Das Buch zur Woche

Das Buch zur Woche

By DIFFUS, Daniel Koch, Celine LeonoraSociety & Culture
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Das Buch zur Woche episodes

  • „Ich finde mein Buch stellenweise richtig gut“: Panik Panzer im Interview über „Der beste Mensch der Welt“

    Tobias Pongratz alias Panik Panzer ist nicht nur Mitglied der Antilopen Gang, sondern auch ein Labelboss, „Antilopen Geldwäscher“, Mit-Manager seines Bruders Danger Dan, Solorapper mit der stattlichen Bilanz von einem Song namens „DIY CEO“ – und nun also auch Autor. Wir sprechen nämlich über seine Biografie „Der beste Mensch der Welt“, die soeben im Riva Verlag erschienen ist. Was ihn quasi zum Label- pardon Verlagskollegen von Kollegen wie Kollegah, Kool Savas, Xatar und Bushido. Die haben nämlich allesamt bei Riva ihre – meist von Ghostwritern verfassten – Bücher veröffentlicht. Panik Panzer mach kein Geheimnis draus, dass er das Buch mit dem befreundeten Autor und Journalisten Martin Seeliger geschrieben hat. Und er macht keinen Hehl daraus, das in diesem Buch alles fast ein klein bisschen wahr ist. Wer „Der beste Mensch der Welt“ liest, merkt nämlich schnell, dass man es hier nicht mit einer gewöhnlichen Rapper-Biografie zu tun hat. Im Interview geht es um diesen interessanten Spagat zwischen Satire und realer Karriere, um das erst nicht so begeisterte Feedback seiner Bandkollegin, um alternative Verwendungsmöglichkeiten, um den Stand seiner Solokarriere abseits des Buchregals und um seine Faszination für Rapper-Biografien.

    Wir haben außerdem zwei signierte Exemplare von „Der beste Mensch der Welt“ für euch zum Verlosen auftreiben können. Wenn ihr eines haben möchtet, schreibt doch bitte eine Mail mit dem Stichwort „Der beste Mensch der Welt“ an [email protected] – und vergesst bitte nicht, eure Postadresse anzugeben.

    48 min
  • Andreas Dorau im Gespräch über „Die Frau mit dem Arm“ und andere Dinge

    Diesmal geht es um das neue Buch von Sven Regener und Andreas Dorau: „Die Frau mit dem Arm“ heißt es und ist soeben im Galiani Verlag erschienen. Mit Andreas führen wir ein Interview über dieses sehr weise, lustige, kurzweilige, skurrile und zu fast 100 Prozent wahre Buch reden.

    Sven Regener kennt man natürlich als Sänger, Texter und Trompeter der Band Element of Crime. Und man kennt ihn als Bestseller-Autor. Romane wie „Herr Lehmann“, „Neue Vahr Süd“, „Der kleine Bruder“, „Magical Mystery Tour“ und zuletzt „Glitterschnitter“ haben bei vielen fast schon Kultstatus. Andreas Dorau wiederum ist eine der spannendsten Figuren der deutschen Pop-Historie. Seinen ersten Hit „Fred vom Jupiter“ landete er bereits 1981 – da war er 15 Jahre alt. In die NDW-Schublade, in die man ihn stopfen wollte, passte er allerdings schon da nicht. Seitdem liefert Andreas Dorau verlässlich gute, mal verschrobene, mal erstaunlich poppige Musik, ohne jemals auf der Stelle zu treten. Um in sein Ouevre einzutauchen, empfehlen wir, mal diese Songs zu hören: „Girls in Love“, „Stoned Faces Don’t Lie“, „Das Telefon sagt du“ und „Ossi mit Schwan“.

    Aber wie sieht es nun aus, wenn zwei Menschen ein Buch schreiben? In diesem Fall ist es so, dass Sven Regener die Geschichten aufschreibt, die Andreas Dorau ihm erzählt. Die beiden sind seit Jahrzehnten befreundet und Regener fand schon immer, dass Andreas Dorau Geschichten erlebt hat, die man sich nicht besser ausdenken kann. 2015 erschien bereits „Ärger mit der Unsterblichkeit“, wo Andreas aus seinem Leben bis zum Jahr 2000 erzählt. Nun geht es weiter in „Die Frau mit dem Arm“ und Andreas Dorau nimmt uns mit auf seinem sehr speziellen Weg durch die deutsche Musiklandschaft.

    Wir haben dank des Galiani Verlags ein paar Bücher bekommen, die wir hier verlosen dürfen. Wenn ihr jetzt also neugierig geworden seid und das Buch gewinnen und lesen wollt, dann schreibt uns eine Mail an [email protected] dem Stichwort „Die Frau mit dem Arm“. Bitte gebt dabei auch eure Postadresse an.

    48 min
  • „Liebes Arschloch“ von Despentes ist für ihre Verhältnisse fast versöhnlich

    Wer zum Beispiel Virginie Despentes Debütroman «Baise Moi – Fick mich» oder den Essay-Band «King Kong Theorie» gelesen hat, weiß dass diese Frau Bücher schreibt, wie andere Leute einen rechten Haken setzen. Oder einen Tritt in die Eier. In ihrem neuen Briefroman, der in ihrer Heimat Frankreich bereits gefeiert wird, zeigt sie allerdings: Milde, Verständnis, Empathie. Aber keine Panik: Das alles gibt’s nicht ohne Schmerzen. Und in verträglichen Dosen.

    Das war schon in ihrer extrem erfolgreichen Trilogie „Vernon Subutex“ teilweise zu spüren – über ihren neuen Roman sagte sie jedoch selbst: „Nach der Pandemie hatte ich wirklich überhaupt keine Lust darauf, etwas Depressives zu schreiben.“ Also gönnt sie sich eine schöne Utopie: Nämlich, dass sich misogyne Männer Mitte vierzig tatsächlich noch ändern können. Im Kern des Romans steht ein Mail- und Insta-DM-Wechsel zwischen dem Schriftsteller Oscar, der im Zentrum eines MeToo-Falles steht, und der Schauspielerin Rebecca, die einst Sexsymbol des französischen Films war und ihren angeblichen Bedeutungsverlust ganz gut wegsteckt. Als Kontrast zu diesem sehr unterhaltsamen „Boomer“-Talk gibt es zwischendurch Blogeinträge der jungen Feministin Zoé zu lesen: Sie war vor einigen Jahren die Pressereferentin von Oscar und wurde von ihm körperlich und emotional bedrängt. Ein moderner Brief-Roman, der drei Menschen zusammenbringt, die sich bei Twitter oder in einer Talkshow eher angeschrien hätten. Und genau darum ging es Despentes.

    14 min
  • „Die Perfektionen“ ist der Berlin-Roman, der dein ach so cooles Stadtleben zerlegen wird

    Heute haben wir einen sehr besonderen Berlin-Roman für euch. «Die Perfektionen» von Vincenzo Latronico. Aus dem italienischen übersetzt wurde das Buch von Verena von Koskull, erschienen ist es im Claassen Verlag.

    Der Roman handelt von Anna und Tom. Ein Expat-Pärchen, das nach Berlin zieht, was Kreatives mit Medien macht und eigentlich ein perfektes Leben führt. Oder vielmehr: Ein bei Instagram und Co. perfekt aussehendes Leben. Die beiden kennen sich seit der Studienzeit, ergänzen sich prächtig, sind beruflich als Soloselbstständige einigermaßen erfolgreich. Zu Beginn des Buches nimmt uns der Autor mit auf eine Tour durch die schicke Altbauwohnung der beiden. Und schon da merkt man, dass sein alles sehender Blick auch die Ecken ausleuchtet, die nur auf einem bearbeiteten Foto perfekt aussehen. Am Ende wirkt das bei Insta so cool aussehende Leben von Innen ziemlich hohl und unbefriedigend.

    9 min
  • Härter als die Gebrüder Grimm: Ottessa Moshfegh und ihr Roman „Lapvona“

    In dieser Folge haben wir schon wieder einen Blockbuster für euch, denn Ottessa Moshfegh ist nicht nur eine Lieblingsautorin von uns sondern auch eine Bestseller-Lieferantin. In der Pandemie entwickelte sich ihr Roman „Mein Jahr der Ruhe und Entspannung“ zum Book-TikTok-Hype, weil die Geschichte die Lockdown-Erfahrung schon Jahre zuvor sehr böse und gut getroffen hat. Bei Ottessa Moshfegh ging es allerdings nicht um einen Virus, der die Menschen zwingt, in der Wohnung zu bleiben, sondern um ein Model, das beschließt, auf Pillen ein Jahr lang durchzuschlafen, weil ihr die Menschheit außerhalb ihres Apartments ziemlich auf die Nerven geht.

    Das Werk von Ottessa Moshfegh ist eine wilde Reise. Ihr Debüt McGlue war eine Piratengeschichte, das Buch vor „Lapvona“, das „Der Tod in ihren Händen“ hieß, war eher dem Krimi nahe, und der aktuelle Roman ist eine Art Fabel, die in einem fiktiven Mittelalter spielt. Etwas überspitzt könnte man sagen, sie empfehle sich damit als Schwester der Gebrüder Grimm. Nur, dass es bei ihr noch etwas härter zugeht als bei den Grimms.

    8 min
  • Muss man „The Shards“ von Bret Easton Ellis wirklich lesen, nur weil alle drüber reden?

    Der Mann, der uns den „American Psycho“ Patrick Bateman „geschenkt“ hat, veröffentlicht seinen ersten Roman seit 13 Jahren. Bret Easton Ellis fiktionalisiert in „The Shards“ sein eigenes Leben und führt uns in das letzte Jahr seiner Schulzeit. Es ist 1981, Bret wächst reich und von den Eltern meistens alleine gelassen in Los Angeles auf, sammelt erste homosexuelle Erfahrungen und spürt diabolische Kräfte am Werk, die sein Leben und das seiner Schul-Clique verdunkeln werden. Gleichzeitig springt er kopfüber in die Pop-Kultur jener Zeit und verbindet fast jede Erfahrung mit einem ziemlich guten Song oder Film. Aber was führt eigentlich sein neuer Mitschüler im Schilde? Und ist er vielleicht gar dieser brutale Serienmörder, der „The Trawler“ genannt wird? Was hier nach einem Krimiplot klingt, ist zugleich mehr und auch weniger. Und Bret Easton Ellis, der eine durchaus streitbare Person ist, spielt gerne dieses Verwirrspiel zwischen Autobiografie und Fiktion.

    „The Sharks“ ist aber vor allem ein literarischer Blockbuster, der gerade in allen Kulturprogrammen besprochen und von vielen, meist männlichen, Kritikerin gefeiert oder gar als „dunkles Meisterwerk“ (Süddeutsche Zeitung) bezeichnet wird. Aber ist er das wirklich? Eine Antwort gibt’s in diesem Podcast, der wie auch das Buch selbst ein wenig Überlänge hat.

    16 min
  • Die Freiheit, Freiheit mal freier zu denken: „Mein anarchistisches Album“ von Eva Demski

    Dieses Buch von der Autorin und Fernseh-Journalistin Eva Demski kam gerade im Insel-Verlag raus und liefert genau das, was der Titel verspricht: Sie stellt eine Art Album zum Thema Anarchismus zusammen und erzählt in kompakten Kapiteln fast plaudernd von anarchistischen Denkerinnen und Denkern. Es ist aber nicht nur bloße Wissensvermittlung, die sie da betreibt – man spürt in jeder Zeile ihre persönliche Leidenschaft für das Thema Anarchismus. Ganz nebenbei ist dieses Buch auch noch ein kleines Fotoalbum, denn Demski und eine Freundin von ihr fotografieren seit Jahren Orte, an denen sie das „Anarchisten-A“ sehen – ein umkreistes A, dass diesen Kreis mit seine Enden zu zerschneiden scheint.

    Man kennt dieses Zeichen natürlich aus dem Straßenbild einer Stadt wie Berlin oder von bemalten Lederjacken, die man auf Punk-Konzerten manchmal sieht. Auch das Wort „Anarchie“ ist eigentlich im allgemeinen Sprachgebrauch verankert. Aber, und deshalb ist es so interessant dieses Buch zu lesen: Anarchie hat einen viel schlechteren Ruf, als diese Idee verdient hat. Viele Politiker oder konservative Medien verwenden gerne Formulierungen wie „Chaos und Anarchie“, wenn zum Beispiel mal wieder eine Demo oder ein Silvester ausartet. Oder sie benutzen das Wort im völlig falschen Wortsinn. Nämlich, um Gewaltherrschaft und Gesetzlosigkeit zu beschreiben, die immer dann vorkommt, wenn zum Beispiel in einem Bürgerkrieg die staatliche Ordnung zusammenbricht und quasi das Recht des Stärkeren etabliert wird. DAS nennt man aber eigentlich eine Anomie. Eva Demski räumt also mit gewissen Vorurteilen auf und zeigt auf oft amüsante Weise, dass ein wenig mehr Anarchie im Leben vielleicht gar keine schlechte Idee wäre …

    10 min
  • Das eine Buch, das man in diesem Jahr noch lesen sollte: „Himmel über Charkiw“ von Serhij Zhadan

    Wir haben eine Weile überlegt, was wir in der letzten Folge des Jahres bringen sollten. Eigentlich hatten wir an so eine Art Bestenliste gedacht, aber das ist ja auch irgendwie doppelt gemoppelt, weil man dann bei Büchern landet, um die es hier schon einmal ausführlicher ging.

    Uns fiel dann aber in der letzten Woche ein Buch in die Hände, bei dem wir dachten: Stimmt, das sollte man in diesem Jahr unbedingt noch gelesen haben! Es heißt „Himmel über Charkiw – Nachrichten vom Überleben im Krieg“ und wurde geschrieben von Serhij Zhadan. Der Suhrkamp Verlag hat diese Kriegstagebuch des ukrainischen Musikers und Autors im Herbst veröffentlicht. Zhadan hat außerdem im Oktober den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seine Arbeit bekommen.

    Seri Jadan spricht selbst ziemlich gut deutsch, wie man in diversen Interviews hören kann, aber er schreibt dieses Tagebuch aus dem Krieg in seiner Heimat natürlich in seiner Muttersprache – und zwar zu allererst auf seinem Facebook-Account. Editiert und übersetzt wurden diese Texte von Sabine Stöhr, Juri Durkot und Claudia Dathe. Zwischen den sehr unmittelbaren, mal kurzen, mal tiefer gehenden Tagebucheinträgen und Überlegungen, finden sich außerdem viele Fotos von ihm, die sehr deutlich zeigen, was da ein paar Landesgrenzen weiter passiert.

    10 min
  • Lillian Fishman tut allen „Große Gefallen“, die Sally Rooney lieben

    Heute möchten wir euch ein spannendes Roman-Debüt vorstellen. Und zwar „Große Gefallen“ von der amerikanischen Autorin Lillian Fishman – ein Buch, das allen gefallen dürfte, die in den letzten Jahre Sally Rooney erlegen sind. Wobei es bei Fishman noch etwas abgründiger zugeht.

    „Große Gefallen“ ist in diesem Jahr in der deutschen Übersetzung von Eva Bonné im Verlag Hofmann und Campe erschienen. Die Autorin Lillian Fishman hat damit in ihrer Heimat einen ziemlichen Wirbel verursacht. Das wundert sie vermutlich aber selbst gar nicht mal. Denn man spürt schon auf den ersten Seiten, wie gerne sie provoziert und Vorurteile in Sachen Liebe und Sexualität auf Links zieht. Für Diskussionen sorgte vor allem, dass Fishman, die sich schon während ihrer High School-Zeit als queer outete, in diesem Buch von einer lesbischen jungen Frau erzählt, die ihre eigentlich erfüllende Beziehung zu einer Kinderärztin gegen eine abgründige Dreiecks-Geschichte eintauscht, die um einen nicht gerade sympathischen heterosexuellen Mann mit toxischen Tendenzen kreist. Könnte auch ein schlechter Porno sein – wenn man nur auf den Plot schaut. Aber genau das ist „Große Gefallen“ eben nicht. Warum? Das erfahrt ihr im Podcast.

    8 min
  • Lieblingsbücher: „Geek Love“ von Katherine Dunne ruft ein lautes „Hi Freaks“

    Heute gibt’s mal wieder ein Lieblingsbuch vom Host: „Geek Love“ heißt es im Original und stammt von der leider 2016 verstorbenen Autorin Katherine Dunne. In Deutschland erschien das Buch vor gut acht Jahren in der Übersetzung von Monika Schmalz im Berlin Verlag. Da hat es den etwas sperrigen Titel „Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie.“

    Die Amerikanerin Katherine Dunne genießt zumindest im Englischsprachigen Raum bei vielen Menschen mit gutem Buchgeschmack Kultstatus. Im Roman „Geek Love“, der 1989 veröffentlicht wurde, geht es um die sehr besondere Familie Binewski. Daher auch der Titel der deutschen Ausgabe: „Binewskis: Verfall einer radioaktiven Familie.“ Obwohl das Wortspiel nur so ha ha-lustig ist, trifft es den Kern der Story ganz gut. Dunne erzählt aus dem Leben einer besonderen Schaustellerfamilie, die auf amerikanischen Jahrmärkten ihre eigene „Freak Show“ unterhält – bzw. sie zeugt.

    Die Storyline von „Geek Love“ ist dabei zwar recht konventionell und im Kern ein schillerndes, böses Familiendrama – aber das Buch haut jede:n um, weil Katherine Dunne eine wahnsinnig gute Autorin ist. Der Humor ist bitterböse, die Beschreibungen dieser eigenen Welt und ihres freakigen Personals sind poetisch und hart zugleich – und das ganze Buch feiert einfach dermaßen schamlos und euphorisch das Anderssein, dass man bei einigen Parts sogar laut jubeln möchte.

    8 min

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