Am Mikro

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Am Mikro episodes

  • Mit Anton Artibilov und Undine Materni über nervige Schreibschulprosa, selbstgemachte Coverfotos und das Berühmtsein

    „Wer schreiben will, muss lesen, lesen, lesen.“ Undine Materni lebt als Autorin in Dresden. Sie arbeitete nach einem Chemiestudium als Forschungsingenieurin, Altenpflegerin, Kellnerin und war Mitherausgeberin der Dresdner Literaturzeitschrift reiterIn. Von 1990 bis 1993 studierte sie am Literaturinstitut Leipzig: selbstverlegte Bücher, besetztes Institut das mit dem Festbinden), Seminare nur am Wochenende, 48-Stunden-Woche. Bei diesem Mitschnitt einer doppelten Buchpremiere in der Berliner Buchhandlung Viel Gluck mit die Bücher liest sie aus ihrem ersten Erzählband Vom Folgen und Bleiben die berührende Geschichte „Friedas Himmelfahrt“ über das Leben und Sterben ihrer aus Schlesien stammenden Großmutter. Popkulturkritisch wird es bei Anton Artibilov, der, anders als Undine Materni, unbedingt berühmt werden will, und ausgehend von einem Plakat mit der Werbung für Camel-Zigaretten „Das Geheimnis von Joe Camel“ lüftet und dabei Einsamkeit und Zweisamkeit erforscht. Anton Artibilov lebt bei Freunden auf dem Sofa, hat szenisches Schreiben an der Universität der Künste studiert und stellte klar, er wolle schon berühmt werden, er sei ja noch jung. Sein Titel Der Niedergang des mikrotext Verlags enthält kürzere und längere Texte voller seltsamer Gestalten aus Games, Internet und Real Life.

    Anton Artibilov wurde 1996 in Charkiw geboren und zog mit seinen Eltern 1999 nach Leipzig. Er studierte Philosophie, Anglistik/Amerikanistik, Szenisches und Literarisches Schreiben in Dresden, Berlin und Leipzig. 2022 erschien seine Erzählung Mausoleum Mann im Sukultur Verlag, 2023 Schöne Geister bei Matthes & Seitz. Seine Theaterstücke wurden bereits an mehreren Theatern aufgeführt und seine Miniserie French Flamingo Fucker verfilmt. Momentan lebt und arbeitet Anton Artibilov bei seinen Freunden oder Verwandten auf dem Sofa.

    Undine Materni, geboren 1963 in Sangerhausen, arbeitete nach einem Chemiestudium als Forschungsingenieurin, Altenpflegerin, Kellnerin und war Mitherausgeberin der Dresdner Literaturzeitschrift reiterIn. Von 1990 bis 1993 studierte sie am Literaturinstitut Leipzig. Sie lebt als Autorin, Literaturkritikerin und Lektorin in Dresden. 2000 erhielt sie den Literaturpreis des MDR und 2008 den Literaturförderpreis des Sächsischen Staatsministeriums für Wissenschaft und Kunst. Zahlreiche Veröffentlichungen, zuletzt Wünschen und Wollen. Gedichte (tauland, 2018), Das abwesende Haus meines Vaters. Ein Gedicht(SagenhaphterVerlag, 2019). Bei mikrotext sind ihre Erzählungen erschienen Friedas Himmelfahrt, Wieder ein Tag ohne Krieg, Sonnenblumen auf blauem Grund. Im Sommer 2023 erschien außerdem ihr Erzählungsband Vom Folgen und Bleiben bei mikrotext.

    1 hr 4 min
  • Mit Elfi Conrad über Rache, den doppelten Blick beim Erzählen und künstliche Weiblichkeit

    „Ich musste dich dauernd umarmen, das mit uns geht schon so lange“, sagte Elfi Conrad zu mikrotext-Verlegerin Nikola Richter verschmitzt. Nach einer vollen Lesung im Brauhauskeller zur 1. Bremer Indie-Night sprachen sie über den rasanten Erfolg des Romandebüts Schneeflocken wie Feuer. Der Aufnahmeort: Rauchertreppchen am Bremer Theater, auf das jemand einen Spezial-Sitz gelegt hatte, damit die Metallverstrebungen nicht durchdrücken. Die Themen: Mit welchen Emotionen schreibt Elfi Conrad? Und wie kam es zu der doppelten Erzählperspektive von 17-jährigem Teenager in den 1960ern und fast 80-jähriger Frau von heute?

    Elfi Conrad, geboren 1944, wuchs im Harz auf, studierte Musik und Deutsch in Hamburg und lebt jetzt in Karlsruhe. Mit Leib und Seele lehrte sie dort an Schulen und an der Pädgagoischen Hochschule. Daneben vertiefte sie sich in die Fächer Kognitionswissenschaft und Semiotik, in denen sie promovierte. Sie veröffentlichte bisher Gedächtnis und Wissensrepräsentation (Olms-Verlag) und mehrere Romane unter ihrem Pseudonym Phil Mira.

    12 min
  • Mit Künstlerin und Hausbesetzerin Käthe Kruse über die 1980er in West-Berlin und was davon bleibt

    „Was kann ich? Ok, ich kann eigentlich nichts. Ok, ich kann Feuer spucken.“ Die ehemalige Schlagzeugerin der Band Die Tödliche Doris lebt in Berlin und arbeitet als bildende Künstlerin. Ihre Kunst wird von großen Museen aufgekauft; aktuell überzieht sie alle Instrumente der ehemaligen Punk-Band mit Leder. 2017 veröffentlichte sie im mikrotext Verlag das E-Book Lob des Imperfekts über Kunst, Musik und Wohnen im West-Berlin der 1980er. In unserem Podcast blickt sie zurück, aber auch nach vorne. Wie sieht produktiver Widerstand heute aus?

    Käthe Kruse, geboren 1958 in Bünde, war von 1982 bis 1987 Mitglied der Gruppe Die Tödliche Doris, die heute als eine der wichtigsten Avantgardegruppen der 1980er Jahre gilt und international auftrat. Sie bediente das Schlagzeug. 33 Jahre lebte sie als Hausbesetzerin am Görlitzer Bahnhof in Berlin. Nan Goldin, die sie im Sommer 1984 dort für zwei Monate beherbergte, verewigte Käthe und ihre Töchter auf zahlreichen Fotografien, die sich heute in den wichtigsten internationalen Sammlungen und Museen befinden. Kruse ist heute Musikerin und Künstlerin, zum Beispiel umhüllte sie ihr Schlagzeug mit Leder oder fertigt Streifenbilder nach ausgeklügelten Farbsystemen an. kaethekrusekunst.de


    22 min
  • Mit Yevgeniy Breyger über Radieschenblätterpesto, suesse Texte und Gummiabrieb

    „Ich habe das Gefühl, dass Gedichte mit negativen Themen ernster genommen werden, aus der Vorstellung heraus, dass sie aus einem inneren Mangel entstehen. Aber ich teile diese Vorstellung nicht. Ich glaube nicht, dass man nur aus einem inneren Mangel heraus sprechen soll.“ Der Lyriker Yevgeniy Breyger legt mit seinem neuen Lyrikband Kryptomagie ein kleines Manual vor, nach dessen Lektüre man sich sogar vielleicht besser fühlen kann. Wir sprechen über seine Gedichte, die Entstehung des Bandes, der erst ein verkaufbares PDF war, über Gestaltung mit Openclipart und eine andere Form der verlegerischen Zusammenarbeit. Mit Freiheit und mit Liebe zum Detail. Wir verraten auch, wo dieser kleine Band gedruckt wurde, denn auch das war etwas ungewöhnlich.

    Yevgeniy Breyger, geb. 1989, studierte an der Universität Hildesheim, am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und an der Hochschule für Bildende Künste Städelschule in Frankfurt am Main. 2016 erschien sein Debütband flüchtige monde bei kookbooks. 2019 gewann er den Leonce-und-Lena-Preis der Stadt Darmstadt. Sein zweiter Gedichtband gestohlene luft ist 2020 bei kookbooks erschienen und wurde durch Stipendien des Deutschen Literaturfonds und des Herrenhauses Edenkoben gefördert. Er lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

    14 min
  • Mit Sarah Raich über die Leere, das Blau und Männer mit Autos

    Sarah Raich hat 11 Geschichten geschrieben, die faszinierend sind, dunkel, emotional. Nach der digitalen Premiere ihres Prosadebüts Dieses makellose Blau sprachen wir mit ihr über das Aufwachsen im ländlichen Niedersachsen und in Tirol, über das ziellose Herumstreunen, ein Abenteuerprojekt ihrer Kindheit, Männer, die Autos mehr als ein Gerät lieben, und natürlich die Farbe Blau.

    Sarah Raich wurde 1979 geboren und ist im ländlichen Niedersachsen mit viel Leere und Natur aufgewachsen. Sie studierte in Berlin Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaften und arbeitete danach als Kreative in Agenturen. Im Herbst 2021 erscheint bei Piper Ivi ihr Jugendroman All that’s left. Dieses makellose Blau ist ihr Prosadebüt.

    19 min
  • Mit Ruth Herzberg über Liebe und Fiktionen und eine offene Frage

    Wie man mit einem Mann unglücklich wird, so heißt der Roman von Ruth Herzberg. Die Autorin kam zum Signieren in unser Verlagsbüro und wir sprachen über das, was das Schreiben über Liebe und auch Sex für Ruth Herzberg ausmacht. Über das Werden und das Vergehen von Beziehungen. Und wir enden mit einer offenen Frage an euch!

    Ruth Herzberg wurde 1975 in Ost-Berlin geboren. Sie lebt und schreibt in Berlin-Prenzlauer Berg. Nach einem Drehbuch-Studium an der Filmhochschule Konrad Wolf in Babelsberg widmet sie sich hauptberuflich dem Schreiben von Prosa. 2014 erschien Wie man mit einem Mann glücklich wird, eine Sammlung von Kurztexten. 2021 kam Ruth Herzbergs Romandebüt Wie man mit einem Mann unglücklich wird heraus, von dem bereits die Filmrechte verkauft wurden. Der Roman Die aktuelle Situation war 2022 die Fortsetzung ihres erfolgreichen Debüts, mit Von A bis Z gibt mikrotext auch dem zeichnerischen Werk der Autorin eine Bühne.

    19 min
  • Mit Sandra und Kersty Grether über Musikerinnen*-Aktivismus, alten Musikjournalismus und Lieblings-Raps

    In diesem Podcast gab es eine Challenge: Wer schafft es, einen Lieblings-Songtext auswendig zu rappen? (Ok, alle, sogar in Stereo). Die Musikerinnen Kerstin und Sandra Grether, die auch als Band "Doctorella" bekannt sind, erzählen, was sie motiviert, das Songbook ICH BRAUCHE EINE GENIE mit den besten Texten von meist deutschsprachigen Musikerinnen* herauszugeben: feministisch, divers, intersektional. Sie sind traurig über einen verlorengegangenen Text über "Rock am Ring" aus weiblicher Sicht. Und sind froh über das Sterben von Musikmagazinen, welche außer Lady Gaga keine Musikerinnen* auf dem Cover zeigen wollten.

    Sandra Grether und Kersty Grether gelten als Erfinderinnen des Pop-Feminismus in Deutschland. In der von ihnen herausgegebenen umfassenden und empowernden Sammlung von Lyrics und dazugehörigen Illustrationen hiesiger Musikerinnen wird ein neues Selbstverständnis im Umgang mit Politik, Alltag, Ich und Liebe sichtbar: kämpferisch, divers, zärtlich, nachdenklich, lustig, queer, selbstbewusst, gekonnt. Frei nach dem Motto ihres Indie-Labels Bohemian Strawberry Records: Weil es nichts Schöneres gibt, als einer Frau zuzuhören.

    12 min
  • With Alan Mills about Trump, the pandemic and the Coyote, totem animal of our times

    The writer Alan Mills, originally from Guatemala, has been living in Europe for quite a while now. We met him during the German „lockdown light“ during the second Covid-19 wave in Germany for an interview outdoors. As Trump had just been defeated in the US elections, we revisited the ideas that Alan has developed in his literary essay Hacking Coyote. His thought-provoking book is mixing digital resistance, Mayan knowledge, hacking theory and popular culture. It takes the coyote as the key figure for trickster philosophy. What a metaphor for the times we are living in.

    Alan Mills was born in Guatemala in 1979. Over the past ten years, he has lived in Buenos Aires, São Paulo, Paris, Madrid and Leipzig and has read at poetry festivals in Europe and Latin America. He currently lives in Berlin and Vienna, where he is writing a doctoral thesis on contemporary Latin American literature, particularly indigenist science fiction. He has published the books Marca de agua, Síncopes (also published in French), Pasan poesía en la televisión apagada and the e-book Eine Subkultur der Träume. On Twitter. The original English version of his essay Hacking Coyote was published by mikrotext. His Twitter account is @alan1000s. In 2018, he was included in the Hay Festival's #bogota39 list of the most interesting Spanish-language authors under 39 worldwide.

    15 min
  • Mit Wirmuesstenmalreden über antirassistischen Aktivismus und ihr Mitmachbuch

    Die drei mehrgewichtigen Indigenous und Women of Color Esin, Julia und Nats betreiben unter Wirmuesstenmalreden einen erfolgreichen Instagram-Kanal und Blog, in dem sie auf Problematiken unserer Gesellschaft wie Rassismus und Diskriminierung aufklären. Als wir mit Julia von Wirmuesstenmalreden im Januar 2020 vor Publikum gesprochen haben, schrieben sie noch an dem antirassistischen Mitmachbuch Dear Discrimination, das dann im Herbst 2020 bei mikrotext erschienen ist. Julia hat uns erzählt, wie das Kollektiv arbeitet, erläutert White Fragility und die Spendenkampagnen für Bi_Poc-Community-Mitglieder. Das Headerbild stammt von der Illustration Hannah Marc. Sie hat das gesamte Buch illustriert.

    Wirmuesstenmalreden ist ein netzaktivistisches Kollektiv von drei mehrgewichtigen Indigenous und Women of Color. Seit September 2018 bieten sie Black, Indigenous und People of Color eine Plattform der Repräsentation, des Austauschs und der Sichtbarkeit und schaffen einen Safer Space für ebendiese. Zu ihrer Arbeit gehört es auch, Vertreter*innen der Mehrheitsgesellschaft zu helfen, „Allys“, sogenannte Verbündete, zu werden und mehr Empathie für marginalisierte Gruppen zu entwickeln. Online leisten sie unermüdlich Community- und Bildungsarbeit – mutig und laut, wütend und empathisch!

    Instagram: @wirmuesstenmalreden
    Blog: https://wirmuesstenreden.blogspot.com/

    9 min
  • Mit Michaela Maria Müller über Blumenkohl von nose to tail und das Essen der Zukunft

    Was und wie wir essen, bestimmt sehr stark unseren Fußabdruck auf dieser Welt. Für das klimafreundliche Kochbuch Kochen mit Zukunft hat die Herausgeberin Michaela Maria Müller Food-Aktivist*innen und Köch*innen um ihre besten Rezepte gefragt, möglichst einfach sollen sie auch sein. Wir sprechen über Getreide, Fleisch, Resteverwertung. Und darüber, warum Michaela aber mit einem Büschel Petersilie zu diesem Podcastgespräch kam.

    Michaela Maria Müller ist Autorin und Journalistin. Sie arbeitet unter anderem für taz. Die Tageszeitung, Die Zeit, Süddeutsche Zeitung. Ihre Bücher erscheinen im Frohmann Verlag. Sie wuchs auf einem Bauernhof mit einem großen Obst- und Gemüsegarten auf, was sie heute super findet. Sie begann ihr Leben in Berlin als Kellnerin, war Marktfrau in Kreuzberg und ist heute Köchin in ihrem Sonntagssalon. Für Gäste kocht sie am liebsten nach Gefühl, für das Klima auch mit Kochbuch.

    8 min

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Hinter jedem Buch stecken Geschichten. Verlegerin Nikola Richter lädt Autorinnen und Autoren ihres Verlags mikrotext zum Gespräch ein.