Der Parteisekretär Günter Schabowski hat sich ein Denkmal gesetzt, gerade - das ist selten - weil er schlecht vorbereitet war. In Vergessenheit geraten ist dagegen sein Pendant, der damalige Fragesteller Riccardo Ehrmann. Ohne ihn wäre die Mauer vermutlich auch gefallen, aber nicht an diesem Abend. Welchen Sinn macht es im Angesicht beider Geschehnisse, also des Mauerbaus heute vor 60 Jahren und des Mauerfalls vor bald 32 Jahren, sich immer nur an eines zu erinnern? Der Beitrag ist ein Pladoyer für die Gleichzeitigkeit der Vergangenheit, die uns entgegentritt, wie schon Leopold von Ranke feststellte: Jede Epoche ist unmittelbar zu Gott. Und so steht und fällt sie und ist nun nur noch schwer zu finden, diese Mauer, verbreitet den Geist vergangener Engherzigkeit wie die Behauptung von Freiheit, je nachdem. Und was machen wir daraus?