Marco und Jan-Peer blicken auf 2025 zurück, diskutieren Fortschritte in der Schmerztherapie wie PRT und die neue Medikamentenklasse JOURNAVX und geben einen Ausblick auf 2026 mit Fokus auf individuelle Ansätze
Dr. med. Jan-Peer Rogmann
https://www.derschmerzcode.de
Die Ärztekammer Hamburg hat die Veranstaltung (Podcast) mit 1 Punkt anerkannt.
Der/Die CME-Punkt/e können unter der Angabe der notwendigen Schlüsselwörter bis zu 14 Tage nach der Veröffentlichung, unter folgendem Link, beantrag werden:
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Literatur und kurze Zusammenfassungen
(1) Goldstein, Pavel. (2025). Personal Danger Signals Reprocessing: New Online Group Intervention for Chronic Pain. 10.31234/osf.io/5h4xs_v1.
Zusammenfassung: Die Studie stellt Personal Danger Signals Reprocessing (PDSR) vor, ein 8-wöchiges Online-Gruppenprogramm für Menschen mit chronischen (vor allem noziplastischen) Schmerzen. Ziel ist es, die Interpretation von Gefahrensignalen im Nervensystem zu verändern, statt den Fokus auf körperliche Schäden zu legen. In einer Pilotstudie mit 19 Teilnehmerinnen zeigte die PDSR-Gruppe im Vergleich zu einer Warteliste deutlich reduzierte Schmerzen, weniger Alltagsbeeinträchtigung sowie verbessertes Wohlbefinden, Schlaf und psychische Belastung. Die Effektstärken waren teilweise hoch. Die Ergebnisse sind vielversprechend, aber aufgrund der kleinen Stichprobe und des Pilotdesigns noch vorläufig. Größere, kontrollierte Studien sind notwendig.
(2) Ashar YK, Low EL, Knight K, et al. Pain Reprocessing Therapy vs Placebo and Usual Care for Patients With Chronic Back Pain: 5-Year Follow-Up of a Randomized Clinical Trial. JAMA Psychiatry. 2025;82(10):1049–1051. doi:10.1001/jamapsychiatry.2025.1844
Zusammenfassung: Die 5-Jahres-Nachuntersuchung einer randomisierten klinischen Studie zeigt, dass Pain Reprocessing Therapy (PRT) bei chronischen Rückenschmerzen langfristig wirksam ist. Auch fünf Jahre nach der Behandlung berichteten deutlich mehr Patient:innen der PRT-Gruppe über stark reduzierte Schmerzen oder Schmerzfreiheit als in den Vergleichsgruppen mit Placebo oder üblicher Standardversorgung. Zusätzlich deuten die Ergebnisse darauf hin, dass PRT nachhaltige Veränderungen in der zentralen Schmerzverarbeitung bewirkt, indem Schmerz weniger als Zeichen von körperlichem Schaden und stärker als veränderbares Nervensystem-Signal wahrgenommen wird. Die Studie unterstreicht damit das Potenzial von PRT als dauerhafte, nicht-medikamentöse Therapieoption bei chronischem Rückenschmerz.
(3) Kallweit, A., Schubiner, H. Pain Reprocessing Therapy – Schmerz neu denken. Schmerz 39, 270–277 (2025). https://doi.org/10.1007/s00482-025-00889-3
Zusammenfassung: Der Artikel beschreibt Pain Reprocessing Therapy (PRT) als einen psychotherapeutischen Ansatz zur Behandlung chronischer, insbesondere noziplastischer Schmerzen. Ziel ist es, Schmerzen nicht primär als Zeichen von Gewebeschädigung zu verstehen, sondern als Ergebnis einer fehlregulierten Schmerzverarbeitung im Nervensystem. PRT kombiniert Schmerzaufklärung, emotionale Verarbeitung und gezielte kognitive Techniken, um Angst vor Schmerz zu reduzieren und das Nervensystem zu beruhigen. Die Autoren fassen die bisherige Studienlage zusammen und sehen PRT als vielversprechende Ergänzung bestehender multimodaler Schmerztherapien, weisen aber auch auf den Bedarf weiterer Forschung hin.
(4) Algesiologikum Tagesklinik für Schmerzmedizin. Gleichgewicht gegen den Schmerz: Effekte eines Gleichgewichtstrainings bei chronischem Rückenschmerz – Eine randomisierte Cross Over Studie [Poster]. Deutscher Schmerzkongress; 2025 Okt 22; Mannheim, Deutschland. Ergebnisse präsentiert von Algesiologikum GmbH. Nicht peer reviewed.
Zusammenfassung: Die Studie untersuchte, ob gezieltes Gleichgewichtstraining bei Menschen mit chronischem Rückenschmerz positive Effekte hat. In einer randomisierten Cross-over-Studie absolvierten die Teilnehmenden sowohl eine Phase mit Gleichgewichtstraining als auch eine Kontrollphase. Die Ergebnisse zeigten, dass das Gleichgewichtstraining zwar nicht zwingend die Schmerzintensität deutlich senkte, aber die körperliche Funktion, Stabilität, Körperwahrnehmung und den Umgang mit dem Schmerz im Alltag verbesserte. Die Studie unterstreicht, dass Gleichgewichtstraining eine sinnvolle Ergänzung innerhalb multimodaler Schmerztherapie sein kann, insbesondere zur Förderung von Sicherheit, Bewegungskompetenz und Selbstvertrauen.
(5) Gkikas, Stefanos & Fernandez Rojas, Raul & Tsiknakis, Manolis. (2025). PainFormer: A Vision Foundation Model for Automatic Pain Assessment. IEEE Transactions on Affective Computing. PP. 1-18. 10.1109/TAFFC.2025.3605475.
Zusammenfassung: Die Studie stellt PainFormer vor, ein KI-basiertes Vision-Foundation-Model zur automatischen Schmerzerkennung. Das Modell kombiniert Videoaufnahmen (z. B. Mimik, Bewegung) mit weiteren visuellen Merkmalen, um Schmerz objektiv und kontinuierlich einzuschätzen. PainFormer zeigt eine hohe Genauigkeit und ist klassischen KI-Modellen überlegen, insbesondere bei komplexen oder subtilen Schmerzsignalen. Ziel ist es, Schmerzen besser zu erfassen bei Menschen, die sich nicht oder nur eingeschränkt äußern können (z. B. Kinder, ältere oder intensivmedizinische Patient:innen). Die Arbeit gilt als wichtiger Schritt hin zu objektiver, technologiegestützter Schmerzdiagnostik, befindet sich aber noch im Forschungsstadium.
(6) RPTU Kaiserslautern Landau. POINT Pain: Studie zur personalisierten psychotherapeutischen Behandlung chronischer Schmerzen [Studienankündigung]. Landau (DE); 14 May 2025. Available from: https://rptu.de/newsroom/pressemitteilungen/detail/news/neue-studie-zur-psychotherapie-bei-chronischen-schmerzen-startet an der rptu in landau
Zusammenfassung: Die POINT Pain-Studie ist ein neues Forschungsprojekt an der RPTU Kaiserslautern Landau, das die Wirksamkeit psychotherapeutischer Behandlung bei chronischen Schmerzen untersucht. Ziel ist es, herauszufinden, ob eine personalisierte psychologische Therapie bessere Ergebnisse erzielt als eine standardisierte Verhaltenstherapie. Alle Teilnehmenden durchlaufen dabei beide Therapieformen, was direkte Vergleiche ermöglicht. Zusätzlich werden Alltagserfahrungen über eine Smartphone App erfasst, um Therapieprozesse realitätsnah zu begleiten. Studienteilnehmende sind Erwachsene mit chronischen Schmerzen ≥ 6 Monaten; Sitzungen finden in Präsenz oder per Video statt.
(7) Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema „Interdisziplinäre Ansätze in der Neurowissenschaft des Schmerzes im Rahmen des ERA-NET NEURON“.
https://www.gesundheitsforschung-bmftr.de/de/18063.php?utm_source=chatgpt.com
(8) Suzetrigin (Journavx)
https://www.fda.gov/news-events/press-announcements/fda-approves-novel-non-opioid-treatment-moderate-severe-acute-pain
(9) Osteen JD, Immani S, Tapley TL, Indersmitten T, Hurst NW, Healey T, Aertgeerts K, Negulescu PA, Lechner SM. Pharmacology and Mechanism of Action of Suzetrigine, a Potent and Selective NaV1.8 Pain Signal Inhibitor for the Treatment of Moderate to Severe Pain. Pain Ther. 2025 Apr;14(2):655-674. doi: 10.1007/s40122-024-00697-0. Epub 2025 Jan 8. PMID: 39775738; PMCID: PMC11914629.
Zusammenfassung: Die Studie von Osteen et al. (2025) beschreibt Suzetrigine, einen hochselektiven NaV1.8-Inhibitor, der gezielt die Weiterleitung von Schmerzsignalen im Nervensystem blockiert. NaV1.8-Kanäle spielen eine zentrale Rolle bei der Übertragung von moderaten bis starken Schmerzen, und Suzetrigine reduziert durch ihre Hemmung die neuronale Erregbarkeit. Präklinische und erste klinische Daten zeigen eine hohe Selektivität und Potenz gegenüber NaV1.8 bei minimalen Effekten auf andere Natriumkanäle, was auf geringere Nebenwirkungen hinweist. Damit stellt Suzetrigine einen vielversprechenden Ansatz für die gezielte, nicht-opioide Behandlung von moderaten bis schweren Schmerzen dar, einschließlich neuropathischer und entzündlicher Schmerzformen.
(10) Keam SJ. Suzetrigine: First Approval. Drugs. 2025 Jun;85(6):845-851. doi: 10.1007/s40265-025-02178-w. Epub 2025 May 5. PMID: 40323340.
Zusammenfassung: Der Artikel berichtet über die erste Zulassung von Suzetrigine, einem selektiven NaV1.8-Inhibitor zur Behandlung von moderaten bis schweren Schmerzen. Suzetrigine wirkt gezielt auf die Schmerzsignalweiterleitung im Nervensystem, ohne andere Natriumkanäle wesentlich zu beeinflussen, was auf ein günstiges Sicherheitsprofil hinweist. Klinische Studien zeigten, dass Suzetrigine effektiv Schmerzen lindert, einschließlich neuropathischer und entzündlicher Schmerzformen. Die Zulassung markiert einen wichtigen Schritt für nicht-opioide, gezielte Schmerztherapie.
Die Zusammenfassungen wurden mit der Unterstützung von ChatGPT erstellt.
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