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Die Ernährung der Weltbevölkerung heute ist nur dank der Entwicklung der modernen Ammoniak-Synthese im sogenannten Haber-Bosch-Verfahren möglich; ohne reaktiven Stickstoff und darauf basierenden Dünger wäre etwa die Hälfte der Weltbevölkerung nicht zu ernähren. Statistisch gesehen besteht unser Körper also etwa zur Hälfte aus „Material“, das künstlich hergestelltem Stickstoff zu verdanken ist. Wie konnte es soweit kommen? Dieser Frage geht Aline Ollivier in unserem neuen „Clio-auf-die-Ohren“-Podcast nach. Sie spricht mit Anne Preger über die Entdeckung der stickstoffbasierten Düngung mit Guano und Chile-Salpeter im 19. Jahrhundert und den Durchbruch der industriellen Herstellung von reaktivem Stickstoff mit Hilfe des Haber-Bosch-Verfahrens im 20. Jahrhundert. Mit Gunter Mahlerwein diskutiert sie, welche Rolle diese Entwicklungen für die regionale Agrargeschichte hier in Rheinhessen spielten.
Wir haben die Interviews mit Anne Preger und Gunter Mahlerwein aus technischen und organisatorischen Gründen getrennt geführt. Da sich dieser Podcast auf zwei Zeitebenen bewegt, wurden die Aussagen beider Interviewpartner einander zugeordnet. Anne Preger lagen die Aussagen von Gunter Mahlerwein in ihrem Interview nicht vor.
Literaturtipps:
Tiere vor Gericht? In der europäischen Vormoderne wurden Schweine, Mäuse und sogar Heuschrecken wegen Verbrechen wie Mord oder Diebstahl angeklagt und verurteilt. Welche juristischen Vorstellungen von Rechten und Pflichten von Tieren stecken hinter solchen Tierprozessen? Warum wurden Tiere wie Menschen behandelt, obwohl sie als Sachen galten? In diesem Podcast begibt sich Magdalena Anstett auf eine Recherche zur Geschichte der Tierrechtsfrage; sie spricht mit dem Mediävisten Prof. Dr. Peter Dinzelbacher über die Hintergründe und die Bedeutung dieser vormodernen Praxis und mit der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Anne Peters, Direktorin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht, über die aktuellen Debatten um den Rechtsstatus von Tieren und die Herausforderungen, die sich aus einer möglichen Weiterentwicklung der Tierrechte ergeben. Dabei geht sie einer für die moderne Tierrechtsbewegung kritischen Frage nach: Warum fällt es uns heute so schwer, die Binarität von Menschen als Träger von Rechten und Pflichten einerseits und der gesamten belebten Natur, auch von Tieren, als Objekt von Rechten an unsere gegenwärtigen Vorstellungen anzupassen? Stellt uns die eigene Rechtsgeschichte hier vor besondere Herausforderungen?
Literaturtipps:
Eine der letzten großen Missernten der europäischen Geschichte wurde durch die sogenannte Kartoffelfäule ausgelöst. Diese Pilzkrankheit vernichtete 1845, befördert von den ungewöhnlichen, feuchtkalten Witterungsbedingungen auf dem europäischen Kontinent, bedeutende Teile der Kartoffelernte. Neben Belgien und den Niederlanden war besonders Irland von der „Kartoffelkrankheit“, wie sie im damaligen Volksmund genannt wurde, betroffen. Etwa eine Million Iren starben, etwa doppelt so viele verließen die Insel und wanderten aus. Aber auch in der Provinz Rheinhessen, heute Mainz und Umgebung, gab es eine Teuerungskrise. In diesem Podcast besprechen wir mit Nicolas Schreckenbach, welche Formen diese Teuerungskrise vor Ort annahm und wie die Obrigkeiten reagierten. Auf dem Weg dorthin klären wir auch die Arbeitsweisen der modernen Klimageschichte und tippen auch die Frage an, ob diese Krise auch das Vertrauen in die legitime Herrschaft so erschütterte, dass die Teuerungen zu den revolutionären Unruhen rund um das Jahr 1848 beitrugen.
Literaturtipps:
Das Extremhochwasser im Winter/Frühjahr 1784, das mit Eisgängen und Überschwemmungen einherging, entfaltete seine Wirkung m Gegensatz zu regionalen Ereignissen (wie dem Erdbeben von Lissabon) überregional. Es führte zu Toten und Verheerungen in West-, Mittel- und Osteuropa. In diesem Podcast widmen wir uns einer Mikroperspektive und schauen uns die Auswirkungen dieses Hochwassers in Neuwied an, einer multikonfessionellen Stadt, die erst im 17. Jahrhundert neu begründet worden war. Dabei diskutieren wir mit Christian Zimmermann, der über diese Geschichte in lokalen Archiven geforscht und darüber auch seine Masterarbeit geschrieben hat, auf welche Art und Weise die Menschen vor Ort mit diesem Extremereignis umgegangen sind.
Literaturtipps:
Nachhaltigkeit bedeutet, die Bedürfnisse der Gegenwart so zu befriedigen, dass die Möglichkeiten zukünftiger Generationen nicht eingeschränkt werden. Bei dieser „Nachhaltigkeit“ geht es also um eine Art Generationengerechtigkeit, und das ist für Historiker:innen schwierig zu greifen, denn zum einen beschäftigen wir uns normalerweise nicht mit zukünftigen Generationen, und zum anderen denken wir auch nicht gerade täglich über Fragen von Gerechtigkeit nach, denn das ist ein ethisches Geschäft.
Im Sommersemester 2024 sind wir in sehr unterschiedlichen Hauptseminaren in verschiedenen Epochen der historischen Nutzung von Ressourcen, der Frage des Umgangs mit Ressourcen und des Umgangs des Menschen mit seiner natürlichen Umwelt nachgegangen. In diesem Podcast darf Andreas Frings Studierenden zu Nachhaltigkeit in der geschichtswissenschaftlichen Lehre interviewen. Wir sprechen über Nutzung von Ressourcen und Umgang mit Ressourcen. Genauer: Wir sprechen über Starkregenereignisse und verheerende Hochwasser im Spätmittelalter, über Wölfe als bedrohliches Stereotyp in der wissenschaftlichen Literatur der Frühen Neuzeit, Landgewinnung für die Landwirtschaft im sowjetischen Zentralasien und umweltpolitische Kontroversen rund um den Baikalsee, den tiefsten und wasserreichsten See der Erde. Und wir unterhalten uns an diesen Beispielen auch über das geschichtswissenschaftliche Studieren, das mit Überraschungen gepflastert sein kann.
Literaturtipps:
Wir verzichten für diesen Podcast auf Literaturverweise. Stattdessen laden wir Sie herzlich ein, selbst über ein Geschichtsstudium nachzudenken. Keine Lektüre kann den Besuch eines geschichtswissenschaftlichen Seminars ersetzen.
Mit dem Aralsee verbinden wir, wenn wir schon einmal davon gehört haben, das Bild verrosteter Schriffswracks in einer Wüste, die lange zuvor einmal ein Meer gewesen sein muss. Noch bis zum Zweiten Weltkrieg war der Aralsee sogar der viertgrößte Binnensee der Erde; 1950 umfasste er noch 65.000 Quadratkilometer Wasseroberfläche, heute sind es knapp 8.000 Quadratkilometer. Dieses Austrocken des Aralsees ist wohl eine der größten globalen Umweltkatastrophen des 20. Jahrhunderts – und es verdankt sich einer schon weiter zurückreichenden, sowohl zarenzeitlichen als auch sowjetischen Nutzung der wasserzuführenden Ströme Amu-Darja und Syr-Darja für landwirtschaftliche Projekte. Kurzum: In der Geschichte des Aralsees spiegelt sich die Kehrseite der technisch-rationalen Moderne.
Gemeinsam mit den Osteuropahistorikern Paul Josephson und Jörn Happel rekonstruiert Eneko Mauritz in diesem Podcast die komplexe Geschichte der Erschließung des Aralsees im späten 19. Jahrhundert bis in die Wassernutzung der sowjetischen Landwirtschaft hinein und macht so die Hintergründe dieser Umweltkatastrophe hörbar.
Literaturtipps:
Nach zwei Podcasts, in denen Studierende auf Experten zugegangen sind und Interviews mit Hans-Christian Petersen und Viktor Funk geführt haben, möchten wir in diesem dritten und letzten Podcast der Substaffel über russlanddeutsche Spätaussiedler eine solche Spätaussiedlerin selbst sprechen lassen. Hierfür hat Dennis Wambolt unterstützt von Jenny Babikir seine eigene Großmutter angesprochen - und das Interview, das alle Klischees und Stereotype gleich hinter sich lässt, gewährt einen ganz wunderbaren Einblick in die Perspektive einer Russlanddeutschen.
Wie und wo werden russlanddeutsche Spätaussiedler heutzutage in öffentlichen medialen Zusammenhängen dargestellt und repräsentiert, wie thematisieren sie sich selbst, und welche Schwierigkeiten wirft es auf, dass es sich eben nicht um eine überschaubare homogene Gruppe handelt? Im zweiten Podcast zu den russlanddeutschen Spätaussiedlern in der zweiten Staffel "Migrationen und Mobilität im 20. Jahrhundert" gehen Kristine Fabert, Niklas Fink, Julian Münch und Philipp Dewes mit Viktor Funk ins Gespräch, einem russlanddeutschen Journalisten, Publizisten und Romanautor, der diese Fragen aus vielen Perspektiven beantworten kann.
Literaturtipps:
Viktor Funk:
Russlanddeutsche - wer ist das eigentlich, wer gehört dazu? Im Auftakt zur vorläufig letzten thematischen Einheit unserer zweiten Staffel "Migrationen und Mobilität im 20. Jahrhundert" gehen Arsena Kara, Theresa Jürgens, Jennifer Dinges und Claartje Ille mit einem Experten für russlanddeutsche Geschichte ins Gespräch - mit Hans-Christian Petersen, Osteuropahistoriker am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa (BKGE) mit Sitz in Oldenburg.
Dieser Podcast wurde im Sommer 2022 begonnen. Der russische Angriff auf die Ukraine hat einige Sachverhalte möglicherweise geändert. Überprüfen können wir das nicht.
Literaturtipps:
Hans-Christian Petersen:
Online verfügbare Überblickstexte:
Im Alter von 84 Jahren trat die Umweltaktivistin Jean Hill entschlossen gegen die Plastikflut in der kleinen Stadt Concord in Massachusetts an. In einem Bürgerentscheid (dem ersten hierzu in den USA) wurden Einwegplastikflaschen unter einem Liter in der ganzen Kommune verboten.
Im dritten Podcast einer dreiteiligen plastikhistorischen Reihe schauen wir uns die komplexe Welt des Lobbyismus rund um das Thema Plastik an: Wie können Bürgerinitiativen und Umweltschutzorganisationen gegen die Interessen der Plastikindustrie ankämpfen – und wie versuchen diese wiederum, politische Entscheidungen zu beeinflussen? Anhand konkreter Beispiele, darunter der Kleinstadt Concord in den USA, zeigt der Podcast die Spannungsfelder zwischen Umweltbewusstsein, wirtschaftlichen Interessen und politischer Entscheidungsfindung. Dabei werden sowohl die Strategien der Plastiklobby als auch die Bemühungen um nachhaltige Alternativen kritisch hinterfragt.
Gemeinsam mit Experten wie dem Historiker Roman Köster und der Polymerchemikerin Katharina Landfester gehen wir den vielen Facetten des „Werbens“ für und gegen Plastik und Plastikmüll nach. Dieser Podcast wurde von Nora Sophie Büssow, Samuel Fillmann und Carl Frederic Staudt entwickelt, aufgezeichnet und produziert.
Literaturtipps:
Quellen zu den O-Tönen im Cold Open:
From the publisher's feed
„Clio auf die Ohren“ ist der Podcast des Historischen Seminars an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir arbeiten aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Lehre heraus. Manchmal…
Manche Podcasts verstehen wir als eine Art Bohrung, um historische Tiefenschichten zu bergen, die im historischen Wissen unserer Gegenwart verschüttet worden sind. In anderen Podcasts begeben wir uns auf die Suche nach Antworten auf historische Fragen – und Ihr dürft neben uns herlaufen! Alle unsere Podcasts versuchen, die Grenzen des geschichtswissenschaftlich Diskutierbaren auszuloten: Wo sind diese Grenzen, wie erreichen wir sie?
Das gilt auch für die Themenwahl: Nur zu gerne loten wir Themen jenseits des Alltagskanons aus. Dabei leitet uns eine Frage: Was können wir im Gespräch oder in der Suchbewegung zu einem konkreten historischen Problem über die Welt zu dieser Zeit lernen, politisch, sozial, ökonomisch oder kulturell? Begleitet uns gerne bei unseren Bohrungen und Suchbewegungen!
Kontakt: Dr. Andreas Frings, [email protected]