Man ahnt es schon am Duktus des Buchtitels: Hier geht es um Menschen, die der Querdenken-Bewegung nahestehen, oder aber den historischen Vorläufern davon. Die wuchten ja auch gerne die ganz großen Wörter wie Diktatur und Zwangs-Irgendwas in ihre Verschwörungstheorien und glauben die „Wahrheit“ hinter der großen Weltverschwörung zu kennen.
Steffen Greiner ist Journalist und Buchautor. Man findet seine Texte heute in diversen Musikmagazinen wie den Musikexpress, er macht beim Magazin „Die Epilog“ sehr aktiv mit und schreibt über Kultur und Politik in zahlreichen Tageszeitungen – meistens jenen, mit leichtem Linksdrall. 2020 war er einer von vier Autor*innen von „Liebe, Körper, Wut & Nazis: Wie wir beschlossen, uns alles zu sagen“ – ein interessantes Experiment, bei dem drei befreundete Autoren und eine Autorin über die genannten Themen schreibend diskutieren. Dieses und auch sein neues Buch sind im Tropen Verlag erschienen.
„Die Diktatur der Wahrheit“ hätte ja eigentlich das Buch zur Stunde sein müssen: Bevor der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine losbrach, waren die Querdenker-Bewegung und die Pandemie die prägenden Themen – der Hass und der Irrsinn, der aus zahlreichen Telegram-Gruppen tropfte, faszinierte und verstörte die Menschen. Gefährliche und immer bekloppter argumentierende Typen wie Xavier Naidoo und Attila Hildmann faselten rassistische, paranoider Mist .
Steffen Greiner nimmt sich nun aber nicht nur die aktuellen Strömungen und Charaktere vor: Er begibt sich auf eine persönliche, historische Spurensuche, die bis in die letzten Jahrhunderte zurückreicht. Und er tut das nicht unbedingt in der Sprache eines klassischen Sachbuchs. Steffen ist selbst eine sehr präsente Erzählt-Stimme und betont immer wieder, wo er selbst steht und was die Recherche mit ihm macht. Das haben ihm einige Kritikerinnen und Kritiker vorgehalten – ich finde es allerdings gerade bei diesem Thema sehr passend. Denn Steffen grenzt sich auf persönliche Weise von den Strömungen ab, die er dort beschreibt – und er lässt trotzdem durchblicken, dass ihn einige Charaktere durchaus faszinieren, obwohl deren Ansichten gefährlich und wirr sind.
Wenn ihr jetzt neugierig geworden seid auf „Die Diktatur der Wahrheit“ dann haben wir wieder zwei Bücher für euch. Schickt uns einfach eine Mail mit eurer Postadresse und dem Buchtitel als Betreff an [email protected] und mit ein wenig Glück, habt ihr es bald im Postfach.