Wild beim Wild

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Wild beim Wild episodes

  • Podcast-Episode: Tierrechte zwischen Jagd und Schutz

    Studien zeigen: Intensive Fuchsjagd senkt weder Bestände noch Schäden zuverlässig. Während 3'200 Menschen in Zürich für Tierrechte demonstrierten und weitgehend unbeachtet blieben, werfen Fälle aus Ramiswil und dem Tessin Fragen nach selektivem Tierschutz, Transparenz und politischem Druck auf.

    Alle Hintergründe und Quellen: https://wildbeimwild.com/podcast-episode-tierrechte-zwischen-jagd-und-schutz/

    11 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Tierschutz

    In dieser Folge nimmt die IG Wild beim Wild vier Felder auseinander: die Widersprüche der Jagdethik im Kanton Jura, das politisch bewirtschaftete Feindbild Wolf, die Rückkehr von Fischadler und Storch und die messbaren Risiken von Bleimunition im Wildfleisch. Zahlen, die eine andere Geschichte erzählen als die Selbstdarstellung der Hobby-Jagd.

    Alle Hintergründe und Quellen: https://wildbeimwild.com/podcast-episode-jagd-wildtiere-und-tierschutz-2/

    8 min
  • Podcast-Episode: Natur, Tiere und Machtmissbrauch

    Ein Gericht in Cloppenburg verurteilt einen Hobby-Jäger, der bei einer Treibjagd eine Frau auf ihrem Grundstück traf. Diese Ausgabe verbindet Jagdunfall, Trophäengeschäft und die Halbzeitbilanz zum Herdenschutz mit mehr Wölfen und weniger Rissen, dazu Dürre, geschwächte Igel und ab 2027 gestrichene Klimagelder für den Wald. Zum Schluss ein Blick auf wiederkehrende Muster in Graubündens Justiz, wo fast immer erst Bern korrigieren musste.

    Alle Hintergründe und Quellen: https://wildbeimwild.com/podcast-episode-natur-tiere-und-machtmissbrauch/

    8 min
  • Podcast-Episode: Schweizer Tierschutz-Label-Kompass: Warum «Tierschutz» hier der falsche Begriff ist

    Der Beitrag kritisiert den Label-Kompass des Schweizer Tierschutzes nicht primär wegen einzelner Bewertungen, sondern wegen seiner Grundlogik: Er bewertet Bedingungen der Tierhaltung, stellt das Töten der Tiere jedoch nicht infrage. Damit, so die zentrale These, verwaltet er ein System, das er eigentlich überwinden müsste.

    Alle Hintergründe und Quellen: https://wildbeimwild.com/podcast-episode-schweizer-tierschutz-label-kompass-warum-tierschutz-hier-der-falsche-begriff-ist/

    5 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Tierschutz und Naturkonflikte

    Die Redaktion widmet sich der Frage, wo geltendes Recht und ethischer Anspruch im Umgang mit Tieren auseinanderklaffen, in der Hobby-Jagd, in Zoos und auf Farmen sowie beim Umgang mit Arten, die uns eigentlich schützen könnten.

    Im Zentrum steht die Debatte um Hobby-Jagd und Mord: Juristisch ist die Antwort eindeutig, moralisch bleibt sie umstritten. Legal bedeutet nicht automatisch legitim, und Rechtsordnungen haben sich historisch stets unter dem Druck von Ethik und Wissenschaft gewandelt. Belegt wird das mit Verhaltensbiologie, anerkannter Leidensfähigkeit und der Dimension von über 85 Millionen jährlich für die Fleischproduktion getöteten Tieren in der Schweiz. Der Kanton Genf, der die private Jagd bereits 1974 abgeschafft hat, dient als Gegenmodell.

    Weitere Themen: illegale Hasenhetzjagden in Grossbritannien als Beispiel fehlender Kontrolle, die Nachwuchswerbung von JagdSchweiz an Schulen im Licht des UN-Kinderrechtsausschusses, und Basel-Stadt, das einen Verzicht auf die reguläre Fuchsjagd prüft.

    Dazu kommen das gescheiterte Oktopus-Farm-Projekt von Nueva Pescanova auf Gran Canaria, der Zucht-Skandal am Nürnberger Zoo mit den Guinea-Pavianen und schliesslich der Biber als natürlicher Brandschutz, dessen Abschuss die Schweiz seit 2025 erlaubt, obwohl das Stimmvolk eine solche Ausweitung 2020 abgelehnt hatte.

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    7 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Tierschutz

    In dieser Folge nimmt sich die Redaktion «Wild beim Wild» jener Schlagzeilen vor, die schneller kursieren als die Fakten, die sie belegen sollten.

    Ausgangspunkt ist ein toskanischer Vorfall, der europaweit als bestätigter Wolfsangriff verbreitet wurde, obwohl weder eine DNA‑Probe noch eine amtliche Bestätigung vorlagen. Korrekt wäre «vermeintlicher Wolfsangriff» gewesen. Behörden stellten später fest, dass sich beim Erscheinen des Tieres niemand im Garten befand.

    Dasselbe Muster zieht sich durch die baltische Jagdpolitik: Lettland erhöht die Wolfsquote auf 400 Tiere, obwohl der eigene Rechnungshof die Bestandsbewertung als nicht nachvollziehbar bezeichnet. Und in Schwyz sammelt die SVP Geld für Bussen, die es bislang nie gab.

    Weiter geht es um den in Freiburg praktisch ausgestorbenen Auerhahn, dessen Bestand schweizweit von rund 1100 auf 380 bis 480 balzende Hähne gesunken ist, vollständig in einer Zeit ohne legalen Abschuss. Trotzdem fordert der Jagdverband mehr Technik statt Selbstreflexion. Dazu kommen steigende Wildschweinschäden trotz Rekordabschüssen von über 12’000 Tieren, ein Graubündner Hirschbestand, den erst Wolf und Luchs nachweislich senkten, sowie eine Undercover-Recherche über Gewalt in italienischen Zirkussen.

    Die verbindende Frage: Wer prüft die Grundlagen, auf denen Entscheide gefällt werden? Und wer trägt die Kosten, wenn niemand nachfragt?

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    5 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Naturschutz

    Faido: Femizid, Schalldämpfer, Schweigen
    Am 9. Juli 2026 stirbt eine Frau in Faido durch einen Kopfschuss. Der Täter, ihr Ex-Mann, war Hobby-Jäger mit legalem Waffenbesitz. RSI bestätigte dies schriftlich. Weil niemand den Schuss hörte, gehen die Ermittler von einem Schalldämpfer aus, in der Schweiz grundsätzlich verboten, ausser für Inhaber eines Jagdpatents. Bereits der zweite Tessiner Fall innert kurzer Zeit mit Schalldämpferbezug.

    Die grosse Jagd-Lüge
    In der Schweizer Medienberichterstattung fehlte das Wort «Hobby-Jäger» fast durchgängig, obwohl die Polizei es mehrfach nannte. Aus dem Täter wurde der Ex-Mann, der Unternehmer, der 59-Jährige. Kein Einzelfall, sondern Methode.

    Europas frisierte Unfallzahlen
    Deutschland meldet für 2025 null Tote bei 460 Jagdunfällen, während im November ein Hobby-Jäger vier Familienmitglieder erschoss und im Dezember ein weiterer seinen Nachbarn. Italien: 8 Tote laut Verband, 12 laut unabhängiger Opferorganisation im selben Zeitraum. Spanien führt gar keine nationale Statistik.

    Bogenjagd-Podium Utzenstorf
    Vier Teilnehmende mit Jagdbezug, eine Kritikerin. Die JagdSchweiz-Umfrage zur Bogenjagd von 2025 bleibt über ein Jahr nach Fristende unveröffentlicht. Zur Sache: 24 nordamerikanische Studien ergeben eine durchschnittliche Verwundungsrate von 54 Prozent.

    Italien: «Gaslighting» im Gesetzentwurf
    CNR-Biologe Michelangelo Morganti kritisiert die geplante Neuordnung der Hobby-Jagd. Der schwerwiegendste Punkt: Die Pflicht zum wissenschaftlichen Gutachten vor jagdlichen Entscheidungen wird gestrichen.

    Das schwedische Modell
    In Schonen meldeten sich 53 Hobby-Jäger innert drei Stunden für die Schutzjagd auf einen einzigen Wolf. Ständerat Fabio Regazzi möchte dieses Modell für die Schweiz. David Gerke von der Gruppe Wolf Schweiz verweist auf die nicht überlebensfähigen Bestände dieser Länder.

    Aargau: Stahlkanzeln ohne Verfahren
    Zwei Jagdkanzeln ausserhalb der Bauzone in Schwaderloch und Mettauertal, in den Baupublikationen kein Bewilligungsverfahren auffindbar. Antwortfrist bis 7. August 2026.

    Portugal: Julie im Pangea-Schutzgebiet
    Nach über vierzig Jahren Gefangenschaft lebt die Elefantenkuh Julie im ersten grossflächigen Elefanten-Schutzgebiet Europas, 400 Hektar im Alentejo. Kein Triumph, sondern Schadensbegrenzung.

    Fazit: Wer definiert, was gezählt wird, bestimmt, was sichtbar bleibt.

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    10 min
  • Podcast-Episode: Femizid in Faido, Explosion in Leontica

    Pip: Wenn ein Hobby-Jäger zum Femizid-Verdächtigen wird, eine Polizeifalle legt und dabei ein Haus in die Luft jagt – dann ist das keine Lokalnachricht mehr, das ist ein Muster.

    Mara: Genau darum geht es heute. Die Redaktion Wild beim Wild hat den Fall aus dem Tessin eingebettet in eine breitere Dokumentation: Waffenzugang, Schalldämpfer-Recht und die Psychologie hinter der Hobby-Jagd. Fangen wir an.

    Femizid, Explosion, Muster: Was der Fall aus dem Tessin zeigt

    Pip: Am 9. Juli 2026 wird eine 56-jährige Frau auf dem Gelände einer Rehaklinik in Faido mit einer Kopfschussverletzung gefunden. Niemand hatte einen Schuss gehört. Einen Tag später sprengt ihr Ex-Mann ein Haus in Leontica in die Luft – eine gezielte Falle für Einsatzkräfte. Der Täter kommt dabei selbst ums Leben.

    Mara: Die Tessiner Kriminalpolizei hat auf der Medienkonferenz vom 13. Juli bestätigt: Der Mann war Hobby-Jäger. RSI bezeichnete das als «fatto accertato e confermato» — als gesicherte und bestätigte Tatsache. Er war legal im Besitz mehrerer Waffen.

    Pip: Und weil niemand den Schuss hörte, geht die Polizei von einem Schalldämpfer aus. Das ist die entscheidende offene Frage: Woher kam er?

    Mara: Schalldämpfer sind in der Schweiz grundsätzlich verboten. Ausnahmen erteilen Kantone unter anderem an Personen mit Jagdpatent. Ob der Täter über eine solche Bewilligung verfügte, ob die Waffe registriert war, ob der Schalldämpfer legal oder illegal war – das alles war laut RSI am 14. Juli noch ungeklärt.

    Pip: Das ist der Kern. Der Schalldämpfer-Zugang ist in der Schweizer Waffengesetzgebung faktisch ein Privileg bestimmter Bewilligungskategorien – darunter Hobby-Jäger. Dieser Fall ist nicht der erste: Erst kürzlich wurde ein Tessiner Hobby-Jäger als Wilderer verurteilt, Schalldämpfer inklusive.

    Mara: Genau das ist das erste dokumentierte Muster. Das zweite betrifft Gewalt in persönlichen Krisen. In der Region kursierten laut Tessiner Medien Hinweise auf Groll und Tobsucht des Täters. Der Beitrag verweist hier auch auf die Rubrik «Psychologie der Jagd im Tessin» — mit der These, dass Freude am Töten kein harmloses Freizeitmotiv ist, sondern psychologisch als abweichendes Gewaltverhalten beschrieben wird.

    Pip: Wild beim Wild fordert deshalb jährliche medizinisch-psychologische Eignungsgutachten für Hobby-Jäger – nach niederländischem Vorbild – und eine verbindliche Altersobergrenze. Die grösste Altersgruppe unter Hobby-Jägern ist heute 65 plus, und Unfallanalysen zeigen: schwere Jagdunfälle nehmen ab dem mittleren Lebensalter signifikant zu.

    Mara: Das Fazit des Beitrags ist direkt: «Der Zugang zu Schalldämpfern wird in der Schweizer Waffengesetzgebung faktisch zu einem Privileg bestimmter Bewilligungskategorien, darunter Hobby-Jäger.» Was das bedeutet, zeigt der Fall Faido – nicht als Einzelfall, sondern als Wiederholung.

    Pip: Die Ermittlungen der Tessiner Staatsanwaltschaft laufen noch. Sobald es Neuigkeiten zur Waffenherkunft gibt, bleibt Wild beim Wild dran.

    Mara: Waffenrecht, Schalldämpfer-Ausnahmen, Psychologie der Gewalt – das sind keine abstrakten Debatten, wenn ein konkreter Fall sie zusammenführt.

    Pip: Und solange die Staatsanwaltschaft ermittelt, bleiben die entscheidenden Fragen offen. Wir hören wieder, wenn Antworten kommen.

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    4 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Lobby und Wildtiere

    Wild beim Wild nimmt sich in dieser Folge die Strukturen vor, die das Bild der Hobby-Jagd prägen, bevor überhaupt ein Schuss fällt.

    Ausgangspunkt ist der «Landshuter Dialog» im Jagdmuseum Utzenstorf, wo am 19. Juli über die Zulassung der Bogenjagd in der Schweiz diskutiert wird, mit einer bogenjagenden Referentin und einem Hobby-Jäger als Moderator. Die wissenschaftliche Grundlage gegen die Bogenjagd ist deutlich: In einer Studie der Universität Oklahoma wurde die Hälfte der beschossenen Weisswedelhirsche nur verletzt und zunächst nicht gefunden, und selbst die geschönten Zahlen der Verbände weisen eine Verwundungsrate von sechzehn bis siebzehn Prozent aus.

    Dazu passen der Bericht einer Reporterin, die die Prüfung zum Hobby-Jäger bestand, ohne je im Wald gewesen zu sein, sowie die Event-Inszenierung am Sustenpass und Rouchgrat, wo Natur zur Kulisse für Schiessparcours und Waffenmessen wird.

    Der zweite Teil zeigt die ökologischen Grenzen der Hobby-Jagd. In Graubünden lobt das Amt für Jagd und Fischerei die Hobby-Jägerschaft für sinkende Hirschbestände und verschweigt den eigentlichen Faktor: Seit Jahrzehnten stiegen die Bestände trotz Hoch- und Sonderjagd, erst mit der Rückkehr der Beutegreifer Wolf und Luchs gehen sie zurück. Rund 1000 erlegte Tiere um 1950, über 5’000 um 2020, Höchststand 6’515 im Jahr 2017.

    Eine Neuenburger Wolfsstudie verfolgt einen abschussfreien Ansatz über Duftmarkierungen und mögliche «Duftbarrieren» zum Herdenschutz.

    Aus Spanien kommen Gegenbeispiele: Doñana trocknet aus, die Jagdlobby ruft nach mehr Jagd, obwohl der Wildschweinbestand 2024 ein Allzeittief erreichte, dazu schwere Tierschutzverstösse in einem Schlachthof in Segovia.

    Der Schlussteil verbindet Lobby, Blei und kantonale Realitätstests. Der REACH-Ausschuss der EU-Kommission billigte am 25. Juni 2026 ein Bleiverbot für Jagdmunition mit sieben Jahren Übergangsfrist statt achtzehn Monaten, Kugelmunition fällt ganz heraus, koordiniert durch FACE und die Munitionsindustrie. In der Schweiz gilt die Frist bis Ende 2029, Bleischrot ausserhalb von Feuchtgebieten bleibt unreguliert.

    Der Vergleich Zug gegen Luzern zeigt den Umgang mit derselben Fuchspetition: Zug bestellte eine SWILD-Fachstudie und beschloss drei Massnahmen, Luzern stimmte 105 zu 0 gegen den Fuchsschutz. Dazu Trentino, das ab 2027 die Bogenjagd auf selbst geschaffene Wildschweinbestände einführen will, der Bundesjägertag in Suhl mit fragwürdiger Verbandswerbung sowie Wildtier Schweiz, das trotz Nähe zu JagdSchweiz die eidgenössische Statistik führt. Als Gegenmodell steht das Genfer System, das seit 1974 ohne Hobby-Jagd auskommt, mit einer Soforttodrate von 99,5 Prozent und den höchsten Feldhasendichten der Schweiz.

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    8 min
  • Podcast-Episode: Jagd, Wildtiere und Konflikte

    Diese Woche dokumentiert die Redaktion Wild beim Wild eine dichte Nachrichtenlage aus drei Ländern – mit einem gemeinsamen Muster: Schutzstandards geraten unter politischen Druck, und die ökologischen wie finanziellen Kosten trägt am Ende die Allgemeinheit.

    Jagdrecht in Italien, Deutschland und der Schweiz

    In Italien hat der Senat die umstrittene Reform DDL 1552 mit 80 zu 56 Stimmen angenommen – trotz einer päpstlichen Stellungnahme, 400’000 Unterzeichnenden einer Petition und Warnungen der EU-Kommission. Das Gesetz weitet die Jagd in Schutzgebieten aus, schwächt den wissenschaftlichen Beirat ISPRA und würde die Nutzung lebender Lockvögel stark ausweiten. Die EU sieht Verstösse gegen die Vogel- und Habitatrichtlinie; ein Vertragsverletzungsverfahren läuft bereits.

    In Niedersachsen trat zeitgleich ein neues Jagdgesetz in Kraft, das Verbesserungen wie das Baujagdverbot und eine erhöhte Ausbildungspflicht bringt – aber auch die jährlichen Abschusspläne für Rehwild abschafft. Mehr Kontrolle einerseits, weniger staatliche Bestandssteuerung andererseits.

    In der Schweiz plant der Bundesrat, Wölfe künftig auch in Banngebieten und während der Schonzeit abschiessen zu lassen – obwohl Studien zeigen, dass letale Eingriffe Konflikte mit Nutztieren oft nicht verringern. Im Kanton Freiburg stellt sich die Regierung hinter die Hobby-Jägerschaft – während die eigenen Zahlen belegen, dass die Wildhut 2025/26 allein viermal so viele Wildschweine erlegte wie die Sommerjagd.

    Wildtiere unter Hitze- und Lärmdruck

    Die Schweizer Hitzewelle 2026 mit regional bis zu 38 Grad trifft zeitlich mit der Rehbrunft zusammen. Rehböcke fressen in dieser Phase kaum und sind besonders auf Wasser und thermische Rückzugsräume angewiesen. Dennoch findet in dieser Zeit die Blattjagd statt. Für Fischerei gibt es temperaturbasierte Schonzeiten – für terrestrisches Wild fehlen solche Schwellenwerte vollständig.

    Hinzu kommt der Stressfaktor Feuerwerk: Lautes Privatfeuerwerk trifft auf Wildtiere, die durch die Hobby-Jagd bereits unter chronischem Stress stehen. Die Feuerwerksinitiative, über die voraussichtlich Ende 2026 abgestimmt wird, ist in diesem Kontext zu lesen. Und Beutegreifer wie Wolf und Luchs zeigen am Calanda-Massiv, was regulatorische Natur leisten kann: Nach Rückkehr des Wolfsrudels war wieder Jungwuchs in Altersstufen sichtbar, die jahrzehntelang gefehlt hatten.

    Jagdpraxis vor Gericht und unter Lupe

    Seit Mitte Juni steht ein 60-jähriger Hobby-Jäger vor dem Landgericht Heilbronn. Die Anklage lautet auf versuchten Mord: Er soll Drahtseile über einen Mountainbike-Trail gespannt haben, um Erholungssuchende aus seinem Revier zu vertreiben. Das Urteil wird Ende Juli erwartet. Vergleichbare Fälle aus Österreich 2018 und dem Raum Heilbronn 2024 zeigen, dass dies kein Einzelfall ist.

    In Frankreich wurden drei Hobby-Jäger verurteilt, weil sie einem Aktivisten das Mobiltelefon entreissen wollten, mit dem er eine Parforcejagd filmte. Das Urteil bestätigt: Wer eine öffentliche Tätigkeit im Staatswald dokumentiert, handelt rechtmässig.

    Im Kanton Zürich konfrontierte eine Bürgerin die kantonale Jagdbehörde mit einer Peer-Review-Studie aus dem Fachjournal «Biological Conservation», die die jährlichen Kosten der Fuchsbejagung in Frankreich auf 103 bis 123 Millionen Euro beziffert – bei offiziell gemeldeten Schadenskosten von 8 bis 23 Millionen. Der Behördenvertreter bezeichnete die Quelle als «sicher nicht seriös». Der Kanton Zug hat auf Basis der unabhängigen SWILD-Studie beschlossen, die Fuchsjagd nicht mehr proaktiv zu fördern. Zürich nicht.

    In Nidwalden verurteilte das Obergericht einen Hobby-Jäger, der zwei Rothirsche rund 15 Minuten nach Ende der Schusszeit erlegt hatte – Gesamtkosten: 8’270 Franken.

    In Graubünden weitet das Nachtjagd-Pilotprojekt auf Wildschweine aus. 22 ausgeloste Hobby-Jäger dürfen in der Mesolcina nachts ansitzen – einer Region, die nachweislich mit Cäsium-137 aus dem Tschernobyl-Fallout belastet ist. Wer das Fleisch privat konsumiert, ist von der Messpflicht ausgenommen. Und das Pilotprojekt benennt kein Erfolgskriterium.

    Im Aargau wurden auf Schloss Habsburg 39 neue Hobby-Jäger brevetiert; eine Grossrätin des Bauernverbands dankte ihnen für den Einsatz, «das Ökosystem im Gleichgewicht zu halten» – ohne zu definieren, welches Gleichgewicht und gemessen woran.

    Zum Abschluss eine Frage der Herkunft: Eine Engadiner Metzgerei vermarktet eine Hirschwurst als regionale Spezialität – 51 Prozent des Fleisches kommen aus Neuseeland. Rund zwei Drittel des in der Schweiz verkauften Wildfleisches stammen aus dem Ausland. Zwischen dem romantischen Bild des regionalen Wilds und der Realität auf der Packung liegen Kontinente.

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    10 min

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