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Elfmeter-Schießen an der Uni üben? Gulasch zum Mittag? Mundschutz auch vor der Pandemie?
WELTWEIT meldet sich mit einer Sonderfolge aus der Sommer- bzw. Winterpause.
Nicht Katrin und Mareike konzipierten diese aktuelle Folge, sondern drei Kolleginnen haben im WELTWEIT-Podcast-Workshop im Juli für den DAAD, diese Episode aufgenommen.
Haben wir nicht alle irgendwelche Stereotype und Klischees zu Ländern und Regionen im Sinn? Svenja, Iwi und Laura stellen ihre Länder anhand von Klischees vor. Könnt ihr erraten, in welchen Ländern die drei leben und arbeiten?
Schickt uns gern eure Vermutungen als Kommentare auf unsere Website https://weltweitpodcast.wordpress.com oder bis 20. August eine Nachricht über Instagram.
Wer sich alle drei Länder richtig erschließt, bekommt “WELTWEIT fame”!
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Folgt uns auf:
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Gefällt euch, was ihr hört? Hinterlasst uns Kommentare, redet mit! Wir freuen uns von euch zu hören!
Wir stellen uns vor, wie Sven in Brasilien Samba tanzt. Dort hat er einen Aufenthalt als DAAD-Fachlektor für Rechtswissenschaften absolviert und ist erstmals mit der südamerikanischen Kultur in Kontakt gekommen. Wir stellen uns vor, wie er, zurück in Deutschland, ein Schreiben in den Händen hält, in dem ihm eine lebenslange Verbeamtung als Richter in Aussicht gestellt wird. Wie er kurz zögert und sich im nächsten Moment gegen Sicherheit und für das Abenteuer entscheidet. Das Abenteuer, noch einmal als DAAD-Fachlektor in die Welt zu ziehen. Diesmal nach Santiago de Chile. Wir stellen uns weiter vor, wie er am Nachmittag des 18. Oktober 2019, ein Freitag, auf sein Fahrrad steigt, um nach seiner Vorlesung von der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universidad de Chile nach Hause zu fahren, und sich darüber wundert, dass ihm so viele Menschen entgegenkommen und den Radweg versperren. Das war der Moment, in dem Sven, ohne es zu wissen, Zeuge des Ausbruchs der sozialen Proteste in Chile geworden ist. Ausgelöst durch eine marginale Erhöhung der Metro-Preise in Santiago, entwickelte sich die spontane Auflehnung von Schüler*innen und Studierenden in eine massive soziale Bewegung, die das ganze Land erfasste. Sie mündete in ein Plebiszit im Oktober 2020, in dem das chilenische Volk beschloss, seine Verfassung, die noch aus der Zeit der Militärdiktatur stammt und im Geist des Neoliberalismus steht, neu zu schreiben.
In unserem Gespräch erläutert Sven Punkt für Punkt die Ursachen der Proteste, erklärt sie vor dem Hintergrund der chilenischen Geschichte und verdeutlicht, welche Rolle die Verfassung dabei spielt. Er spricht über seine eigenen Eindrücke aus dieser Zeit, die gesteigerte Kommunikation mit dem um die Sicherheit der von ihm entsandten Lehrkräfte besorgten DAAD, aber auch über die Faszination, die die Ereignisse in ihm ausgelöst haben. Im Mai 2021 hat Chile seine Vertreter für die verfassungsgebende Versammlung, die in Kürze ihre Arbeit aufnehmen wird, gewählt. Damit beginnt für Sven als Jurist der spannendste Teil des Prozesses, denn: Wie schreibt man eine Verfassung? Für die Zukunft sieht er Chile als stabil, seine Prognose für die Entwicklung des Landes ist vorsichtig optimistisch.
Unverhofft ist er in ein sozial-politisches Abenteuer geraten, das seinen Aufenthalt im Gastland maßgeblich prägt. Er ist aber auch ein Mensch mit kulturell breitgefächerten Interessen und hat auf diesem Gebiet in Santiago Entdeckungen gemacht, die er mit Begeisterung teilt. Besonders das Aufgreifen von gesellschaftlichen Themen in Kunst und Kultur und interdisziplinäre Ansätze faszinieren ihn. Geht es zu weit, sich vorzustellen, dass darin Svens Wesen zum Ausdruck kommt: facettenreich, aufgeschlossen und immer neuen Zusammenhängen auf der Spur?
Hier sind Svens Kulturtipps:
Buch: Jorge Baradit, Rebelión
https://www.amazon.de/-/en/JORGE-BARADIT-ebook/dp/B0839PC7Q4/ref=sr_1_1?dchild=1&keywords=jorge+baradit+rebeli%C3%B3n&qid=1623685290&sr=8-1
Musik: Maestro Luis Orlandini Maestro Luis Orlandini interpretiert “Junto al Generalife” von Joaquín Rodrigo
https://www.youtube.com/watch?v=LteVV8WRmpk&t=2367s
(Minute 27:52 bis Minute 39:25)
Tanz: Das Geisterhaus (Ballett von José Luis Dominguez), Municipal de Santiago:
http://www.municipal.cl/entries/-la-casa-de-los-espiritus
Indigene Kultur: Dokumentartheatergruppe KIMVN
http://kimvnteatro.cl/
Schätzt ihr die Situation ähnlich ein wie Sven? Wagt ihr Prognosen für Chiles Zukunft ? Hinterlasst gerne eure Kommentare.
„Theo, wir fahr’n nach Lodsch“ – dieser Schlager von Vicky Leandros aus den 70er Jahren ist ein Evergreen, den viele kennen. Die Stadt Lodsch, auf polnisch Łódź, die den historischen und räumlichen Hintergrund des Liedes stellt, wird jedoch nur Polenkennerinnen und -kennern geläufig sein. Ähnliches gilt für Polen selbst. Obwohl Deutschland und Polen in der Geschichte auf leidvolle Weise miteinander verbunden sind, ist für viele Deutsche das Land östlich der Oder und Neiße ein weißer Fleck auf der mentalen Landkarte.
Prof. Dr. Gudrun Heidemann ging es anfangs ähnlich: Als studierte und promovierte Slawistin mit dem Schwerpunkt Russisch lag ihr Interesse noch weiter im Osten und auf ihren Reisen Richtung Moskau und St. Petersburg ließ sie ihre jetzige Heimat im Westen liegen. Ein Erasmus-Lehrenden-Austausch schließlich entfachte ihre Liebe für das Land, die Menschen und die Sprache. Viel westlicher als Russland, dabei trotzdem deutlich osteuropäisch geprägt und sehr authentisch, so beschreibt Gudrun das Land, in dem sie mittlerweile seit vielen Jahren lebt und lehrt. Dort wird sie auch, anders als in Deutschland, in ihrem Alltag auf Schritt und Tritt an Geschichte erinnert: Gedenktafeln, die an Ereignisse aus dem 2. Weltkrieg erinnern, Einschusslöcher in alten Gebäuden und hier und da beinah verblichene deutsche Inschriften an Häusern.
Aber nicht nur die Geschichte prägt das Land. Seitdem 2015 die rechtskonservative Partei PiS an die Spitze der Regierung gewählt wurde, wird das Land von deutlich antidemokratischen Tendenzen und durch Stigmatisierung von Minderheiten erschüttert. Wo die Wurzeln dafür liegen könnten und welche liberalen Gegenbewegungen es gibt, erzählt Gudrun im Gespräch. Aber auch darüber, was die Faszination der Stadt Łódź, wo man „den Wind der Geschichte im Nacken“ habe (Gudrun nach Juli Zeh „Dann fahr doch!“, DIE ZEIT, Nr. 11, 06.03.2003), ausmacht, sowie über die Spaltung der polnischen Gesellschaft durch die nationalkonservative Regierung und schließlich darüber, welch kreative Kraft Proteste haben können, sprechen wir dieses Mal in WELTWEIT.
Spannend und eindringlich entwirft Gudrun erzählerisch ein Bild eines Landes, mit dem es sich zu beschäftigen lohnt. Aber auch die Herzlichkeit der Menschen, gutes Essen und interessante Landstriche und Städte laden zu einem Besuch ein.
Wir sollten es Theo gleichtun.
Gudrun Heidemann, die nicht nur Literaturwissenschaftlerin, sondern auch begeisterte Cineastin ist, empfiehlt folgende Bücher und Filme zu Polen:
Wladyslaw Reymont: Das gelobte Land
https://www.amazon.de/Das-gelobte-Land-Erstes-zweites/dp/3735001130/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&dchild=1&keywords=wladyslaw+reymont+Das+gelobte+Land&qid=1622674263&sr=8-1
Olga Tokarczuk: Taghaus, Nachthaus
https://www.amazon.de/Taghaus-Nachthaus-Olga-Tokarczuk/dp/3311100204/ref=sr_1_5?__mk_de_DE=ÅMÅŽÕÑ&dchild=1&keywords=olga+tokarczuk&qid=1622673831&sr=8-5
Juli Zeh: „Dann fahr doch!“
DIE ZEIT, Nr. 11, 06.03.2003
Fotoamator
https://youtu.be/WDgZwuWa9Tw
Agata Bara „Der Garten“
https://comickunst.wordpress.com/2012/12/14/der-garten/
... und das Lied aus der Intro:
Maria Peszek – Polska A, Polska B, Polska A, B, C i D”
https://youtu.be/5CytySnKHrY
Gudrun im Gespräch mit Herta Müller:
http://filolog.uni.lodz.pl/?p=9815&doing_wp_cron=1622776565.6204159259796142578125
Das Interesse an Aikido hat ihn in den späten 80er Jahren nach Japan geführt. Denn dort muss man hin, wenn man diese Kampfsportart liebt. Vorher hat Dr. Oliver Bayerlein in Mainz Deutsch als Fremdsprache unterrichtet, aber es zog ihn ins Ausland - nicht nur, um seine Kampfsporttechnik zu verfeinern, sondern auch, um neue Lehrerfahrungen zu sammeln. So fand er zunächst eine Anstellung als Lektor in Kochi. Aber die Umbruchszeit in Europa und vor allem in Deutschland nach dem Fall der Mauer wollte er hautnah miterleben. Wenn man damals im Ausland lebte, erreichten einen Nachrichten aus der Ferne erst mit großer zeitlicher Verzögerung in Form eines deutschen Wochenmagazins oder lediglich per Kurzwellenradio. In Deutschland jedoch verspürte er schnell Heimweh nach Japan und so kehrte er nach wenigen Jahren schließlich zurück in den fernen Osten, wo er bis heute lebt.
Japan ist für viele der Inbegriff einer anderen Kultur, die nur schwer zu verstehen und schwer zugänglich ist. Warum reisen viele Japanerinnen und Japaner nur in Gruppen? Warum sitzen insbesondere Männer bis spät in die Nacht in den Büros ihrer Firmen? Und welche Aspekte der japanischen Mentalität sind hilfreich bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie in einem Land, dessen große Städte zu den am dichtesten besiedelten Metropolregionen dieser Welt gehören?
Im Gespräch mit WELTWEIT gibt Oliver Bayerlein nicht nur Antworten auf diese Fragen, sondern er erzählt ebenso Überraschendes über das Studieren in Japan. In den Sprach- und Gesellschaftswissenschaften etwa kommt es weniger auf die eigentlichen Studieninhalte an, sondern auf den Ruf der Universität, und für die Studierenden dreht sich vieles darum, die Zeit vor dem japanischen Berufsalltag zu genießen und mit Dingen zu füllen, die sie mögen. Aber wir reden auch darüber, wie sich das Wirken deutscher Missionare noch heute an der Nanzan Universität in Nagoya, an der er lehrt, auswirkt, warum junge Japanerinnen und Japaner Deutsch studieren und welches Deutschlandbild man in Japan hat.
Oliver Bayerlein sieht seine Zukunft in Japan, wo er eine zweite Heimat gefunden hat. Das Land hat ihm viel zu bieten, dort fühlt er sich zu Hause und der japanischen Küche kann er nur schwer widerstehen. Zudem, die Zeiten, in denen man händeringend auf deutsche Printmedien wartete, die mit mindestens einwöchiger Verspätung eintrafen, sind längst vorbei.
Seid ihr auch so fasziniert von Japan? Teil gern eure Gedanken mit uns und schickt uns eure Kommentare. Folgt uns auf Instagram @weltweit_podcast und abonniert unsere Website, um keine Gespräche zu verpassen.
Olivers Website:
https://oliverbayerlein.com
Olivers YouTube-Kanal:
https://www.youtube.com/user/funutsu
Wadaiko-Musik:
https://www.youtube.com/watch?v=C7HL5wYqAbU
Kulturdimensionen nach Hochstede:
https://de.wikipedia.org/wiki/Geert_Hofstede
Olivers Buchtipp:
Natsuo Kirino, Die Umarmung des Todes
Träume sind dazu da, verwirklicht zu werden. Zwischen einem Bildband über die Staaten der USA, den sich Felicitas schon als Kind gewünscht hat, und ihrem Leben in San Diego, Kalifornien, liegen etwa zwei Jahrzehnte Lebenszeit, das gewisse Quäntchen Glück, das ihr bereits mit dem Namen in die Wiege gelegt worden ist, und vor allem harte Arbeit.
Während ihres Anglistik-Studiums in Münster hat Felicitas sich als German Language Fellow am Vassar College in New York beworben und dort Deutsch unterrichtet, dann einen Master in Geschichte drangehängt und schließlich an der New York University als Stipendiatin eine Doktorarbeit über die Geschichte der Afrikanischen Diaspora geschrieben. Als ob das noch nicht genug wäre, hat sie in dieser Zeit ihren Ehemann kennengelernt und ihr erstes Kind zur Welt gebracht.
Nach dem Sprung über den Atlantik fehlte noch der Schritt an die Westküste. Als sie bei Besuchen bei der Familie ihres Mannes davon erfuhr, dass es in San Diego deutsche Kindergärten und eine deutsch-amerikanische öffentliche Schule gibt, war das der entscheidende Impuls dafür, den Schritt zu wagen. Dafür hat sie in Kauf genommen, ihre akademische Karriere als Historikerin zunächst zu verlassen. Mittlerweile unterrichtet Felicitas Deutsch an der San Diego State University und hat Freude daran, Lehrinhalte mitzugestalten und zu modernisieren. An ihre wissenschaftliche Arbeit knüpft sie mit Engagement im Diversity Committee der Universität an und leistet dort wertvolle Arbeit für die Integration von Minderheiten. Sie ist vielseitig, schreibt Beiträge für Blogs, probiert sich gemeinsam mit einer deutschen Freundin als Innendesignerin aus und fühlt sich wohl, wenn sie neben ihrer Arbeit genug Zeit für die Familie, gesunde Ernährung und viel Bewegung hat.
Als Mutter von zwei Kindern geht sie einen Weg der harten Grenzen einerseits und viel Eigenverantwortung innerhalb dieser Grenzen andererseits. Sie ist froh, dass ihre Kinder in den USA aufwachsen, dort ginge man im Alltag selbstverständlicher mit Menschen unterschiedlicher ethnischer Herkunft um. In Deutschland hingegen erführe sie mit ihrer multi-ethnischen Familie eine Form des Rassismus, die von Ignoranz und Uneinsichtigkeit geprägt sei.
Felicitas ist angekommen. Die Beiträge auf ihrem Instagram-Account zeugen davon, dass sie den Lebensstil gefunden hat, der zu ihr passt. Als Mensch, der die Abwechslung liebt, heißt das aber nicht, dass sie sich nicht neue Ziele gesteckt hätte, die sie mit der gleichen Zielstrebigkeit verfolgen wird wie ihren Traum von Kalifornien. Es wird nicht langweilig werden.
Felicitas Rezepte:
Chia-Pudding
Butterkaffee
Felicitas Buchtipp: Deutschland Schwarz-Weiß: Der alltägliche Rassismus von Noah Sow
https://www.amazon.de/-/en/gp/product/3746006813/ref=ox_sc_act_title_4?smid=A3JWKAKR8XB7XF&psc=1
ZDF-Reportage:
https://www.zdf.de/nachrichten/hallo-deutschland/felicitas-kreativ-in-san-diego-100.html
Dr. Tristan Lay und Dr. Benjamin Nickl nehmen uns in unserer heutigen Episode von WELTWEIT auf einen Ausflug nach Cabramatta mit. Beide leben schon seit einigen Jahren in Australien und forschen und lehren an der ältesten Universität des Landes, der University of Sydney. Tristan Lays Forschungsinteressen beziehen sich vor allem auf angewandte Sprachwissenschaft, Mehrsprachigkeit und die Methodik und Didaktik des Fremdsprachenerwerbs. Benjamin Nickl hingegen befasst sich mit transnationaler Kulturwissenschaft und der Darstellung aktueller Populärkultur u.a. in Film und Massenmedien. Weltwache Gesprächspartner, um mehr über Land und Leute zu erfahren.
Kapitel:
00:00 - Intro
01:40 - Tristan Lays and Benjamin Nickls Wege nach Sydney
06:04 - Cabramatta, ein multikultureller Stadtteil Sydneys
07:34 - Mehrsprachigkeit in Sydney
09:48 - akustischer Spaziergang durch Cabramatta
16:31 - technische Ausrüstung für Podcast-Aufnahme
19:12 - Abschied von Cabramatta
20:44 - Podcasts im Unterricht
31:31 - Zuhörerpost über australische Stereotype
33:00 - Klischees und Wirklichkeit in Australien
38:09 - Migration und Sprachenpolitik in Australien
49:03 - Wahrnehmung Deutscher im Ausland
55:09 - Diskriminierung & Dekolonialisierung in Australien
01:00:07 - Status indigener Bevölkerung
01:05:05 - Tipps für eine Reise nach Australien
01:06:25 - Buchtipps
01:09:09 - Warum Kakadus nerven
01:11:44 - Outro
Zwei Buchtipps:
Jan Bauer: Der salzige Fluss. (2014)
Hilari Bell und Antonia Pesenti: Alphabetical Sydney (2013)
https://www.youtube.com/watch?v=1qVRtVHHglI
Benjamin Nickls Linktipp über Dekolonialisierung: https://diversityingermancurriculum.weebly.com
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Wenn Anna Gvelesiani georgische Folklore hört, zucken ihre gleichaltrigen Freunde, die in Georgien aufgewachsen sind und leben, zusammen. Die Musik ist von gestern, Annas Generation hört andere Sounds. Die Entwicklung von der Folklore zum Rap in Georgien hat Anna verpasst. Sie ist mit vier Jahren nach Deutschland gekommen. Georgien hat in ihrer Kindheit nur durch die spärlichen Schilderungen ihrer Eltern existiert.
Georgisch spricht sie gut, aber nicht so gut wie Deutsch. Es ist die Sprache, die ihr ohne Umweg übers Gehirn direkt ins Herz geht, aber auch die Sprache, in der ihr die Worte fehlen, wenn es emotional hoch hergeht. Da Sprache nun aber ein entscheidendes Element der Identitätsbildung ist, unsere soziale Identität sich überhaupt erst durch den Gebrauch von Sprache innerhalb unseres Umfelds formt, heißt das, dass durch Anna Gvelesianis Identität ein Riss geht. Auf der einen Seite ist ihre Muttersprache, die aber andererseits zugunsten der deutschen Sprache von ihren Eltern unterdrückt, zumindest nicht gefördert worden ist, damit das Kind keine Nachteile erleiden und sich in der deutschen Gesellschaft einfügen würde. Über diesen Riss hat Anna einen Artikel geschrieben, “Mothers, Daughters and Language”, in dem sie den Prozess ihrer Bewusstwerdung beschreibt und eigene Erfahrungen mit soziologischen Beobachtungen verknüpft.
Auch dass sie heute wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Paris 8 ist, kann nicht unabhängig von ihrer georgischen Herkunft gesehen werden. Französischkenntnisse hoben den Adel im russischen Zarenreich von anderen Schichten ab. Annas Mutter hat selbst Französisch studiert und so geisterte Frankreich als Sehnsuchtsland durch das Familienleben.
Anna hat einen binationalen Studiengang absolviert und an der Sorbonne promoviert. Das wissenschaftliche Niveau an der Eliteuni fasziniert sie. An der Universität Paris 8 unterrichtet sie Deutsch, das derzeit in Frankreich allerdings an Bedeutung verliert. Spaziergänge durch das malerische Paris sind für sie Realität geworden. Das Handwerkszeug, das sie durch ihre wissenschaftliche Arbeit erworben hat, benutzt sie heute dafür, gesellschaftliche Zusammenhänge zu verstehen und Mythen auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen.
Als Teenager ist sie auf eigene Initiative nach Georgien gereist und hat sich mit der Kultur vertraut gemacht. Heute trägt sie beide Identitäten in sich und bewegt sich zwischen ihnen hin und her. Ein Highlight: In Paris hat ein georgisches Restaurant aufgemacht. Sie spielen dort auch Folklore.
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Annas Buchtipps:
Françoise Vergès – Dekolonialer Feminismus, 2020
Gaël Faye – Kleines Land, München 2017
Auberginen mit Walnussfüllung
2 große Auberginen, 100 g Walnüsse, ½ kleine Zwiebel (mild), 2 Knoblauchzehen, ½ Granatapfel, 1 TL Paprikapulver, ½ TL Chilipulver, ½ TL Kreuzkümmel, 2 EL Olivenöl, 1 EL Apfelessig oder anderer weißer Essig, Koriandergrün, Salz
Arpe Caspary koordiniert das Ortslektorenprogramm des DAAD, in dem derzeit um die 800 Ortslektor*innen in rund 60 Ländern registriert sind. Er erfüllt sämtliche anstehenden Aufgaben in Personalunion: die Versorgung der Ortslektor*innen mit Materialien, deren Einbindung in Kongresse und landeskundliche Seminare und die finanzielle Unterstützung von Projekten.
Vor seiner Zeit in Bonn hat er selbst Erfahrungen in unterschiedlichen Kulturen gesammelt. Als Student der Philosophie und Germanistik etwa hat er sich mit Taxifahren das Geld verdient, um ein Jahr lang durch Mexiko und Guatemala zu reisen und Spanisch zu lernen. Eine Liebesbeziehung hat ihn für zwei Jahre nach Israel geführt und dort mit der deutschen Vergangenheit konfrontiert. Seine Arbeit für den DAAD begann mit einem Lektorat in Kolumbien. Später hat er das Informationszentrum (IC) in Bogotá geleitet und wurde für seine außergewöhnlichen Verdienste im Bereich der deutsch-kolumbianischen Hochschul- und Wissenschaftskooperation von der kolumbianischen Regierung mit dem “Orden de San Carlos, Grado Oficial” ausgezeichnet. Nach sieben Jahren erfolgreicher Aufbauarbeit folgte ein erster Aufenthalt in Bonn als Referatsleiter für Argentinien, Bolivien, Ecuador, Peru und Kolumbien. Im Anschluss war Arpe Caspary sechs Jahre für die Leitung des IC in Santiago, Chile, verantwortlich.
Durch seine Auslandsaufenthalte hat er Toleranz entwickelt und seine Grenzen verschoben. Er hat die Distanz und Narrenfreiheit, die er als Ausländer erlebt hat, geschätzt, zurück in Deutschland genießt er andere Vorteile wie die Gerichte seiner Kindheit, die sinnlichen Eindrücke, die die Jahreszeiten mit sich bringen, und das Zusammensein mit Familie und Freunden. Die unterschiedlichen kulturellen Erfahrungen sind miteinander verwoben und machen ihn zu dem Menschen, der er heute ist.
Arpe Caspary ist ein zweifelnder Beobachter, der keine einfachen Antworten parat hat, schon gar keine eindeutigen, sondern ständig hinterfragt und auch sich selbst auf den Prüfstand stellt. Als Philosoph unterzieht er seine Wahrnehmungen präzisen Analysen und entwirft ein differenziertes Bild der Wirklichkeit, die er erfährt. Meinungsvielfalt ist für ihn ein wichtiges Element, das eine Gesellschaft kultivieren muss. Man brauche zwei Augen, um in die Tiefe zu sehen. Perspektiven auszuschließen, sei ein Luxus, den wir uns nicht leisten können, wir müssen sie vervielfältigen. Mit großer Bescheidenheit und Aufrichtigkeit gibt Arpe Caspary im Gespräch Einblick in seine Denk- und Erlebniswelt und lässt das Bild eines Mannes erkennen, der nicht nur bereit und dazu in der Lage ist, für sich selbst, sondern auch für andere und die Gesellschaft Verantwortung zu übernehmen.
Buchtipp:
David Goodhart "Road to Somewhere - Wie wir Arbeit, Familie und Gesellschaft neu denken müssen" (millemari, 2020)
https://www.amazon.de/gp/product/3967060187/ref=as_li_tl?ie=UTF8&camp=1638&creative=6742&creativeASIN=3967060187&linkCode=as2&tag=weltweitpodca-21&linkId=0b6e51a31968f773c5f8b5998597c2a2
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Cathrin Shalev hat keine Angst vor Herausforderungen. Sie liebt es, sich ihnen zu stellen und zu sehen, wie weit sie ihre Grenzen nach außen verschieben kann. Wenn sie doch einmal an ihre Grenzen stößt, ist es für sie der Auftakt zu einem neuen Spiel und neuen Möglichkeiten. So war das in ihrer vom Hochleistungssport geprägten Kindheit und Jugend als mehrfache deutsche Tennismeisterin und Jugendsprecherin, so ist das für sie heute als Wegbereiterin für israelisch-deutschen kulturellen und zunehmend auch wirtschaftlichen Austausch.
Vor 30 Jahren kam sie wegen einer Liebesbeziehung nach Israel und ist dort, um heiraten zu können, zum Judentum übergetreten. Damals bereitete ihr ihr Deutschsein Unwohlsein. Als Mutter von drei Söhnen musste sie miterleben, dass ihre eigenen Kinder in der Öffentlichkeit nicht Deutsch mit ihr sprechen wollten. Sie wurde nie direkt auf den Holocaust angesprochen, es war vielmehr etwas, das sich unter der Oberfläche abspielte und ihr ein permanentes Gefühl von Schuld verursachte. Auch die deutsche Mentalität war in Israel nicht angesehen, sondern als starr und improvisationsunfähig verschrien. Das motivierte Cathrin Shalev, sich für ein besseres Deutschlandbild in Israel einzusetzen. Sie hat mit Unterstützung des DAAD für lange Zeit das Haifa Center for German and European Studies administrativ koordiniert und unterrichtet heute dort Deutsch als Ortslektorin, sie hat das Zentrum für Deutsche Sprache und Kultur in Haifa gegründet, dessen Geschäftsführerin sie ist, und hat eine Sprachschule mit Zweigstellen in sechs israelischen Städten aufgebaut.
In 30 Jahren hat sich viel verändert. Deutschland wird von den Israelis mittlerweile als das, was es über den Holocaust hinaus ist, wahrgenommen. Alle großen deutschen Firmen haben eine Niederlassung in Israel, junge Israelis suchen Zukunftschancen in Deutschland und ältere Menschen trauen sich, die deutschen Klassiker aus dem Bücherregal zu nehmen. Die deutsche Sprache ist geradezu hip.
Cathrin Shalev genießt die Früchte ihrer Arbeit. Sie ist zu Hause in beiden Ländern und hat beide Pässe. Sie bewegt sich im Bereich der diplomatischen Beziehungen, der Sprachvermittlung und Übersetzung und der wirtschaftlichen Zusammenarbeit. Für die Zukunft wünscht sie sich, wie alle jüdischen und arabischen Mütter in der Region, Frieden. Auf das Wie hat allerdings auch sie keine Antwort.
Bei allem, was sie erreicht hat, einen ganz persönlichen Traum hat sie noch: Sie möchte ein Buch schreiben und über die Entwicklung, zu der sie entscheidend beigetragen hat, reflektieren. Dafür braucht sie allerdings Zeit, die sie erst haben wird, wenn alle Turniere gespielt sein werden und sie vom Platz geht. Das ist noch lange hin.
Chraime (Marokkanischer Fisch)
1 Glas Olivenöl
3 rote Paprika (in groben Streifen geschnitten)
2 rote Peperoni (in Scheiben schneiden)
1,5 Köpfe Knoblauch (einzelne Knoblauchzehen)
1 großzügige Menge Koriander (hier sagt man ein halbes Bund, aber da das Bund in D so mickrig ausfällt ;-), habe ich es anders formuliert)
2 Löffel rotes süßes Paprikapulver
Salz, Pfeffer nach Geschmack
ca. 1-2 Glas Wasser
1. Olivenöl erhitzen
2. rote Paprika und Peperoni in 10 min. in Olivenöl dünsten
3. Knoblauch, andere Gewürze und das Wasser hinzugeben - eine Viertelstunde köcheln lasse
4. nach dem Hinzufügen jeder neuen Zutat immer mal durchrühren und vermischen den in ca. 8 cm große Stücke geschnittenen Fisch in die Pfanne geben und weiterkochen, bis er gar ist
Die Soße sollte gut eingekocht sein. Am Ende ist wenig Soße in der Pfanne, da alles sehr eingekocht ist. Man isst den Fisch mit der typischen "Challah", dem Weißbrotzopf, auf die man am Freitagabend den "Kiddush", das Shabbatgebet, spricht.
Hat euch die Folge mit Cathrin gefallen? Habt ihr das Rezept ausprobiert? Hinterlasst uns einen Kommentar und teilt eure Gedanken mit uns.
Bekannt wie ein bunter Hund ist er in seiner kleinen Universitätsstadt Corvallis, die im Nordwesten der USA liegt. Dort fährt Sebastian Heiduschke, der als Professor einen Lehrstuhl für German Cultural Studies an der Oregon State University innehat, auch schon mal mit einem original Trabant durch die Stadt. Die Faszination für die Weite und auch der American Dream haben ihn damals, vor 22 Jahren, in die USA geführt. Nach Zwischenstationen in Florida, Texas und Montana lebt er nun idyllisch mit Familie, Hühnern und Hunden in Oregon. Davon, dass in Oregon - eigentlich ein „blauer“, also ein demokratisch wählender Staat - trotzdem viele Menschen Trump gewählt haben, von den Unterschieden zwischen Land und Stadt und von einer neuen Aufbruchstimmung nach der Wahl Joe Bidens zum 46. Präsident der USA erzählt Sebastian Heiduschke.
Er war derjenige, der 2008 den ersten Fernstudiengang Germanistik in den USA, vielleicht sogar weltweit, auf die Beine gestellt hat. Präsenzunterricht könne nicht einfach in Online-Unterricht übertragen werden und der Schlüssel zum erfolgreichen Online-Unterricht läge nicht in der perfekten Beherrschung der Technologie, sondern vor allem darin, die Lebenswelten der Studierenden und Lernen aufzugreifen. Dazu gehöre auch, dass asynchrones Lernen, also Lernen im Selbststudium nach eigener Zeitgestaltung, einen Anteil an moderner Online-Lehre haben solle.
Darüber hinaus gilt sein professionelles, aber auch privates Interesse dem Film. Dieses Interesse teilt er auch gern mit anderen Filmbegeisterten: In Corvallis organisiert er regelmäßig Film-Festspiele, bei denen auch schon mal der ein oder andere DEFA-Film gezeigt wird. Was all das auch mit einer Karl Marx-Briefmarke zu tun hat, erfahrt ihr ausführlich in unserem Gespräch mit Sebastian.
Für alle, die gern Filme sehen, hat Sebastian Heiduschke einen Filmtipp.
Thomas Heise: Heimat ist ein Raum aus Zeit. D/Ö 2019
https://www.amazon.de/Heimat-ist-ein-Raum-Zeit/dp/B087QQMK4C/ref=tmm_aiv_swatch_0?_encoding=UTF8&qid=1612179360&sr=8-2
Wie fandet ihr die Folge mit Sebastian? Könntet ihr euch vorstellen, in den USA zu leben und zu arbeiten? Oder arbeitet ihr vielleicht selbst da?
Erzählt von euren Ideen und hinterlasst uns gern einen Kommentar oder eine Nachricht.
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