„In meinem Alter kann ich doch ohnehin nichts mehr verändern.“ Stimmt das wirklich? Und wie kann ein älterer Mensch mit Sehbehinderung oder Sehverlust Einfluss darauf nehmen, was vor der eigenen Haustür, im Stadtteil oder in der Kommune geschieht?
Merle Schmidt und Clara Lenkeit
Gastgeber:
Thomas Golka und Emanuel Stadler,
Mitglieder der Fokusgruppe Sehen im Alter (SiA)
Regie / Technik:
Markus Georg, Projekt Sehen im Alter (SiA)
Diesen Podcast organisiert der DBSV mit Förderung aus dem Partizipationsfonds des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS). Hintergründe zum Partizipationsprojekt unter:
www.sehenimalter.org/teilhabe-ermoeglichen
Rückkanal: [email protected]
Aufnahmetermin: 11.09.2026, 10:30 Uhr
Veröffentlichungstermin: 20.09.2026
Inhalt
„In meinem Alter kann ich doch ohnehin nichts mehr verändern.“ Stimmt das wirklich? Und wie kann ein älterer Mensch mit Sehbehinderung oder Sehverlust Einfluss darauf nehmen, was vor der eigenen Haustür, im Stadtteil oder in der Kommune geschieht?
Darüber sprechen Thomas Golka und Emanuel Stadler mit Merle Schmidt und Clara Lenkeit. Beide beschäftigen sich beruflich intensiv mit der politischen Beteiligung von Menschen mit Behinderungen.
Merle Schmidt arbeitet im Büro der Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen. Dort ist die Stärkung der Beteiligungsrechte von Menschen mit Behinderungen ein wichtiges Arbeitsfeld. Die bei der Landesbeauftragten angesiedelte Koordinierungsstelle nach dem Inklusionsgrundsätzegesetz unterstützt beispielsweise Organisationen und Verbände dabei, ihre gesetzlich verankerten Beteiligungsrechte wahrzunehmen und sich in politische Vorhaben einzubringen.
Clara Lenkeit ist wissenschaftliche Referentin bei der LAG SELBSTHILFE NRW und arbeitet im Projekt „In Zukunft inklusiv. Mit politischer Partizipation zum Kreis für alle.“ Das Projekt beschäftigt sich ganz praktisch damit, wie inklusive Beteiligungsstrukturen auf kommunaler Ebene aufgebaut, gestärkt und dauerhaft verankert werden können. Gemeinsam mit Kreisen in Nordrhein-Westfalen wurden dazu Erfahrungen gesammelt und Materialien entwickelt, beispielsweise zur Arbeit von Inklusionsbeiräten und zur Verankerung ihrer Beteiligung in kommunalen Satzungen.
Damit treffen in dieser Folge zwei Perspektiven aufeinander: die behindertenpolitische Beteiligung auf Landesebene und die konkrete Gestaltung von Mitwirkungsmöglichkeiten in Städten, Gemeinden und Kreisen.
Im Mittelpunkt steht die Frage, wie politische und gesellschaftliche Teilhabe ganz praktisch gelingen kann – auch dann, wenn man sich bisher noch nie politisch engagiert hat.
Denn politische Teilhabe beginnt nicht erst mit einer Parteimitgliedschaft oder einem politischen Amt. Wer auf Barrieren aufmerksam macht, Verbesserungsvorschläge einbringt, sich an einen Behindertenbeirat oder eine Seniorenvertretung wendet oder gemeinsam mit anderen Betroffenen für Veränderungen eintritt, gestaltet das Leben in seiner Kommune mit.
Im Gespräch geht es deshalb darum, warum die persönlichen Erfahrungen von Menschen mit Sehbehinderung für Politik und Verwaltung wichtig sind. Wer selbst erlebt, dass Sitzungsunterlagen nicht barrierefrei zugänglich sind, digitale Beteiligungsverfahren nicht funktionieren oder Wege, Gebäude und Verkehrsmittel Hindernisse bereithalten, verfügt über Erfahrungswissen, das für politische und kommunale Entscheidungen wichtig sein kann.
Doch Engagement kann nicht nur die Kommune verändern. Die Gäste sprechen auch darüber, was politische und gesellschaftliche Beteiligung für die Engagierten selbst bedeuten kann: Selbstwirksamkeit erleben, neue Kontakte knüpfen, Gemeinschaft erfahren und merken, dass die eigene Erfahrung gefragt ist und etwas bewirken kann.
Gleichzeitig gibt es Hürden. Gerade ältere Menschen mit Sehverlust können beispielsweise durch eingeschränkte Mobilität, nicht barrierefreie Informationen und digitale Angebote oder fehlende Unterstützung von einer Beteiligung abgehalten werden. Die Folge fragt deshalb auch: Was müssen Kommunen tun, damit Mitwirkung tatsächlich möglich und barrierefrei ist? Und welche Rolle spielen dabei Behindertenbeiräte, Seniorenvertretungen, Selbsthilfeorganisationen, Verwaltung und Kommunalpolitik?
Dabei geht es auch um die Strukturen hinter guter Beteiligung. Wann werden Menschen mit Behinderungen tatsächlich an Entscheidungen beteiligt – und wann werden sie lediglich informiert oder angehört? Welche Bedeutung haben verbindliche Regelungen und kommunale Satzungen?
Vor allem aber wird es praktisch: Was kann ich tun, wenn ich 75 Jahre alt bin, nur noch wenig sehe und mich bisher noch nie politisch engagiert habe? Wo finde ich Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner? Muss ich allein aktiv werden oder ist es sinnvoller, sich mit anderen zusammenzutun? Wie finde ich eine Form des Engagements, die zu meinen Kräften und Möglichkeiten passt? Und was mache ich, wenn mein Anliegen zunächst nicht gehört wird?
Eine Folge über politische Teilhabe, Barrierefreiheit und Selbstwirksamkeit – und darüber, warum es sich auch im höheren Alter lohnt, die eigenen Erfahrungen einzubringen, mitzureden und mitzugestalten.
Nachschlag zu unserem heutigen Gespräch:
Weitere Informationen zum Projekt „Partizipation älterer Menschen mit Behinderungen stärken“ und zum Aktionsbündnis Sehen im Alter finden Sie unter:
www.sehenimalter.org
Informationen zur Arbeit der Beauftragten der Landesregierung für Menschen mit Behinderung sowie für Patientinnen und Patienten in Nordrhein-Westfalen:
www.lbbp.nrw.de
Informationen zur LAG SELBSTHILFE NRW und zum Projekt „In Zukunft inklusiv. Mit politischer Partizipation zum Kreis für alle.“ finden Sie unter:
www.lag-selbsthilfe-nrw.de bzw. https://www.lag-selbsthilfe-nrw.de/material/?project=6426
Dort stehen auch Materialien zur politischen Partizipation von Menschen mit Behinderungen zur Verfügung. Das Projekt hat unter anderem Arbeitshilfen und Informationsmaterialien entwickelt, die zeigen, wie politische Beteiligung vor Ort funktionieren und wie sie strukturell verankert werden kann.
Unter Kennen Sie den schon! stellen das Podcast-Team Ihnen heute den Podcast „Sichtweisen“ des DBSV vor. Die Folge „Aktivismus neu denken: Ottmar Miles-Paul im Interview“ möchten wir passend zu unserm Thema empfehlen.
https://sichtweisen.podigee.io/92-ottmar-miles-paul
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