Visionäre der Gesundheit

Enrico Jensch – COO für das internationale operative Geschäft bei Helios Health GmbH – über neue ambulante Versorgungskonzepte mit Start in Asien & Afrika


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In dieser Folge spricht Inga Bergen mit Enrico Jensch, COO von Helios Global Health. Er verantwortet neben dem internationalen operativen Geschäft auch die Sparten ambulante Versorgung und neue Geschäftsmodelle. Im Podcast gibt er Einblick in Struktur und Wandel des Konzern Helios, hin zu einem digital- und Patientenzentriertem Unternehmen.

Enrico Jensch erklärt, wie sie mit digitalen Konzepten Primärversorgung in ausländischen Märkten verbessern wollen und wie Trial and Error sie dazu geführt hat Gesundheitsversorgung aus Sicht der Patientinnen und Patienten und nicht aus Kassenstrukturen oder Legislaturperioden zu denken.

Zukünftige Versorgungswelten denken

Enrico Jensch ist Geschäftsführer bei Helios Privatkliniken GmbH, seit Kurzem ist er zudem als COO für Helios Global Health tätig. Die Helios Klinik ist nicht nur in vielen Ländern vertreten, sondern bringt viel Innovation mit sich [ab min. 3]. Es ist einer der größten Klinikkonzerne in Europa, stark aktiv in Deutschland vertreten. Hier sind sie mit 89 Kliniken unterschiedlichster Größe vertreten. Sie haben 640 kassenärztliche Sitze und das in 130 medizinischen Versorgungszentren. Für diese Größe sind 120 000 internationale Mitarbeitende und 70 000 Mitarbeitende in Deutschland tätig. Internationale Ausbreitung der Arbeit ist nur möglich, weil die Basis in Deutschland so trächtig ist.

Sie wollen als Unternehmen zukünftige Versorgungswelten denken, denn die Heutigen werden irgendwann obsolet, so Jensch. Er sagt wir müssen mit der uns präsentierten Realität umgehen. Ziel von ihm und dem Unternehmen: Spitzenmedizin zu den Patientinnen und Patienten bringen [ab min. 5]. Sie versorgen in den jetzigen Strukturen 20 Mio. Patientinnen und Patienten [ab min. 14]. Mit technisch Möglichkeiten wollen sie auf 100 Mio. Patientinnen und Patienten Kontakte wachsen.

3,50€ entscheiden über Art der Versorgung

Enrico Jensch positioniert sich und sagt, bislang ist immer aus Strukturen und nicht aus Patientinnen- und Patientensicht gedacht worden. Diese sollen empowert werden, sodass jeder individuell entscheiden kann, was er braucht [ab min. 7]. Innovation würde in Deutschland funktionieren, doch die Regulatorik steht im Weg, das führt zu Innovationsträgheit. Solange die Politik in Legislaturperioden denkt und nicht an die Zukunft der Menschen, verstreicht täglich Erfahrungsvermögen, das innovativ genutzt werden könnte. Enrico Jensch sagt klar, in Deutschland funktioniert Ambulantisierung deshalb so langsam, da die Vergütung in der stationären Versorgung deutlich besser ist als in der ambulanten. Es ist ein Fehler des Systems, nicht patientenzentrierte Versorgung zu denken. Das hat er und Helios in einem gemeinsamen Positionspapier mit dem AOK-Bundesverband erarbeitet [ab min. 23].

Helios innovative Ansätze:

1. Digitale Plattform Curalie: Medizin soll zu Hause stattfinden, mit einer Symptom – Checker App, Präventions- und Gesundheitsprogrammen, Telefon- und Videokonsultation. Es erfolgen individuelle Empfehlungen zu weiteren Schritten [ab min. 9].

2. Digital Hospital: telemedizinische Anwendung für Videosprechstunden, solitär oder mit Curalie. Online Terminbuchungen mit Möglichkeiten zur national und international Konsultation [ab min. 11].

3. Cube: Mobile Arztpraxis, die mit standardisierter Medizin ohne Ärztin oder Arzt aber mit mittlerem medizinischen Personal funktionieren kann. Optimal gehen alle drei Ansätze ineinander über.

Steigender Bedarf und sinkende Kapazitäten

Inga Bergen und Enrico Jensch erkennen die Hauptprobleme des demografischen Wandels und den Personalmangel an Fachkräften am Markt an [ab min. 17]. Die Versorgungsstrukturen verschieben sich von stationär auf ambulant. Enrico Jensch sagt, der Druck in die Ambulantisierung war vor der Pandemie deutlich größer [ab min. 20]. Seiner Ansicht nach macht Ambulantisierung Sinn, da vor allem Menschen, die in kürzerer Zeit gesund werden wollen und sich den Krankenhausaufenthalt evtl. nicht leisten können oder diesen nicht brauchen, zu Hause heilen können. Er sagt klar, die Wurzeln alles Übels für diesen langsamen Wandel ist unser Vergütungsmechanismus. 

„Wissen darum, dass die Demografie so ist wie sie ist und Wissen darum, dass Menschen in Deutschland mit der Erkenntnis der Pandemie, wo physische Medizin weniger erreichbar war, deutlich bereiter sind telemedizinischen Angebote oder mobile Angebote in Anspruch zu nehmen. Weil sie einfach eine Gesundheitsversorgung haben wollen, die sonst ausstirbt. Da wird von der KV üblicherweise negiert, ich weiß das, aber die Realität ist einfach die Realität und der muss man sich am Ende des Tages stellen“ [ab min. 18].

Doch auch Ärztinnen und Ärzte haben eine steigende Bereitschaft für telemedizinische Lösungen. Sie haben die Möglichkeit, das Berufsbild im Wandel zu sehen und sich in Zukunft für eine telemedizinische Karriere zu entscheiden, die Helios durch modernere Arbeitsbedingungen anbieten will. Denn warum sollte ärztliches Personal nur aus Klinik arbeiten dürfen? [ab min. 40].

Von Spanien lernen?! 

Spanien hat nicht nur ein komplett anderes Vergütungssystem, bei dem Gemeinden ein klar festgesetztes Budget für eine Populationsgröße haben und dieses verwalten müssen [ab min. 23], sondern die Menschen dort tragen ihre Gesundheitsinformation und die Ihrer Angehörigen in einer App immer mit sich [ab min. 29]. Enrico Jensch sagt das der Datenschutz hier in manchen Fällen Wohlstandsdiskussion sind, die nichts mit der Realität und dem Versorgungsbedarf von Menschen zu tun hat, Spanien macht uns vor, wie es auch anders geht. 

Motivation: Intrinsisch oder finanziell?

Curalie führt Digitalisierung im internationalen Kontext mit Start-up Charakter und über 100 Mitarbeitenden. Für Sinnhaftigkeit in dieser Arbeit muss man flexible bleiben [ab min. 36] und die erhobenen Daten müssen in der eigenen Hand bleiben, um zu digitalisieren und KI zu speisen. Im Gespräch stimmt Inga Bergen zu, das eine intrinsische Motivation wie bei Helios ein essenzieller Part für Erfolg ist, denn oft bieten Fördergelder eher finanzielle als intrinsische Motivation. Enrico Jensch und Helios wollen versuchen [ab min. 33] nur Fördermittel anzunehmen, wenn eine Sinnhaftigkeit vorhanden ist. 

„Ohne Medizin wäre alles andere nichts Wert“ [ab min. 39].

Enrico Jensch
Make or buy?

Helios profitiert, auch im Vergleich zur Konkurrenz, durch medizinische Expertise, die in Projekte und Umsetzungen mit einfließen können. Ganz rational entwickeln sie etwas selbst, wenn es (zeitlich) Sinn macht oder orientieren sich für die beste Lösung an Produkten auf dem Markt. Enrico Jensch sagt, die Kernkompetenz von Helios wird immer die Medizin sein [ab min. 37]. Denn die Erwartung für Inanspruchnahme von medizinischen Diensten wird weiterhin bestehen bleiben. Amazon, die mit one medical für 3,8 Mio. Euro 160 Allgemeinmediziner Praxen in den USA gekauft haben, haben einen fragwürdigen Ansatz [ab min. 40]. 

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