In dieser Podcastfolge begrüßt Dr. Oliver Ratajczak den renommierten Mathematiker, Philosophen und langjährigen IBM-Manager Gunter Dueck zum Gespräch. Dueck schildert seinen ungewöhnlichen Werdegang: Vom schüchternen Jungen vom Bauernhof über schulische Querelen im Deutschunterricht und einem ausgeprägten Interesse an Dichtung bis hin zur Mathematik, Informationstheorie und einer erfolgreichen Managementkarriere. Dabei zieht sich das Motiv des „anders Denkens“ wie ein roter Faden durch Duecks Leben – geprägt von der Überzeugung, den eigenen Weg unabhängig von Konventionen zu verfolgen.
Als Mathematiker und späterer CTO bei IBM wurde Dueck immer wieder mit dem Widerstand gegenüber tatsächlichen Verbesserungen konfrontiert: Obwohl mathematische oder technologische Lösungen oft nachweisbar 20 % oder mehr Effizienzsteigerung gebracht hätten, stießen solche Vorschläge im Unternehmensumfeld meist auf Ablehnung. Gründe waren laut Dueck Angst vor Veränderungen, Sorge um die eigene Karriere oder schlicht die Furcht vor Offenlegung vergangener Ineffizienzen. In den USA würde man sich freuen, in Deutschland dominiert häufig Defensive.
Dueck analysiert, dass in Unternehmen meist drei Grundtypen im Konflikt stehen: Die regel- und messungsorientierten Manager, die visionär oder künstlerisch getriebenen Entwickler und die instinktiven Kämpfer oder Macher, etwa im Vertrieb. Diese unterschiedlichen Charaktertypen haben – auch durch neurologische Dominanzen – oft diametrale Ansätze. Die Kunst in Unternehmen bestehe darin, diese Vielfalt produktiv zu nutzen, statt sie zu nivellieren oder sich nur Klone der eigenen Persönlichkeit heranzuziehen.
Ein zentrales Thema ist die Kritik an scheinbarer Digitalisierung, die häufig an der Oberfläche bleibt: Unternehmen beschäftigen sich pro forma mit Innovation, indem sie Beauftragte, Innovationszentren oder Start-Ups kaufen, ohne wirklich die Risiken und Unsicherheiten echten Wandels einzugehen und eigene konkrete Schritte zu unternehmen. Dueck vergleicht dies mit dem Versuch, Fahrradfahren durch bloßes Beobachten zu lernen – wirklich nötig sind jedoch eigenes Experimentieren und die Bereitschaft, Fehler zu machen, daraus zu lernen und wieder aufzustehen. Er berichtet von Beispielen aus seiner Zeit bei IBM, etwa wie bahnbrechende Entwicklungen aus Angst oder dem Festhalten am Kerngeschäft verpasst wurden, und gibt zu bedenken, dass nachhaltige Innovation eine konkrete Vision und konsequentes Handeln statt bloßer Beschäftigung mit „Trendbegriffen“ wie Big Data oder Künstliche Intelligenz erfordert.
In Bezug auf Führung und Nachwuchsförderung plädiert Dueck für eine „artgerechte Haltung“ von Menschen: Kinder (und Mitarbeitende) sollten entsprechend ihrer individuellen Charaktere, Stärken und Neigungen gefördert werden, statt sie an vorgefertigte Muster anzupassen. Vielfalt im Team ist nur dann wertvoll, wenn sie anerkannt und zum gemeinsamen Ziel geführt wird – andernfalls führt sie zu Konflikten oder Stagnation.
Abschließend fordert Dueck Unternehmer und Manager auf, statt Abwarten und Analysieren konkrete Ziele zu formulieren, eigenverantwortlich Neues auszuprobieren und innovative Geschäftsmodelle mutig zu erproben, selbst wenn dies zunächst mit Fehlschlägen verbunden ist. Nur durch klares Handeln und die Bereitschaft, alte Routinen zu überwinden, entstehen nachhaltige Erfolge in Wirtschaft und Gesellschaft.
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