Ende September 2026 liegt im Gerichtssaal von San José eine Klageakte auf dem Tisch, die es in sich hat: Im Verfahren zwischen WP Engine, Automattic und Matt Mullenweg steht der Vorwurf der Spoliation of Evidence – vorsätzliche Beweisvernichtung durch gelöschte Chats auf privaten iPhones und automatisierte Slack-Löschroutinen. Was hierzulande oft mit Achselzucken als „nur Open Source“ abgetan wird, ist in Wahrheit ein knallharter Verteilungskrieg, in dem Private-Equity-Giganten wie Silver Lake über 100 Milliarden Dollar bewegen. Das romantische Ehrenamt der 2010er Jahre ist tot – niemand schreibt mehr unbezahlten Code für Milliardäre.
In dieser Episode räumt Markus Käkenmeister mit dem grassierenden LinkedIn-Dooming („WordPress ist tot!“) und dem Hype um Headless, Next.js und Vibecoding auf. Nach kritischem Feedback aus dem Fediverse korrigiert Markus zudem seine bisherige Einschätzung zu W Social und Bluesky: Wer das AT-Protokoll seziert, stellt schnell fest, dass ein europäischer PDS wenig nützt, wenn Relays und PLC-Directories weiter in den USA liegen („Europe owns the logbook, America owns the wire“). Anhand seiner Praxiserfahrungen mit Echtzeit-Streams bei Ahrefs erklärt Markus das Phänomen des unendlichen Firehose – und warum entkoppelte JavaScript-Frontends am Montagmorgen im gefürchteten TypeError: cannot read properties of undefined kollabieren. Am Ende siegt die Bequemlichkeit: Warum ein bodenständiger WordPress-Monolith auf klassischem LAMP-Webspace die verlässlichste Lebensversicherung für KMU, Vereine und Handwerker bleibt.
Die Kernthemen dieser Episode:
Tatort US-Bundesgericht: Der Spoliation-Vorwurf, Litigation Hold und warum Adverse Inference im US-Recht selbst Großkonzernen das Genick bricht.
Das Milliarden-Missverständnis: Warum Software in Deutschland notorisch unterschätzt wird („Was nichts kostet, ist nichts wert“), während US-Finanzinvestoren das Web monetarisieren.
Die W-Social-Relativierung: Recherchen aus Sarah’s Tech, unbeantwortete Pressefragen und das Drosselungs-Drama Ende Juni 2026.
ATproto seziert: PDS, Relay und AppView. Der Firehose als reißender Fluss (von 24 auf 232 GB/Tag) und Markus’ Praxiseinblicke mit Ahrefs-Crawler-Streams.
Der Montagmorgen-TypeError: Warum Headless- und API-Architekturen Redakteure entmündigen und wie starre Schemata weiße Bildschirme produzieren.
Der Monolith als Lebensversicherung: Warum PHP serverseitig stabil bleibt, wieso die Tür nach ganz oben (Whitehouse, Taylor Swift) zwar zugeht, WordPress im Hausgebrauch aber noch 10 Jahre dominiert.
Drei Bequemlichkeits-Regeln: Content von Apps trennen, Boring Technology (LAMP) auf deutschem Shared Webspace nutzen und die eigene Domain als Identitätsanker im DNS behalten.
Kapitelübersicht mit Zeitstempeln:
00:00 – Cold Open: Tatort Bundesgericht Kalifornien
00:39 – WordPress und ein US-Bundesgericht: Spoliation of Evidence & 100-Mrd.-Fonds
05:10 – Wsocial und das ATProtocol: Ist Wsocial tatsächlich eine europäische Antwort auf "X"?
12:05 – Javascript/Typescript Sites sind nicht per se die bessere Lösung fürs Web
18:23 – Drei Regeln für einen sicheren Hafen im Web (Small Web Sanctuary & Hoster-Wahl)
Links & Shownotes zur Sendung:
Wahl zum Webhoster des Jahres 2026: Unterstützt unsere unaufgeregte Hosting-Arbeit und stimmt für goneo ab auf hosttest.de/wahl/goneo (dauert nur eine Minute!).
AT Protocol Dokumentation: Details zu PDS, Relays und Datenströmen auf atproto.com.
Echtzeit-Webanalyse & Streams: Praxiseinblicke zu Crawling-Daten via ahrefs.com.
goneo Webhosting: Verlässlicher LAMP-Stack, faire Tarife und deutsche Rechenzentren auf goneo.de.
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