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Am Ende des Zweiten Weltkriegs befanden sich viele Menschen in den Besatzungszonen, die nicht von dort stammten und nicht freiwillig dorthin gegangen waren: ehemalige Zwangsarbeiter:innen, Überlebende von Konzentrations- oder auch Kriegsgefangenenlagern, Zwangsverschleppte - und häufig genug Menschen, die entweder nicht ohne Weiteres nach Hause zurückkehren konnten oder dies aus nachvollziehbaren Gründen (etwa wegen der Ausdehnung des sowjetischen Machtblocks) nicht wollten. Wer waren diese Menschen? Wie sahen sie sich selbst? Und auf welcher Quellengrundlage können wir uns überhaupt mit der Geschichte dieser Menschen auseinandersetzen?
Über diese und weitere Fragen unterhalten wir uns in diesem Podcast mit Anne Friedrichs und Christina Wirth vom Sonderforschungsbereich 1482 »Humandifferenzierung« am Institut für Europäische Geschichte Mainz. Auf diese Weise wollen wir auch zur Wiedergewinnung einer relevanten, in der bundesdeutschen Geschichtskultur aber wohl eher verloren gegangenen Geschichte beitragen.
Literaturtipps:
Auf dem Mainzer Hauptfriedhof lässt es sich bis heute sehen: Mit der französischen Besetzung des Rheinlandes rückten französische Truppen in der Region ein; darunter auch eine hohe Zahl an Soldaten aus den französischen Kolonien. Für viele Menschen in der Region war dies der erste Kontakt mit Menschen aus nicht-europäischen Herkunftsländern, wenn auch in einer schon an sich ungewohnten Besatzungskonstellation; für weiße Nationalisten in Deutschland und in Europa allgemein war es Anlass für eine Propagandakampagne gegen die "Schwarze Schmach". Doch welche Rolle spielten die stereotypen Vorurteile, die in der Kampagne artikuliert wurden, im Alltag? Was wissen wir über die Kolonialsoldaten, was erfahren wir, wenn überhaupt, direkt von Ihnen? Und welche Nachwirkungen hatten diese knapp zwölf Jahre - wie erging es den Kindern aus nichtehelichen Beziehungen, welche Stereotype lebten fort? Über diese und weitere Fragen unterhalten wir uns in diesem Podcast mit Anna-Maria Brandstetter vom Institut für Ethnologie und Afrikastudien der JGU Mainz.
Literaturtipps:
2020 überschlagen sich die Meldungen: Einer der vier harmlosen Corona-Stämme, OC43, könnte der Auslöser der sog. Russischen Grippe von 1889ff. gewesen sein! True? Und wenn ja: Wieso interessiert uns das, oder sollte es uns überhaupt interessieren? Eine Pandemie, von der niemand mehr etwas weiß? Immerhin wird sie nun als Argument eingesetzt: Seht her, Coronaviren werden harmloser, sieht man ja an der Russischen Grippe. Doch taugt dieses Argument? In diesem investigativen Recherche-Podcast schauen wir, wie weit wir kommen, wenn wir losziehen: Wir stellen doch nur Fragen!
Literaturtipps:
In diesem siebten Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ sprechen wir mit dem Althistoriker Thomas Blank über die „stilbildende“ Seuche der abendländischen Geistesgeschichte: die Pest (?) in Athen während des Peloponnesischen Krieges, die Thukydides in seiner großen Darstellung des Krieges beschrieben hat. Diese Beschreibung hat lange nachgewirkt und bis heute Fragestellungen und Erzählungen auch vieler anderer Epidemien beeinflusst.
Literaturtipps:
Im sechsten Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ widmen wir uns einer Epidemie unserer eigenen Gegenwart, die bis heute anhält: AIDS. Und wir fragen: Who cares? Was bedeuten kann: Wer kümmert sich darum?, aber auch: Ist es nicht allen herzlich egal? Wo stehen wir heute, wo kommt diese Krankheit eigentlich her, und wie konnte sie sich global verbreiten? Mit diesen Fragen konfrontieren wir sowohl die Ethnologin Anna-Maria Brandstetter, die sich mit der Ausbreitung, der Wahrnehmung und dem Umgang mit AIDS im im globalen Süden (vor allem Zentral- und Ostafrika) auseinandersetzt, als auch den Zeithistoriker Matthias Gemählich, der dies für den globalisierten Norden (vor allem USA und BRD) tut.
Literaturtipps:
Mit dem fünften Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ springen wir in eine Masterarbeit: Antonia Schlotter hat die Ursachen und Erscheinungsformen der Cholera-Unruhen im Russländischen Reich des 19. Jahrhunderts untersucht. In diesem Podcast ordnet sie die Cholerawellen im Russländischen Reich als Globalisierungseffekt ein und geht der Frage nach, wie und warum sich die Bevölkerung in den betroffenen Städten gegen staatliche Zwangsmaßnahmen zur Wehr setzte. Sie analysiert die kollektive Gewalt und untersucht die Rolle von Gerüchten, Widerstand gegen Quarantänemaßnahmen und Angriffe auf medizinisches Personal. Die Cholera-Unruhen werden so als Reaktionen auf eine Seuchenbekämpfung, die von der Bevölkerung als Eingriffe in ihr Alltagsleben empfunden wurde, verständlich: Das Misstrauen gegenüber staatlichen Institutionen und ihren Vertretern war tief verwurzelt.
Literaturtipps:
Der vierte Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ führt uns in das Osmanische Reich der Vormoderne. Mit Barbara Henning sprechen wir über den „kranken Mann am Bosporus", dem in der europäischen Geschichte der Neuzeit vielfach zugeschrieben wurde, eine Seuchenexportnation zu sein - nicht zuletzt deshalb baute das Habsburger Reich im 18. Jahrhundert einen Cordon sanitaire gegen das Osmanische Reich auf. Was ist dran an dieser Zuschreibung von außen, wie krank war das Osmanische Reich beziehungsweise seine Bevölkerung in der Vormoderne? Wie ging man im größten unabhängigen islamischen Reich der Neuzeit mit Epidemien und ihren Herausforderungen um? Welche Rolle spielten religiös-theologische oder juristische Überlegungen?
Literaturtipps:
Im dritten Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ begeben wir uns auf eine Spurensuche rund um den vielleicht ersten großen Pestausbruch in der europäischen Geschichte: die Justinianische Pest. Das führt uns auch mitten in eine fundamentale Umbruchphase: die Zeit Justinians, in der die Spätantike an ein Ende kommt und vielleicht das beginnt, was wir rückblickend „Mittelalter“ nennen. Zugleich ist dies eine Phase mit besonderen klimatischen Herausforderungen, die oft mit dem Begriff „Spätantike Kleine Eiszeit“ zusammengefasst werden. Konnte Justinian als Kaiser angemessen auf diese Herausforderungen reagieren, und wie wurde sein Handeln zeitgenössisch wahrgenommen? Diesen Fragen wollen wir mit Andreas Goltz, einem ausgewiesenen Spätantike-Experten, nachgehen.
Literaturtipps:
Mit dem zweiten Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ springen wir in die kaiserliche Hauptstadt des Habsburgerreichs: Wir bohren rund um die Pest in Wien, die dort 1679 vier Jahre vor der bekannten osmanischen Belagerung, von der damals noch niemand etwas ahnen konnte, wütete. Was hat diese Pest mit einem unser bis heute bekanntesten Kinderlieder zu tun? Und wie reagierte eines der Zentren des römisch-katholischen Europa auf diese damals notorische Seuche? Mit Matthias Schnettger gehen wir religiösen Deutungen nach und versuchen, dabei auch das Herrschaftsverständnis des Habsburger Kaisers Leopold I. zu rekonstruieren.
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Mit dem ersten Podcast der ersten Staffel von „Clio auf die Ohren“ springen wir mitten in die vielleicht bekannteste und in der Vormoderne immer wieder beunruhigende Seuche der europäischen Geschichte, die Pest. Sie trat 1771 zum letzten Mal in Europa dort auf, wo man sie am wenigsten erwartet hätte: im Russländischen Reich, konkret in Moskau, und ihr Erscheinen dort und die Verhängung herrschaftlicher Maßnahmen zu ihrer Eindämmung durch Katharina II. führten zu einer ernsthaften Revolte. Mit Jan Kusber gehen wir der Bedeutung von Epidemien, von Gesundheit und Medizin und von Hygiene in der Osteuropäischen Geschichte allgemein und im Moskau zur Zeit Katharinas der Großen nach und fragen uns, was wir aus diesen Beobachtungen lernen können.
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„Clio auf die Ohren“ ist der Podcast des Historischen Seminars an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir arbeiten aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Lehre heraus. Manchmal…
Manche Podcasts verstehen wir als eine Art Bohrung, um historische Tiefenschichten zu bergen, die im historischen Wissen unserer Gegenwart verschüttet worden sind. In anderen Podcasts begeben wir uns auf die Suche nach Antworten auf historische Fragen – und Ihr dürft neben uns herlaufen! Alle unsere Podcasts versuchen, die Grenzen des geschichtswissenschaftlich Diskutierbaren auszuloten: Wo sind diese Grenzen, wie erreichen wir sie?
Das gilt auch für die Themenwahl: Nur zu gerne loten wir Themen jenseits des Alltagskanons aus. Dabei leitet uns eine Frage: Was können wir im Gespräch oder in der Suchbewegung zu einem konkreten historischen Problem über die Welt zu dieser Zeit lernen, politisch, sozial, ökonomisch oder kulturell? Begleitet uns gerne bei unseren Bohrungen und Suchbewegungen!
Kontakt: Dr. Andreas Frings, [email protected]