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In dieser Folge braucht man eigentlich nur die Worte Lederjacke, Buzzcut und Totschlag zu sagen und man weiß schon, von wem die Rede ist. Bernhard Aichner ist Bestsellerautor und Erfinder von Krimi-Charakteren wie dem Totengräber Max Broll und der Bestatterin Blum. In seinem 2019 erschienenen Thriller “Der Fund” beschäftigt er sich mit dem Schicksal einer Supermarktangestellten, die in einer Bananenkiste massenweise Kokain findet. Vor einer Lesung in Pertisau am Achensee treffen wir Bernhard in der Gaststube eines Wellnesshotels und diskutieren – passenderweise – über Lesen in der Sauna, Schreiben mit der Hand und Singen wie Helene Fischer.
Bernhard Aichner wächst im kleinen Osttiroler Ort Sillian auf. Mit 17 Jahren flüchtet er vor dem Dorfleben nach Innsbruck, wo er die Matura nachholt und als Fotograf erfolgreich ist. Schon als Jugendlicher weiß er, dass er Schriftsteller werden möchte, seine ersten Werke erscheinen ab 2000 zunächst im Skarabäus und Haymon Verlag. Mit „Totenfrau“ (btb) unternimmt er einen Genrewechsel, der ihm 2014 schließlich zum Durchbruch verhilft. Das Werk wird in 16 Sprachen übersetzt und erscheint in Amerika im renommierten Scribner Verlag – jenem Verlag, in dem auch Stephen King seine Werke publiziert. Derzeit wird „Totenfrau“ verfilmt und wird ab 2022 auf Netflix zu sehen sein. Während Aichner normalerweise ein Jahr an einem Buch schreibt, konnte er während der Corona-Pandemie gleich zwei Werke fertigstellen: „Dunkelkammer“ und „Gegenlicht“ sind 2021 im btb-Verlag erschienen.
In dieser Folge von „Das K“ unterhalten wir uns mit Bernhard Aichner über moralische Dilemmas, warum ein Vergleich mit Helene Fischer keine Beleidung für ihn ist und warum er seit einiger Zeit nach jeder Lesung singt. Wir erfahren, was er mit einem Kokain-Fund aus der Bananenkiste machen würde, welche Musik ihn beim Schreiben am meisten begleitet und warum Aichner phasenweise den ganzen Tag im Bett liegt.
Aichner ist ein Krimiautor, der keine Thriller lesen kann – weil es ihn um den Schlaf bringen würde. Stephen Kings „Es“ musste er nach ein paar Seiten weglegen. Dennoch mutet er seinen Figuren „unermesslich Grausames“ in seinen Büchern zu. Bei aller Blutrünstigkeit ist ihm wichtig, dass seine Figuren berühren – auch wenn sie Mörder sind. „Faszinierend beim Krimi-Schreiben ist für mich die Frage, warum wird jemand zum Mörder? Wie kam’s, wie tickt der? Der hat ja auch was Gutes…irgendwann war der ja kein Mörder, bevor er einer wurde.“ Der Bestseller-Autor nennt Krimis „eine Auseinandersetzung mit dem Dunklen in der Welt“ für sich und seine Leser – mit der Möglichkeit, das Buch einfach wieder zuschlagen zu können: „und es ist alles gut, es ist nichts passiert.“
Friedhöfe gehören schon für das Kind Bernhard Aichner zu seinen liebsten Plätzen. „Da hatte ich das Gefühl, da kann mir nichts passieren – die sind alle tot“, erzählt er von seiner Zeit als Ministrant im kleinen Osttiroler Dorf Sillian. Und auch heute noch besucht er bei jeder Reise die Friedhöfe der jeweiligen Orte. Und das nicht (nur), um Namen für die nächsten Romane zu finden. Aichner ist der Typ Mensch, der sich seinen Ängsten stellt. Um seiner Angst zu begegnen, einmal wirklich eine Leiche zu sehen, macht er kurzerhand ein Praktikum in einem Bestattungsinstitut, wo er en passant für seine Trilogie zu Brünhilde Blum recherchiert.
Für seine Arbeit sperrt sich der Bestseller-Autor nicht im stillen Kämmerlein ein. Er schreibt im Zug, im Bett und in seinem Arbeitszimmer – bei weit geöffneten Türen. Er mag es, wenn die Dinge um ihn herum leben: das Buch, dessen Blätter sich durch’s Lesen in der Sauna wellen, die leeren Seiten seiner Notizbücher, die er handschriftlich mit seinen Werken füllt und auch die Interaktionen mit seinen Lesern, die er freundschaftlich „Schnuggis“ nennt.
Aichners Freude am Leben zieht sich durch alle Bereiche. Sie offenbart sich am Interesse an seinem Publikum, das er durch Gespräche nach seinen Lesungen stillt, an seiner Vorliebe für das Lesen von Danksagungen und an der Einstellung, dass jedes seiner Bücher – ob in kleiner Auflage oder als Bestseller gedruckt – für den Autor „wie ein Baby“ ist. „Ich lebe extrem gern, aber ich weiß, es kann anders kommen. Das gehört zum Leben dazu. Das Sterben ist Teil davon.“
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Bernhard Aichner
Alle Folgen von "Das K - Der Tiroler Podcast für Kunst und Kultur": www.tirol.at/podcast
Hannah Crepaz ist verantwortlich für zwei der wichtigsten musikalischen Institutionen Westösterreichs. Als künstlerische Leiterin von “Musik +” und des Osterfestivals bringt sie Weltstars wie Igor Levit oder Jordi Savall nach Hall in Tirol. Hannah stammt aus einer ungewöhnlich musikalischen Familie: Ihre Eltern haben die Galerie St. Barbara und das Osterfestival gegründet, ihr Bruder ist Geschäftsführer der Salzburger Festspiele. Im Podcast verrät sie uns wie es ist, mit weltberühmten MusikerInnen aufzuwachsen, warum die Kunst gerade in diesen Tagen wichtig ist und warum Kinder ein Recht auf Kultur haben.
Hannah Crepaz wächst als Tochter von Maria und Gerhard Crepaz in Hall in Tirol auf. Ihre Eltern sind die Mitbegründer und späteren Leiter der Galerie St. Barbara und zeichnen sich seit den 60er-Jahren dafür verantwortlich, Kunst und Kultur von höchster Qualität nach Tirol zu bringen. Das erreichen sie mit Vorstellungen zahlreicher Weltstars wie John Cage, dem Alban Berg Quartett, Jordi Savall, René Jacobs und vielen mehr, die im Rahmen von Veranstaltungsreihen wie dem Osterfestival (vorher „Musik der Religionen“) und musik+ in der kleinen Stadt auftreten. Auch japanische Puppenspieler, Tibetische Mönche und das Königliche Ballett Kambodscha kommen auf Initiative der Familie Crepaz nach Hall. Viele der Künstler werden zu Freunden, essen während ihrer Aufenthalte in der Küche der Familie, wo im Übrigen auch so manches Festival organisiert wurde. So hat Hanna Crepaz von Kindesbeinen an einen ganz natürlichen Zugang zum kulturellen Geschehen der Zeit.
Ihre Eltern nahmen die junge Hannah und ihre Geschwister auch schon mal aus der Schule, um etwa Konzerte oder Theatervorstellungen zu besuchen: „Einmal fuhren wir nach Paris zu Ariane Mnouchkine, einer der größten Theatermacherinnen. Das sind Dinge, die man nie wieder vergisst. Und wenn es halt nur zu diesem Zeitpunkt geht und wenn es unwiederbringlich ist, ist ein verpasster Tag in der Schule nicht so tragisch.“ Ob Hannah Crepaz den Leitsatz ihres Vaters “Ein verpasster Tag in der Schule ist ein gewonnener Tag für’s Leben” als Kind immer so toll fand und wie sie das Aufwachsen unter Kulturschaffenden geprägt hat, erzählt sie uns im Interview.
Wenn Hannah Crepaz heute mit ihrer 10jährigen Tochter Kulturveranstaltung besucht, erntet sie schon mal kritische Blicke. Und ärgert sich darüber. „Ich merke immer mehr, wenn man am Abend irgendwo hingeht, dass Kinder nicht mehr existent sind. Aber ich finde es schön, wenn Kinder dabei sein können“, plädiert die Obmann-Stellvertreterin der Tiroler Kulturinitiativen für einen offeneren Kulturzugang für Kinder. Auch die Schule sei in der Pflicht, das kreative Potential von Kindern verstärkt zu fördern: „Das Kreative ist ein unglaublich wichtiger Ausgleich, bei dem man sehr viel lernen kann: wie man mit Menschen umgeht, wie man Konflikte bewältigt. Man lernt, auf anderen Ebenen zu denken - und nicht nur an den Nutzen für das System.“ Dass man Kinder mit Kontakt zu Kultur oder dem Besuch von Abendveranstaltungen überfordert, findet die gebürtige Hallerin übrigens nicht. Vielmehr stellt sie sich die Frage, mit welchem Recht Erwachsene entscheiden, was ein Kind machen kann und was nicht. „Ich glaube, wir unterfordern unsere Kinder.“
Dass Hannah Crepaz in die Fußstapfen ihrer Eltern treten wollte, war ihr schon früh klar – aber sie wollte es auf ihre Art machen. Im Podcast erzählt sie uns, wie herausfordernd der Generationenwechsel bei der Leitung des Osterfestivals war und wie sie letztlich doch gelang. Wir sprechen mit ihr auch darüber, wieviel Arbeit es ist, aufgrund einer Pandemie Veranstaltungen abzusagen, ob der Konsum von Kultur ein Privileg ist und was sie damit meint, wenn sie sagt, dass wir in einem neuen Biedermeier leben. „Ich möchte die Leute ein bisschen herausfordern, aber nicht vor den Kopf stoßen“, erklärt sie, warum auch zeitgenössische Kunst ein wichtiger Bestandteil ihrer Veranstaltungsreihen ist. Und zuletzt räumt sie noch mit einem großen Vorurteil gegenüber den Tirolern im Allgemeinen auf.
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Familie Crepaz
Robert Prosser ist ein Grenzgänger. Der Tiroler Autor reist in die Konfliktherde der Zeitgeschichte und bewegt sich stilistisch zwischen Prosa und Lyrik, zwischen Reisejournalen und Slam Poetry. Was in Roberts Büchern passiert, ist auch Teil seines Lebens: Seine letzten beiden Romane “Phantome” (2017) und “Gemma Habibi” (2019) führten ihn von Bosnien und der Welt der Street Art bis nach Syrien und in die Boxclubs von Wien Ottakring. Seit der Nominierung für den Deutschen Buchpreis für “Phantome” gilt Robert als eine der lautesten und renommiertesten literarischen Stimmen des Landes. Wir haben ihn in im stillen Alpbach besucht.
In der ersten Ausgabe von „Das K“ sprechen wir mit Robert Prosser über Boxerklischees, Kämpfe, Angsterfahrungen und den Antrieb zu schreiben. Außerdem erzählt der Amateurboxer und literarische Shootingstar, wie man vorverurteilten Menschen eine Stimme gibt und wie sein neuester Roman „Gemma Habibi“ eigentlich heißen sollte.
Als junger Erwachsener braucht Robert Prosser Abstand – vor allem von Alpbach, dem Ort seines Aufwachsens und der dort empfundenen Enge. Rap, Hip-Hop und Graffiti werden zur Leidenschaft, es folgten Reisen in den asiatischen Raum. In dieser Zeit sind es vor allem die wenig bereisten Fleckchen Erde, die den jungen Backpacker anziehen. Robert möchte möglichst viele „Kilometer machen“, so viel sehen und tun, wie nur irgendwie möglich. Während einer dieser Reisen formt sich der Wunsch, Schriftsteller zu werden. Zunächst findet er seine literarische Heimat auf der von Markus Köhle gegründeten Poetry Slam-Bühne in Innsbruck, wo er sich probieren kann.
Im Jahr 2007 ruft Prosser schließlich gemeinsam mit Martin Fritz, Stefan Abermann und Markus Koschuh die Lesebühne „Text ohne Reiter“ ins Leben. Zwei Jahre später erscheint sein Erstlingsroman „Strom“. In dieser Phaser wandelt Prosser sich auch vom erlebnishungrigen Rucksacktouristen zum bewussten Reisenden.
„Phantome“ (2017) – in dem Prosser den Bosnenkrieg thematisiert - bezeichnet er als Knackpunkt dafür. Interviews und Hintergrundwissen werden ihm wichtig, er will Menschen von nun an die Möglichkeit geben, ihre eigene Geschichte zu erzählen und verstehen, was hinter diesen dramatischen Ereignissen steht. „Menschen – gerade wenn es um so heftige Erfahrungen wie Krieg und Flucht geht – sind froh, wenn sie darüber reden können. Einem Fremden gegenüber fällt das leichter“, erzählt der Autor von seinen Recherchen zum Buch.
Durch die Distanz wird Alpbach für Prosser nach zehn Jahren wieder zum Rückzugsort, in dem er sich mittlerweile ungebunden fühlt. Dessen Freiheit ihm einen Raum schafft, in dem das Schreiben leichtfällt. Im Interview erzählt uns der preisgekrönte Autor, warum das Kreative im kleinen Tiroler Ort besser gelingt als in der Großstadt Wien, wo er ebenfalls zu Hause ist.
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