Eine sehr politische Folge – und eine, in der ich mich für Max Monolog-Lastigkeit der letzten Wochen revanchiere.
Zum Berliner Landesnetz: Die Systeme sind wieder online, Bürgerservices erreichbar. Digitalstaatssekretär Florian Hauer sagt, es gebe aktuell keinen Hinweis auf eine Infiltrierung, aber nur als Momentaufnahme. Abgeflossen seien nur ohnehin öffentlich verfügbare Daten. Wir diskutieren, ob diese Art halbgarer Kommunikation hilft – und ob man es in so einer Lage überhaupt richtig machen kann.
Das Hauptthema: Am 12. August hat Trump ein National Security Presidential Memorandum unterzeichnet, das geprüften US-Unternehmen offensive Cyberoperationen gegen ausländische cyberkriminelle Organisationen erlaubt – unter staatlicher Kontrolle, mit Verträgen bei DOJ oder DHS und schriftlicher Freigabe pro Operation. Ich bin überrascht, wie durchdacht das Papier formuliert ist, gerade bei den Definitionen. Nur ist damit noch nicht mal die halbe Miete gemacht: Die eigentlichen Verfahren, also Mindeststandards, Targeting, Deconfliction und Rules of Engagement, müssen erst in den nächsten 60 Tagen definiert werden, und bis dahin darf keine einzige Operation genehmigt werden. Offen bleiben bis dahin Attribution, Third-Party-Infrastruktur, Haftung bei Kollateralschäden und ein dünnes Oversight-Modell ohne Berichtspflicht an den Kongress. Meine Vermutung zu den Teilnehmern: Die Großen übernehmen risikoarme Botnet- und Scam-Compound-Takedowns, für alles Heiklere entstehen Startups.
Max bringt eine Keycloak-Schwachstelle: CVE-2026-18963, CVSS 9.1, unauthentifizierte Account-Übernahme über einen schwachen Password-Reset-Mechanismus. Alle Versionen bis 26.7.2 betroffen.
Zum Abschluss zwei Meldungen mit möglichem Staatsbezug: Ein kleiner britischer Stromerzeuger war im Juli vier Tage offline, Medienberichte deuten auf iranische Akteure, offiziell attribuiert ist nichts. Und Taiwan: Die israelische Firma Dream hat ein 160-MB-Archiv analysiert, das eine viertägige Kampagne mit bis zu acht parallelen Subagenten auf Basis von OpenClaw und Hermes dokumentiert. 21 Regierungssysteme kartiert, 85 Accounts geknackt, betroffen auch die Nuklearsicherheitsbehörde. Der Initial Access war banal: drei vergessene Debug-API-Endpunkte. Faszinierend ist die Orchestrierung – Findings wurden mit Wahrscheinlichkeiten bewertet, bei Sackgassen recherchierten die Agenten selbstständig neue Techniken.
NSPM "Expanding Capabilities to Combat Transnational Cyber-Enabled Crime" (Weißes Haus) https://www.whitehouse.gov/presidential-actions/2026/08/expanding-capabilities-to-combat-transnational-cyber-enabled-crime/
Juristische Einordnung des Memorandums (Mayer Brown) https://www.mayerbrown.com/en/insights/publications/2026/08/presidential-memorandum-authorizes-vetted-private-companies-to-conduct-offensive-cyber-operations-against-foreign-criminal-organizations
Offene Fragen zu Haftung und Oversight (Crowell & Moring) https://www.crowell.com/en/insights/client-alerts/license-to-hack-the-white-house-greenlights-private-sector-offensive-cyber-operations
Keycloak CVE-2026-18963 (Red Hat) https://access.redhat.com/security/cve/CVE-2026-18963
Dream: "Inside a Multi-Agent AI Framework Used to Compromise Government Entities in Asia" https://www.dream.security/blog/inside-a-multi-agent-ai-framework-used-to-compromise-government-entities-in-asia
Taiwan Ministry of Digital Affairs: Monatsbericht Cybersicherheit https://moda.gov.tw/en/press/monthly-report/
Einordnung des Taiwan-Angriffs (The Register) https://www.theregister.com/security/2026/08/12/near-autonomous-ai-agents-attack-taiwans-nuclear-safety-agency/
Berliner Landesnetz: Update der Senatskanzlei https://www.berlin.de/rbmskzl/aktuelles/pressemitteilungen/2026/pressemitteilung.1703898.php
OpenAI: "Pacing model development in an era of cyber-critical capabilities"
https://openai.com/index/pacing-model-development-cyber-capabilities/