Worum es in dieser Folge gehtDie Pandemie hat digitale Selbsthilfe in Deutschland beschleunigt. Sie hat die Präsenzgruppe aber nicht ersetzt. Digitale und hybride Formen können Menschen erreichen, wenn lange Wege, eingeschränkte Mobilität, Sorgearbeit, Schichtarbeit oder fehlende lokale Gruppen eine Teilnahme vor Ort erschweren. Gleichzeitig schaffen sie neue Hürden: Technik, fehlende Privatsphäre, unklare Datenverarbeitung und die Frage, wer einen digitalen Raum wirklich trägt.
Im Mittelpunkt steht deshalb nicht der nächste Toolvergleich. Es geht um die Frage, was aus einem Video-Link, einem Chat oder einer Community einen vertrauensvollen Raum macht. Eine digitale Selbsthilfegruppe braucht mehr als funktionierende Software: verlässliche Menschen, klare Regeln, geschützten Zugang, möglichst wenige personenbezogene Daten, Teilhabe ohne Kamerazwang und Unterstützung im Hintergrund.
Die Folge blickt besonders auf die Suchtselbsthilfe. Öffentliche Kommunikation, Podcasts und Social Media können Scham verringern und erste Orientierung geben. Professionelle digitale Suchtberatung kann beim nächsten Schritt helfen. Beides ist jedoch nicht dasselbe wie eine geschützte Selbsthilfegruppe, in der Betroffene und Angehörige sich regelmäßig und auf Augenhöhe austauschen.Themen dieser Episode
Was Corona in der digitalen Selbsthilfe dauerhaft verändert hat
Warum digitale Selbsthilfe Präsenz erweitert, aber nicht ersetzt
Die Unterschiede zwischen Selbsthilfegruppe, Community, Podcast und professioneller Beratung
Warum Suchtselbsthilfe ein besonderer Prüfstein für digitale Räume ist
Datenschutz als Beziehungsschutz: Zugang, Pseudonyme, Screenshots und Vertraulichkeit
Warum ein bekanntes Tool noch kein Vertrauensraum ist
Die Vision eines digitalen dritten Raums für SelbsthilfeZentrale Gedanken zum Mitnehmen
Ein Link ist noch kein Raum.
Datenschutz ist in der Selbsthilfe nicht nur Bürokratie. Er schützt Beziehungen und die Freiheit, etwas Persönliches sagen zu können.
Öffentliche Sichtbarkeit kann eine Brücke sein. Geschützter Austausch braucht einen anderen Ort.
Selbsthilfe braucht digital nicht mehr Funktionen, sondern mehr Verlässlichkeit.Weiterführende Informationen
NAKOS: Digitale Selbsthilfe
NAKOS: Datenbank für digitale Selbsthilfegruppen und Communities
gesund.bund.de: Digitale Selbsthilfe
Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Digitale Angebote der Sucht-Selbsthilfe
DigiSucht: Professionelle digitale Suchtberatung
DHS: „Digitale Brücken“ – Podcasts und Social Media in der Sucht-Selbsthilfe
NAKOS-Handreichung: Digitale Treffen von Selbsthilfegruppen