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In dieser Folge diskutieren wir den "Bahnwärter Thiel" von Gerhart Hauptmann, eine novellistische Studie über Technik und Natur. Thiel ist ein gewissenhafter und pflichtbewusster Mensch, der ein bescheidenes Leben als Bahnwärter führt. Bis ein Zug seinen geliebten Sohn überfährt und er zum wahnsinnigen Mörder wird. Wir sprechen über Konsequenzen des unaufhaltsamen technischen Fortschritts auf das Leben, aber auch darüber, welche Rolle der Mythos bei alldem spielt.
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In dieser Folge sprechen wir über "Die gelbe Straße" von Veza Canetti, ein episodenhafter Roman, der das Leben im Mikrokosmos eines Viertels in Wien beschreibt. In mehreren nur lose miteinander verbundenen Geschichten zeichnet Canetti ein literarisches Stimmungsbild der 1930er Jahre. Dabei sind die auftretenden Figuren häufig skurrile Außenseiter am Rande der Gesellschaft. Mit einem sozialkritischen Blick, aber ohne moralisches Urteil zeigt die Autorin sie in all ihrer Widersprüchlichkeit und Ambivalenz. Dadurch kommt das Abgründige und Groteske genauso zur Geltung wie eine außergewöhnliche Menschlichkeit.
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In dieser Folge widmen wir uns den "Letzten Tagen der Menschheit" von Karl Kraus, ein monumentales Drama über den Ersten Weltkrieg. Das Stück gilt als unaufführbar, in einer enormen Anzahl an Szenen zeichnet Kraus ein Stimmungsbild der späten Habsburgermonarchie. Aus Gesprächen auf der Straße, Zeitungsmeldungen, Gedichten etc. entsteht dadurch eine so humorvolle wie bitterböse Collage, die sich größtenteils aus wahren Begebenheiten zusammensetzt. Durch die außergewöhnliche sprachliche Präzision wird somit das Phrasenhafte dieser Dialoge entlarvt, das die Unmenschlichkeit und das Grauen des Krieges hinter schalen Floskeln zu verdecken versucht.
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In dieser Folge sprechen wir über Texte von Peter Altenberg, über impressionistische Skizzen und Momentaufnahmen aus dem Alltagsleben um 1900. Altenberg gilt als ein prototypischer Vertreter eines Caféhausliteraten in der Wiener Moderne, das Café Zentral ist sein Lebensmittelpunkt, sogar seine Post lässt er sich dorthin liefern. Er verbringt als stadtbekanntes Original seine Tage bei seinem Stammtisch und schreibt auf, was er um sich herum beobachtet oder was ihm gerade einfällt. Seine Szenen sind humorvoll und kurz, sie wollen den Eindruck einer Situation einfangen. Diese Art des authentischen Schreibens und der Hang zur Fragmentarisierung stehen beispielhaft für ein Lebensgefühl, das in der Moderne umgreift.
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In dieser Folge haben wir zum ersten Mal einen Gast in unserem Podcast: Florian Heimhilcher. Mithilfe seiner soziologischen Expertise nähern wir uns der "Rückkehr nach Reims" von Didier Eribon. Ähnlich wie schon bei Édouard Louis ist auch dieses autobiographische Buch ein Versuch, gesellschaftliche Strukturen zu beschreiben, die einen gewissen Habitus in einem Milieu bestimmen. Eribon entstammt ursprünglich einer armen Arbeiterfamilie, er ist einer der wenigen, die den sozialen Aufstieg in eine intellektuelle Elite schaffen. Durch das Erzählen seiner individuellen Geschichte veranschaulicht er auch kollektive Erfahrungen, die hier in philosophische Theorien eingebettet werden. Es geht dabei um die politische Klassenfrage, sozialen Determinismus und das Gefühl von Scham.
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In dieser Folge sprechen wir über "Das Ende von Eddy" von Édouard Louis, ein autofiktionaler Roman über eine Kindheit und Jugend in der französischen Provinz. Eddy wird von seinen Mitschülern bei jeder Gelegenheit schikaniert, seine Homosexualität, seine hohe Stimme, sein "mädchenhaftes" Verhalten machen ihn zum gefundenen Fressen in einer Gesellschaft, die sehr konkrete Vorstellungen davon besitzt, was als männlich zu gelten hat. Doch Louis' Roman ist nicht nur die Geschichte eines Mobbingopfers, sondern eine literarische Sozialstudie, die den den Blick auf ein Milieu richtet, das sich zusehends von einer politischen Linken als Vertreter ihrer Interessen entfernt hat.
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In dieser Folge sprechen wir über "Nachtgewächs" von Djuna Barnes, ein lyrischer Roman über eine lesbische Liebesbeziehung. Das Verhältnis von Nora und Robin gestaltet sich zunehmend schwierig, als Robin sich immerzu in den Rausch der Nacht flüchtet und Nora von Eifersucht und Schmerz geplagt nach ihren Spuren sucht. Die Beziehung geht in die Brüche, doch das Bild einer desillusionierten Liebe wirkt nach. Auch die anderen Figuren in diesem Buch sind zwielichtige Gestalten der Nacht, die sich zwischen verschiedenen Welten bewegen. Insbesondere der Doktor, der zwischen prophetischer Weisheit und schrulligem Wahnsinn das eigentliche Zentrum des Geschehens bildet.
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In dieser Folge beschäftigen wir uns mit „Michael Kohlhaas“ von Heinrich von Kleist, eine Chronik über die Frage nach Recht und Gerechtigkeit. Der Rosshändler Kohlhaas wird um zwei seiner Pferde betrogen und obwohl vollkommen klar ist, dass ihm eine Wiedergutmachung zusteht, kommt er auf dem offiziellen Weg nicht zu seinem Recht. Schließlich eskaliert die Situation, er schreitet zur Selbstjustiz und brennt mit einer privaten Armee ganze Städte nieder. Obwohl er eigentlich ein vernünftiger Mensch ist, steht sein Rachefeldzug in keinerlei Verhältnis zu dem ihm angetanen Unrecht. Aber wie weit darf man gehen, wenn einen der Staat und die Gesellschaft nicht mehr schützen?
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In dieser Folge beschäftigen wir uns mit „Ausweitung der Kampfzone“ von Michel Houellebecq, ein von Misanthropie und Nihilismus handelnder Skandalroman. Der Ich-Erzähler empfindet in seinem Job als Informatiker keinerlei Sinnerfüllung, er sieht sich lediglich als Rädchen in einem System, das Menschen durch ihre funktionale Informationskultur in die Vereinsamung stürzt. Auch seine sexuelle Frustration nimmt einen gewaltigen Raum ein, bis er zuletzt sogar einen jungen Mann zum Lustmord anstiften will, um sich an der Gesellschaft zu rächen.
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In dieser Folge beschäftigen wir uns mit "Leutnant Gustl" von Arthur Schnitzler, ein Innerer Monolog aus Sicht eines österreichischen K&K-Militärs. Gustl wird in einem Konzert von einem einfachen Bäckermeister beleidigt und verpasst es, angemessen auf die Situation zu reagieren. Weil er sich in seiner Ehre verletzt fühlt, sieht er den einzigen Ausweg darin, sich umzubringen. Die ganze Nacht schleift er durch die Stadt und gibt sich seinen Gedanken hin. Mit psychologischem Scharfsinn legt Schnitzler in dieser literarischen Form die unbewussten Strukturen des Denkens offen, die sich unkontrollierbar in diesem widersprüchlichen Charakter vollziehen.
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