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Er gilt als »einer der profiliertesten schwedischen Fledermausexperten«. Das heißt, Johan Eklöf muss oft des Nachts unterwegs sein, wenn wir in unseren Betten liegen. Wie spannend, von ihm mitgenommen zu werden – auf Friedhöfe, zu einsamen Gewässern, in Wälder und Wüsten, auf jedes Rascheln zu lauschen und zum Sternenhimmel aufzublicken. Was man nicht alles erfährt: über Insekten, Fische, Säugetiere, von denen die meisten die Dunkelheit brauchen, und nicht zuletzt über uns Menschen, die wir Licht mit Fortschritt verbinden. Mitreißende Lektüre: Was des Autors Anliegen ist, sagt ja schon der Titel. Bemüht, die Nacht zum Tage zu machen, stören wir das ökologische Gleichgewicht – und berauben uns selbst wichtiger Erfahrungen. Da fliegen tatsächlich manche Leute in ferne Weltgegenden, nur um einmal die Milchstraße in ihrer Pracht zu sehen.
Johan Eklöf: Das Verschwinden der Nacht. Wie künstliches Licht die uralten Rhythmen unserer Umwelt zerstört. Aus dem Schwedischen von Ulrike Strerath-Bolz. Droemer. 238 S., geb., 22 €
Manchmal muss man sich mit etwas abfinden, was man sich anders vorgestellt hat. Das Kunststück wäre, das Beste daraus zu machen. So ist es Irmtraud Gutschke während ihres Urlaubs gegangen, als sie das Buch »Überwintern. Wenn das Leben innehält« von Katherine May gelesen hat. Auf dasnd.de/buecherberge stellt sie es vor: Die britische Autorin hat darin eigene schwierige Erfahrungen verarbeitet und es damit sogar auf die Bestsellerlisten der »New York Times« geschafft. Denn wie sie ihr Erleben durchdenkt, trifft sie einen Nerv. So verweist sie auf etwas Verschwiegenes, Verdrängtes, das doch wohl alle Menschen kennen: den Frust, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen und wenn wir fremden Anforderungen nicht genügen können, die Peinlichkeit, aussteigen zu müssen aus dem Hamsterrad erwarteter Produktivität und Konsumfreude.
Katherine May: Überwintern. Wenn das Leben innehält. Aus dem Englischen von Marieke Heimburger. Insel Verlag, 268 S., geb., 22 €
Zwei Wochen vor Weihnachten möchte Irmtraud Gutschke Kinderbücher für verschiedene Altersgruppen empfehlen. »Meine erste Puzzle Box Einhörner« kann schon Dreijährigen gefallen. Die 36 Teile lassen sich gut zusammensetzen und gemeinsam mit den Eltern kann man sogar damit spielen. Dazu ein Büchlein zum Vorlesen. Das Buch »Die Zauberflöte« gibt es sogar mit einer CD. Marko Simsa und Doris Eisenburger führen auf eine Weise in die berühmte Mozart-Oper ein, dass schon Fünf- bis Siebenjährige es verstehen. Und Erwachsenen kommen vielleicht Gedanken, die sie so nicht vermuteten. Auch das Buch »Die verborgenen Zeichen der Natur« sollten sie lesen, bevor sie es an Kinder ab acht weiterverschenken. Sie werden eine Menge entdecken, was sie vorher noch nicht gewusst haben.
Ronny Gazzolah: Meine erste Puzzlebox Einhörner. Verlag WS Kids, 16,95 €
Marko Simsa u. Doris Eisenburger: Die Zauberflöte. Das musikalische Bilderbuch mit Begleit-CD. Annette Betz Verlag, 32 S., geb., 25 €
Craig Caudill u. Carrie Shryock: Die verborgenen Zeichen der Natur. Was uns Himmel, Wetter, Wasser, Pflanzen und Tiere über unsere Welt verraten. Insel Verlag, 60 S., geb.,18 €
Die Grenzöffnung am 9. November 1989 nimmt Irmtraud Gutschke zum Anlass, um auf dasnd.de/buecherberge das Buch von Daniela Dahn und Rainer Mausfeld »Tam Tam und Tabu« vorzustellen. Es wird darin detailliert untersucht, wie der Beitritt der DDR zur BRD medial vorbereitet wurde, sodass es zu einer »feindlichen Übernahme auf Wunsch der Übernommenen« gekommen ist, wie Daniela Dahn sagt. Wie sich Menschen in ihrer Willensbildung beeinflussen lassen, wird in der erweiterten Nachauflage auch in Bezug zum Ukraine-Krieg gestellt, durch den »die US-Kontrolle über Europa ausgeweitet« wird.
Daniela Dahn/Rainer Mausfeld: Tam Tam und Tabu. Meinungsmanipulation von der Wendezeit bis zur Zeitenwende. Westend Verlag, 258 S., br., 16 €
Begeistert ist Irmtraud Gutschke auf dasnd.de/buecherberge von Andreas Montags Erzählung »Glückliche Menschen«. Sie handelt von Linda und Paul aus Berlin, zwei jungen Leuten, denen es vielleicht sogar besser geht als anderen. Sie haben ein kleines Kind, spendable Eltern, eine bezahlbare Wohnung und könnten zufrieden sein. Aber sie haben sich vieles in ihrem Leben anders vorgestellt und schleppen zudem eine schwierige Kindheit mit sich herum. Da eröffnen sich ihnen plötzlich ungeahnte Möglichkeiten, als sie in einer verrückten Nacht getrennt voneinander unterwegs sind.
Andreas Montag: Glückliche Menschen. Quintus Verlag, 112 S., geb., 20 €
Ein großartiges Rätselspiel nennt Irmtraud Gutschke auf dasnd.de/buecherberge den Krimi »Der Tote aus Zimmer 12« von Anthony Horowitz, der nach schweren Kindheitserlebnissen von Jugend an ein Sherlock-Holmes-Fan war und sogar drei Sherlock-Holmes-Romane geschrieben hat ebenso wie mehrere Folgen der Fernsehserie »Inspektor Barnaby«. Nach klassisch englischem dem Muster ist auch vorliegender Roman gestrickt. In einem Schlosshotel hatte es vor Jahren einen Mord gegeben. Ein junger Rumäne befindet sich dafür in Haft. Nun ist die Tochter der Hotelbesitzer verschwunden. Gibt es einen Zusammenhang zwischen den beiden Fällen und vielleicht auch zu dem Roman, den die Verlagslektorin Susan Ryeland einst betreute? Denn nach der Lektüre hatte Cecily ihrer Mutter am Telefon gesagt, sie wisse nun, was in Zimmer 12 geschah.
Anthony Horowitz: Der Tote aus Zimmer 12. Roman. Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolff. Insel Verlag, 597 S., geb., 24 €
Wie im kapitalistischen System, indem wir leben, die Profitinteressen einer Minderheit geschützt werden sollen vor den Ansprüchen der Mehrheit, das analysiert Rainer Mausfeld in seinem Buch »Warum schweigen die Lämmer?« Wobei er als Psychologieprofessor immer mit einbezieht, wie diese Tatsache von uns im »Kopf« verarbeitet wird, in welchem Dilemma wir uns dabei befinden. Zum Thema Propaganda wurde, vor allem in den USA, schon lange geforscht. Wie Mausfeld Techniken der Manipulation im Einzelnen durchschaubar macht, nennt Irmtraud Gutschke im Podcast auf dasnd.de/buecherberge, ist »Nahrung für das Immunsystem«.
Rainer Mausfeld: Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Westend Verlag, 319 S., br., 15 €
Ganz begeistert zeigt sich Irmtraud Gutschke in ihrem Podcast auf dasnd.de/buecherberge von den 48 Tiergeschichten im Band »Von Okapi, Scharnierschildkröte und Schnilch«. Wie der Titel sagt, erzählen Heiko Werning und Ulrike Sterblich nicht etwa von Hase, Wolf und Igel, sondern von Tieren, über die manche womöglich noch nie was gehört haben. Denn sie selten geworden und vom Aussterben bedroht. Das ist überaus interessant, was die meist unbekannten Fakten betrifft, und sehr unterhaltsam dargeboten in einem leichten Plauderton und oft mit Witz. Ein Plädoyer für die Artenvielfalt auf Erden, an deren Erhaltung gerade Zoos und Tiergärten einen großen Anteil haben.
Heiko Werning, Ulrike Sterblich: Von Okapi, Scharnierschildkröte und Schnilch. Ein prekäres Bestiarium. Galiani Berlin, 240 S., geb., 22 €
Ein Kultbuch aus dem Jahre 1979. In ihrem Podcast auf dasnd.de/buecherberge hat sich Irmtraud Gutschke darüber amüsiert: »Per Anhalter durch die Galaxis« von Douglas Adams. Die Antwort auf die Frage nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest soll die Zahl 42 sein? Wie sollen wir uns vorstellen, dass zwei weiße Mäuse die Herrscher auf Erden sind? Und hat der Autor gar schon die Herren Trump und Johnson vor sich gesehen, als er den Präsidenten der Regierung des Galaktischen Rates porträtierte? Den depressiven Roboter Marvin wird man nicht vergessen. Vor allem aber mögen die Worte »Keine Panik« uns hilfreich in der Gegenwart sein.
Douglas Adams: Per Anhalter durch die Galaxis. Roman. Aus dem Englischen von Benjamin Schwarz. Verlag Kein und Aber, 234 S., br., 14 €
Mit einem von der SS fingierten Überfall auf den deutschen Sender Gleiwitz begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. »Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit« – das Zitat stammt von dem britischen Politiker Arthur Ponsonby (1871-1946), dessen Buch »Lügen in Zeiten des Krieges« (1928) jetzt wieder veröffentlicht wurde. Mit welchen Methoden alle beteiligten Staaten damals die Bevölkerung hinters Licht führten, lässt Parallelen zum Heute erkennen.
Arthur Ponsonby: Lügen in Kriegszeiten. Aus dem Englischen von Lena Gundrum und Charlyne Huckins. Westend Verlag, 175 S., br., 24 €
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ist der zweiwöchentliche Podcast von Irmtraud Gutschke, Literaturkritikerin und beheimatet in Bücherbergen. In jeder Folge zieht sie ein neues Buch heraus und stellt es den Hörer*innen vor:…

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