Michael Cremann & Katrin Becker-Oligmüller, Deutsche Kinderhospiz Dienste e.V.
Willkommen zu einer Folge, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, weil sie im Rahmen des Podcasthon 2026 entsteht und ich diese Bühne ganz bewusst nutzen wollte, um ein Thema sichtbarer zu machen, das viel zu oft weggeräumt wird. Denn in Deutschland leben über 100.000 Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Erkrankungen – eine Zahl, die mich selbst erschreckt hat – und trotzdem wird nur ein kleiner Teil der Familien tatsächlich durch Kinderhospizdienste begleitet.
Mit meinen beiden Gästen Michael Cremann (Fundraising Manager) und Katrin Becker-Oligmüller (Leitung Fundraising Development, mit eigener intensiver Ehrenamts-Erfahrung), Deutsche Kinderhospiz Dienste e.V., räumen wir erstmal mit dem größten Missverständnis auf: Hospiz ist nicht automatisch „am Bett sitzen und auf den Tod warten“. Michael erklärt sehr klar, warum Kinderhospizarbeit etwas komplett anderes meint als viele im Kopf haben: Im Kinderbereich wird ab Diagnose begleitet – solange das Kind lebt. Es geht darum, Leben zu begleiten, Erinnerungen zu schaffen, Stabilität zu geben – und ja, natürlich irgendwann auch um Trauer, aber eben nicht als „Dauerüberschrift“.
Katrin nimmt dich dann mitten hinein in die Realität: in dramatische Erstkontakte, in denen ein Vater nach einer Diagnose anruft und erstmal nur eine Frage im Raum steht: „Können Sie uns helfen?“ – und wie wichtig es in dem Moment ist, nicht mit gut gemeinten Sprüchen zu kommen, sondern auszuhalten, zuzuhören und ganz praktisch zu schauen: Was braucht ihr jetzt? Sie erzählt auch, wie Entlastung in Familien manchmal so simpel klingt – aber überlebenswichtig ist: jemand kümmert sich top ausgebildet um das erkrankte Kind, damit Eltern mal wieder Pizza essen, Kaffee trinken, zum Friseur oder zum Zahnarzt können – oder, wie eine Mutter sagt: „Super, dass du da bist, jetzt kann ich mich endlich mal duschen.“
Ein Fokus liegt in unserer Folge auf den Geschwisterkindern – weil sie fast automatisch zurückstecken, auch wenn Eltern alles geben. Und weil es einen Unterschied macht, ob ein Kind immer wieder hört „Sei leise, dein Geschwisterchen schläft“ – oder ob es feste, verlässliche Zeit bekommt: „Wunderbar, meine drei Stunden.“ Genau dafür gibt es Ehrenamtliche, die nicht belehren, nicht bewerten, nicht „erziehen“, sondern einfach da sind – zuverlässig, empathisch und ohne ungefragte Ratschläge.
Wir sprechen außerdem darüber, warum so viele Familien die Hilfe gar nicht erreichen: Weil sie nach der Diagnose oft maximal mit sich beschäftigt sind, weil das Wort „Hospiz“ Angst macht und sich für viele wie „Aufgeben“ anfühlt – und weil es schlicht zu wenig Angebote gibt. Michael sagt es deutlich: In Deutschland begleiten die Dienste aktuell unter 5 % der Familien – viel zu wenig.
Und dann kommt der Teil, den man genauso ehrlich benennen muss: Finanzierung.
Katrin erklärt, dass
70 % der Arbeit über Spenden/Sponsoring (teils auch Stiftungsgelder) möglich gemacht werden, während nur 30 % überhaupt (und dann auch spät) teilweise über Krankenkassen refinanziert werden – und selbst das nur für einen Teil der Begleitung. Dazu kommt eine Zahl, die hängen bleibt: Allein in der ambulanten Arbeit braucht es
ca. 6.200 € pro Familie, um die Begleitung aufrechtzuerhalten.
Wir sprechen auch über das Zusammenspiel von ambulant und stationär: ambulant heißt oft wöchentlich, verlässlich, Struktur in den Alltag bringen. Stationär heißt nicht „hier sterbe ich“, sondern kann sich wie das anfühlen, was wir sonst „Urlaub“ nennen: vier Wochen Anspruch im Jahr, das erkrankte Kind ist rund um die Uhr versorgt (inkl. 1:1 Pflege), und die Familie kann durchatmen, Kraft tanken und Sicherheit gewinnen.
Wenn du diese Folge hörst und danach denkst: Ich will helfen – dann nimm das bitte ernst.
Ob ehrenamtlich, als Privatperson mit 5 Euro im Monat, als Unternehmen mit einer Aktion (Waffeln, Kuchen, Wunschbaum, Mitarbeiter-Event, Gehalts-Cent-Spende) – es geht nicht um Perfektion.
Es geht darum, dass Familien in einer der schwierigsten Situationen ihres Lebens nicht alleine bleiben.
Für weitere Informationen und die Möglichkeit direkt zu Spenden, hier für euch alle relevanten Informationen und Links im Überlick:
YouTube-Kanal (eine Frage, eine Antwort, eine Minute):
https://youtube.com/playlist?list=PL
ccEf7nkijIi1bfOKllssoshEp2e16M&si=VATHlO1gng5R9VRY
https://deutsche-kinderhospiz-dienste.de/
Podcast „Wir lassen kein Kind alleine“:
https://deutsche-kinderhospiz-dienste.de/wir-lassen-kein-kind-alleine/
https://deutsche-kinderhospiz-dienste.de/jetzt-spenden/
Zahlen im Detail („Was sagt die Wissenschaft?“):
https://deutsche-kinderhospiz-dienste.de/was-sagt-die-wissenschaft/
LinkedIn Michael Cremann:
https://www.linkedin.com/in/michael-cremann/
https://deutsche-kinderhospiz-dienste.de/jahresbericht-2024/
Deutsche Kinderhospiz Dienste e.V.
IBAN: DE87 4416 0014 6576 7958 04
Viel Spaß beim Zuhören und Weitertragen!
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