Bücherberge

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Bücherberge episodes

  • »Mrs. Agatha Christie« & »Am roten Strand«

    »Mrs. Agatha Christie« widmet sich einem Rätsel in der Biographie der berühmten Krimiautorin: Tatsächlich hat sie am 3. Dezember 1926 ihr Haus verlassen und wurde erst elf Tage später wieder gesehen. Taucht die junge US-amerikanische Autorin Marie Benedict hier mit Witz und Einfühlungsvermögen in die Psyche einer selbstbewussten Frau ein, widmet sich Jan Costin Wagner in seinem Krimi »Am roten Strand« der Gefühlswelt eines Mannes, die nicht unproblematisch ist. Wie soll der Ermittler Ben Neven einen Ring von Männern ausheben, die sich mit Kinderpornographie beschäftigen, wenn er selbst an solchen Videos heimlich Gefallen findet?

    Marie Benedict: Mrs. Agatha Christie. Roman. Aus dem amerikanischen Englisch von Marieke Heimburger. Kiepenheuer & Witsch, 316 S., br., 16 €

    Jan Costin Wagner: Am roten Strand. Galiani Berlin, 300 S., geb., 22 €

    15 min
  • Zusammenkunft

    Eines der beeindruckendsten Bücher dieses Frühjahrs: »Zusammenkunft« von Natasha Brown. Es handelt von einer Frau – in Großbritannien geboren, jung, schön und Schwarz –, die es geschafft hat, im System ganz oben anzukommen. Doch in jedem Moment ist ihr bewusst, was sie das kostete. Auch jetzt noch mit alltäglichem Rassismus und Machogehabe konfrontiert, kann sie sich nicht recht freuen, über die Beförderung in ihrer Firma. »Die Diversität muss sichtbar sein« – nur darum geht es offenbar. Ihr ist eine Rolle zugewiesen, auch in der Familie ihres adligen Freundes. Mit ihrem Gesicht soll sie einem ausbeuterischen System eine moderne Fassade geben.

    »Noch nie fand ich den Zusammenhang zwischen fortschrittlicher Identitätspolitik und reaktionären sozialökonomischen Verhältnissen im Konkreten so eindeutig dargestellt wie hier«, meint Irmtraud Gutschke.

    Natasha Brown: Zusammenkunft. Roman. Aus dem Englischen von Jackie Thomae. Suhrkamp, 114 S., geb., 20 €

    16 min
  • Der Erinnerungsfälscher

    Um das Thema Migration geht es in der neuen Podcastfolge Bücherberge. Mit »Der Erinnerungfälscher« hat Abbas Khider, 1973 in Bagdad geboren, dazu seinen siebenten Roman geschrieben – auf Deutsch. In glasklarer Sprache und einem eigenen Ton des Erzählens – sarkastisch, selbstbewusst – hält er uns einen Spiegel vor. Wovor wir wegblicken, worüber wir uns Illusionen machen wollen, das führt er uns vor Augen. Nicht klagend, sondern kraftvoll und wenn es sein muss, auch provokativ. Was wissen wir denn von den Hürden, denen Migranten hierzulande begegnen, von den alltäglichen Demütigungen? Said Al-Wahid, von dem hier erzählt wird, erinnert sich an das in Deutschland Erlebte, während er sich auf eine Reise nach Bagdad macht, um seine sterbende Mutter noch einmal zu sehen. Zwei Welten stehen einander gegenüber. Und wo stehen wir mit unserer Behauptung universeller Menschenrechte?

    Abbas Khider: Der Erinnerungsfälscher. Roman. Hanser. 125 S., geb., 19 €.

    Veranstaltungstipp: Die Ukraine, Russland – und wir? | nd.LITERATURSALON | 06. April 2022, 18:00 Uhr

    16 min
  • Was wir Frauen wollen

    »Was wir Frauen wollen«, das neue Buch der weltberühmten chilenische Schriftstellerin Isabel Allende, ist das Resümee eines rebellischen Lebens. Auflehnung gegen die Herrschaft der Männer schon als Kind, denn der Vater hatte die Mutter sitzengelassen. Und die schleppte die kleine Tochter zum Arzt, »Halsstarrige und herausfordernde Züge, die man bei meinen Brüdern als männliche Grundeigenschaften begrüßt hätte, galten in meinem Fall als behandlungswürdig«, sagt sie. In einem Umfeld, wo Machismo das Übliche war, musste sie sich als Frau behaupten. Dass »wir uns verhalten wie die Männer, ihre Taktiken lernen und mit ihnen in Konkurrenz treten«, sieht sie allerdings nur als eine frühe Stufe der Emanzipationsbewegung an. Hat sie Recht damit? »Es kann nicht darum gehen, bei dem Desaster mitzumischen, es muss behoben werden.« Ein klarer, starker Satz.

    Isabel Allende: Was wir Frauen wollen. Aus dem Spanischen von Svenja Becker. Suhrkamp Verlag, 185 S., geb., 18 €; Broschur, 12 €.

    16 min
  • Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

    Hat es am 12. Juli 1983 wirklich eine Massenflucht per S-Bahn nach Westberlin gegeben? Der Videotheksbesitzer Michael Hartung hat damals am Bahnhof Friedrichstraße gearbeitet. Was er jetzt einem Reporter des Magazins »Fakt« erzählt und was dieser daraus macht, wird zum Ausgangspunkt einer turbulenten Handlung. »Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße«, wie Maxim Leo seinen Roman nennt, wird nun in Talkshows eingeladen, seine Geschichte soll Vorlage für ein Buch und einen Kinofilm werden. Schließlich soll Hartung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls sogar vor dem Bundestag reden. Es ist eine fulminante Geschichte, meint Irmtraud Gutschke, mit der Maxim Leo uns in Atem hält. So lebendig, so anschaulich erzählt mit so viel Witz und dabei mit ernstem Hintergrund. Denn letztlich geht es um jenes Bild von der DDR, das den politischen Mainstream bis heute bestimmt.

    Maxim Leo: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße. Roman. Verlag Kiepenheuer & Witsch, 286 S., geb., 22 €.

    15 min
  • Kinder verstehen

    »Tim, bist du wütend?« und »Tim hat keine Angst im Dunkeln« beide von der italienischen Autorin Chiara Piroddi sind Anlass, über das Verhältnis zu Kindern nachzudenken, darüber, wie es sich vielleicht in den letzten Jahrzehnten verändert hat. War es einst üblich, Kinder sozusagen als unvollkommene Erwachsene zu sehen, die sich anzupassen hätten, sollen sie heute in jeder Lebensphase ernstgenommen werden. Sie in ihrem eigenen Willen zu respektieren, ist im Alltag keine geringe Herausforderung, wenn Bedürfnisse von Kindern und Erwachsenen aufeinandertreffen. Auch kann es zwischen Eltern und Großeltern zu Auseinandersetzungen kommen, weil beide Seiten unterschiedliche Auffassungen haben, was zu fördern, zu tolerieren ist und was nicht. Es ist ein heißes Thema, weil es untergründig auch mit der eigenen Lebensgeschichte und eigenen Bedürfnissen zu tun hat.

    »Tim, bist du wütend?« und »Tim hat keine Angst im Dunkeln« beide von Chiara Piroddi, mit Bildern von Federica Nuccio und Roberta Vottero, erschienen im Verlag »White Star Kids«, je 20 S., geb., 9,95 €.

    12 min
  • Frau Shibatas geniale Idee

    Ein wunderbar witziger Roman aus Japan, der indes auch jede Menge Kritik an herrschenden Verhältnissen enthält: »Frau Shibatas geniale Idee« von Emi Yagi. Das Titelbild zeigt eine schwangere Frau, in deren Körper sich eine moderne Großstadt abbildet. Der Roman handelt auch in Tokyo. Zu Recht wird die junge Autorin für ihr Erstlingswerk als Shootingstar der japanischen Literaturszene gefeiert. In Japan gibt es, wie wir lesen, zwar Badewannen mit digitaler Temperaturwahl und Toiletten, die jedes Geräusch schlucken, was die Geschlechterrollen betrifft, ist es mit der Modernisierung indes noch nicht so weit her. Als Frau Shibata in ihrer Firma wieder einmal ermahnt wird, für alle die Kaffeetassen wegzuräumen und abzuwaschen, hat sie eine geniale Idee. sagt sie zum Abteilungsleiter, »Könnten Sie das Aufräumen heute für mich übernehmen? Ich bin schwanger.« Wie soll es nun mit ihr weitergehen? Lasst euch überraschen.

    Emi Yagi: Frau Shibatas geniale Idee. Aus dem Japanischen von Luise Steggewentz. Atlantik Verlag, 204 S., geb., 21 €.

    13 min
  • Das Ende der Illusionen

    Dieses Buch habe ich griffbereit auf meinem Regal: »Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne« von Andreas Reckwitz durchleuchtet die Klassenstruktur unserer Gesellschaft, die sich seit den 1970er Jahren verändert hat. Neben der traditionellen Mittelklasse hat sich eine neue akademische Mittelklasse herausgebildet, die, oft sogar in schwierigerer ökonomischer Lage als ihre bürgerlichen Herkunftsfamilien, kulturelle Deutungsmacht beansprucht. Im Sinne des Fortschritts – doch sollte man nicht die Augen verschließen, dass nicht nur die »service class« der Niedrigqualifizierten, sondern auch die Angehörigen der traditionellen Mittelklasse, gerade im ländlichen Milieu, ganz andere Erfahrungen haben. Damit sich die Kluft zwischen Arm und Reich nicht weiter vertieft, brauchen Linke starke und breite Bündnisse und eine Vision, die über das urbane akademische Milieu hinausweist.

    Andreas Reckwitz: Das Ende der Illusionen. Politik, Ökonomie und Kultur in der Spätmoderne. Edition Suhrkamp. 306 S., br., 18 €.

    14 min
  • Einschlafbücher

    Vier »Einschlafbücher« für Kinder, wobei auch Kinderbücher ja von Erwachsenen geschrieben, illustriert, verlegt, verkauft und natürlich gekauft werden.

    In dem Bändchen »Und jetzt du« von William Cole, mit Illustrationen von Tomi Ungerer im Diogenes Verlag erschienen (32 S., geb., 16 €) wir ein Einschlaftrick verraten: »Gesichter-Machen«. Vielleicht funktioniert das ja sogar.

    In »Mein Buch zur guten Nacht« von Ludvik Glazer-Naudé (Ars Edition, 96 S., geb., 22 €) sind Schlaflieder gesammelt, von denen man viele kannte, aber oft vergessen hat. »Kinderlieder sind Schätze, die man sein Leben lang mit sich führt«, meint der Autor zu Recht.

    »Kleine Gutenachtgeschichten« von Kitty Crowther (Kunstmann Verlag, 73 S., geb., 15 €) enthält drei kurze, liebenswerte Märchen. Ein richtig schönes Vorlesebuch.

    Und »Wie süß das Mondlicht auf dem Hügel schläft!« (Prestel Verlag, 160 S., geb., 26 €) ist ein Hausbuch für alle Generationen, das seinen Platz im Bücherschrank behält. Die Sammlung von Gedichten, Liedern, Geschichten, prachtvoll bebildert mit Reproduktionen berühmter Gemälde, dürfte immer wieder inspirierend sein.

    16 min
  • Das Buch der Nacht

    Millionen Sterne und ein leuchtender Mond – der Bucheinband aus nachtblauem Leinen ist mit winzigen Glitzerpartikeln übersäht. Und für den gedruckten Text wurde eine Gestaltung gefunden, wie es sie vorher womöglich noch nie gab: In der Farbe der Seiten veranschaulichen sich Abenddämmerung, Nacht und Morgengrauen.

    »Das Buch der Nacht« von Bernd Brunner (Galiani Berlin, 192 S., geb., 28 €) ist etwas zum Staunen. In 35 Kapiteln nimmt uns der Autor mit auf eine wundersame Reise durch die Nacht – mit vielen Einzelheiten, kreuz und quer durch verschiedene Zeiten, Länder und Kulturen. Geräusche in der Nacht und gute Einfälle, Schlaflosigkeit und nächtliche Vergnügungen, der Segen und der Fluch des Lichts. Das Buch macht Lust, mal abends nicht vor der Flimmerkiste zu sitzen. Ein Spaziergang unterm Mond? Sollte man viel öfter machen, meint Irmtraud Gutschke in ihrem neuen, unterhaltsamen Podcast, der unter dasnd.de/buecherberge zu hören ist.

    12 min

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ist der zweiwöchentliche Podcast von Irmtraud Gutschke, Literaturkritikerin und beheimatet in Bücherbergen. In jeder Folge zieht sie ein neues Buch heraus und stellt es den Hörer*innen vor:…

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