Chlorgesänge

Chlorgesänge

By Ute Zill, Martina SchreySportsSwimming
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Chlorgesänge episodes

  • Folge 30: Vom Regen in die Fluten
    Eigentlich wollten wir ja heute über Bademeister reden. Oder genauer gesagt: Über die Ausbildung zum/zur Fachangestellten für Bäderbetriebe. Aber dann sagte unsere Gesprächspartnerin ab und es regnete in Strömen und wir konnten unser angepeiltes Schwimmbad nicht besuchen, weil wir da untergegangen wären, ohne überhaupt im Wasser zu sein.
    Also haben wir schon mal eine erste Sommerbilanz gezogen. Uns geärgert über das angebliche Gewaltproblem in DEN Berliner Freibädern. Denn am Ende geht es um einzelne Bäder. Und da sollte man dann auch konkret nach Ursachen suchen und was dagegen tun. So aber werden DIE Freibäder in der Öffentlichkeit schlechter gemacht, als sie wirklich sind. Und wenn das dazu führt, dass sich Leute nicht mehr ins Freibad trauen - dann ist das echt daneben!
    Über unseren Urlaub haben wir auch ein wenig geplaudert. Dass Martina sich dann doch für Freiwasser begeistern kann - wenn es sich um klares Mittelmeer handelt. Und Ute sich wahnsinnig auf die italienischen Flussbäder freut. Und eine Wette gibt es auch - Ute hat sich nämlich endlich einen Ruck gegeben!
    Über die Ausbildung reden wir noch in einer anderen Folge. Hier schon mal der Link dazu von den Berliner Bäderbetrieben:
    https://www.berlinerbaeder.de/unternehmen/ausbildung/
    27 min
  • Folge 29: Wohlfühlen im Wasser ist alles
    Diemal haben wir jemanden zu Gast, von der schon öfter die Rede war: Die Schwimmtrainerin Laura Linke. Und weil sie dort auch Unterricht gibt, treffen wir uns mit ihr im Lochow, im Berliner Sommerbad Wilmersdorf - wo zum Zeitpunkt unserer Aufzeichnung das 50-Meter-Becken nach der Sanierung zwar immer noch nicht geöffnet ist, aber dort trotzdem ein paar Menschen aus unerfindlichen Gründen ein paar Bahnen ziehen!
    Laura war 15 Jahre lang Wettkampfschwimmerin, hat dann aber entdeckt, dass das Lehren ihr eigentlich sehr viel mehr Spaß macht. Und so trainiert sie heute nicht nur Thriathleten, sondern auch Menschen, die sich im fortgeschrittenen Alter entschlossen haben, das Schwimmen doch noch zu lernen. Den theoretischen Hintergrund dafür liefert ihr vor allem ihr Studium, Sport auf Lehramt in Potsdam. Aber auch ihr Auslandsjahr in Neuseeland hat ihr ganz neue Perspektiven eröffnet: Während hierzulande als allererstes Brustschwimmen gelehrt und gelernt wird, startet man dort mit Rückenschwimmen - und hat so die Möglichkeit, sich erstmal ans Wasser zu gewöhnen, ohne gleich Schnappatmung zu kriegen.
    Eins war Laura bei unserem Gespräch besonders wichtig: Der Hinweis an alle Eltern, dass Kinder mit Seepferchen im Wasser noch nicht sicher sind. Und generell für alle: Beim Schwimmen zu stark mit Kraft oder mit dem Kopf zu arbeiten, ist nicht sehr effizient.
    Laura hat einige Tipps parat, und während Martina ja ohnehin schon eine begeisterte Schülerin von ihr ist, überlegt sich jetzt sogar Ute, ob es sich womöglich lohnt, nochmal ein Stündchen (oder zwei) bei Laura zu nehmen.
    https://www.linkedin.com/in/laura-linke-425151138/?originalSubdomain=de
    https://www.instagram.com/p/CtbpPSLN93l/?ref=hqbf7y
    36 min
  • Folge 28: Berlin-Neukölln, ganz entspannt
    Wir haben es getan - wir sind vom Dreier gesprungen! An einem der heißesten Tage des Jahres, in einem der schlagzeilenträchtigsten Bezirke Berlins - in Neukölln! Denn hier gibt es nicht nur das Columbiabad, sondern auch das Kombibad Gropiusstadt. Mitten in der Hochhaussiedlung, voller Menschen in Bikinis und Burkinis, (Groß-)Familien, junge Männer, alte Frauen, mit Bademeistern, die alles im Griff haben und einer Athmosphäre, die entspannter in einem Freibad kaum sein könnte.
    Und so kam es, dass auch der kleine Sprungturm geöffnet war und alles gesittet und in ordentlicher Schlange seinen Lauf nahm. Die Schlange hatten alle schon am Eingang geübt, eine halbe Stunde Wartezeit mindestens. Und drinnen - voll, aber entspannt. Menschen auf dem Rasen, Menschen im Nichtschwimmer, Menschen auf der Rutsche und im hell leuchtenden Edelstahl-Schwimmerbecken, glasklares Wasser und vollendete A….-Bomben - was will man mehr?
    Das Kombibad Gropiusstadt mit Halle und Sommerbad ist übrigens das erste seiner Art in Berlin. Eröffnet 1974 entstand es in Folge des „Goldenen Plans“ der Bundesregierung, wonach in allen Gemeinden ausreichend Sportplätze und Schwimmbäder zur Verfügung stehen sollten. 2010 bis 2014 wurde das Bad umfassend saniert. Atemberaubend der Blick vom Beckenrand: Über den Baumwipfeln thronen bis heute die Bauten der Großbausiedlung Gropiusstadt.
    Das findet auch unser heutiger Gesprächsgast. Sandra ist hat genauso wie wir 2022 alle Berliner Bäder durchschwommen - aber das Kombibad Gropisstadt ist und bleibt eines ihrer Lieblingsbäder. Mit ihr gemeinsam ziehen wir nochmal durch die Bäder dieser Stadt - und haben so manches Aha-Erlebnis. Und mehrfach hat unsere Aufnahme Schaulustige angezogen, die sich auch zu Wort melden wollten!
    37 min
  • Folge 27: Wie am Meer - Strandbad Wannsee
    Das Strandbad Wannsee kennt jeder. Aber wohl niemand kennt das Bad so gut wie er: Thomas Röske lebt im Strandbad, genauer gesagt im gelb-braunen Verwaltungsgebäude rechts vom Eingang - am Wannseebadweg 25. Doch das ist nicht die ganze Geschichte: Röskes Vater Klaus war von 1966 bis 1996 Leiter des Strandbads, die Familie hatte eine Wohnung in eben diesem Gebäude und so wuchs Röske hier auf: Mit Sand unter den Füßen, einem herrlichen Blick über den Wannsee und vielen Freundinnen und Freunden, die ihn sehr gern besuchen kamen.
    1996 ging sein Vater dann in Rente und die Familie musste ausziehen. Doch die Erlebnisse seiner Kindheit, die Geschichte des weit über die Grenzen Berlins bekannten Strandbads haben ihn nie losgelassen. 2016 hörte er dann, dass eine Wohnung im Strandbad-Gebäude zu vermieten ist - da wollte er unbedingt wieder leben. Nach langem Hin und Her hat es dann geklappt - am 1. Dezember 2016 konnte er einziehen.
    Bis heute engagiert er sich für das geschichtsträchtige Bad im Berliner Südwesten, das bereits 2007 sein hunderjähriges Jubiläum feierte. Auf seinen 1.275 Meter langen und 80 Meter breiten Sandstrand bietet die unter Denkmalschutz stehende Anlage rund 50.000 Gästen Platz und ist bis heute das größte Binnenseebad in Europa. Es gehört dem Land Berlin und wird von den Berliner Bäderbetrieben gepachtet.
    Röske selbst hat ein Archiv zusammengestellt, mit unzähligen historischen Fotos - aus der Anfangszeit, als der Strand noch viel kürzer war, Wachtmeister mit Pickelhaube bei der Strandkontrolle oder das besetzte Restaurant Lido, als es noch in Betrieb war.
    Mittlerweile verfällt das Gebäude, in dem das Restaurant einst war, es wurde bei der letzten umfassenden Sanierung zum hundertjährigen Jubiläum nicht mit einbezogen. Röske engagiert sich dafür, das ganze Gelände umfassend zu sanieren, um so einen Ganzjahresbetrieb des berühmten Strandbads möglich zu machen.
    https://www.strandbad-wannsee-berlin.de
    33 min
  • Folge 26: Schwimmbad aus Spenden
    Das Sommerbad Pankow war einst Teil des „nationalen Aufbauwerks“ der DDR - eine halbe Million Mark haben Bürger und Bürgerinnen der Volksrepublik für den Bau des Bades gespendet, 220.000 freiwillige Arbeitsstunden wurden geleistet, begleitet vom Orchester der Volkspolizei, bis das Sommerbad 1960 eröffnet wurde. Fantastisch, was man auf Bildern von damals sieht: Nicht etwa mehrere getrennte Becken, wie wir das heute gewohnt sind - sondern alle zusammen bildeten eine riesige Wasserfläche, fast wie ein künstlicher See! Bis zu 18.000 Menschen kamen damals am Tag, 1985 waren es sogar mal fast 25.000 - heute ist bei 7000 Besucher:innen Schluss, dann kommt keiner mehr rein.
    Im Jahr 2000 wurde dann alles saniert - und die Beckenanordnung komplett geändert. Die Folge - das 50-Meter-Becken ist ganz schön schmal - und der 10-Meter-Sprungturm wurde mal eben oben abgesäbelt. Heute sind 7,5 Meter das Höchste der Gefühle - aber immerhin gibt es auch eine sagenhafte Rutsche - wenn sie nicht wieder wegen Randale im Bad geschlossen ist.
    Uta Maria Bräuer ist diesmal unser Gast - und sie weiß alles über die Geschichte des Bäderbaus in Berlin. Ihr Buch dazu ist 2013 erschienen, sieben Jahre lang hat in in den Berliner Landesarchiven dafür recherchiert, wenn sie nicht selber schwimmen war oder junge Schwimmer:innen trainiert hat. Sie kennt noch genau die Stelle, wo einst das Plantschbecken im Sommerbad Pankow stand - und bedauert genauso wie wir, dass das Hallenbad, was von 1975 bis 2001 ebenfalls auf dem Gelände stand, heute nur noch eine Ruine ist.
    Doch auch das Sommerbad wird wohl nicht mehr lange Bestand haben - schon lange ist die Rede davon, auf dem Gelände ein Multifunktionsbad zu bauen, mit Freibad, Hallenbad, Turnhalle und einer dreizügigen Grundschule. Wann es losgeht, ist immer noch unklar. Doch wenn es irgendwann fertig ist, wird es die Pankower sicher freuen. Während der Bauzeit allerdings dürften die über 400.000 Pankower Trauer tragen - denn sie müssen sich auf mehrere Jahre ohne Schwimmbad einstellen.
    Wer die Geschichte des Sommerbads nachlesen will und sich auch für die Architekturgeschichte der anderen Berliner Bäder interessiert, das Buch von Uta Maria Bräuer und Jost Lehne mit zahlreichen historischen Fotos kann man nach wie vor bestellen, es kostet 29,80 Euro:
    https://www.lukasverlag.com/programm/titel/322-baederbau-in-berlin.html
    37 min
  • Folge 25: Bleib cool am Pool in Neukölln

    Das Sommerbad Neukölln - auch bekannt als Columbiabad oder "Kulle" - ist bundesweit bekannt, weil es hier immer wieder zu Auseinandersetzungen kommt. In diesem Sommer ist es deshalb sogar für einige Tage geschlossen worden. Dabei hat das Bad viel mehr zu bieten: Es ist das erste Sommerbad in West-Berlin, das nach dem 2. Weltkrieg eröffnet wurde. Entstanden im wahrsten Sinne des Wortes auf und aus Ruinen sollte es dem Sport und der Erholung dienen und so die Schrecken des Krieges vergessen machen. Eröffnet wurde es 1951, auf ausladenden Terassen, die zum Teil bis heute erhalten sind, konnte man vor und nach dem Schwimmen Abflug und Ankunft der Flugzeuge auf dem angrenzenden Flughafen Tempelhof beobachten. Von der ursprünglichen Anlage sind heute noch das Sportbecken, der Sprungturm und das große Nichtschwimmerbecken erhalten. Die zwei geschwungenen Rutschen dort wurden im Laufe der Jahre durch eine große Wasserrutsche ersetzt - die längste Berlins, wie es heißt. Mehrfach wurde das Bad bereits umfassend renoviert. Fun Fact: Heute sind die Gebäude so angelegt, dass sie aus der Luft betrachtet die Form eines Flugzeugs bilden.

    Doch das Sommerbad Neukölln ist weder durch seine Geschichte noch durch seine Architektur bekannt. Wenn vom Columbiabad die Rede ist, dann geht es in der Regel um Scherereien. Um Massenschägereien am Pool, um Clans, die am liebsten nicht nur den Sprungturm, sondern gleich das ganze Bad erstürmen wollen, dann wird berichtet von Polizeieinsätzen und Freibadräumungen. Worüber seltener gesprochen wird: Hier trifft sich der Querschnitt der Berliner Bevölkerung: Alt und jung, Menschen aus allen Nationen, Familien, Rentner:innen, Kinder - und ja, auch jugendliche Halbstarke. Und obwohl es die Mehrzahl der Tage friedlich bleibt und die Menschen in Ruhe ihre Bahnen ziehen - wenn es rummst, dann immer mit großem Medienecho, trotz Sicherheitsdienst und Polizeibeobachtung.
    Dies führte dazu, dass 2011 das Projekt "Bleib cool am Pool" gegründet wurde. Hier werden Konfliktlots:innen ausgebildet, die bei entstehenden Konflikten im Schwimmbad niedrigschwellig, sozialkompetent und kulturadäquat eingreifen können. Darüber reden wir in dieser Folge mit Sina Reidemeister von der Gesellschaft für Sport und Jugendsozialarbeit (GSJ). Sie ist mit zuständig für die Ausbildung dieser Konfliktlotsen, die nicht nur in Neukölln, sondern auch im Sommerbad Pankow im Einsatz sind. Sie hat uns erzählt, wie die Konfliktlotsen arbeiten, was sie verhindern - und wann auch sie leider machtlos sind. Erstaunt hat uns, wer sich für diesen Job meldet - und welche Erfahrungen man damit machen kann.

    https://gsj-berlin.de/cool-am-pool/


    33 min
  • Folge 24: Schwimmen mit Buch
    Kurz vor den Sommerferien ist es Zeit, mal ein paar Bücher vorzustellen - damit Ihr im Urlaub auch was Schönes zu lesen habt. Alle handeln mehr oder weniger vom Schwimmen, manche sind top aktuell, andere schon fast Klassiker. Als Ort unseres Podcasts haben wir uns diesmal das schöne Sommerbad Wuhlheide ausgesucht - und es sogar geschafft, VOR der Aufnahme schwimmen zu gehen: Im trotz Sanierung immer noch herrlich hellblau gekachelten 25-Meter-Becken. Der Vorläufer des heutigen Bades eröfnete übrigens schon 1930, also zur gleichen Zeit, als die Parklandschaft an der Wuhlheide angelegt wurde, zur Erholung der Arbeiter:innen bei AEG und anderen Industriebetrieben in Oberschöneweide und Köpenick.
    Seitdem hat sich viel verändert - erholen kann man sich im Sommerbad Wuhlheide aber immer noch prächtig. Ein großer Spielplatz und ein riesiges Nichtschwimmerbecken lassen alle auf ihre Kosten kommen - und die Pommes, selbst getestet, sind ebenfalls lecker.
    Da sind wir dann zeitlich schon fast ins Schleudern gekommen, denn das Bad schließt bereits um 18 Uhr, erst in den Sommerferien ist es bis 20 Uhr geöffnet. Deshalb jetzt schnell zu unseren Buchtipps:
    - John von Düffel: Schwimmen (2000). Ein Buch für Schwimmer wie für Wasserscheue. Der Autor, selbst Langstreckenschwimmer, erzählt von den vielen Begegnungen mit dem Element Wasser und was es mit Schwimmer:innen macht. Für alle, die richtig eintauchen wollen!
    - Ewald Arentz: Der große Sommer (2021). Wenn man nachts im Freibad erwischt wird, hat man Pech - oder großes Glück. Der Roman erzählt von der ersten großen Liebe, vom Aufwachsen in einer süddeutschen Stadt in den 1980-er Jahren, von Freundschaft, Angst, Respekt und Tod. Eine Weglese-Buch!
    - Jasmin Schreiber: Marianengraben (2020). Tim ist ein begeisterter Freund aller Tiere, die es im Meer gibt. Doch Tim ist tot. Ertrunken. Seine Schwester Paula trauert um ihren Bruder, Helmut um seine Frau. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Reise - ins Leben und in den Tod. Diese Geschichte ist unendlich traurig und komisch zugleich, erzählt mit leichter Hand vom Allerschwersten. Wen das nicht bewegt, der ist ein Stein!
    - André Wiersig: Nachts allein im Ozean (2019). André Wiersig vollendete als erster Deutscher und 16. Mensch überhaupt die anspruchsvollste Herausforderung im Open-Water-Schwimmen: die Ocean`s Seven. Hier erzählt er, wie er den offenen Ozean kennen und lieben lernte. Begeisternd!
    - Daniel Glattauer: Die spürst du nicht (2023). Zwei Familien fahren in den Urlaub, die Tochter darf sich eine Schulfreundin mitnehmen. Doch kaum am Ziel angekommen, passiert die Katastrophe. Am Ende deses Buches sieht man die Welt mit anderen Augen als vorher. Lesenswert!
    - Bastian Vivès: Der Geschmack von Chlor (2010). Eine zarte Geschichte, auch für´s Auge - eine Graphic Novel mit Zeichnungen, als bewege sich der Autor selbst mit seinen Figuren im Schwimmbecken. Eine Geschichte von zwei Menschen, die sich beim Schwimmen begegnen und verfehlen. Bilder voller Tiefe!
    - Bonnie Tsui: Warum wir schwimmen (2022). Keine historische Erzählung, sondern lauter Geschichten von Menschen, die beim Schwimmen mehr oder weniger freiwillig unglaubliche Leistungen vollbringen. Und das überall in der Welt. Lauter interessante Kurzgeschichten!
    - Leanne Shapton: Bahnen ziehen (2012). Eine Liebeserklärung an das Schwimmen. Wo aber hat die Faszination für das Schwimmen ihren Ursprung? In den Kinderbüchern? In Familienreisen ans Meer? Diesen Fragen geht die Autorin, selbst Leistungsschwimmerin, nach - Bahn um Bahn.
    - Arno Frank: Seemann von Siebener (2023). Unser beider Lieblingsbuch zur Zeit. Ein Tag im Freibad, sechs Menschen, deren Leben sich kreuzen. Sommerduft weht durch die Seiten. Eine Gespenstergeschichte ist auch dabei, die man aber nicht verraten darf. Ein durch und durch herrliches Buch für alle Generationen!
    Und jetzt - viel Spaß beim Lesen!
    29 min
  • Folge 23: Schwimmen mit Strand
    Diesmal sind wir im Strandbad Plötzensee, ganz ohne Chlor, aber mit viel guter Musik. Das Strandbad gehört zwar auch den Berliner Bäderbetrieben, ist aber verpachtet - seit 2019 an den begeisternden und begeisterten gebürtigen Niederländer Michel Verhoeven. Erkennungzeichen: Gelbe Gummistiefel. Egal, bei welchem Wetter.
    Verhoeven hat das Strandbad Plötzensee wieder zu einer Oase mitten im Berliner Großstadtgetümmel gemacht. Der Mann hat Erfahrung mit Wasser und Sand: Rund 25 Jahre betrieb er eine Strandbar in der Nähe von Amsterdam. Ihm gelingt das Kunststück, dass sich hier Familien genauso wohl fühlen wie chillige Hipster, die sich bei loungiger Musik an der Bar, in der Sauna oder beim FKK entspannen. Und auch Sportschwimmer:innen sind willkommen - nicht zuletzt in den im See abgetrennten 50-Meter-Bahnen. Alle immer überwacht von den Bademeistern vor Ort, damit nichts schief gehen kann.
    Hier gibt es so viel zu erzählen - wir wissen gar nicht, wo wir anfangen sollen. Da ist der Plötzensee, der so heißt, weil hier einst Schwärme von Plötzen gab. Auch heute tummeln sich Hechte, Karpfen, Zander und Aale in dem rund 7 Meter tiefen Gewässer. Der Sage nach entstand der Plötzensee, weil ein gewaltbereiter Dorfschulze (eine Art Bürgermeister) einen Geist verärgerte und dieser aus Rache dessen Dorf flutete. Wirklich wahr ist, dass es hier schon im 19. Jahrhundert ein Strandbad gab - mit einem Schaufelrad für Wellen, einem Sprungturm und getrennten Bereichen für Frauen und Männer: Das Auerbachsche Wellenbad, benannt nach dem Besitzer, dem Turn- und Fechtlehrer Wilhelm Auerbach, der auch dem Auerbachsalto seinen Namen gab.
    Das Strandbad, so wie man es heute kennt, entstand an der Westseite des Sees in den 1920er Jahren, als Freizeitort für im Wedding lebende Arbeiter:innen. Bis zu 10.000 Besucher:innen kamen damals am Tag, auch der Tarzan-Darsteller und mehrfache Olympiasieger Johnny Weissmüller soll hier seine Bahnen gezogen haben. Die 100-Meter-Bahn und der 10-Meter-Sprungturm überlebten jedoch den Zweiten Weltkrieg nicht.
    Doch auch zu Mauerzeiten verlor das Bad nicht an Attraktivität. Statt nach Italien, Mallorca oder Griechenland zog es unzählige Familien in den Sommerferien auf das weitläufige, parkähnliche Gelände des Strandbads. So manche pochten im Laufe der Jahre sogar auf den immer gleichen Platz, hat uns Verhoeven schmunzelnd erzählt. Noch heute kommen Familienväter und -mütter von einst ins Strandbad und schwelgen in alten Zeiten.
    In den 2000ern verlor das Strandbad ein wenig an Anziehungskraft. Verhoeven, der als gebürtiger Niederländer natürlich im Wohnwagen mit seiner Familie auf dem Gelände lebt, hat es geschafft, dass es jetzt innerhalb von vier Jahren zum am besten bewertetsten Strandbad Berlins geworden ist. Zum hundertjährigen Jubiläum 2025 will der 55-jährige das auch gebührend feiern - mit Bands, die unentgeltlich hier spielen und so vielleicht sogar freien Eintritt für den ganzen Sommer möglich machen. Auch ein Buch über die wechselvolle Geschichte soll es geben. Bis dahin ist noch viel zu tun: Das edukative Kinderdorf fertig bauen. Den Fahrradparkplatz vergrößern. Energie selbst erzeugen. Das denkmalgeschützte Gelände braucht vor allem Investitionen, Ideen und Detailarbeit. Verhoeven zieht sich die Chlorgesänge-Badekappe auf und reckt den Daumen nach oben. Mit seiner Energie wird er das wohl schaffen.
    ACHTUNG - auch das soll nicht unerwähnt bleiben: Außerhalb des Strandbads ist das Schwimmen im Plötzensee verboten - auch wenn sich viele nicht daran halten. Der See liegt nämlich mitten im Landschaftsschutzgebiet, seine Ufer sind ein wertvolles Refugium für Wasservögel, Libellen, Amphibien und viele andere Tiere!
    32 min
  • Folge 22: Schwimmbad voller Licht und Luft
    Diesmal haben wir zum ersten Mal einen Gast - und das ist kein geringerer als der Sprecher der Berliner Bäder-Betriebe, Matthias Oloew. Der kennt nicht nur alle Berliner Bäder, sondern auch die Geschichte des öffentlichen Bades in Deutschland, das hat der Historiker auch in seiner Doktorarbeit bewiesen. Und so erfahren wir viel von ihm über das Sommerbad am Insulaner, wo wir für diese Folge zu Gast sind. Das Insulaner war in den 20er Jahren das allererste öffentliche Sommerbad der Stadt, mitten in einem Park, und es führte sogar eine Laufbahn drumherum. Südend-Bad hieß das Sommerbad damals, denn den "Insulaner", den namensgebenden Trümmerberg, gab es noch nicht.
    Ungefähr an gleicher Stelle wie das Südend-Bad - so ganz genau weiß man das nicht - wurde das Sommerbad "am Insulaner" in den 50er Jahren wieder aufgebaut. Und was böse Zungen immer wieder gern behaupten, ist tatsächlich wahr: Seitdem wurden die Gebäude zwar hier und dort ein bisschen renoviert - eine Grundsanierung allerdings gab es bislang nicht. Und so ist manchem ein wenig gruselig in den dunklen Umkleidekabinen und das Schild "Abort" lässt erahnen, dass hier keine High-Tech-Toiletten verbaut sind.
    Dafür glitzert das Edelstahl-Schwimmbecken verführerisch in der Sonne und ein 5-Meter-Sprungturm lockt das abentuerlustige Publikum. Wir durften dann auch noch live eine Gefährder-Ansprache erleben - nach einer Massenschlägerei 2022 achtet man jetzt besonders darauf, dass hier alles friedlich bleibt.
    Das ist es in diesem herrlichen parkähnlichen Bad wirklich. Nebenan steht nicht nur das Planetarium, sondern seit kurzem auch die Spielstätte der Shakespeare Company. Und dank Matthias Oloew wissen wir jetzt endlich, warum Freibäder gut für´s Klima sind und es in Berlin so viele Schwimmbäder gibt!
    33 min
  • Folge 21: Schwimmbad aus Plaste
    Wir starten unsere Sommerbäder-Tour! Und zwar ganz im Westen der Stadt, im Sommerbad Staaken-West. Bei unserem ersten Besuch im letzten Jahr dachten wir ja noch - okay - das ist jetzt wirklich schon fast Westdeutschland. Doch weit gefehlt: Das Schwimmbad ist aus dem Osten! Denn Staaken-West gehörte vor dem Mauerfall zur DDR (während Staaken-Ost zu West-Berlin gehörte ... eine komplizierte Geschichte!). Doch das ist nicht das Einzige, was an diesem Bad besonders ist. Denn während die Bäder der 1970er Jahre in der Regel gekachelt oder gefliest wurden - im Osten wie im Westen - war hier alles anders. Denn in der Nähe lag das VEB Plastverarbeitungswerk. Und so kam man auf die Idee, das Schwimmbecken mit aus Glasfaser gestärkten Polyesterharz-Platten auszukleiden (Danke für all die toll recherchierten Infos an https://www.schwimm-blog-berlin.de/2018/03/15/sommerbad-staaken-west-die-einmalige-geschichte-der-entstehung-eines-schwimmbads/) - also aus Kunststoff, eben: Plastik!!!
    So entstand ein 25-Meter-Schwimmerbecken sowie ein kleines Nichtschwimmerbecken. Da es immer wieder an Geld mangelte, zog sich der Bau hin - am 01. August 1980 war dann Eröffnung. Heute sieht man nichts mehr von Plastik - stattdessen: glitzernder Edelstahl. Aber ansonsten ist es einfach herrlich hier. Eine wunderschöne Grünanlage, alles sehr freundlich - und es gibt sogar einen Extra-Bereich für Familien mit Kindern! Nur hinkommen ist schwierig, jedenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Parkplätze dagegen gibt es. Wenn auch nicht üppig.
    Wir durften uns auch mal hinter den Kulissen umschauen - die einzige Bäder-Filter-Anlage, die noch von Hand betrieben wird! Die Menschen hier sind entspannt und freundlich. Anlass genug, um uns mal zu fragen - wer geht heute noch ins Freibad? Was hat sich da in den letzten Jahren verändert? Früher machten wir alle dort Urlaub - und heute? Doch lieber mit dem Flieger nach Malle als ans Schwimmbecken mit Grünanlage vor der Tür? Wir haben auf jeden Fall jede Minute genossen - und kommen wieder!
    30 min

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Wir sind Schwimmerinnen. Wir waren beide mal im Schwimmverein, aber das ist lange her. Bis vor kurzem schwammen wir so wie die meisten – ab und zu, wenn es gerade passt. Doch dann entdeckten wir die…