Was passiert eigentlich in den Minuten zwischen Notruf und Klinik – und warum entscheidet genau diese Zeit oft über Leben, Selbstständigkeit oder schwere Folgen?
In dieser Folge von Chip Happens geht es mitten hinein in den digitalen Rettungsdienst und die Frage, wie Technologie dabei helfen kann, schneller, besser und vernetzter zu reagieren.
Host Sven Oswald spricht darüber mit Thomas Luiz, Mediziner und Project Manager Digital Healthcare am Fraunhofer IESE. Er erklärt, warum eine immer älter werdende Gesellschaft den Rettungsdienst zunehmend belastet – und wie digitale Lösungen wie Smartwatches, Sensoren oder automatisierte Notrufe schon ganz am Anfang wertvolle Minuten sparen können. Gerade bei Schlaganfällen zählt buchstäblich jede Sekunde: Schon eine Minute ohne Durchblutung kann Millionen Nervenzellen kosten.
Doch selbst nach dem eingegangenen Notruf geht oft noch viel Zeit verloren. Wie komplex die Abläufe in deutschen Leitstellen sind und warum Digitalisierung dort besonders herausfordernd ist, schildert Jens Cordes, Chef der Feuerwehr Bremerhaven. Er gibt einen Einblick in den Alltag von Leitstellen mit hunderten Notrufen pro Tag, erklärt die Unterschiede im Digitalisierungsgrad zwischen Städten und Landkreisen und zeigt, wie KI künftig helfen könnte, Notrufe besser zu priorisieren – ohne den Menschen aus dem Entscheidungsprozess zu verdrängen.
Wie Zukunft heute schon aussehen kann, zeigt schließlich Christian Schnepf, leitender Branddirektor der Feuerwehr München. In einem Pilotprojekt setzen er und sein Team auf automatisierte Drohnen, die direkt nach der Alarmierung starten und noch vor den Einsatzkräften Bilder von der Einsatzstelle liefern. Während Feuerwehr und Rettungsdienst unterwegs sind, entstehen so wichtige Lageinformationen aus der Luft – ein echter Zeitgewinn, der im Ernstfall Lebenretten kann.
Die Folge macht deutlich: Es gibt nicht den einen großen digitalen Knall, der alles sofort löst. Aber viele kleine, kluge Schritte – von smarter Sensorik über vernetzte Leitstellen bis hin zu Drohnen und KI – können zusammen einenriesigen Unterschied machen.