Gespräche auf Augenhöhe, auf Höhe der Zeit: Die „ZEITGESPRÄCHE“ sind ein eindrückliches Zeugnis von Anstand und Respekt.
Zeit für Gespräche – Zeit für Antworten. Gerhard Schmid liefert mit seinen „ZEITGESPRÄCHEN“ beides. Und das zur richtigen Zeit. Denn mit dieser Reihe gelingt, was in der Eile des Alltags oft leider zu kurz kommt: Erfahrung und Persönlichkeit zusammenbringen. Das Gespräch suchen und finden. Zuhören, Menschen und ihre Geschichten und Erfahrungen wirken lassen.
In dieser Ausgabe der Zeitgespräche begrüße ich herzlich meine beeindruckende und faszinierende Gastfrau, Hanna Lessing, Generalsekretärin des österreichischen Nationalfonds. Wir sprechen über ihre Rolle und Funktion, die sie im Parlament hat, und wie sie sich mit dem Thema Antisemitismus, Entschädigung und Wiedergutmachung auseinandersetzt.
Hanna erzählt, dass sie in einer Zeit aufgewachsen ist, in der diese Themen kein Thema waren und alle nach vorne schauen wollten. In den 80er Jahren hat sich jedoch etwas geändert und Hanna wurde bewusst, dass sie entweder besonders freundlich behandelt oder gemieden wurde, weil sie eine Jüdin ist. Sie wollte, dass sich der Umgang untereinander normalisiert und übernahm daher 1995 den Job als Generalsekretärin des Nationalfonds.
Ihr Vater war ein berühmter Fotograf, der die Zeitgeschichte festgehalten hat. Diese Erfahrungen haben Hanna dazu geprägt, etwas bewegen und verändern zu wollen. Sie hat die Chance ergriffen, um sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen und ist der Ansicht, dass dies auch für die Jugend wichtig ist. Es geht darum, den dunkelsten Zeiten unserer Geschichte, die trotzdem Teil davon sind, angemessen zu begegnen. Hanna sieht es als ihre tägliche Aufgabe an, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen.
Ich glaube, es ist wichtig, eine positive Perspektive in die Zukunft zu haben. Obwohl ich viel Leid und schreckliche Geschichten gehört habe, habe ich auch gesehen, dass Menschen trotzdem Resilienz und etwas Positives zu geben haben. Es ist unsere Aufgabe, die Geschichte nicht nur als eine Lehre aus der Vergangenheit zu betrachten, sondern auch einen Zusammenhang zum Heute herzustellen.
Es gibt zwar viele Bildungseinrichtungen und Projekte, die sich mit der Erinnerungsarbeit beschäftigen, aber trotzdem steigt Rassismus, Antisemitismus, Xenophobie und Misogynie immer noch an. Wir müssen Symbole setzen und die Erziehungsarbeit, Demokratie, Vermittlung, Zivilcourage und Antirassismus fördern. Es ist wichtig, dass Gedenktage nicht nur symbolisch sind, sondern auch Inhalte vermitteln und Jugendliche einbeziehen. Lehrer sollten sich mehr Zeit für Einzelgespräche nehmen und mit Jugendlichen über diese Themen offen sprechen.
Wir sind viel im Ausland unterwegs und vertreten Österreich in verschiedenen Expertenkreisen und Gremien. In Bezug auf Investitionen ins Bildungssystem vergleiche ich diese mit Amerika, europäischen Ländern, Kanada usw. Ich bin der Meinung, dass es keinen verstärkten Handlungsbedarf gibt. Österreich ist in puncto Holocaust-Unterricht sehr gut aufgestellt und dient als Vorbild für andere Länder, nicht nur im Unterricht, sondern auch in der Restitution und Erinnerungsarbeit.
Es ist wichtig, Erinnerungsorte zu schaffen, da die Zeitzeugen langsam verschwinden und die Erinnerungen ins kollektive Gedächtnis übergehen sollen. Im Unterricht und in der Erinnerungskultur sind wir gut, aber es ist wichtig, diese auch mit Aktivitäten zu begleiten. Jugendliche sind interessiert und haben viele Fragen. Es ist wichtig, ihnen Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Die politische Bildung könnte in Österreich noch ausgebaut werden.
In Bezug auf Antisemitismus habe ich oft erlebt, dass Ausländer ein negatives Bild von Österreich haben, obwohl es in anderen Ländern auch Probleme gibt. In Paris habe ich aggressiven Antisemitismus erlebt. In Österreich gibt es eine Zunahme des Antisemitismus, und es ist wichtig, zwischen verschiedenen Formen zu unterscheiden. Der Sprecher berichtet, dass er selbst antisemitische Beleidigungen erlebt hat, obwohl er einen Davidstern trägt. Er erkennt, dass Antisemitismus existiert und dass noch viel Arbeit zu tun ist, um dagegen anzukämpfen.
Er betont auch die Notwendigkeit, gegen Angriffe auf muslimische Mitbürger/innen vorzugehen und sich für eine aufgeklärte und humanistische Gesellschaft einzusetzen. Darüber hinaus erwähnt er auch den Antisemitismus, die Islamophobie, die Diskriminierung von Roma und Sinti sowie die Unterstützung sexueller Minderheiten. Er betont, dass ein Wohlfahrtsstaat und eine gute soziale Absicherung notwendig sind, um gesellschaftliche Unterschiede zu überbrücken.
Bildung und Aufklärung spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, um Vorurteile abzubauen. Der Sprecher nennt den Besuch von Auschwitz mit einer Gruppe von Imamen und Rabbinern als berührendes Erlebnis und plädiert dafür, Vorurteile jeden Tag zu hinterfragen. Das Bildungssystem müsse sich auf die Vermittlung einer weltoffenen und toleranten Sichtweise konzentrieren. Reisen und kosmopolitisches Denken seien ebenfalls von großer Bedeutung.
Der Sprecher betont, dass Vorurteile vorhanden sind und dass man ehrlich zu sich selbst sein muss, um sie zu erkennen und zu überwinden. Er spricht auch von autoritären Tendenzen in Europa und hebt die Bedeutung des Bildungssystems hervor, um diesen entgegenzutreten und Zivilcourage zu fördern. Der Sprecher betont, dass man bereits im Kindergarten und im Vorschulalter mit Achtsamkeit und dem Zusammenleben mit verschiedenen Menschen beginnen sollte. Er berichtet von seiner eigenen Erfahrung in einer multikulturellen Schule und plädiert dafür, bereits frühzeitig diesen Umgang mit Vielfalt zu lernen.
Wir haben uns darauf geeinigt, dass der Hauptschwerpunkt unserer Projektförderung auf den Projekten liegt, die den noch lebenden Opfern zugutekommen. Das beinhaltet Psychotherapien und die Gründung von Österreicher-Clubs für Überlebende des Holocausts. Nun konzentrieren wir uns vermehrt auf Forschung, um offene Fragen zu beantworten.
Lange Zeit wurde nicht genug über die Täter geforscht, doch nun haben wir zwei Großprojekte gestartet, darunter die Neugestaltung der österreichischen Ausstellung in Auschwitz-Birkenau, bei der wir auch über die Täter sprechen. Unsere aktuellen Projekte zielen darauf ab, Geschichte zu vermitteln und diese Vermittlung auch in die Bundesländer zu bringen.
Wir haben einen Simon Wiesenthal-Preis ins Leben gerufen, der einmal im Jahr für zivilgesellschaftliches Engagement verliehen wird. In den nächsten Jahren werden wir uns vor allem auf die Erinnerungskultur konzentrieren und unsere einzigartigen Akten digitalisieren, um der Forschung die Möglichkeit zu geben, spezifische Lebensgeschichten zu untersuchen. Unsere Hauptaufgabe wird weiterhin die Vermittlung sein.
Mit Mary Striep, Rosemary Harris und vielen anderen. Mein Vater hat es gehasst und es als Banalisierung bezeichnet. Ich hingegen sehe darin die Möglichkeit, Geschichte durch Einzelschicksale erlebbar zu machen. Die Serie hat weltweit einen unglaublichen Effekt gehabt. Auch wenn es wissenschaftlich betrachtet kritisch gesehen wird, konnte jeder ein Stück mitfühlen. In unseren Aktenbeständen gibt es auch Beispiele für Entzug, wie zum Beispiel den Entzug einer Füllfeder oder einer Harley-Davidson. Das ist greifbarer.
In meiner Freizeit spiele ich seit fast 30 Jahren Golf. Das ist eine Möglichkeit, mich abzulenken und mich dem Golfball in der Natur zu widmen. Außerdem singe ich, früher im Chor und jetzt mit einer Gesangslehrerin. Es gibt auch wichtige Themen wie Antisemitismus, bei denen wir aktiv sind. Wir haben die erste Antisemitismus-Definition in der International Holocaust Remembrance Alliance geschaffen, die von vielen angewendet wird.
Große Fußballvereine haben viel in Aufklärungsarbeit investiert. Es ist wichtig, junge Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Vielen Dank
Die „ZEITGESPRÄCHE“ sind geprägt von Anstand und Respekt. Vor Menschen, Werten und dem demokratischen Miteinander. Sie verbinden spannende Einblicke mit klugen Gedanken und vergnüglichen Momenten im Leben wunderbarer Persönlichkeiten.