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Zu den größten Produzenten von Plastikmüll weltweit gehört: die moderne Medizin. Doch das wird nur in Expertenkreisen thematisiert, denn egal wie übel Plastikmüll sein mag, auf die moderne Medizin wollen wir – aus guten Gründen – nicht mehr verzichten.
Im zweiten Podcast einer dreiteiligen plastikhistorischen Reihe werfen wir einen Blick auf die spannende, aber auch kontroverse Beziehung zwischen Plastik und moderner Medizin. Wir hinterfragen, wie Plastik zu einem unverzichtbaren Material im Gesundheitswesen wurde und welche Rolle es dabei spielt, Risiken zu minimieren – sowohl für Patient*innen als auch für medizinisches Personal. Gleichzeitig beleuchten wir die Schattenseiten: den enormen ökologischen Fußabdruck, den Plastik hinterlässt, und die gesundheitlichen Risiken, die von Kunststoffen ausgehen können.
Gemeinsam mit Expert:innen, mit der Neonatologin Frau Prof. Dr. Med. Eva Mildenberger und dem Medizinhistoriker Prof. Dr. Med. Michael Sachs, untersuchen wir, ob die Medizin von heute ohne Plastik denkbar wäre und welche Innovationen die Abhängigkeit von Plastik in der Zukunft verringern könnten. Dieser Podcast wurde von Aline Melissa Ollivier, Marvin Gauch und Johannes Frederik Lilienfein entwickelt, aufgezeichnet und produziert.
Literaturtipps:
Plastik und Kunststoff sind nicht genderneutral – auch wenn es zunächst so wirkt. Oder würdet Ihr „Männer“ eher mit Plastik oder eher mit „Holz“, „Stahl“ und anderen Stoffen verbinden? Wie ist es mit „Natürlichkeit“ und „Künstlichkeit“ von Plastik?
Im ersten Podcast einer dreiteiligen plastikhistorischen Reihe beleuchten wir die faszinierende Verbindung zwischen Plastik und Geschlechterrollen. Wir reisen zurück in die 1950er und 1960er Jahre, als das „Plastikzeitalter“ begann, und untersuchen die gesellschaftlichen und kulturellen Auswirkungen von genderspezifischen Produkten wie Tupperware und Barbie. Gemeinsam mit Expert:innen wie Dr. Jan Logemann und Nadia Shehadeh hinterfragen wir, wie diese ikonischen Plastikprodukte weibliche Rollenbilder geprägt, aber auch Möglichkeiten für mehr Selbstbestimmung eröffnet haben. Von Tupperpartys über Barbiepuppen bis hin zu aktuellen Trends diskutieren wir, wie diese Konsumartikel sowohl feministische Fortschritte als auch problematische Stereotype verkörpern.
Mit diesem Podcast laden wir unsere Hörerinnen ein, über den Einfluss von Konsumkultur auf Geschlechterrollen und Emanzipation nachzudenken. Dieser Podcast wurde von Rafaela Kontós, Joshua Porth und Till Loh entwickelt, aufgezeichnet und produziert.
Literaturtipps:
In geistes- und sozialwissenschaftlichen Debattenbeiträgen wird das Konzept des „Anthropozän“ seit mindestens zehn Jahren munter gefeiert. Dabei war es ursprünglich ein geologisches Konzept. Seine Geburtshelfer, Paul Crutzen und Will Steffen, konnten zeigen, dass es sinnvoll sein dürfte, sich aus einer solchen geologischen Perspektive auf ein Anthropozän-Verständnis zu einigen, das den Beginn der „Menschenzeit“ in die 1950er Jahre datiert. Denn ab dann beginnt die menschliche Aktivität, planetare Prozesse auf nie dagewesene Weise aus dem Gleichgewicht zu bringen. Doch genau dieser Zeitraum gilt geschichtskulturell gerade nicht als Ausgangspunkt katastrophaler Verwerfungen; viel eher verbindet man diese Zeit mit dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg, und damit setzt auch das Wirtschaftswunder ein. Steffen nennt diese Zeit nun die „Große Beschleunigung“ – und das ist nicht positiv gemeint.
Offenbar gibt es ganz unterschiedliche Perspektiven auf diese Nachkriegszeit, und vielleicht lohnt es sich, sie gegeneinanderzustellen und auf ihre Tragfähigkeit abzuklopfen. Genau dies hat Thomas Klisch getan – und dafür auch mit Sebastian Bartsch und Gabriele Dürbeck gesprochen.
Literaturtipps:
Zu den entscheidenden Wendepunkten der vormodernen russländischen Geschichte gehört die "Smuta", auch "die Zeit der Wirren" genannt. Damit meinen wir die Zeitspanne zwischen dem Ende der alten Rjurikidendynastie im Großfürstentum Moskau nach dem Tod Fjodors I., dem Sohn Ivans des Schrecklichen. Das war 1598. Vielleicht sollten wir da auch schon vom Zarentum Russland sprechen, denn Ivan der Schreckliche selbst, oder auf Russisch eher der Grausame, der Strenge, hatte sich 1547 zum Zaren krönen lassen. 1598 starb seine Dynastie mit seinem Sohn Fjodor aus; und erst 1613 gelang es, mit der Familie der Romanow eine neue, als legitim wahrgenommene Dynastie zu etablieren. Dazwischen beanspruchten mindestens fünf Menschen die legitime Herrschaft. Es gab Hungersnöte, vor allem ab 1601 – die klimatisch vielleicht härtesten Jahre der russländischen Geschichte, soweit wir sie kennen. Es gab ausländische Interventionen, etwa einen polnischen und einen schwedischen militärischen Einmarsch. Es gab mehrere falsche Zarensöhne, also Männer, die behaupteten, sie seien in Wahrheit der Sohn Ivans, der 1582 zur Welt gekommen und 1591 in Uglitsch an einem Unfall verstorben war.
Was hatten diese wirren Jahre mit einem Vulkanausbruch in Südamerika zu tun? Darum geht es in diesem Podcast, in dem Isabel Jarczyk mit Christoph Helo, Jan Kusber und Andreas Frings spricht. Dies ist der zweite Podcast der dritten Staffel von "Clio auf die Ohren" mit dem TItel "History for Future", in der es um klima- und umwelthistorische Geschichten geht.
Literaturtipps:
Noch im Winter 1962/63 fror der Rhein auf weiten Teilen zwischen Mainz und Emmerich zu und sorgte über Wochen für einen totalen Stillstand der Binnenschifffahrt. Die heutigen Winter vermögen kaum noch den Rhein oder andere, langsamer fließende Gewässer, zufrieren zu lassen. Nun sorgen Dürresommer und Wassermangel dafür, dass die Schifffahrt auf dem Rhein mit existenziellen Problemen zu kämpfen hat. Wie sich die Menschen, die an und auf dem Rhein leben, an die neuen Gegebenheiten anpassen und welche Auswirkungen der Klimawandel für Natur und Tierwelt im Südwesten hat, greift dieser erste Podcast der dritten Staffel von "Clio auf die Ohren" auf.
In dieser dritten Staffel mit dem TItel "History for Future" geht es um klima- und umwelthistorische Geschichten. Zur Zeitgeschichte des Rheins interviewt Paul Martin Lorenz zum einen Robert Egeling vom NABU-Rheinauen-Zentrum in Bingen und zum anderen Andreas Fink vom Institut für Meteorologie und Klimaforschung des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT).
Literaturtipps:
Zu diesen Fragen gibt es noch keine überzeugende zeithistorische, umweltgeschichtliche Forschung.
Dass Israel allen Jüdinnen und Juden weltweit die Einreise und die israelische Staatsbürgerschaft ermöglicht, geht auf die Geschichte der Verfolgung der Vernichtung europäischer Juden durch den deutschen Nationalsozialismus zurück, zugleich aber auch auf eine Geschichte jüdischer Einwanderungen nach Palästina, die vor die Staatsgründung Israels 1948 zurückreichen und in mehreren Wellen, sog. "Alijahs", erfolgten. In der Einwanderung deutschsprachiger Jüdinnen und Juden vor allem in den 1930er Jahren, den sog. "Jeckes", kommen beide Aspekte zusammen, deren Geschichte von Rebecca Sarah Schlaadt, Alica Schirmer und Felix Marcel Hackhausen in diesem Podcast rekonstruiert wird. Und auch in anderer Hinsicht ist die Einwanderung der "Jeckes" interessant: Wir stoßen etwa auf ambivalente Stereotype, von denen wir einige auch aus bundesdeutschen Debattenlagen kennen. Die Sammlung und Musealisierung dieser Einwanderung ist auch keine "Erfolgsgeschichte", sie ist kompliziert und lohnt das genauere Hinschauen - und Hinhören.
Literaturtipps:
Ist die deutsche Gesellschaft eine Einwanderungsgesellschaft? Oder eine von Zuwanderung geprägte Gesellschaft? Diese politisierende und emotionalisierende Frage hat ganz unterschiedliche gesellschaftliche Diskussionen ausgelöst. Bis heute gibt es trotz zahlreicher Sonderausstellungen kein nationales deutsches Einwanderungsmuseum - anders als etwa in den USA oder in Frankreich. Eine Initiative in Köln, die auf das Engagement migrantischer Gruppen zurückgeht (DOMiD: Dokumentationszentrum und Museum über die Migration in Deutschland), wird inzwischen aus öffentlichen Mitteln gefördert, um das zu ändern und in Köln (Stadtteil Kalk) ein "Haus der Einwanderungsgesellschaft" aufzubauen; inzwischen hat sich die Initiative für den Museumsnamen „SELMA“ entschieden. In diesem Podcast rekonstruieren Simon Paul Kohnert, Antonia Görgen und Michael Albert Klein die mäandrierenden Wege und Knackpunkte der bundesdeutschen Auseinandersetzung mit der eigenen Einwanderungsgeschichte mit einem Fokus auf deren Sammlung und Musealisierung.
Literaturtipps:
Die 2. Staffel von Clio auf die Ohren unter dem Label "Migrationen und Mobilität im 20. Jahrhundert" geht weiter! In den nächsten drei Folgen geht es darum, wie Einwanderungsgeschichten gesammelt und ausgestellt und damit zum Bestandteil von Geschichte werden. Ellis Island, Lower East Side Tenement Museum, Cité de l'histoire de l'immigration: In diesem Podcast widmen sich Annika Jäggi, Hannah Antoni und Leonie Sophie Renz einer vergleichenden Perspektive auf die drei international vielleicht bekanntesten Einwanderungsmuseen (zwei davon in New York, eines in Paris). Was wird dort gezeigt, wer trägt dafür die Verantwortung? Wie wurde der Ort für die Ausstellung gewählt? Mit diesen Fragen fächern sie das Tableau an Entscheidungen auf, die hinter einem solchen Einwanderungsmuseum stehen.
Literaturtipps:
Die Wagen so bunt, die Pferdchen so zottig, sie zogen die Wagen so schwer? Stereotype über Mobilität, über "fahrendes Volk", über ständiges Wandern und ein Leben in Wohnwagen begleiten deutsche und südosteuropäische Sinti und Roma seit Langem. Diese stereotypen Beschreibungen kennen viele sicher auch aus dem Familien- oder Bekanntenkreis. Doch wie konnte sich das Bild der nomadenhaften Lebensweise bis heute so hartnäckig halten? Wie ist es entstanden? Wie hängen in diesem Stereotyp Mobilität und das ebenfalls hartnäckige Vorurteil halblegaler oder illegaler Erwerbswege zusammen? Und vor allem: Was macht das mit den Menschen, die so beschrieben werden? Über diese und weitere Fragen unterhalten wir uns in diesem Podcast mit Hans-Christian Maner vom Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte im Historischen Seminar der JGU Mainz.
Literaturtipps
Dass nach dem Zweiten Weltkrieg viele Flüchtlinge und Vertriebene in den deutschen Besatzungszonen ankamen, ist sicher bekannt; dass eine Besatzungszone jedoch zurückhaltender war, sicher weniger: Die französische Besatzungszone im späteren Rheinland-Pfalz nahm anfangs nur wenige Menschen auf. Erst gegen Ende der 1940er Jahre änderte sich dies. Leider ist die Forschung in diesem Bereich bisher auch nicht sehr ausgeprägt. Wie sah denn die rheinland-pfälzische "Willkommenskultur" aus (gab es sie überhaupt)? Welche Rolle spielten etwa Stereotype über Menschen aus osteuropäischen Herkunftsregionen? Welche Quellen stehen uns heute überhaupt noch zur Verfügung, und wie gehen wir beispielsweise methodisch mit den Potentialen der Oral History um? Welche Rolle spielte ganz konkret das Aufnahmelager Osthofen? Über diese und weitere Fragen unterhalten wir uns in diesem Podcast mit Sarah Scholl-Schneider von der Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz.
Literaturtipps:
Stein, Wolfgang Hans: Vertriebene, Flüchtlinge und andere Zonenfremde in Rheinland-Pfalz. In: Heyen, Franz-Josef (Hrsg.): Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945-1951 (Veröffentlichungen der Kommission des Landestages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 5) Boppard am Rhein 1984, S. 235-259.
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„Clio auf die Ohren“ ist der Podcast des Historischen Seminars an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Wir arbeiten aus der geschichtswissenschaftlichen Forschung und Lehre heraus. Manchmal…
Manche Podcasts verstehen wir als eine Art Bohrung, um historische Tiefenschichten zu bergen, die im historischen Wissen unserer Gegenwart verschüttet worden sind. In anderen Podcasts begeben wir uns auf die Suche nach Antworten auf historische Fragen – und Ihr dürft neben uns herlaufen! Alle unsere Podcasts versuchen, die Grenzen des geschichtswissenschaftlich Diskutierbaren auszuloten: Wo sind diese Grenzen, wie erreichen wir sie?
Das gilt auch für die Themenwahl: Nur zu gerne loten wir Themen jenseits des Alltagskanons aus. Dabei leitet uns eine Frage: Was können wir im Gespräch oder in der Suchbewegung zu einem konkreten historischen Problem über die Welt zu dieser Zeit lernen, politisch, sozial, ökonomisch oder kulturell? Begleitet uns gerne bei unseren Bohrungen und Suchbewegungen!
Kontakt: Dr. Andreas Frings, [email protected]