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Michael Kretschmer (CDU) ist erneut zum Ministerpräsidenten Sachsens gewählt worden. Der Start in seine dritte Amtszeit hat allerdings gleich gezeigt, vor welch großen und teils unvorhersehbaren Herausforderungen er als Chef einer Regierung im Freistaat jetzt steht. Denn erst im zweiten Wahlgang holte er sich mit 69 Stimmen die erforderliche Mehrheit, um sich gegen seine Gegenkandidaten Matthias Berger (fraktionslos) und Jörg Urban (AfD) durchzusetzen. Dieser Mittwoch ist, wenn man so will, Ausgangspunkt einer politischen Premiere für Sachsen: Noch nie gab es eine Minderheitsregierung, die ohne eigene Mehrheit regieren muss und auf den Kooperationswillen der Opposition angewiesen ist.
Im Podcast „Thema in Sachsen” analysiert Janek Treiber, Politikwissenschaftler an der TU Dresden, die Wahl des Ministerpräsidenten, die politischen Herausforderungen und die sich daraus ergebenden Folgen für die Regierungsarbeit der kommenden fünf Jahre.
„Dass es zwei Wahlgänge gebraucht hat, zeigt, wie schwierig es sein wird, in den nächsten Jahren Mehrheiten zu finden“, sagt Treiber. Die Machtverhältnisse im Parlament müssten bei jedem Vorhaben der Regierung neu ausbalanciert werden. „Daher ist es für eine Minderheitsregierung entscheidend, frühzeitig auf die Opposition zuzugehen und Kompromisse zu schließen“, erklärt der Politikwissenschaftler und verweist auf den von CDU und SPD angekündigten Konsultationsmechanismus.
Hinter diesem technisch klingenden Begriff steckt das, wovon letztlich der Erfolg dieser schwarz-roten Koalition abhängen wird. Kretschmer, dessen Antrittsrede in Teilen ebenfalls im Podcast zu hören ist, gibt einen Vorgeschmack darauf, dass es bei der Suche nach Mehrheiten vor allem auf die eigene Flexibilität ankommen wird. „Es ist mein großer Wunsch, dass es tatsächlich gelingen möge, über Parteigrenzen hinweg zu arbeiten. Ich bin sehr dankbar für diese verantwortungsvolle Opposition“, sagt Kretschmer.
Durchregieren klingt anders. Und das wisse auch die Opposition. Dennoch, so schätzt es wiederum Treiber ein, werde jede Partei versuchen, sich einzubringen. „Aus reinem Protest heraus stets zu blockieren, wird sich keine der Fraktionen leisten. Doch wie weit sie gehen, wird immer davon abhängen, wie sehr die Regierung bereit ist, Kompromisse zu machen.“ Denn klar ist: Ohne die Unterstützung von mindestens zehn Abgeordneten aus anderen Fraktionen steht jedes Vorhaben auf der Kippe.
Welche Pläne die neue Regierung hat, was in dem 110-seitigen Koalitionsvertrag von CDU und SPD steht und welche Rolle insbesondere das BSW bei der Beschaffung von Mehrheiten spielen könnte, wird ausführlich diskutiert. Und schließlich wird auf den gerade startenden Bundestagswahlkampf geblickt, der mitten in die Findungsphase der neuen Koalition fällt und reichlich Konfliktpotenzial zwischen CDU und SPD in sich birgt.
Der Dresdner Striezelmarkt zieht jährlich rund zwei Millionen Besucher an. Seit einer Woche hat der traditionsreiche Markt geöffnet, und Marktleiter Stefan Heilig berichtet im Podcast von einem gelungenen Auftakt mit zufriedenen Händlern. Doch der Streit mit der Gema trübt die Feststimmung. Die Verwertungsgesellschaft für Musiklizenzen verlangt, dass die gesamte Marktfläche statt nur der Bühnenbereich in die Berechnung der Kosten einbezogen wird. „Nach bisher 5.000 bis 10.000 Euro Gebühren wären es nun über 60.000 Euro,“ erklärt Heilig.
Den Konflikt mit der Gema beschreibt der Marktleiter als "erbitterten Streit", der seit zwei Jahren andauere. Heilig, der im Amt für Wirtschaftsförderung in Dresden die Abteilung Kommunale Märkte leitet, war an Verhandlungen mit der Gema beteiligt. Er kritisiert, dass das Unternehmen das nötige Fingerspitzengefühl vermissen lasse. „Weihnachtsmärkte sind nicht mit einer klassischen Veranstaltungsfläche vergleichbar", sagt er. Der Bereich um eine Bühne sei in der Regel verhältnismäßig klein zum Rest der Fläche, die überwiegend mit Buden und Dekoration ausgefüllt ist.
Zudem würde der Kostenhammer auch die treffen, die das Programm stemmen: „Dort sind Laienchöre oder Schulchöre, Posaunenmissionen oder Bergmannschöre, die häufig von ehrenamtlichen Mitarbeitern angeführt werden.“ Allein die Tatsache, dass für Gagen geringere Kosten als für Lizenzgebühren anfielen, sollte der Gema klarmachen, „wir sind nicht diese professionelle Veranstaltung, die man dem Striezelmarkt unterstellt.“
Für die Stadt bedeutet die Gema-Forderung eine enorme Belastung, die schon jetzt Kürzungen im Live-Programm zur Folge hat. Doch wie geht es nun weiter? Dazu gibt Stefan Heilig Antworten im Podcast. Genauso zu Fragen, wie an einem Ort von der Dimension des Striezelmarktes in Zeiten einer abstrakt hohen Gefahrenlage, für Sicherheit gesorgt wird. Und schließlich geht es in dem knapp einstündigen Gespräch auch um Glühwein, sächsisches Handwerk und darum, ob Dresden den sich selbst verliehenen Titel „Weihnachtshauptstadt“ wirklich verdient.
Donald Trump wird wieder US-Präsident, in Berlin zerbricht mit lautem Knall die Ampel-Koalition und in Sachsen scheitern die Sondierungsgespräche von CDU, SPD und BSW. Der 6. November war ein außergewöhnlicher Tag, nach dem die Welt, Deutschland und Sachsen vor großen Herausforderungen stehen.
In dieser Folge des Podcasts „Thema in Sachsen" ordnet Politikwissenschaftler Janek Treiber von der TU Dresden die Ereignisse sowie die wichtigsten Ergebnisse, Aussagen und deren Folgen ein.
Treiber schildert die Gründe, warum die Sondierungen für die sogenannte Brombeer-Koalition in Sachsen zum Erliegen kamen. Wie groß waren die Differenzen zwischen den Parteien bei den BSW-Kernthemen Friedenspolitik und Migration? Welchen Einfluss hatte BSW-Chefin Sahra Wagenknecht auf die Verhandlungsführer ihrer Partei in Sachsen? Und überhaupt: Wie geht es nach dem Ende der Sondierungsgespräche in Sachsen weiter?
Im Raum stehen jetzt zwei Szenarien: Es kommt 2025 zu Neuwahlen oder es bildet sich eine CDU-geführte Minderheitsregierung. Treiber beschreibt, welche Folgen die beiden verschiedenen Wege hätten. Trotz vieler Unwägbarkeiten kommt der Politikwissenschaftler schließlich zu dem Schluss: „Ich glaube nicht, dass Sachsen unregierbar wird, aber die politische Stabilität, die wir bisher kannten, ist vorbei.“
„Politische Stabilität”, das ist auch das Stichwort, das für den zweiten Teil der Podcastfolge sinnbildlich steht. Treiber analysiert darin, welche Auswirkungen das Aus der Ampel in Berlin hat. Deutschland steht, das ist nach dem Bruch von SPD, Grünen und FDP klar, vor einem turbulenten Winter, an dessen Ende es Wahlen geben dürfte. „Der Wahlkampf hat jetzt begonnen”, so Treiber.
Vor dem Hintergrund, dass Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen in den USA gewonnen hat, komme der Zerfall der Ampel für Deutschland zu einem heiklen Zeitpunkt. Eigentlich, so Treiber, bräuchte es gerade jetzt eine starke Bundesregierung, die geschlossen Entscheidungen treffen könne. „Trump ist schlecht berechenbar", sagt Treiber. Das mache speziell für Europa die künftige Ukraine-Politik zu einer Aufgabe, die größer und teurer werden dürfte.
Die Elternbeiträge für die Betreuung von Kindern drohen in Dresden zu explodieren. Vor reichlich einem Monat wurden Pläne der Stadtverwaltung öffentlich, wonach Plätze in Krippe, Kindergarten oder Hort um bis zu 43 Prozent teurer werden könnten. Für Eltern von Krippenkindern, die auf eine ganztägige Betreuung angewiesen sind, würde das nicht selten eine Erhöhung der Gebühren um mehr als 100 Euro pro Kind bedeuten.
Was sind die Gründe für die vorgeschlagene drastische Erhöhung? Wie aussichtsreich ist eine Petition, die sich genau dagegen richtet? Und was sagt die Stadt selbst zu der jetzt laufenden Diskussion in Dresden? Diese Fragen klärt die neue Folge des Podcasts „Thema in Sachsen".
Zu Gast sind der Erzieher und SPD-Politiker Geronimo Ludewig sowie der für die Bereiche Bildung, Sport und Jugend zuständige Bürgermeister Jan Donhauser (CDU). Für Ludewig, der zusammen mit zwei Mitstreitern die „Petition gegen die Erhöhung der Elternbeiträge für Kinderbetreuung in Dresden" gestartet und schon mehr als 21.000 Mitunterzeichner gesammelt hat, stellen die Pläne der Stadt das Gebot der Chancengleichheit infrage. „Wenn Beiträge so drastisch steigen, zwingt das Eltern dazu, Betreuungszeiten zu kürzen oder Kinder ganz aus der Kita zu nehmen", warnt er und sieht langfristig die Bildungsaussichten für Kinder in Dresden gefährden.
Mit einer Maximalerhöhung der Beiträge im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften wäre auch Jan Donhauser nicht glücklich. „Das wäre eine Zumutung für die Eltern", sagt er. Der Vorschlag sei gemacht worden, weil die finanziellen Spielräume erschöpft seien.
Dass die Beiträge wirklich um 43 Prozent erhöht werden und Eltern für einen 9-Stunden-Krippenplatz dann rund 360 Euro berappen müssen, sei aber noch längst nicht entschieden, betont der Bürgermeister. Schließlich entscheidet der Stadtrat noch über den Vorschlag. „Und wir haben auch mehrere Szenarien vorbereitet", so Donhauser. Es gibt neben der „Maximalforderung" also auch noch andere und mutmaßlich weniger drastische Möglichkeiten, wie sich der Elternbeitrag in Dresden entwickeln könnte.
Eins müsse in der Diskussion allen klar sein, sagt Donhauser schließlich: „Beschlüsse müssen finanziert sein.” Gestiegene Betriebskosten und Personalkosten sowie die Beibehaltung hoher Standards in der Kinderbetreuung seien Posten, denen es Rechnung zu tragen gelte. Das heißt, dass entweder irgendwo anders gekürzt oder von Grundanliegen wie der städtischen Bildungsstrategie sowie dem Angebot einer 10. und 11. Betreuungsstunde losgelassen werden müsste.
Außerdem Schwerpunkte und zentrale Fragen in diesem Podcast:
Für viele Dresdner hat der Mittwochmorgen mit einem verwunderten Blick aufs Smartphone begonnen. Nachrichten-Apps berichten mit Eilmeldungen über den Einsturz eines Teils der Carolabrücke, der sich in der Nacht ereignet hat. Die Bilder schockieren und beeindrucken zugleich. Ein etwa 100 Meter langes Stück der Brücke liegt in der Elbe.
Es ist ein großes Unglück - auch wenn keine Menschen zu Schaden kamen. Dennoch stellen sich jetzt viele Fragen: Wie konnte das passieren? Wie sicher sind Brücken in Dresden, Sachsen und Deutschland? Und droht vor dem Hintergrund einer sich aufstauenden Sanierungsbedürftigkeit vieler derartiger Bauwerke ein Brückenkollaps? Antworten auf diese Fragen liefert Bau-Experte Manfred Curbach im Podcast "Thema in Sachsen".
Curbach leitet das Institut für Massivbau an der Technischen Universität Dresden. Er gilt bundesweit als renommierter Experte für Brücken - und kennt sich zudem bestens aus mit den Brücken in der Stadt Dresden. Dass die Carolabrücke in der Nacht zusammengebrochen ist, sei für den Wissenschaftler überraschend. Die Elbquerung sei schon "seit vielen Jahren mit einem sehr intensiven Monitoringsystem ausgestattet" gewesen, sagt er. "Wir können auf diese Daten zurückgreifen bei der Ursachensuche." Allerdings sei es auch so gewesen, dass keinerlei Messwerte auf einen bevorstehenden Einsturz hingedeutet hätten.
Trotz des Unglücks betont Curbach, dass Bauwerke in Deutschland in der Regel sicher seien. "Absolute Sicherheit gibt es nicht. Eine Versagenswahrscheinlichkeit liegt allerdings bei 0,0001 Prozent. Das ist sehr, sehr wenig." Die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein solches Ereignis in Deutschland in naher Zukunft wiederhole, hält der Forscher für "äußerst gering".
Aber: Curbach betont auch, dass die Sanierung von Brücken in Deutschland zu langsam vorangehe. Zwischen 4.000 und 6.000 Brücken würden als sanierungsbedürftig gelten. "Jedes Jahr werden aktuell 200 Brücken gebaut oder saniert", rechnet der Experte vor. Es würde zwei Jahrzehnte dauern, bis der aktuelle Rückstand aufgeholt sei.
Eine Möglichkeit, das Tempo zu erhöhen, sei der Einsatz moderner Baustoffe. Curbach ist in Dresden maßgeblich in die Entwicklung eines neuartigen Carbonbetons involviert. Auf dem bereits sanierten und vom Einsturz nicht betroffenen Teil der Carolabrücke ist der Beton auch verbaut.
Der Baustoff sei auch bereits erfolgreich bei weiteren Brückensanierungen eingesetzt worden, sagt Curbach und bilanziert zugleich, dass derart vielversprechende technologische Entwicklungen oft an bürokratischen und vor allem finanziellen Hürden scheitern würden. "Die Bauwirtschaft trägt 11,6 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt Deutschlands bei", erklärt er. Gerechnet auf alle Forschungsmittel, die der Bund ausgebe, entfielen aber nur 0,6 Prozent auf das Bauwesen. "Sie können das noch mal runter rechnen, was das dann für den Bereich Brückenbau bedeutet."
Außerdem im Podcast: Der Sächsische.de-Reporter Sandro Pohl-Rahrisch, der die Lage am Tag nach dem Brückeneinsturz beobachtet hat und über Folgen berichtet. Der Reporter erzählt unter anderem, wie knapp es war, dass zum Zeitpunkt des Einbruchs keine Straßenbahn auf der Brücke fuhr und was es mit einem explosionsartigen Knall kurz nach dem Ereignis auf sich hatte.
Weitere Schwerpunkte des Podcasts:
Sachsen hat gewählt - und nun? Im Podcast "Thema in Sachsen" analysiert Janek Treiber, Politikwissenschaftler an der TU Dresden, das Ergebnis der Landtagswahl. Wer sind die Gewinner, wer die größten Verlierer? Und noch spannender: Was bedeutet das Ganze jetzt für die nächsten Wochen und eine sicher nicht einfach werdende Zeit der Regierungsbildung?
Klar ist, die CDU wird als stärkste Kraft die Gespräche anstoßen. Die Optionen sind für die Christdemokraten allerdings limitiert. Weil eine Zusammenarbeit mit AfD und Linken in Bund und Land per Unvereinbarkeitsbeschluss ausgeschlossen ist, bleibt nur noch eine mehrheitsfähige Konstellation übrig: mit der SPD und dem neuen Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW). Eine solche Koalition, wenn sie zustande kommen sollte, wäre sicher keine "Liebeshochzeit", erklärt Treiber.
Der Politologe beschreibt, bei welchen Themen es zwischen CDU, BSW und SPD schnell Einigkeit geben könnte und wo Konflikte drohen. Problematisch könnte aber weniger ein Thema, sondern viel mehr eine Person werden. Gemeint ist die Fokussierung des BSW auf Parteichefin und zugleich Namensgeberin Sahra Wagenknecht.
Im Wahlkampf sorgte zudem Kretschmer selbst für Zündstoff mit der Aussage, dass Wagenknecht eine Politikerin sei, die "Dinge kaputtmacht". Treiber meint: "Das darf man nicht überbewerten, aber das zeigt eine gewisse Reserviertheit gegenüber diesem sehr starken Einfluss von Sahra Wagenknecht als Person und dem Führungszirkel auf die Landesebene." Die Gespräche dürften nicht einfach werden.
Und wie ist das erneut starke und im Vergleich zu 2019 sogar verbesserte Ergebnis der AfD zu bewerten? "Ambivalent", meint Treiber. Man merke den Aussagen sächsischer AfD-Politiker an, dass sie mit dem Ergebnis glücklich, aber nicht zufrieden seien. "Sie ist nicht stärkste Kraft und hat ihr Ziel verfehlt, um jetzt Regierungsansprüche zu stellen."
Zudem erklärt Treiber, welche Folgen ein am Montag bekannt gewordener Berechnungsfehler bei der Sitzverteilung hat. Die Landeswahlleitung teilte mit, dass sie wegen eines Softwarefehlers zunächst der AfD 41 und der CDU 42 Mandate zugeschrieben habe, allerdings jeweils ein Sitz weniger richtig sei. Für die AfD bedeutet dieser eine Sitz weniger den Verlust der sogenannten Sperrminorität. Oder wie Treiber es nennt: "Die AfD verliert ihren Plan B und kann nicht als frontale Opposition fungieren, die sich gegen die Regierung stellt."
Außerdem ordnet Treiber die Statements sächsischer Politiker ein, die Reporter von Sächsische.de am Wahltag eingeholt haben. Darunter: Michael Kretschmer (CDU), André Wendt (AfD), Sabine Zimmermann (BSW) und Christin Furtenbacher (Grüne).
Außerdem Themen dieser Folge:
Sachsen braucht Lehrer. Es ist inzwischen leider eine alte Leier und irgendwie schon Tradition, dass mit Beginn eines neuen Schuljahres das Schlagwort "Lehrermangel" fällt. In Debatten darüber wird allerdings neben den allgemeinbildenden Schulen - also Gymnasium, Oberschule, Grundschule - oft eine Schulart vergessen: die berufsbildenden Schulen.
Anja Unger leitet das Berufsschulzentrum (BSZ) für Agrarwirtschaft und Ernährung in Dresden. Im Podcast "Thema in Sachsen" spricht sie zum Start des neuen Schul- wie Ausbildungsjahres über den Fachkräftemangel und wieso dieser die Suche nach neuen Berufsschullehrern schwer macht.
Doch all die damit verbundenen Herausforderungen, so klingt es in dem Podcast-Interview immer wieder durch, seien in der Schulwelt von Anja Unger nicht unlösbar. "Wir suchen als Schule unsere Lehrer inzwischen auch selbst über Social Media", gibt sie preis. Und das mit Erfolg. Eine Floristin, die selbst mal Schülerin des BSZ war, reagierte auf die Social-Media-Beiträge und ist jetzt dort als Lehrerin tätig.
Unger findet: Dieses Beispiel sei nur eins von mehreren, die zeigen würden, wie wichtig es im Bereich Schule sei, dass Bildungseinrichtungen verstärkt eigenverantwortlich handeln. Aber auch jede Lehrerin und jeder Lehrer müsste das für sich tun. Denn, wie sie sagt: "In diesem Beruf gilt es, jeden Tag die Welt neu zu entdecken."
Außerdem Themen dieser Folge
Gut 23.000 Menschen aus ganz Sachsen sagen, was sie sich für die Zukunft wünschen und wie sie die gegenwärtige Situation in ihrem Bundesland bewerten. Das ist der Sachsen-Kompass von Sächsische.de und Leipziger Volkszeitung. Die große Umfrage gibt kurz vor der Landtagswahl am 1. September Orientierung - und liefert in dieser politisch wie gesellschaftlich aufgeladenen Zeit auch so manche überraschend wohltuende Erkenntnis. Im Podcast "Thema in Sachsen" stellt SZ-Reporterin Dominique Bielmeier die wichtigsten Ergebnisse vor.
Am deutlichsten sei geworden, dass die Sachsen wieder zu einem besseren Miteinander finden möchten. "Das steht klar an erster Stelle, noch vor dem Verlangen nach besserer Bildung oder dem Thema Migration und Integration", sagt Bielmeier. Die Sachsen seien sich sogar ziemlich einig darüber, wie sie dieses Ziel erreichen könnten: "Eine überwältigende Mehrheit von 75 Prozent sagt: durch mehr gegenseitiges Verständnis."
Dieses gegenseitige Verständnis fange im Kleinen an und reiche bis in die Politik. "Das sehen wir auch in der Umfrage", holt die Reporterin aus und erklärt: "Es wird auch die zunehmend extreme Sprache von Politikern kritisiert und der politische Diskurs als eskaliert betrachtet."
Die Menschen wünschten sich Mäßigung und weniger Polarisierung und Streit. Und überhaupt, das zeige der Sachsen-Kompass auch, würden sich die meisten Sachsen nach wie vor eher der Mitte zugehörig fühlen und extreme Positionen ablehnen. Rechtsextremismus sowie Hass und Hetze im Internet würden als große Probleme wahrgenommen.
Klar werde auch, so Bielmeier, dass sich je nach Region die Wahrnehmung dafür, was wirklich ein Problem sei, verschiebe. Während man sich in den Großstädten Dresden, Leipzig und Chemnitz vergleichsweise weniger Sorgen um Zuwanderung mache, sei das Thema Schleuserkriminalität für Menschen, die in Grenznähe leben, bedeutend wichtiger.
Und in welchen Bereichen gab es die überraschendsten Erkenntnisse? "Den Sachsen ist ihr Dialekt gar nicht so wichtig", sagt Bielmeier. Dafür schätzten sie vor allem die Natur im Freistaat. Spannend ist außerdem, wie die Sachsen über Energiepolitik denken. Diese und viele weitere Antworten hören Sie im Podcast ...
Olympia fest im Blick: Die beiden Dresdner Karl Bebendorf und Tom Liebscher-Lucz sind eigentlich schon so gut wie auf dem Sprung nach Paris, wo am 26. Juli die Sommerspiele offiziell beginnen. Zuvor reden sie im Podcast "Thema in Sachsen" bei Sächsische.de über ihre Ziele, große Emotionen und einen manchmal noch viel größeren öffentlichen Druck. Zwei Sportler geben tiefe Einblicke in das wahre Athleten-Leben, das sich meist abseits des Scheinwerferlichts abspielt.
Bebendorf, der im direkten Podcast-Interview spricht, weiß um die Wirkung von Bildern bestens Bescheid. Mit über 100.000 Followern auf Instagram gilt der Hindernisläufer und diesjährige EM-Bronze-Gewinner als eine Art Leichtathletik-Influencer. "Meine Community ist immer dabei", sagt er. Doch eigentlich, so erzählt er es, ist er die meiste Zeit doch lieber allein.
Nur so könne er sich auf das Wesentliche konzentrieren. Sein Leben, wie er es beschreibt, gleicht einer Askese, die auf nachhaltige Leistungsentwicklung ausgerichtet ist. "Ich mache das nicht nur zum Spaß. Das ist mein Job, mein Business", betont Bebendorf.
Der Erfolg, das wird klar mit Blick auf das Entscheidende im Sport, gibt ihm Recht. Unter 8:15 Minuten ist vor ihm fast zwei Jahrzehnte kein Deutscher mehr über die 3.000 Meter Hindernis gelaufen. Mit der Zeit, die Bebendorf derzeit zu laufen im Stande ist, gehört er zur Weltspitze. Von einer Medaille bei Olympia will er aber nicht reden. "Ich pushe mich nicht vorher und sage allen, wie toll ich bin. Das ging erfahrungsgemäß bei mir immer nach hinten los", gesteht der 28-Jährige. Er wisse inzwischen, was in ihm stecke und dass er noch längst nicht am Ende seiner Möglichkeiten sei.
Bebendorf macht aber auch deutlich, dass er mit Olympia noch eine Rechnung offen hat. Paris sind nach Tokio 2021 seine zweiten Spiele. Vor drei Jahren in Japan endete das Abenteuer schneller als es begann: Platz 11 im Vorlauf und Abreise nach nur einem Tag. Auch wenn er es nicht direkt ausspricht: Diese Erfahrung beschäftigt Bebendorf bis heute. Und schließlich sagt er: "Teilweise sind solche Meisterschaften für mich die reine Hölle. Der Druck und die Anspannung, die ich dabei in mir verspüre, das ist teilweise nicht mehr gesund." Olympia könne er unter anderem auch deshalb nicht als etwas Besonderes bezeichnen. Für ihn ist es ein Wettkampf, begleitet von maximaler Anspannung.
Der andere Dresdner Olympia-Teilnehmer, der im Podcast per Sprachnachrichten zu hören ist, beschreibt seine Herangehensweise anders. Der Weltklasse-Kanute Tom Liebscher-Lucz ist allerdings im Vierer, dem sogenannten K4, schon zweimal Olympiasieger geworden. "London, Rio, Tokio und jetzt Paris", zählt Liebscher-Lucz auf - dass er nun das vierte Mal dabei ist, sei ein Privileg.
Für den 32-Jährigen, der vor reichlich einem Jahr geheiratet hat und inzwischen auch Vater ist, stehen die Spiele diesmal unter ganz anderen Vorzeichen. "Ich habe so viele schöne Stunden erlebt", erzählt er und verrät dabei, dass ihn jetzt vor allem die Familie stark mache. Ein Ziel wolle er aus Aberglaube nicht aussprechen. Doch Fakt ist: Ein drittes Mal Gold ist nicht unwahrscheinlich. Wieso? Die Antwort gibt es im Podcast...
Die deutsche Solarbranche hat schon sonnigere Zeiten erlebt. Trotz steigender Nachfrage nach Solarmodulen und einem stetig wachsenden Anteil an Solarstrom im Energiemix gelingt es nicht, die Produktion der für die Stromerzeugung notwendigen Module in Deutschland zu erhalten. Die Herstellung ist hierzulande um ein Vielfaches teurer als in den USA oder China.
Besonders betroffen davon ist Sachsen, weil es hier eine traditionell starke Solarindustrie gibt. Die Einschnitte sind groß: Im April schloss das Schweizer Unternehmen Meyer Burger sein Werk in Freiberg und bald stellt auch Solarwatt in Dresden die Produktion ein. Der Podcast "Thema in Sachsen" geht auf die Suche nach den Gründen dafür und fragt, ob es noch ein Fünkchen Hoffnung auf ein Comeback gibt.
Zu Gast im Podcast ist Peter Bachmann, Chief Product Officer von Solarwatt. Bachmann ist Teil der Geschäftsleitung bei dem Dresdner Unternehmen, das vor 31 Jahren gegründet wurde. "Die Herstellung von Solarmodulen ist Teil unserer DNA, damit sind wir groß geworden. Wir waren Pioniere in diesem Bereich", sagt er. Es schmerze deshalb umso mehr, dass ab August die Maschinen in der eigenen Fabrik still stehen und rund 170 Stellen gestrichen werden.
"Wir sind aber zu diesem Schritt gezwungen", fährt der Manager fort. Die Suche nach den Gründen führt dorthin, wo es das Unternehmen jetzt auch hinzieht: nach China. Mit unvorstellbarer Wucht und staatlich subventioniert flutet das Land seit einigen Jahren den Weltmarkt mit einer Überkapazität an billig hergestellten Modulen. Die Folge ist ein gigantischer Preisverfall auf ein Niveau, auf dem kaum ein Land mithalten kann. Allein in den vergangenen zwölf Monaten sind die chinesischen Preise um 60 Prozent gefallen. Bachmann beschreibt die Lage, die europäische Solarunternehmen reihenweise in eine Zwickmühle getrieben hat: Entweder Kosten um mindestens die Hälfte drücken oder Preise etwa verdoppeln.
Bei diesen Optionen ist klar, wohin die Reise geht: ins Ausland. Doch wie nachhaltig ist die Produktion in China? Wie erfüllen die Hersteller eigene Qualitätsversprechen? Ist ein Transport von Solarmodulen über 10.000 Kilometer aus Fernost nach Deutschland wirklich CO2-neutral möglich? Und wie transparent gibt sich China, wenn es um Menschenrechte, Klimaschutz und Lieferketten geht?
Der Schritt, die Produktion zu verlagern, wirft viele Fragen auf. Bachmann beantwortet sie und gibt tiefen Einblick, mit wie viel Aufwand Solarwatt diesen Wandel betreibt. Die entscheidende Frage beantwortet er auch. Nämlich die danach, was passieren müsste, damit die Solarindustrie wieder zurück nach Sachsen kommt. Die Kurzform: Es ist nicht ausgeschlossen, aber es braucht schnell einer politischen Weichenstellung. Die Langform, die hören Sie im Podcast ...
Außerdem Schwerpunkte in dem Gespräch:
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