symbol“. Um US-Präsident Trump aber abzuschrecken, brauche es auch handfeste diplomatische Drohungen. Für Verteidigungspolitiker Thomas Erndl (CSU) zeigen die Europäer auf der einen Seite, dass sie die Sicherheitsbedenken Washingtons ernst nehmen, aber auf der anderen Seite würden sie aber auch deutlich machen, dass jede nicht abgesprochene Aktion der US-Seite eine unmögliche Situation hervorrufen würde. Auch Sicherheitsexpertin Ulrike Franke findet die Erkundungsmission der Bundeswehr sinnvoll und in ihrer Dimension völlig angemessen, weil mehr Truppen aktuell auf dem Eis schlicht keine Funktion hätten.