EVOMENTIS - Neurodivergenz, ADHS, Autismus und darüber hinaus

EVOMENTIS - Neurodivergenz, ADHS, Autismus und darüber hinaus

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EVOMENTIS - Neurodivergenz, ADHS, Autismus und darüber hinaus episodes

  • Panik

      Urvertrauen vs. Urangst, Generalisierte Angststörung
      Panik, Kontrole, Vorsorge, Unbekümmertheit

      Angst und Sorge ist oft pathologisiert,
      gefährliche Sorglosigkeit gilt eher als „normal“.

      Eine erhöhte Wachsamkeit und eine verstärkte Wahrnehmung von Risiken ist oft nur eine Anpassung und damit eine Folge von als existenziell bedrohlich empfundenen Situationen und damit im Kontext mit Trauma und Traumafolgestörungen zu sehen.

      Wer vorausschauend Gefahren und Risiken erkennt, die andere nicht wahrnehmen, gilt schnell als „Panikmacher“, als würden die Risiken von ihm bewusst konstruiert und erfunden. Wer sich aber nicht emotional und praktisch vorbereitet auf drohende Risiken, ist deren Eintreten meist hilflos ausgeliefert und reagiert tatsächlich panisch in diesen Momenten. Rückblickend heißt es dann oft „wieso muss denn immer erst was passieren“, dabei liegt der Ursprung der Achtlosigkeit in den Fähigkeiten und Bedürfnissen begründet die sich eher bei Neurotypischen wiederfinden bzw. Menschen die mit Urvertrauen und der festen Annahme durchs Leben gehen, alles würde schon immer gut gehen.

      1 hr 18 min
    • Konformität

        Das Neolitikum, die Jungsteinzeit, war der Beginn des sesshaften Menschen, der Siedlungen und Tempel errichtete, der sich an einem Ort für längere Zeit zusammen mit vielen anderen Menschen niederließ und spezialisieren konnte, indem er Städte und große Zivilisationen begründete.

        Die ersten bekannten Bauwerke die man heute kennt liegen in Göbekli Tepe in der heutigen Türkei und datieren auf etwas 10.000 vor Christus.

        Lange Zeit dachte man, dass nur sesshafte Völker Tempel gebaut haben, aber, dass möglicherweise der Tempelbau der Beginn der Sesshaftwerdung war, ist eine neuere Theorie und würde gut dazu passen, das Religion einen Identititätsstiftenden Aspekt hat, durch den es erst möglich wurde, dass sehr viele Menschen über lange Zeit an einem gemeinsamen Projekt gearbeitet haben, das keine unmittelbare Notwendigkeit hat.

        Die Fähigkeit sich auch abstrakten Zielen zu verschreiben, die nicht mit direkter Belohnung oder Glück zu tun haben, sondern eine langfristige Perspektive verfolgen, sowie die Fähigkeit in großen Gruppen von mehr als 100 Leuten an einem gemeinsamen Ziel zu arbeiten, sind möglicherweise auf genetische Veränderungen zurück zu führen, die sich bis heute im Bereich der Neurodiversität aufzeigen lassen.

        Sozialhierarchischen Prozesse,haben mit der Sesshaftwerdung die direkte persönliche gegenseitige Verantwortung teilweise ersetzt. Die Fähigkeit sich einem Anführer und seinen Zielen unterzuordnen, ohne diese selbst zu verstehen, erlaubt es erst komplexere Gemeinschaften zu bilden, die dennoch in eine gemeinsame Richtung arbeiten.

        1 hr 14 min
      • Autismus Spektrum

          ASS = Autismus Spektrum Störung
          Der offizielle aktuelle Begriff, beschreibt ein Spektrum und fasst damit verschiedene frühere Diagnosebegriffe aus dem Autismus Bereich zusammen. Damit gelten Begriffe wie Asperger und Canner Autismus als überholt.

          Offiziell wird Autismus als Störung der sozialen Interaktion beschrieben, jedoch ist dies nur die Außenwirkung für andere und beschreibt Autismus in sich nicht sinnvoll. Tatsächlich sind Menschen im Autismus Spektrum sowohl empathisch, als auch sozial gut angepasst, wenn sie mit anderen Menschen mit ähnlicher Veranlagung zu tun haben. Probleme entstehen primär dort, wo unterschiedliche Neurotypen zusammentreffen und es zu Missverständnissen und Irritationen kommen. Das „Double Empathie“-Phänomen bezeichnet dabei den Umstand, dass man Empathie in beide Richtungen betrachten muss und es faktisch nie um ein Defizit auf einer Seite geht, sondern sowohl Allistische (ohne Autismus), als auch autistische Menschen Schwierigkeiten haben die jeweils anderen gut zu verstehen und zu interpretieren.

          Ursache ist vermutlich primär eine unterschiedliche Wahrnehmung, ein unterschiedlicher Bezug zur Welt. Insbesondere nehmen Menschen im Autismus Spektrum meist deutlich mehr Details wahr, was ihnenoft gute Fähigkeiten beim Erkennen von Mustern eröffnet, aber gleichzeitig sind sie vom Detailreichtum in der Wahrnehmung schneller überfordert und müssen sich stärker anstrengen um wesentliche Elemente bewusst herauszufilten und zu identifizieren. Allistische (Neurotypische) nehmen hingegen schon von vorneherein meist weniger Details wahr, sind damit weniger stark belastet, nehmen intuitiv nur ein bestimmtes Subset der Informationen wahr, benötigen damit weniger Ressourcen um Einzelaspekte zu identifizieren, aber haben damit auch zu weniger Informationen einen Zugang und können komplexe Details und Probleme weniger gut verstehen bzw. begreifen eventuell garnicht wo Menschen mit Autismus ein Problem entdecken.

          Lange galten Autismus und ADHS gegenseitig als Ausschlußkriterien, d.h. man konnte keinesfalls Beides haben. Inzwischen ist es umgekehrt, dass Menschen mit ADHS häufig auch eine Autismus Diagnose erhalten, und ebenso anders herum. Es gibt also deutliche Überlappungen und Zusammenhänge. Progressiv könnte man auch von einem Gesamtspektrum von ADHS und Autismus sprechen, mit fließenden mehrdimensionalen Übergängen. Viele Symptombereiche von ADHS und Autismus überlappen, ähneln und entsprechen sich.

          47 min
        • ADHS und K-PTBS

            ADHS = Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)
            ADS wäre die Variante ohne extern erkennbare Hyperaktivität,
            die man aber eigentlich nicht mehr unterscheidet.
            Auch die Unterteilung nach verschiedenen Grundtypen von ADHS ist eigentlich obsolet und der Name ADHS besteht eigentlich nur aus den extern erkennbaren Symptomen die andere Menschen am meisten gestört haben, die aber überhaupt nicht erklären was ADHS ist.

            K-PTBS = Komplexe Post-Traumatische Belastungs-Störung ist ein Begriff der neuer ist als PTBS = Post-Traumatische Belastungs-Störung, die man von konkreten Einzelereignissen ableitet, die man als existenzbedrohlich empfunden hat. Bei K-PTBS findet man meist keine Einzelereignisse, sondern eine Vielzahl von Ereignissen oder eine längere Periode die durch erhebliche existenzielle Unsicherheit und Bedrohung geprägt wird und oft (aber keineswegs nur) in der Kindheit.

            ADHS und K-PTBS überlappen sich stark in ihrer Symptomatik, aber haben auch spezifische Einzelaspekte, werden in der Diagnostik aber immer noch unterschieden, wobei da schwierig ist und der Aspekt, dass sich beides gegenseitig stark beeinflusst und verstärkt viel zu wenig zur Geltung kommt.

            ADHS bei Erwachsenen und bei Frauen war lange Zeit massiv unterschätzt und unterdiagnositiziert und dies gilt aktuell immer noch für K-PTBS, insbesondere aus der Kindheit, insbesondere die allerersten Lebensjahre, noch vor der sprachlichen Entwicklung. Sowohl die K-PTBS aus der Kindheit, als auch ADHS in der genetischen Form zeigen sich bereits in der Kindheit und lassen sich somit auch nicht durch Symptome in der Kindheit differenzieren. Die ADHS Diagnostik ist hier relativ unscharf.

            Vermutlich gibt es aber bei ADHS auch deutliche genetische Aspekte, die sich aber mit den epigenetischen Aspekten von K-PTBS mischen können und beide zusammen führen zu einer unterschiedlichen Gen-Expression und über die Neuroplastizität führen beide zu entsprechenden Gehirnstrukturen, können sich also als Anpassung in ähnlichen neurologischen Strukturen manifestieren und lassen sich allein von daher eventuell kaum abgrenzen, liegen oft gemeinsam vor und wirken eng zusammen, sodass es immer lohnt es von beiden Seiten her zu betrachten und gleichermaßen auf mehreren Ebenen zu adressieren.

            Die wichtigsten Vertreter der zwei Denkrichtungen,
            die auch in der Podcast Episode referenziert werden.

            Russel Barkley: https://de.wikipedia.org/wiki/Russell_A._Barkley
            Garbor Maté: https://de.wikipedia.org/wiki/Gabor_Mat%C3%A9

            46 min
          • Epigenetik

              Die Epigenetik ist ein relativ neuer Forschungsbereich. Lange Zeit dachte man, dass Lebewesen nur durch ihre Genetik, also vorallem ihre DNA, und ihre individuellen Erlebnisse bestimmt wären. Alle Eigenschaften und Effekte unterschied man daher nur nach diesen zwei Kategorien. Durch die vollständige Dekodierung des menschlichen Genoms, dachte man, dass man alle Aspekte die sich vererben lassen komplett verstehen könnte. Viele wissenschaftliche Theorien gehen weiterhin von diesem Paradigma aus, obwohl man inzwischen weiß, dass die Gene alleine nicht die kompeltte Wahrheit sind und es etwas darüber hinausgehende gibt, das auf den Genen aufsetzt: Die Epigenetik.

              Dies ist eine Art Konfiguration die steuert, welche unserer Gene überhaupt zum Einsatz kommen und wie stark deren Einfluss ist. Spannend ist die Epigenetik insbesondere in der Traumaforschung, denn Erlebnisse, insbesondere traumatisierende, verursachen nachweisbare epigenetische Veränderungen und nehmen damit steuernden Einfluss darauf, wie unsere Genetik tatsächlich zum Einsatz kommt. Erlebnisse und genetisch vererbte Eigenschaften sind also keineswegs so strikt trennbar, wie man lange Zeit dachte.

              34 min
            • Evolutionäre Psychologie

                Evolutionäre Psychologie (oder auch „Evolutionspsychologie“) betrachtet psychologische Aspekte aus der Perspektive der evolutionären Entwicklung. Wie schon in der Episode „Anpassung“ beschrieben, resultieren viele unsere Fähigkeiten, Bedürfnisse und Mechanismen aus der Evolution und lassen sich gut aus der Evolution heraus erklären.

                Das heißt, das alles quasi einem „Zweck“ dient oder gedient hat, wobei in der Evolution hier keine einseitige Kausalität der Ursprung war, sondern die Umstände, die Eigenschaften von Individuen und das Überleben der damit korrelierenden Gene immer Hand in Hand gegangen sind.
                Das was nicht geeignet war, um das Überleben der entsprechenden Gene zu ermöglichen, ist mit der Zeit und über die Jahrmillionen verschwunden.

                Die letzten paar hundert Jahre, die wir in unseren Geschichtsbüchern stehen haben oder die kurze Zeit seit der Renaissance und der industriellen Revolution waren deutlich zu kurz um hier grundlegende genetische Anpassungen zu ermöglichen. Damit funktionieren wir zum allergrößten Teil entsprechend Mechanismen die viele tausend Jahre oder sogar Millionen von Jahren alt sind. Doch vieles davon bedient auch heute noch vorhandene Notwendigkeiten.

                Das zu verstehen eröffnet uns einen neuen, besseren Zugang zu uns und erlaubt es oft die Diskussion von der „Schuldfrage“ und dem Konzept von „Krankheit“, „Störung“ und „Defekt“ zu einer Diskussion über die Frage nach dem Zusammenspiel von Anpassungen, Notwendigkeiten und Situation zu bringen.


                26 min
              • Alles Anpassung

                  Sowohl in unserer evolutionären Entwicklung, als auch in unserer individuellen Lebensentwicklung unterliegen wir einem Anpassungsdruck aus dem heraus viele Verhaltensweisen und Eigenschaften von uns resultierend. Statt etwas nur als Abweichung, Störung oder Andersartigkeit zu begreifen, können wir vieles ebenso als eine Anpassung sehen, die einem konkreten Zweck und oft einer Notwendigkeit entspringt, ohne die wir als Spezies oder als Individuum nicht hätten überleben können.
                  Erwachsen nun aus solchen Anpassungen heraus Probleme, ist es wenig konstruktiv nur die Anpassung wegkurieren zu wollen, wenn man nicht auch die Ursachen betrachtet und die Notwendigkeit herausnimmt oder anerkennt. Fast alles bei uns sind Mechanismen die einen relevanten Zweck erfüllen oder zumindest erfüllt haben und daher kausal verankert sind.
                  Im Sinne der Evolution kann eine Anpassung aber auch vorauseilend sein, indem sie sich selbst erst den Kontext erschließt, für den sie eine besondere Eignung darstellt. Ohne solche Vorausanpassungen wären viele Entwicklungen und evolutionäre Neuerungen ausgeblieben.

                  45 min
                • Neurodiversität

                    Wir haben alle verschiedene Gehirne. Es gibt keine zwei Menschen mit einem gleichen Gehirn. Das heißt, es gibt strukturelle Unterschiede zwischen den Gehirnen, die sich auch darauf auswirken, wie man seinen Bezug zur Realität herstellt, wie man Dinge verarbeitet, welche Bedürfnisse und Fähigkeiten man hat.
                    Die alte Vorstellung ging davon aus, dass es ein „Normal“ gibt beim Menschen und sich alles daran orientieren müsste. Was davon abweicht wäre demnach eine Störung, aber so lässt sich dies nicht aufrecht erhalten. Normalität ist nach aktueller Erkenntnis bestenfalls soetwas wie eine dominante Häufung in einem gewissen Bereich, die wir durch die Mehrheit der Individuuen als scheinbare Normalität wahrnehmen.
                    Im Sinne der Neurodiversität lassen sich aber alle Menschen in einem mehrdimensionalen Spektrum einordnen, wobei das was man konventionell „normal“ nennt, dann nahe dem Durchschnitt liegt und als „neurotypisch“ bezeichnet werden kann, während Menschen mit einer größeren Abweichung zum Durchschnitt als „neurodivergent“ bezeichnet werden. Dabei gibt es aber weder den einen Typ „neurotypisch“, noch den einen Typ „neurodivergent“, sondern ebenso eine große Vielfalt in sich.

                    26 min
                  • Diagnose

                      Diagnosen sind ein wichtiges Hilfsmittel und Werkzeug und obwohl es das beste ist, was wir bisher haben, sind die heutigen Diagnosen und Kritierien alles andere als perfekt und in stetiger Entwicklung. Notwendig sind Diagnosen vorrangig um Leistungen gegenüber Krankenkassen begründen und abrechnen zu können. Sie erklären aber selten die wirklichen Mechanismen und den Unterbau. Und jede Diagnose ist eigentlich nur ein erfundener Begriff und ein mehr oder minder willkürlich definierter Kasten.


                      International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems
                      ICD-10 [Wikipedia] ; ICD-11 [Wikipedia]
                      ICD-11 Browser ; ICD-11 Browser

                      Siehe auch das Evomentis Glossar

                      33 min

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