🔎 Bronchoskopie im Überblick
Die Bronchoskopie ist ein diagnostisches und therapeutisches Verfahren zur Beurteilung von Trachea und Bronchien.
Kernanwendungen:
• Sekret absaugen
• Blutungsquellen lokalisieren und behandeln
• Fremdkörper entfernen
• Biopsien gewinnen
• Tumoren und Stenosen beurteilen
• in Spezialfällen Dilatation oder Stentimplantation
🫁 Flexible vs. starre Bronchoskopie
Flexible Bronchoskopie:
• Standard für die meisten diagnostischen Fragestellungen
• transnasal oder transoral möglich
• geeignet für Inspektion, Lavage, Biopsie
Starre Bronchoskopie:
• meist in Allgemeinanästhesie
• wichtig bei zentralen Stenosen, relevanter Hämoptyse, großen Fremdkörpern und interventionellen Eingriffen
⚠️ Vorbereitung und Sicherheit
Vor dem Eingriff wichtig:
• klare Indikation
• Oxygenierung, ggf. Blutgase
• Gerinnung, Thrombozyten, Nierenfunktion
• antithrombotische Medikation
• Allergien, v. a. gegen Lokalanästhetika
• Nüchternheit bei elektiven Eingriffen
Monitoring:
• Pulsoxymetrie
• Blutdruck
• idealerweise EKG
• bei Risikopatient:innen/Kurzsedierung auch Kapnographie sinnvoll
💉 Sedierung und Lokalanästhesie
Häufig verwendet:
• Lidocain zur lokalen Atemwegsanästhesie
• Midazolam und ggf. Fentanyl in vorsichtig titrierter Gabe
Wichtig:
• kumulative Lidocain-Dosis beachten
• auf Zeichen der Lokalanästhetika-Toxizität achten
• Antagonisten bereithalten: Flumazenil, Naloxon
• Atemdepression und Hypotonie mitdenken
🧭 Wichtige Indikationen
• Verdacht auf Bronchialkarzinom
• Probengewinnung bei endobronchialen Läsionen
• Abklärung peripherer Herde mit Zusatzverfahren
• Infektionsdiagnostik bei unklaren Infiltraten
• Sekretretention und Atelektasen
• Hämoptyse
• Fremdkörperaspiration
• interventionelle Therapie zentraler Tumorstenosen
• fiberoptische Intubation beim schwierigen Atemweg
📡 EBUS: Ultraschall von innen
EBUS = endobronchialer Ultraschall
Besonders relevant für:
• mediastinale und hiläre Lymphknoten
• transbronchiale Nadelaspiration
• Diagnostik und Staging von Lungentumoren
Praxispunkt:
Die Probenlogistik ist entscheidend: Zytologie, Histologie, Zellblock, Mikrobiologie und molekulare Diagnostik vorab planen.
🧪 Bronchiallavage
Gewinnt Material aus den größeren, zentralen Atemwegen.
Typische Einsatzgebiete:
• mikrobiologische Diagnostik
• Pneumonieverdacht, besonders bei intubierten Patient:innen
Vorteile:
• technisch einfach
• schnell
• auf Intensivstation praktikabel
Limitation:
• höhere Kontaminationsgefahr
• Befunde immer im klinischen Kontext interpretieren
🌫️ Bronchoalveoläre Lavage (BAL)
Gewinnt Material aus kleinen Atemwegen und Alveolen.
Technik:
• Bronchoskop in Wedge-Position
• Spülung mit steriler Kochsalzlösung in mehreren Aliquots
• vorsichtige Aspiration
Wichtige Indikationen:
• interstitielle Lungenerkrankungen
• Alveolitis
• Sarkoidose
• Hypersensitivitätspneumonitis
• opportunistische Infektionen
• diffuse alveoläre Hämorrhagie
Typische BAL-Hinweise:
• Alveolarmakrophagen sprechen für tiefe Atemwegsprobe
• viele Plattenepithelien sprechen eher für Kontamination
📍 Praktische Merksätze
• Bronchiallavage ≠ BAL
• Bronchiallavage: zentral
• BAL: peripher/alveolär
• Bildgebung vor der Bronchoskopie immer selbst ansehen
• Fragestellung und Probenverarbeitung vor dem Eingriff festlegen
🩺 Nachsorge und Komplikationen
Nach dem Eingriff beachten:
• nichts essen oder trinken bis sicherer Schluckreflex zurück ist
• nach Biopsie an Pneumothorax denken
• geringe Blutbeimengungen möglich, zunehmende Hämoptyse abklären
• nach Sedierung keine aktive Teilnahme am Straßenverkehr
✅ Quintessenz
Bronchoskopie ist kein Einzelakt, sondern ein diagnostischer Prozess. Entscheidend sind:
• gute Vorbereitung
• passende Technik
• gezielte Probengewinnung
• saubere Logistik
• Interpretation immer zusammen mit Klinik und Bildgebung